3950 Sprichw�rter, Redewendungen, Idiome, gefl�gelte Worte



Gehe zu: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


(Mouseover f�r Erl�uterungen)

T

TabuDas �Verbot� kommt aus Polynesien: James Cook lernte den Begriff 1777 auf den Tonga-Inseln kennen. Ein Tabu war f�r die Eingeborenen etwas, das f�r eine bestimmte Gruppe auf Grund einer heiligen Sitte verboten war.

Tabula rasa...bedeutet eigentlich �Abgeschabte Tafel�, auch unbeschriebenes Blatt: So wurde im �bertragenen Sinne die Seele als vermeintlicher Ort der Erkenntnis der Menschen in ihrem urspr�nglichen Zustand, bevor sie Eindr�cke von der Au�enwelt empfing, bezeichnet. Konkret war �tabula rasa� in der Antike eine wachs�berzogene Schreibtafel, von der nach dem Beschreiben die Schrift wieder vollst�ndig entfernt werden konnte. Der Vergleich der Seele mit der beschreibbaren Wachstafel stammt von Platon, bei Aristoteles findet man �hnliches. Im Mittelalter wurde dieser Gedanke von mehreren Philosophen aufgegriffen, so von Albertus Magnus, Franciscus Mercurius van Helmont, Pierre Gassendi, Thomas Hobbes und John Locke. Der verwendet diese Vorstellung als Metapher f�r die menschliche Seele bei der Geburt (�ein unbeschriebenes Blatt�). Diese wird im Verlauf des Lebens durch die Erfahrung gepr�gt. In der Neuzeit hat Sigmund Freud diesen Begriff in seiner Abhandlung �Notiz �ber den Wunderblock� (1925) verwendet.

Tacheles reden...kommt aus dem Jiddischen und bedeutet �Zweck, zweckm��iges Handeln�, hebr�isch �Takl�. Wer - umgangssprachlich ausgedr�ckt - �Tacheles� redet, kommt ohne Umschweife zur Sache, ganz offen und deutlich auf das zu sprechen, worum es ihm geht. Heute meinen wir �jemandem unverbl�mt die Meinung sagen�. Literarisch belegt ist der Ausdruck erstmalig bei dem schlesischen Schriftsteller Gustav Freytag (1816-95).

Tageweise...nennt sich eine Ballade des mittelalterlichen Minnesanges, in der Trennung eines Liebespaares besungen wird.

Tagewerk...war urspr�nglich soviel Land, wie ein Mann an einem Tag mit einem Gespann umpfl�gen konnte.

Tal der AhnungslosenGegenden in der DDR, in denen kein Westfernsehen zu empfangen war, wie z.B. �Au�er Raum Dresden - ARD�. Diese Bezirke hatten die h�chsten Ausreisezahlen.

TamtamJemand, der �berm��ige Aufregung zeigt, wird oft mit dem Ruf: �Mach doch nicht so'n Tamtam!� zur Ruhe gebeten. Das Wort kam �ber Frankreich zu uns. Es ist die lautmalende Beschreibung der indischen Eingeborenentrommel.

TantalusqualenTantalos, Sohn des Zeus und K�nig von Phrygien, trieb seine Spielchen mit den G�ttern. Er stahl die �G�tterspeise� Ambrosia von der Tafel der G�tter und erz�hlte g�ttliche Geheimnisse weiter. Um die Allwissenheit der G�tter zu testen, schlachtete er gar seinen Sohn Pelops und setzte ihn den G�ttern als Festmahl vor, worauf die ihn zu endlosen Qualen verdammten: Er mu�te bis zum Kinn im Wasser stehen, aber immer, wenn er sich zum Trinken b�ckte, verschwand das k�hle Na�. �ber ihm hingen Fruchtzweige - sobald er nach ihnen griff, blies der Wind sie hinfort. So bezeichnen �Tantalusqualen� eigentlich Hunger und Durst, sp�ter jede Art von Schmerz und Qual, wenn etwas zum Greifen nahe, aber dennoch unerreichbar ist.

Tanz auf dem Vulkan...nennen wir eine gef�hrliche Lebensweise, eine gro�e Gefahr, die wir nicht bemerken (wollen), ein zweifelhaftes, verzweifeltes Vergn�gen am Rande des Todes. Umbr�che werden erwartet oder aber verdr�ngt: Der Spruch �Wir tanzen auf einem Vulkan� geht wohl auf den franz�sischen Politiker Narcisse-Achille comte de Salvandy (1795-1856) am Vorabend der Julirevolution 1830 auf dem Ball des Herzogs von Orleans zur�ck, andere vermuten den Ursprung bei Kaiser Napol�on Bonaparte (1769-1821) am 9. November 1799. Bekannt wurde die Redewendung wohl haupts�chlich durch Hans Steinhoffs (1882-1945) �beraus erfolgreichen gleichnamigen Film aus dem Jahre 1938, in dem Gustaf Gr�ndgens (1899-1963) den charismatischen Schauspieler Jean-Gaspard Debureau verk�rpert, der die B�rger von Paris dazu bewegt, K�nig Karl X. zu st�rzen.

Tanz ums goldene KalbGoldene K�lber gibt es viele: Macht, Geld, Besitz, Prestige, alles, was mit Befriedigung menschlicher Triebe und Bed�rfnisse zu tun hat. Wer heute den Ausdruck gebraucht, meint die Wertsch�tzung von Dingen, die das nicht verdienen. Das erste �Goldene Kalb� stammt aus der Bibel: Moses war gerade auf dem Berg Sinai, um von Gott die 10 Gebote zu empfangen. W�hrenddessen verlangten die Israeliten vom verbliebenen Anf�hrer Aaron ein G�tzenbild, das sie anbeten k�nnten. Er formte ein goldenes Kalb: �Fecit populus qu� iusserat deferens inaures ad Aaron quas cum ille accepisset formavit opere fusorio et fecit ex eis vitulum conflatilem dixeruntque hii sunt dii tui Israhel qui te eduxerunt de terra �gypti� - �Da reiss alles Volck seine g�lden Ohrenringe von jren ohren vnd brachten sie zu Aaron. Vnd er nam sie von jren henden vnd entwarffs mit eim griffel Vnd machte ein gegossen Kalb vnd sie sprachen Das sind deine G�tter Jsrael die dich aus Egyptenlande gef�ret haben�. (Exodus 32.3f). Die Israeliten umtanzten das Kalb und warfen jegliche Moral �ber Bord. Als Gott die Abtr�nnigen strafen will, bittet Mose um Gnade: �Placatusque est Dominus ne faceret malum quod locutus fuerat adversus populum suum� - �Also gerewet den Herrn das vbel das er drewete seinem Volck zu thun� (Exodus 32.14).

Tanzen wie der Lump am Stecken...kann man umgangssprachlich besonders im S�dwesten Deutschlands: Dabei zeigen die T�nzer einen derart gro�en Einsatz, da� Haare und Kleider scheinbar im Wind wehen - vergleichbar mit der Vogelscheuche, die der Wind r�ttelt und sch�ttelt und die nur bei einer Flaute ruhig steht.

TartarennachrichtDiese Bezeichnung f�r eine unglaubw�rdige Botschaft beruht auf einer wahren Begebenheit: Berittene tatarische Kuriere brachten w�hrend des Krimkriegs 1853-56 die Nachricht nach Bukarest, Sewastopol sei gefallen. Das war es in Wirklichkeit zwar noch nicht, die Nachricht �bte dennoch nachhaltigen Einflu� auf Politik und B�rse aus.

TartuffeDas Synonym f�r einen Heuchler oder Scheinheiligen ist Titelfigur und Name einer Kom�die des franz�sischen Schriftstellers und Kom�diendichters Moli�re (1622-73). Mit �Le Tartuffe� gelang ihm ein psychologisch differenziertes, zeitloses Bild eines Heuchlers. Da die satirischen Bez�ge auf Hof und Kirche un�bersehbar waren, durfte es f�nf Jahre lang nicht �ffentlich aufgef�hrt werden.

Taube Nu�...nennen wir manchmal salopp einen Versager oder Nichtsk�nner, der so gar nichts Vern�nftiges zustandebringt. Urspr�nglich bedeutete �taub� nicht nur eine fehlende H�rf�higkeit, sondern auch, da� eine Sache nicht den eigentlich zu erwartenden Inhalt hat, einfach nur ausgetrocknet, hohl, leer und somit nat�rlich v�llig wertlos ist. Der Begriff wurde oft symbolisch f�r Frauen gebraucht, die keine Kinder bekommen konnten.

Tauben Ohren predigen...kommt aus der Bibel: �Qui vides multa nonne custodies qui apertas habes aures nonne audies� - �Man predigt wol viel, Aber sie haltens nicht. Man sagt jnen gnug, Aber sie wollens nicht h�ren�. (Jesaja 42.20)

Tausendsassa...nennen wir umgangssprachlich eine Person, die sich durch zahlreiche Begabungen auszeichnet. Das Wort aus dem 18. Jahrhundert ist eine Ableitung von �tausend sa sa�, einem Hetzruf f�r Jagdhunde (vermutlich aus frz. �a - das), der �Tausendsassa� also wohl �einer, der Tausend dies und das ruft�.
Der Wiener Maler und Architekt Friedrich Stowasser (1928-2000) gab sich nicht ganz unbescheiden den K�nstlernamen �Tausendsassa Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser�.

Techtelmechtel...sagt der Volksmund zu einer mehr oder weniger heimlichen Liebschaft, die nur selten besonders leidenschaftlich ist und die meist auch nicht allzu ernst genommen wird, laut Karl Friedrich Wilhelm Wanders (1803-79) �Deutsches Sprichw�rter-Lexikon� von 1876 eine �Verabredung von zwei oder mehreren Personen �ber die Durchf�hrung irgendeiner Handlung, auch ein auf gegenseitigen Vortheil berechnetes, andern nachtheiliges Uebereinkommen�. Das Wort, das im 19. Jahrhundert aus dem �sterreichisch/s�ddeutschen Sprachraum eingedrungen ist, geht wohl auf das jiddische �tacht(i)� (heimlich, geheim) zur�ck, das mehrmals verschieden variiert wiederholt wird. Eine oft angenommene Herkunft vom italienischen �teco-meco� (Ich mit Dir, Du mit mir) ist hingegen nicht gesichert.

TeddyDer 26. Pr�sident der USA und passionierte B�renj�ger Theodore Roosevelt (1858-1919) alias �Teddy� ging im November 1902 einige Tage in Mississippi seinem Hobby nach - hatte aber kein Gl�ck: Die einzige Gelegenheit bot ein eher kleiner B�r (235 Pounds, etwas mehr als 2 Ztr.), den einer seiner Jagdhelfer entdeckt und einen Baum gebunden hatte. Roosevelt weigerte sich zu schie�en, der Vorfall wurde in der Washington Post vom Karikaturisten Clifford K. Berryman (1869-1949) illustriert und so zur Symbolfigur des Pr�sidenten.
Die zur gleichen Zeit in Amerika auftauchenden, von Margarete Steiff (1847-1909) in Giengen erfundenen Pl�schb�ren wurden sofort als �Teddys� bezeichnet. Bis 1908 stieg die Produktion von 3000 auf 975000 St�ck.


Die Karikatur aus der �Washigton Post� vom 16. November 1902
Bild: wikimedia.org

Teekesselchen...nennt man eigentlich einen unwissenden, ungeschickten Menschen, mit dem sich nix anfangen l��t, einen Dummkopf. Der Ursprung liegt in der Hallenser Studentensprache des fr�hen 19. Jahrhunderts, eine etymologische Deutung verweist auf das jiddische �kessil� (Narr). Die �bertragung auf das gleichnamige Gesellschaftsspiel meint, da� die Spieler sonst nichts mit sich anzufangen w��ten: Ein Spieler gibt die Hinweise zu einem Homonym, der andere sucht nach der Antwort - err�t er die L�sung nicht, erh�lt er weitere Hinweise. Auch �Teekesselchen� ist �brigens so ein Homonym: Einerseits ein kleiner Beh�lter f�r die Teezubereitung, andererseits das Gesellschaftsspiel.

T�te-�-t�teAllgemein wurde darunter lediglich eine vertrauliche Zusammenkunft unter vier Augen verstanden, sp�ter wandelte sich die Bedeutung hin zu einem �Sch�ferst�ndchen�. Urspr�nglich meinte die Redewendung (franz�sisch �Kopf an Kopf�) im 18. Jahrhundert allerdings einen besonders harten milit�rischen Kampf, bei dem keiner der Kontrahenten auch nur einen Schritt zur�ckwich.

Teufel in Menschengestalt...ist ein gemeiner, niedertr�chtiger Mensch, der in h�chstem Grade b�sartig und boshaft ist, soda� wir ihn mit dem H�llenf�rsten vergleichen.

Teures PflasterIm Mittelalter waren Pflaster, die �rzte gegen Gicht, Syphilis etc, verschrieben, recht teuer. Die �bertragung auf das Stra�enpflaster geschah wohl, weil Grund und Boden, Dienstleistungen, das Leben allgemein in der Stadt viel teurer waren, als auf dem Lande. Allerdings war es schon zu Zeiten der Alten R�mer �blich, wichtige Stra�en und Pl�tze - statt wie auf dem Lande mit billigem Schotter - aufwendig mit Pflastersteinen zu belegen. Die hohen Kosten holten die Stadtv�ter dann �ber saftige Abgaben wieder herein.

TingeltangelKennzeichnung der musikalischen Darbietungen von Vergn�gungsst�tten Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts. In einer �Berliner Publik�mmerlichen Phantasie� hei�t es:

  Es wird ein Schimmer sich verbreiten,
  wie noch kein Auge ihn gesehen:
  Der Spittelkirche Glocken l�uten
  und alle Wasserk�nste gehn!
  Rings t�nen Tingel-Tangel-Kl�nge.
  Fast glaubt man - w�r's nicht gar zu dumm,
  die Panke r�che wen'ger strenge!

Tinnef...finden wir in erstaunlichen Mengen auf dem Flohmarkt: Kleine Porzellanfiguren, Urlaubsandenken und allerlei unn�tzer Zierrat - eigentlich v�llig wertloser Kleinkram. Das Wort kam vom hebr�ischen �tinnuf� f�r �Schmutz, Verschmutzung, Kot� �ber das Rotwelsche zu seiner heutigen Bedeutung in der Umgangssprache.

TipDas englische Wort f�r �Trinkgeld� ist eine Abk�rzung von �to insure promptness� oder auf gut deutsch �um Schnelligkeit sicherzustellen�.

Tohuwabohu...nennen wir oft entsetzt ein v�lliges Wirrwarr im Kinderzimmer oder auf dem Schreibtisch. Das Wort steht in der Bibel ganz vorn, im zweiten Vers hei�t es im hebr�ischen Original: �Be Reshith bara Elohim et ha Shamajim v'et ha Arez, v'ha Arez haj tah tohu vabohu�. Die lateinischen Worte �Terra autem erat inanis et vacua et tenebr� super faciem abyssi et spiritus Dei ferebatur super aquas�, von Martin Luther (1483-1546) �bersetzt mit �Vnd die Erde war w�st vnd leer vnd es war finster auff der Tieffe Vnd der Geist Gottes schwebet auff dem Wasser� (Genesis 1.2), beschreiben den Zustand der Erde vor Beginn der Sch�pfung. Dieses �Tohuwabohu� bedeutet also �w�st und leer�, erst Gott hat das Chaos durch sein sch�pferisches Handeln zur�ckgedr�ngt, Zeit und Raum als Voraussetzung und Grundlage f�r das Leben schlechthin geschaffen und geordnet.

Toi, Toi, Toi...w�nschen wir uns bei einer schwierigen Aufgabe gegenseitig Gl�ck. Das h�ngt mit einem alten Volksglauben zusammen: Lob wurde allgemein gef�rchtet, weil es b�se Geister aufmerksam und neidisch machen konnte. Um kommendes Unheil abzuwehren, mu�te man deshalb sofort eine Schutzhandlung hinzuf�gen. Das wurde z.B. durch dreimaliges Klopfen auf Holz und den Ausruf �Toi, Toi, Toi� vollzogen, der lautmalerisch f�r dreimaliges Ausspucken steht. Der Speichel galt als unheilbannend, das Ausspucken vor einem Menschen war also urspr�nglich ein Abwehrzauber, kein Zeichen der Verachtung wie heute. Der Brauch hat sich besonders bei Schauspielern erhalten - wobei sie sich keinesfalls f�r ein �Toi, Toi, Toi� bedanken d�rfen -, aber auch die zuerst eingenommene M�nze, die Reichtum bringen, oder der Spielw�rfel, der Gewinn garantieren soll, wird bis heute gelegentlich bespuckt.

Toller Hecht...nennen wir seit dem 18. Jahrhundert einen Draufg�nger, jemanden, der wegen seiner Cleverne� und Unverfrorenheit bewundert wird. Davor stand der Hecht f�r einen r�uberischen Zeitgenossen, der andere auspl�ndert. Der bairische Naturforscher Konrad von Megenberg (1309-74) schrieb um 1350 in seiner Enzyklop�die �Buch der Natur�: �Pei dem hecht verst�n ich all w�etreich, die arm l�ut frezzent und auch ir aigen m�g und freunt verderbent� (Unter dem Hecht verstehe ich alle W�teriche, die arme Leute fressen und auch ihre eigenen Verwandten verderben; IIID, 18, S. 254). Die Definition pa�t auch auf den Raubfisch, der seine Artgenossen durchaus nicht verschm�ht.
Im Laufe der Zeit wurde die Bedeutung abgemildert und wandelte sich schlie�lich ins Positive - der Grund daf�r ist allerdings unbekannt.

TolpatschDie Bezeichnung f�r einen ungeschickten Menschen entlehnt im 17. Jahrhundert dem ungarischen �talpas� (breitf��ig, zu talp - Sohle) und bezeichnete zun�chst einen ungarischen Fu�soldaten, weil diese statt festen Schuhwerks breite, mit Schn�ren befestigte Sohlen getragen haben sollen.
Durch volksetymologische Umdeutung, die das Wort mit dem �hnlich klingenden �toll� (verr�ckt), �T�lpel� (ungeschickter, dummer Mensch) und �patschen� (schwerf�llig, laut auftreten, auch laut zuschlagen, ohrfeigen, mit der Peitsche knallen) assoziierte, wurde das Wort in seiner Bedeutung verallgemeinernd erweitert zu der heute �blichen Bezeichnung f�r einen Menschen, der sich ungeschickt oder t�lpelhaft verh�lt.

Tomaten auf den Augen...haben umgangssprachlich Zeitgenossen, die etwas Offensichtliches einfach nicht sehen (wollen), nicht bemerken. Die Wendung bezog sich urspr�nglich auf verquollene Augen und �tomat�s� ger�tete Bindeh�ute, wie sie jemand hat, der - noch reichlich verschlafen - seine Umwelt kaum richtig wahrnimmt.

Torschlu�panik...hat einer, der f�rchtet, zu einem bestimmten Termin nicht mehr rechtzeitig fertig zu werden, zusp�t zu kommen: Bis ins 19. Jahrhundert hinein mu�ten abends die Stadttore geschlossen werden. Kam man zusp�t, mu�te man drau�en �bernachten, wer fremd war, mu�te bis dahin die Stadt verlassen haben. Das war allemal unbequem und nicht ganz ungef�hrlich und so konnte mancher durchaus in Panik geraten, wenn man vor dem bereits verschlossenen Tor ankam. Die Stadt Leipzig verlangte noch bis 1824 einen �Torgroschen� von abendlichen Zusp�tkommern.

Totgesagte leben l�ngerDieses Sprichwort sagt aus, da� jemand oder etwas, das l�ngst totgeschwiegen war, sich wehrt und lebendiger denn je wie der ber�hmte �Phoenix aus der Asche� wieder emporsteigt. Seien es ber�hmte Personen, von denen man lange nichts mehr geh�rt, oder uralte bew�hrte Techniken, die der �Fortschritt� l�ngst �berrollt hatte - irgendwann stellt man fest, da� es denn doch nicht so schlecht war und alles kommt wieder. Der Ursprung k�nnte in der Auferweckung des Lazarus aus der Bibel liegen: Jesus findet Lazarus, der schon vier Tage im Grabe gelegen hatte, und weckt ihn wieder auf: �H�c cum dixisset voce magna clamavit Lazare veni foras et statim prodiit qui fuerat mortuus ligatus pedes et manus institis et facies illius sudario erat ligata dicit Iesus eis solvite eum et sinite abire�. - �Da er das gesagt hatte, rieff er mit lauter stimme, Lazare kom her aus. Vnd der Verstorbene kam her aus, gebunden mit Grabtuechern an fuessen vnd henden, vnd sein angesicht verhuellet mit einem Schweistuch. Jhesus spricht zu jnen, Loeset jn auff, vnd lasset jn gehen�. (Johannes 11.43f)

Trant�te...nennen wir gelegentlich wenig schmeichelhaft einen eher reaktionsschwachen Zeitgenossen. Das aus Walen und Robben gewonnene �l, das bis ins 19. Jahrhundert als Lampen�l und zur Herstellung von Seife und Margarine diente, ist sehr z�hfl�ssig. Wom�glich wurde es deshalb zur Herabw�rdigung von sehr langsamen Mitmenschen gebraucht.

Trara machen...wurde vom Klang der Trompete oder des Posthorns hergeleitet und fr�her, im Gegensatz zu heute, nicht nur negativ verwendet. So schreibt Theodor Fontane in �Gesammelte Werke� (1905): �Um die sechste Stunde kam sie wirklich mit L�rm und Trara, weil Leisesein nicht ihre Sache war�.

Tratsch und Klatsch...ist eine recht euphemistische Umschreibung f�r meist ziemlich dummes Geschw�tz, Gerede �ber das Privatleben anderer. W�hrend der Tratsch als noch als eher zielloses triviales Schwatzen und Erz�hlen durchgehen mag, werden beim Klatsch ganz absichtlich falsche Informationen und Ger�chte �ber nicht anwesende Personen in die Welt gesetzt. So harmlos diese Zwillingsformel an sich auch klingen mag: Das was - egal ob in der Nachbarschaft oder in den Medien - so an �Informationen� �ber Dritte ausgetauscht wird, geht nicht selten deutlich in Richtung Verleumdung und Hetzkampagne.

Trau, schau, wemL�gen ist fraglos eine S�nde. Das biblische �Du sollst nicht l�gen� wurde uns in fr�hester Kindheit nachdr�cklich eingebleut. Desungeachtet tut es jeder - jeden Tag. Es gibt unz�hlige Menschen, die allein ob ihrer sozialen Stellung per se einen schlechten Ruf haben, nicht selten gelten gar ganze Stadtteile als �schlechtes Pflaster�. Andererseits beruft sich so mancher auf seine vermeintlich erhabenere Herkunft oder seinen �ppigeren Kontostand und meint, einzig und allein deshalb eben jene Menschen ausbeuten, beschimpfen und diskriminieren zu k�nnen. Egal, ob Wirtschaftsbosse, �Heuschrecken� oder Politiker - da� Reichtum nur im Ausnahmefall auf ehrlicher, flei�iger Arbeit basiert, braucht an dieser Stelle nicht n�her er�rtert werden. Viel gravierender ist schlie�lich der sprichw�rtliche Appell: �Kuck Dir einen Menschen sehr genau an, bevor Du ihm vertraust�.
In ganz �hnlicher Form gab es diese Aufforderung zur Vorsicht schon im Lateinischen als �Fide, sed cui, vide� (Vertraue, aber achte darauf, wem); am bekanntesten wurde das Schlu�wort in �sops (um 600 a.C.) Fabel �Der L�we und die Ziege�, wo der hungrige Leu eine Ziege mit saftigem Gras in seine N�he locken will - doch die Ziege durchschaut seine Absicht und bleibt auf ihrem Felsen.

Tr�ume sind Sch�umeJeder Mensch hat so seine Tr�ume - die in der harten Realit�t oft schneller zerplatzen, als die Seifenblasen des Badeschaums. Die Wendung kommt aus dem Versdrama �La vida es sue�o� (Das Leben ist ein Traum) des spanischen Dichters Pedro Calder�n de la Barca y Barreda Gonz�lez de Henao Ruiz de Blasco y Ria�o (1600-81). Hier hei�t es:

 �Das h�chste Erdengut erscheint nur klein,
  Das ganze Leben nichts als ein Traum,
  Und Tr�ume sind Sch�ume�.

Traurig, aber wahr...f�gen wir oft umgangssprachlich einer bestimmten Aussage hinzu, um so zu bekr�ftigen, da� wir zwar mit jemandem mitf�hlen oder einen bestehenden Zustand bedauern, uns aber dennoch die H�nde gebunden sind und wir derzeit keine M�glichkeit sehen, die Situation positiv zu ver�ndern. Wir haben uns also irgendwann mit diesem Schicksal abgefunden.

Treppenwitz...nennt man - entlehnt dem franz�sischen �Esprit d'escalier� - Begebenheiten, die im Nachhinein absurd oder ironisch wirken: �Der Treppenwitz der Weltgeschichte - Geschichtliche Irrt�mer, Entstellungen und Erfindungen� war der Titel eines 1882 erschienen Geschichtsbuch des Bankiers, Schriftstellers und Enzyklop�disten William Lewis Hertslet (1839-98) und es enth�lt den wichtigen Satz: �Der Geschichte f�llt, gerade wie dem von der Audienz herunterkommenden Bittsteller, ein pikantes, gerade passendes Wort fast immer hinterher ein�. Dieses vergn�gliche Buch behandelt historische Ereignisse, die sich nie ereignet haben und Taten ber�hmter M�nner, die nie getan wurden, z.B. den �S�ngerkrieg auf der Wartburg�, der nie stattgefunden hat oder den �Gang nach Canossa�, der ein Erfolg und keine Dem�tigung gewesen ist. Allesamt �Treppenwitze der Weltgeschichte�. Heute wird der Ausdruck, abweichend von der eigentlichen Bedeutung, f�r �Ironie des Schicksals� oder unangemessenes, l�cherliches Verhalten verwendet.

Tretm�hleUrspr�nglich war die von der Antike bis noch ins 18. Jahrhundert benutzte Tretm�hle eine einfache mechanische Konstruktion, mit der meist Sklaven oder Str�flinge wie in einem �berdimensionalen Hamsterrad durch die Drehung andere mechanische Ger�te wie Mahlwerke, Wasserpumpen oder Hebevorrichtungen antreiben konnten. Angelehnt an dieses stumpfsinnige Tagewerk seufzt so mancher Arbeiter noch heute auf dem allmorgendlichen Weg zur Firma, da� er wieder zur�ck in die Tretm�hle mu�...

Treulose Tomate...titulieren wir gelegentlich einen Zeitgenossen, von dem wir uns vernachl�ssigt f�hlen oder den wir f�r unzuverl�ssig halten. Mit diesem Gem�se verbinden wir seit dem Ersten Weltkrieg die als treuebr�chig geltenden Italiener, die - an sich mit Deutschland und �sterreich-Ungarn verb�ndet - sich zun�chst v�llig aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraushielten, bis sie sich schlie�lich am 23. Mai 1915 f�r die Gegenpartei erkl�rten. Die Tomate, von Christoph Kolumbus (1451-1506) anno 1498 aus S�damerika nach Europa gebracht und mit viel Liebe und M�he auch in unseren Breiten angebaut, dankte es uns jedoch lange Zeit nicht. Das g�nstigere italienische Klima hingegen kam den roten Fr�chten sehr zupa�, also setzte man die untreuen, tomatenessenden Italiener irgendwann mit den so unzuverl�ssigen, kaum kultivierbaren Tomaten gleich.

Tribut zollen...m�ssen wir jemandem oder etwas, dem wir uns beugen, ein Opfer bringen m�ssen oder das wir ber�cksichtigen oder auch anerkennen. Der �Tribut� (vom lat. �tributum� - Beitrag, �ffentliche Abgabe) war ein Teil des Verm�gens, den jeder R�mer regelm��ig zum Zeichen der Unterwerfung oder Vasallentreue abzugeben hatte. In aller Regel war diese Steuer erheblich niedriger als heutige Abgaben und wurde - z.B. nach gewonnenen Kriegen - oft sogar zur�ckgezahlt. Die symbolische Bedeutung als Zeichen von Respekt und Unterordnung hat sich bis heute erhalten.

Trick 17 b mit Selbst�berlistung...wiesen wir in den 60er/70er Jahren ironisch auf etwas ganz besonders Ausgekl�geltes hin, das am Ende dann doch nicht funktionierte.
Vermutlich geht diese Wendung auf einen �Plan 17� des franz�sischen Generalstabs zur�ck, der zu Beginn des Ersten Weltkriegs das Eindringen der Deutschen in Elsa�-Lothringen bef�rchtete: Man verst�rkte die Truppen dort, um dem Feind eine Falle zu stellen, der marschierte jedoch im Norden �ber das neutrale Belgien ein - der Plan war gr�ndlich fehlgeschlagen.
Eine ganz andere Deutung: Als ein ber�hmter Magier auf mysteri�se Weise starb, entdeckte man angeblich in seinem Nachla� ein Verzeichnis seiner beeindruckendsten Zaubertricks mit kompletter Beschreibung des Verfahrens, aller ben�tigten Hilfsmittel und detaillierten Zeichnungen. Leider war das Manuskript unvollst�ndig - die letzten drei Seiten mit dem im Inhaltsverzeichnis aufgef�hrten �Trick 17� fehlten. Der Herausgeber des Werkes beklagt diesen Umstand besonders, �weil die vorangehenden Kunstst�cke in der Reihenfolge ihrer Numerierung von steigender Intensit�t sind und wir von Trick 17 die Kr�nung seines Lebenswerks erwarten durften�.
Wieder andere Quellen sehen den Ursprung dieser Redensart in �sterreich: Dort soll es einst eine M�nze mit dem Wert �siebzehn� gegeben haben, die einer anderen mit h�herem Wert verbl�ffend �hnelte. Pfiffige H�ndler sollen ihrer Kundschaft ganz gern diese niedrigere M�nze untergejubelt haben, um sie �bers Ohr zu hauen.
Noch eine andere Version vermutet, da� es sich um einen Kartentrick beim englischen �Whist� handele: Tricks werden in diesem Spiel �Stiche� genannt, �Trick 17� k�nnte einer sein, der 17 Punkte einbringt.
Eine - wenngleich nicht allzu glaubhafte - lustige Erkl�rung zum Schlu�: In Goldminen wurde man zum Feierabend gr�ndlich auf gestohlene Nuggets untersucht. Ganz Schlaue arbeiteten barfu� und sammelten den Goldstaub mit ihren Schwei�f��en auf. Zuhause in der Sonne getrocknet wurden die Zehen �gesiebt�, um das wertvolle Material zu gewinnen - mit Trick �Sieb Zehen� wirst Du reich...

Trittbrettfahrer...profitieren vom Handeln anderer, ohne selbst etwas dazuzutun und nutzten eine fr�her beliebte Methode von Schwarzfahrern bei �ffentlichen Verkehrsmitteln: So stellten sich nichtzahlende Fahrg�ste einfach aufs Trittbrett, soda� sie f�r den kassierenden Schaffner unerreichbar waren oder bei einer Kontrolle zumindest rechtzeitig abspringen konnten.

TrivialWichtiges besprach man im alten Rom auf dem Forum, dem zentralen Marktplatz. Wer nur ein bi�chen plaudern wollte, traf sich am �trivium� einer Kreuzung, Platz, Weggabelung, Scheideweg, Stra�e, Dreiweg, wo �tri via� (drei Wege) zusammenstie�en. �Trivial� war schlie�lich das, was man dort austauschte, Klatsch und Tratsch.

Troll Dich...sagen wir gelegentlich zu jemandem, der uns st�rt, dessen Anwesenheit nicht l�nger erw�nscht ist, der einfach verschwinden soll. Dieser Aufruf geht nat�rlich auf die �Trolle� zur�ck, die zumeist schadenbringende Fabelwesen in Riesen- oder Zwergengestalt aus der germanischen Mythologie, die in den H�usern gelegentlich ihr Unwesen treiben und also auch nicht so gern gesehen sind.

Tr�bsal blasenWer tr�bsinnig ist, verh�lt sich normalerweise still und posaunt sein Elend nicht hinaus. In der biblischen Offenbarung des Johannes ist jedoch von einer Zeit der Bedr�ngnis die Rede, die auch Jesus in den Evangelien ank�ndigt. Luther �bersetzte das griechische Wort �Thlipsis� (Angst, Druck), mit dem diese Zeit beschrieben wird, mit Tr�bsal. Zu dieser schrecklichen Epoche, die dem Weltende vorausgeht, geh�ren in der Offenbarung sieben Trompeten, die jeweils neues schreckliches Unheil bringen. Ihr Blasen vermehrt also die Tr�bsal oder Bedr�ngnis. Diese Schilderung k�nnte die Ursache f�r die Redewendung sein, aber auch die kirchliche Blasmusik, die bei einem Trauerzug gespielt wird: Langsame, schwere und klagende Mollt�ne umh�llen die Trauernden, tr�be Gedanken machen sich breit.
�brigens ist l�ngst nicht alles Tr�bsal, was geblasen wird...

Tschitscheringr�n...ist eigentlich gar kein Farbton, aber es kann durchaus doch einer sein und niemand wei� genau, wie er dann aussieht. Das Wort geht auf den russischen Politiker Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin (1872-1936) zur�ck, der am 16. April 1922 beim Vertrag von Rapallo in Genua einen Anzug undefinierbarer Farbe getragen haben soll. Farbfotografie gab es damals noch nicht und so wei� heute niemand mehr, ob es ein sehr helles gelblich-grelles Gr�n war oder eher ein dunkles erdig-schlammiges oder doch �berhaupt kein Gr�n. Auf jeden Fall mu� es unbeschreiblich h��lich gewesen sein.

Tsch��Wenn man sich zum Abschied �Tsch�߫ zuruft, sagt man eigentlich: �(Geh) mit Gott!� Der kurze Gru� leitet sich, genau wie �Ade� vom lateinischen �ad deum� (zu Gott) ab. �ber das wallonische �adjuus�, das franz�sische �adieu�, das spanische �adios� und das italienische �addio� ist es seit dem 17. Jahrhundert durch Seeleute in vielen Varianten wie �adj�s�, �adjes�, �tj�s� oder �atsch�s� zu uns eingewandert. Nur das immer beliebter werdende �tschau� stammt aus anderer Quelle: Hier stand das italienische Begr��ungs- und Abschiedswort �ciao� Pate - eine Verk�rzung des Wortes �schiavo�, das wiederum vom lateinischen �servus� kommt, was Diener oder Sklave bedeutet. Wer �ciao� ruft, meint also: �Ich bin Dein Diener� oder �Stets zu Diensten� - ein Gru�, den man guten Freunden vorbehalten sollte...

Tu Gutes und rede dar�ber...war einst der recht plakative Titel eines Buches von Georg-Volkmar Graf Zedtwitz von Arnim (1925-93). Der W�lzer aus dem Jahre 1961 gilt bis heute als Standardwerk f�r �Public Relations�.

Tu, was Du nicht lassen kannst...resignieren wir zuweilen ob der recht eigenwilligen Vorstellungen, die manch Zeitgenosse von den Dingen des Lebens hat. Der Spruch geht auf Erasmus Alberus (um 1500-53) zur�ck, bei dem es schon 1548 hei�t: �Gehe hin, und thu, das du nicht lassen kannst�.
In Gotthold Ephraim Lessings (1729-81) Trauerspiel �Emilia Galotti� aus dem Jahre 1772 soll im 3. Auftritt des 2. Aufzugs der Bandit Angelo die Protagonistin entf�hren. Dazu braucht er die Hilfe seines alten Kumpans Pirro, deren Bedienstetem. Als jener verzweifelt alle �berredungsversuche abwehrt, l��t Angelo ihn mit den Worten: �Thu, was Du nicht lassen kannst!� zur�ck.
Und auch in Johann Christoph Friedrich von Schillers (1759-1805) Drama �Wilhelm Tell� (1.1) beschlie�t der Titelheld, den fl�chtigen Konrad Baumgarten, den habsburgische S�ldner verfolgen, weil er den Burgvogt von Unterwalden erschlagen hat, trotz eines drohenden Unwetters in einem Kahn �ber den Vierwaldst�tter See ans rettende andere Ufer zu bringen:

 �Wohl aus des Vogts Gewalt errett ich Euch,
  Aus Sturmesn�ten mu� ein andrer helfen.
  Doch besser ist's, Ihr fallt in Gottes Hand,
  Als in der Menschen!�

Zum Hirten sagt er f�r den Fall, da� das Unternehmen mi�linge und er nicht lebend zur�ckkehre:

 �Landsmann, tr�stet Ihr
  Mein Weib, wenn mir was Menschliches begegnet,
  Ich hab getan, was ich nicht lassen konnte�.

Tuchf�hlung...nimmt man auf, wenn man einander n�herkommen will. Der Ausdruck taucht erstmals 1909 in einem milit�rischen Handbuch auf: Bei der Aufstellung in Reih und Glied mu�ten die Soldaten darauf achten, dicht an dicht zu stehen - so nah, da� sich die �rmel ber�hrten und sie so die Uniform des Nebenmanns sp�ren konnten. Heute ist aus dem Soldatenausdruck ein Begriff f�rs Flirten geworden.

T�cke des Objekts...nennen wir gelegentlich ein Mi�geschick bei der Handhabung eines Gegenstandes. Manchmal funktionieren die Dinge nicht so, wie wir es gerne h�tten und nicht selten haben wir gar den Eindruck, sie h�tten ihren eigenen Willen und wollten uns nur �rgern.
Der �sthetiker, Philosoph und Autor Friedrich Theodor Vischer (1807-87) beschrieb in seinem 1878 erschienen Roman �Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft� die N�te des skurrilen Fremden �A. E.� in seinem st�ndigen Kleinkrieg mit allen m�glichen Gegenst�nden des Alltags: �Von Tagesanbruch bis in die sp�te Nacht, solang irgendein Mensch um den Weg ist, denkt das Objekt auf Unarten, auf T�cke (...) So lauert alles Objekt, Bleistift, Feder, Tintenfa�, Papier, Zigarre, Glas, Lampe - alles, alles auf den Augenblick, wo man nicht achtgibt...�

T�rmen...als Synonym f�r �fl�chten� kommt aus dem Mittelalter: Der sicherste Ort einer Burg war der oft nur mit einer Zugbr�cke mit dem Haupthaus verbundene Turm. Wenn Burgtor, Mauern und Innenhof vom Feind erobert zu werden drohten, �t�rmten� die Bewohner mittels Leitern, die sp�ter hochgezogen wurden, in ebendiesen Bergfried, der ob seiner enorm massiven Mauern praktisch uneinnehmbar war.

Tussi...ist im heutigen Sprachgebrauch die oberfl�chliche, dumme, eitle Reinkarnation von Thusnelda, der Gattin des Cheruskerf�rsten Arminius, der einst die Varusschlacht gewann. Heinrich von Kleist (1777-1811) verarbeitete den Stoff in seinem Drama �Die Hermannsschlacht� zur Schullekt�re vieler Generationen - Thusnelda ist seither die �nervige Ehefrau�.



© tantalosz webdesign 2007 - 2025