3869 Sprichwörter, Redewendungen, Idiome, geflügelte Worte



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B

Babinische Republik...nannte man eine humoristische Gesellschaft, die 1568 von Pzsaka auf seinem Gut in Polen gegründet wurde. Sie verlieh vielen, die sich lächerlich gemacht hatten, scherzhafte Titel, hatte einen gewissen Einfluß und existierte immerhin bis 1677.

Baby DollUnter der »Babypuppe« verstand man Ende der 50er ein oft hellblaues oder rosa Nachthemdchen mit kurzen Puffärmeln und einem Pumphöschen. Die Trägerinnen sahen in dem rüschenbesetzten Hemdchen aus dem gleichnamigen Elia Kazan-Film in der Tat einer Puppe ähnlich.

Babylonische SprachverwirrungIm Buch Genesis, nach Adam & Eva, Kain & Abel und der Sintflut gibt es Ärger zwischen Gott und seinen Geschöpfen: »Venite faciamus nobis civitatem et turrem cuius culmen pertingat ad cælum et celebremus nomen nostrum antequam dividamur in universas terras« - »Wolauff. Lasst vns eine Stad vnd Thurm bawen des spitze bis an den Himel reiche, das wir vns einen namen machen. Denn wir werden vieleicht zerstrewet in alle Lender«. sagen die Menschen in Genesis 11.4 nach Luthers Bibelübersetzung von 1546. Gerade haben sie den Ziegelbau erfunden, da muß der Herr vom Himmel herabsteigen, um die irdische Baustelle zu begutachten. Er hält die Menschen danach für komplett größenwahnsinnig: »Igitur descendamus et confundamus ibi linguam eorum ut non audiat unusquisque vocem proximi sui« - »Wolauff, lasst vns ernider faren vnd jre Sprache da selbs verwirren, das keiner des andern sprache verneme!« (Genesis 11.7) Daß dieser Bau niemals vollendet werden konnte, soll der Beginn der eigenen Sprachen der Völker gewesen sein...

Backbord...vom niederdt. »back« (Rücken) ist darauf zurückzuführen, daß der Steuermann eines Schiffes mit der rechten oder auch beiden Händen die Ruderpinne bediente und dabei der linken Schiffsseite den Rücken zuwandte.

Bäckerdutzend...ist in manchen Gegenden ein Synonym für »dreizehn Stück« - manche Bäcker und Fleischer packen für ein Dutzend sicherheitshalber 13 Teile ein, um sich nicht strafbar zu machen, wenn sie sich mal um eins verzählen oder die Brötchen zu klein gebacken sind.

Backfisch...nannte man neben dem in Bierteig gebackenen lecker Fisch bis etwa in die 1950er Jahre auch junge Fräuleins: Bereits seit dem 16. Jahrhundert hießen Mädchenbücher wie »Der Trotzkopf« der Schriftstellerin Emmy von Rhoden (1829-85) oder die »Nesthäkchen«-Reihe von Else Ury (1877-1943) auch »Backfischromane«. Die Silbe »back« meint, daß sich die kleinen, flinken Fische aufgrund ihrer Zartheit nur zum Backen (früher auch für »braten«), nicht aber zum Kochen eignen. Eine zweite Deutung stellt daraf ab, daß diese Fische ihrer geringen Größe wegen über die »Back« zurück (engl. »back«) ins Meer geworfen wurden. Seit dem 16. Jahrhundert war der »Backfisch« nach dem lateinischen »baccalaureus« (Gelehrter des untersten Grades) auch ein angehender, unreifer Student, heute ist der »Bachelor« (Junggeselle) oder »Bakkalaureus« der erste akademische Grad, den Studenten als Abschluß einer Hochschulausbildung erlangen können.

BackgastJemand, der bei einem Bäcker backen ließ. Dafür war ein »Backgeld« zu bezahlen.

BackpfeifengesichtDas sind Gesichter, die regelrecht dazu einladen, eine Backpfeife - einen Schlag, der »an den backen pfeift, wie man auch ohrsausel sagt« - zu verteilen. So die Gebrüder Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch. Andere Linguisten sehen eine Umdeutung von Ohrfeige, aus Feige wurde Pfeife. Ob Backpfeife, Ohrfeige oder die veraltende Maulschelle - immer wird ein bestimmter Teil des Kopfes - Ohr, Wange oder Mund - getroffen. Rechtlich gilt der Schlag ins Gesicht immer als Körperverletzung.

Baden gehen...können wir beileibe nicht nur in Wanne, Meer und Freibad, sondern auch - weit unangenehmer -, wenn wir in aller Öffentlichkeit scheitern: Der etwa 16jährige Till Eulenspiegel, der der Überlieferung nach ausgesprochen viel Unfug trieb, soll eines schönen Tages ein Seil vom heimischen Bauernhof in Kneitlingen im magdeburgschen Land über die Saale zum Nachbarn gegenüber gespannt haben und begann, sich darauf vor zahllosen Schaulustigen als Seiltänzer zu tummeln. Seine Mutter, als sie merkte, was vor sich ging, nahm ein Messer und schnitt kurzerhand das Seil durch, sodaß der arme Künstler natürlich in den Fluß fiel und unter Hohn und Spott der Umstehenden »baden ging«.

Baff sein...kann jemand, der sichtlich verblüfft, überrascht oder verwirrt ist. Schon in dem Werk »Teutsche Sprachkunst« (1641) des Dichters und Sprachgelehrten .Justus Georg Schottel (1612-76) lautmalend für einen lauten Knall oder Schuß verwendet, ist die Reaktion auf solch ein lautes Geräusch meist Erschrecken und Sprachlosigkeit. So wurde »baff sein« übertragend für diese Reaktion verwendet und hat sich bis heute gehalten - wenngleich nur noch selten jemand in die Luft schießt, um sich Gehör zu verschaffen. Damit verwandt ist auch das »paffen« (rauchen) aus der Studentensprache, das das Geräusch beim Ziehen an der Pfeife beschreibt.

Bagalut...nennt der Nord- bzw. Niederdeutsche derb-kameradschaftlich einen Rüpel oder Radaubruder, einen Schuft oder Kleinkriminellen. Der Ursprung des Wortes liegt vermutlich im englischen »bag o'loot« (Beutel voller Diebes- oder Plündergut) alter Seefahrer, auch »bag o'louts« (Lümmel, Rüpel, Flegel) ist aber nicht auszuschließen.

Balla, balla...ist im Volksmund ein Mensch, der etwas verrückter als die anderen erscheint. Diese ein wenig kindlich klingende Bezeichnung kommt aus dem schwäbischen Dialekt: Ein »Balle« ist dort ein eher ungeschickter Mensch, ein Dummkopf. Berühmt wurde die Wendung im Jahre 1966 durch die deutsche Beat-Band »The Rainbows«, deren erster und einziger Hit »My baby, baby, balla, balla« so »balla, balla« war, daß der gesamte Text quasi nur aus den Worten »balla, balla« bestand.

Ballast der Republik...auch »Erichs Lampenladen«, »Palazzo Protzo« - Umgangssprachlich für den inzwischen geschleiften »Palast der Republik« in Berlin

BallbleistiftOhne ihn konnte die junge Dame der 20er Jahre nicht zum Tanze gehen: Sie trug das edle, zierliche Stück in ihrer Handtasche, damit die Herren der Schöpfung sich in ihre »Ballkarte«, auf der notiert wurde, wem der nächste Tanz reserviert war, eintragen konnten...

Balsam für die Seele...nennen wir bildlich Dinge, die uns Entspannung und Ruhe bringen und aus denen wir neue Kraft und Energie schöpfen. Balsam ist eigentlich ein zähfließendes Harz des Balsambaums, das althebräische »bosem« bedeutete darüber hinaus auch »Wohlgeruch, Gewürz«. Bekannt als typisches Balsamgewächs ist die Myrrhe, deren Harz als Räucherwerk verbrannt wird.

Bammel haben...wir vor etwas, wovor wir uns fürchten, Angst haben, besorgt sind. Das Wort, im Jiddischen ein »furchtsamer Mensch« stammt einst vom Hebräischen »baal« (Herr) und »ema« (Angst) ab.
Eine ganz andere Deutung sieht hier hingegen eine veraltete Form von »baumeln«, speziell wohl das unschöne Baumeln und Schaukeln eines Gehenkten am Galgen, das dem Augenzeugen fraglos Angst einflößen kann.

Banause...nennt man jemanden, der kein Kunstverständnis hat, sich schlecht und flegelhaft benimmt. Der »Banausos« kommt aus dem Griechischen und bezeichnete dort einen Handwerker, der »am Ofen arbeitet«: In der griechischen Antike galt nur der als gesellschaftlich akzeptiert, der sich vorrangig den schönen Dingen des Lebens widmen konnte. Wer sein Tagwerk selbst und ohne den Einsatz von Sklaven bewältigen mußte und deshalb keine Zeit für schöngeistige Dinge hatte, sich folglich damit auch nicht auskannte, war als »Banause« verpönt.

Bandsalat...nannte man in den 70er/80er Jahren ein kalorienarmes Gericht, das dennoch keinem so richtig schmeckte. Tonbandkassetten verhedderten sich oft und gern in der Mechanik des Rekorders, dann leierte es fürchterlich, irgendwas hakte aus und alles klemmte fest. Wer konnte, versuchte das dünne Band halbwegs glattzustreichen, gerissene Bänder wurden bisweilen gar mit Tesafilm zusammengeklebt und mithilfe eines Filzstifts wieder auf die winzigen Spulen gewickelt - bis das Band alsbald an der einmal beschädigten Stelle wieder verfitzte und das Ganze von vorne losging.

Bänkelsänger...waren Musikanten, die auf öffentlichen Plätzen auf einer kleinen Bank stehend - daher »Bänkel« - Moritaten, Schauergeschichten, Unglaubliches oder Lieder mit anrührenden Inhalten vortrugen. Meist zeigten sie dazu auch Bilder, die ihre Lieder illustrierten.

Bankert...sagte man einst abfällig zu einem unehelichen Kind: Gemeint war wohl ursprünglich die »harte Bank«, die Schlafstatt der Magd, auf der es vermutlich gezeugt worden war.

Bankrott...ist jemand, der seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann: Im frühen Mittelalter, als es noch unzählige verschiedene Währungen gab, hatte jede Stadt eigene Geldwechsler, die ihre Münzen meist im Freien auf Tischen präsentierten. Wurden sie zahlungsunfähig, zerschlug man ihnen ihr Handwerkszeug - den Zahltisch. Das italienische »banca rotta« heißt »zerbrochener Tisch«.

Bankster...nennt der Volksmund den Bankvorstand oder -mitarbeiter, der zumindest moralisch verwerfliche, hochspekulative, oft illegale und kriminelle Geschäfte macht. Das Wort - eine Kombination aus »Banker« und »Gangster« - hat höchstwahrscheinlich Ferdinand Pecora (1882-1971), 1932-34 Vorsitzender des Bankenkomitees des amerikanischen Senats geprägt, der damals aufdeckte, daß Betrug und Korruption der Banken zum wirtschaftlichen Zusammenbruch von 1929 geführt hatten.

BarbecueStammt von den französischen Trappern, die im Nordamerika des 17. Jahrhunderts ganze Bisons grillten. Weil sie damals tatsächlich das komplette Tier auf den Rost warfen, nannten sie es »barbe-a-queue« - »Vom Bart bis zum Schwanz«.

Bärbeißig...ist jemand, der uns oft mürrisch, unfreundlich, brummig gegenübertritt. Das Wort geht auf den »Bärenbeißer« zurück, eine Hunderasse, die früher zur Bärenjagd verwendet wurde.

Bärenfüße...waren im 16. Jahrhundert Schuhe, die den »Entenschnäbeln« (Schnabelschuhe) nachfolgten. Sie hatten eine breite Sohle, waren vorn und an den Seiten nur etwa 2 cm hoch und hatten vorn senkrechte Schlitze, die einem Bärenfuß ähnlich waren. Für Ritterrüstungen gab es sie auch aus Metall.

Bärenhunger...hat einer, der kaum abwarten kann, bis das Essen auf dem Tisch steht. Nicht nur, daß der Volksmund das Magenknurren mit dem Brummen des Bären vergleicht - auch der Hunger des Bären ist legendär - für seinen Winterschlaf muß er sich eine ziemlich dicke Speckschicht anfuttern und wenn er nach ein paar Monaten aufwacht, geht die Fresserei gleich wieder los.

Barmherziger SamariterDer aus einem Gleichnis Jesu bekannte Wohltäter läßt es an nichts fehlen. Er nimmt sich eines von Räubern halb totgeschlagenen Mannes an, versorgt seine Wunden, bringt ihn in eine Herberge und pflegt den Kranken: »Et altera die protulit duos denarios et dedit stabulario et ait curam illius habe et quodcumque supererogaveris ego cum rediero reddam tibi« - »Des andern tages reiset er, vnd zoch eraus zween Grosschen, vnd gab sie dem Wirte, vnd sprach zu jm, Pflege sein, vnd so du was mehr wirst darthun, wil ich dirs bezalen, wenn ich widerkome«. (Lukas 10.35) Der Fremde handelt über die Maßen mitfühlend, umsichtig und großzügig. Für die beiden Frommen in der Geschichte gilt das beileibe nicht: Sie haben das Gewaltopfer links liegenlassen. Außerdem galt der spätere Helfer aus der Samara damals als verachtenswerter, ungläubiger Ausländer. Wenn Jesus ausgerechnet ihn zur Lichtgestalt macht, heißt das, daß er Vorurteile gründlich zerstört.

Baß erstaunt...waren unsere Altvorderen, wenn seinerzeit etwas passierte, womit sie auf keinen Fall gerechnet hätten - sie waren zutiefst verwundert, sehr überrascht, völlig verblüfft.
Das alte Wort für »tief«, das wir heute nur noch mit Musik und Akustik assoziieren, stand einst auch für »weiter, sehr«, wie es bis heute im Komparativ »besser« noch anklingt.
Der für seine unvergleichlichen Wortspiele berühmte Schauspieler und Komödiant Heinz Erhardt (1909-79) brachte beides zusammen, als er dichtete: »Mal spiel ich Baß, mal spiel ich besser«.

BasiliskDer »Schlangenkönig«, ein Mischwesen aus Drachen und Hahn, berichtet man, hätte den tödlichen Blick, der dann als »Basiliskenblick« in unsere Sprache Einzug fand. In der Zoologie versteht man darunter eine kleine Leguanart. Der Helmbasilisk trägt einen dreilappigen Hautkamm auf dem Hinterkopf, weshalb man wohl diese völlig harmlose Echsenart nach dem schrecklichen Basilisken der Fabel benannte.

Bastonade...nannte man eine bis Mitte des 19. Jahrhunderts übliche Bestrafung (vor allem im Orient, später auch in Rußland) durch Stockschläge auf die Fußsohlen.

Bäuerchen machen...Säuglinge, die nach dem Trinken aufstoßen. Bei Erwachsenen würde man solche Eruktationen heute schlichtweg als schlechtes Benehmen brandmarken, dabei war es noch im Mittelalter gang und gäbe, in aller Öffentlichkeit zu schmatzen, zu rülpsen oder hin und wieder kräftig einen fahren zu lassen. Martin Luther (1483-1546) soll gar gesagt haben: »Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket«? Erst im 19. Jahrhundert wurde es im Bürgertum schick, Verhaltensweisen des Adels zu kopieren, um sich vom groben, ungehobelten Bauern abzugrenzen. Fortan waren Körpergeräusche tabu - außer für Babies, für die das Rülpsen, da das Zusammenspiel von Luft- und Speiseröhre noch nicht fehlerfrei funktioniert, unerläßlich ist. So nannte man kindliche Rülpser von nun an verzeihend »Bäuerchen«, da nur sie noch ungestraft die schlechten Manieren der Bauern ausleben durften.

Bauernfänger...waren zwielichtige Gestalten, die unerfahrene Landbewohner in Wirtshäuser lockten und ihnen auf listige Weise im Spiel, oder nachdem man sie trunken gemacht hatte, Geld, Wertgegenstände und Uhr abnahmen. Später gab es auch aus Bastwerk geflochtene Röhren, die so eng waren, daß man eben nur die kleinen Finger beider Hände in die Öffnungen stecken konnte. Versuchte man, sie wieder herauszuziehen, dehnte sich die Röhre elastisch aus, der Gefangene war entwaffnet und des Gebrauchs seiner Hände beraubt.

BauernopferDieser Ausdruck aus dem Schachspiel meint, daß eine relativ unwichtige Figur (der Bauer) dem Gegenspieler ohne Gegenwehr geopfert wird, um strategische Vorteile zu erringen.

Bauernregeln...sind volkstümliche Regeln, die verschiedene Bereiche des bäuerlichen Lebens wie Wetter, Ernte, Krankheiten der Tiere o.ä. betreffen. Sie sind zum Teil aus Aberglauben, oft aber aus jahrelangen Beobachtungen aufeinanderfolgender Ereignisse und Erfahrungen entstanden und wurden über Generationen weitergegeben. Die Ursprünge lassen sich bis weit vor Christus zurückverfolgen. Viele Sprüche wie »Mai kühl und naß füllt dem Bauer Scheun' und Faß«. stammen etwa aus dem 13./14. Jahrhundert. Sie sind oft erstaunlich zuverlässig, jedoch muß die Verschiebung des Kalenders seit der Entstehungszeit in Betracht gezogen werden - die Einführung des Gregorianischen Kalenders Ende des 16. Jahrhunderts hat viele alte Bauernregeln »aus dem Tritt« gebracht.

Bauernschlau...erklärt sich mancher die Welt auf recht einfache Art - das Wort dafür kommt aus den Schwänken des Volks- oder Bauerntheaters: Hier ist der Bauer nicht nur ein tumber Klotz, sondern vielmehr der gewiefte, schlaue Landmann, der es jederzeit mit dem überheblichen Städter aufnehmen kann.

Bauklötze staunen...die Berliner nach einer Redensart, die dort etwa um das Jahr 1920 entstand: Macht jemand vor Erstaunen große Augen, sagt er: »da machste Jlotzen, wa«? Daraus wurde das hochdeutsche »da staunst Du Klötze« und später »Bauklötze«. Auch in anderen Dialekten werden die vor Staunen aufgerissenen Augen als »Glotzaugen« bezeichnet, im Fränkischen etwa als »Klozzer«.

Bäume ausreißen...könnte umgangssprachlich jemand, der nur so strotzt vor lauter Kraft und Energie, der voller Übermut oder überschäumender Freude ist. Bäume symbolisieren in Sprichwörtern häufig Stärke, Standhaftigkeit und Unbeugsamkeit eines Menschen. Einen Baum mitsamt Wurzeln aus der Erde zu ziehen, dürfte indes selbst einer kräftigen Person eher nur bei sehr kleinen, frisch gepflanzten Exemplaren gelingen, ähnlich dem »Berge versetzen« neigt man hier wohl etwas zur Übertreibung.

BeatlesDer Name der mit ca. 1,3 Milliarden verkauften Tonträgern wohl erfolg- und einflußreichsten Band aller Zeiten entstand aus einem Wortspiel aus dem englischen »beetle« für den Käfer und »Beat« für einen Musikstil der 1960er Jahre. Eine Legende erzählt, daß das aber nur die halbe Wahrheit sei: John, Paul, George und Ringo sollen Fans eines Films mit dem jungen Marlon Brando gewesen sein, in dem eine Rockerbande namens »Beatles« ihr Unwesen trieb...

BecircenNach griechischer Mythologie lebte die schöne Zauberin Circe, Tochter von Sonnengott Helios und der Meernymphe Perseis, als mächtige Zauberin auf der Insel Aiaia an der Westküste Italiens. Mithilfe ihrer Zauberkunst vermochte sie Menschen in Tiere zu verwandeln, wobei ihre Opfer den Verstand behielten und wußten, was mit ihnen geschehen war. Als Odysseus auf seiner Irrfahrt ihre Insel besuchte, verwandelte sie seine Begleiter durch ihren Gesang in Schweine. Odysseus konnte ihr widerstehen, weil er vom Götterboten Hermes ein schützendes Kraut erhalten hatte. Er zwang sie, seinen Gefährten ihre eigene Gestalt zurückzugeben, und erstaunt darüber, daß jemand ihrem Zauber widerstehen konnte, verliebte sie sich in ihn.

BeckmessereiDas kleinliche Kritisieren geht auf Richard Wagners (1813-83) »Die Meistersinger von Nürnberg« zurück: Sixtus Beckmesser, einer der zwölf Alten Meister, wacht pedantisch über die Regeln und notiert alle Verstöße beim Gesangswettbewerb. Er hofft, den Streit und somit auch das Herz seiner Angebeteten Eva zu gewinnen - doch da taucht sein Kontrahent Walther von Stolzing auf...
Der »Meistergesang« war eine musikalische Disziplin, bei der strenge Vorgaben einzuhalten waren: Beispielsweise mußte zu alten Melodien ein neuer Text erfunden werden, der ohne Rücksicht auf die natürliche Betonung der Melodie »aufgepfropft« wurde. Wer nur altbekannte Lieder vortrug, war »Singer«, wer alte Töne mit neuem Text unterlegte, war »Dichter« und wer gar eine neue Melodie erfand, war »Meister«. Ausgeübt wurde diese Kunst fast ausschließlich von Handwerkern. Der wohl berühmteste Meistersinger Hans Sachs (1494-1576) beispielsweise war Schuhmacher.

Beefeater...nennt der Volksmund die »Yeomen Warders of Her Majesty's Royal Palace and Fortress the Tower of London« - die Torwächter, die seit 1485 für die Kronjuwelen und Gefangenen im Tower zuständig waren und heutzutage nur noch bessere Touristenführer sind. Sie bekamen auch in Zeiten, da die meisten Menschen es sich nur höchst selten leisten konnten, Fleisch (beef) zu essen. Der Name kann aber auch von »Buffetier« abgeleitet sein, den Dienern, die an der royalen Tafel servierten.

BeelzebubDer »Baal sïbub« (Herr der Fliegen) stammt aus dem Hebräischen und ist laut Altem Testament ein Name des Herrschers der Dämonen. In 2 Könige 1.2 heißt es: »Ceciditque Ohozias per cancellos cenaculi sui quod habebat in Samaria et ægrotavit misitque nuntios dicens ad eos ite consulite Beelzebub deum Accaron utrum vivere queam de infirmitate mea hac« - »Vnd Ahasia fiel durchs gitter in seinem Saal zu Samaria vnd ward kranck; Vnd sandte Boten vnd sprach zu jnen: Gehet hin vnd fragt BaalSebub den Gott zu Ekron. Ob ich von dieser kranckheit genesen werde«?

Befreiungsschlag...nennen wir es, wenn wir ein Problem endlich gelöst, größere Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt haben. Der Ausdruck aus dem Eishockey hat ursprünglich eine negative Bedeutung: Schießt ein Spieler den Puck aus der eigenen Spielhälfte über die verlängerte gegnerische Torlinie, wird dieser unerlaubte Befreiungsschlag mit einem »Bully« im Verteidigungsdrittel der dafür verantwortlichen Mannschaft bestraft

Begossener PudelWer so kleinlaut oder beschämt dasteht, leitet sich vom ahdt. »puddeln« (im Wasser planschen) ab: Das drollige Aussehen des vor Nässe triefenden Entenjägers in seinem charakteristischen wollig-krausen Haarkleid ließ dieses Bild zur Redensart werden...

BehufDer alte Ausdruck für »Zweck« wird heute meist nur noch dichterisch gebraucht: »Zu diesem Behuf, behufs dessen«...

Bei Adam und Eva anfangenWer im Buch Genesis bei Adam und Eva anfängt, hat Wesentliches verpaßt: Gott hat da bereits das Weltall erleuchtet und allerhand Getier und Gesträuch geschaffen. Den Menschen hat er sich zum Schluß aufgehoben: »Et creavit Deus hominem ad imaginem suam ad imaginem Dei creavit illum masculum et feminam creavit eos« - »Vnd Gott schuff den Menschen jm zum Bilde; zum Bilde Gottes schuff er jn. Vnd schuff sie ein Menlin vnd Frewlin«. heißt es hier in Kapitel 1, Vers 27. Der Name »Adam« (hebr. »Mensch«, evtl.»adamah« - »Erde«) fällt erst viel später, nachdem er und seine Gefährtin vom Baum der Erkenntnis gegessen haben: »Et cum audissent vocem Domini Dei deambulantis in paradiso ad auram post meridiem abscondit se Adam et uxor eius a facie Domini Dei in medio ligni paradisi. Vocavitque Dominus Deus Adam et dixit ei ubi es«. - »Vnd sie höreten die stimme Gottes des Herrn, der im Garten gieng, da der tag küle worden war. Vnd Adam versteckt sich mit seinem Weibe fur dem angesicht Gottes des Herrn vnter die bewme im Garten. Vnd Gott der Herr rieff Adam vnd sprach zu jm: Wo bistu«? (Genesis 3.8f). Eva heißt erst Eva (Lebensmutter, von hebr. »chawah« - die »Belebte«) nachdem sie und Adam das Paradies verlassen mußten: »Et vocavit Adam nomen uxoris suæ Hava eo quod mater esset cunctorum viventium«. - »Vnd Adam hies sein Weib Heua darumb, das sie eine Mutter ist aller Lebendigen«. (Genesis 3,20) Vorher sprach Adam charmanterweise von der »Männin«, daher bleibt unklar, wo man bei Adam und Eva wirklich anfängt. Übrigens ist an keiner Stelle der Bibel von einem »Apfel« die Rede...

Bei Dir piept's wohl?Früher glaubte man tatsächlich, daß bei psychisch Kranken ein Vögelchen nebst seinem Nest unter der Schädeldecke wohnen würde und dort munter vor sich hinpiept. Die Redewendung »Einen Vogel haben« hat übrigens denselben Ursprung.

Bei jemandem punkten...können wir gelegentlich, indem wir etwas Besonderes leisten, wozu derjenige selbst oder andere nicht in der Lage waren. Die Redensart gebt auf den Boxsport zurück: Für jede gewonnene Runde bekommt ein Faustkämpfer zehn Punkte, für eine verlorene nur neun, geht er gar »auf die Bretter«, gibt es weitere Punktabzüge. Natürlich hofft jeder auf einen K.O.-Sieg - da der aber längst nicht selbstverständlich ist, muß er immer bemüht sein, zu »punkten«.

Bei mir Hekuba!...wundert sich »Hamlet« in William Shakespeares (1564-1616) gleichnamiger Tragödie:

 »Sein Auge naß, Bestürzung in den Mienen,
  gebrochne Stimm und seine ganze Haltung nach seinem Sinn.
  Und alles das um nichts! Um Hekuba!
  Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr, daß er um sie soll weinen«?

Hekuba, in Homers »Ilias« Königin von Troja und Frau des Priamos, war die Mutter Hectors, der zu Andromache sagt, ihn bekümmere das Leid der Trojaner, des Priamus und selbst seiner Mutter Hekuba weniger als das ihre. Heute sagt die Wendung: »Meinetwegen, das bedeutet mir nichts«, wenn man mit einer gewissen Selbstironie seine Ahnungs- und Interesselosigkeit bekundet.

Bei Nacht und Nebel...ist manch »lichtscheues Gesindel« unterwegs, es geschieht vieles, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Der Begriff ist halbwegs selbsterklärend: Bedingt durch die schlechte Sicht »bei Nacht und Nebel« sind viele - im heutigen Sprachgebrauch oft kriminelle - Aktionen denkbar, die möglichst geheim bleiben, nicht von jedermann gesehen werden sollen. Alliterationen mit einem den Begriff verstärkenden Substantiv verdanken ihre Entstehung nicht zwingend einem besonderen Ereignis. Diese hier erlangte traurigen Ruhm durch den »Nacht-und-Nebel-Erlaß« Hitlers vom 7.12.1941, in dem die Deportation von rund 7.000 des Widerstands verdächtigen Personen aus den besetzten Gebieten beschlossen wurde. Die Redewendung ist jedoch weit älter und begegnet uns schon im mittelhochdeutschen »nebel unde naht« oder »der den andern suocht in sîm hûse bî nacht und bî nebel mit gewäffenter hant«. Weiter findet sie sich u.a. bei Jakob Vulcanus Andreæ (1528-90) in der Form: »mich deucht wie es fast finster wer, viel nachts und nebels umb mich her«, als »hier trennten nacht und nebel sie« bei Johann Gottfried von Herder (1744-1803) und selbstverständlich bei Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): »es trennet uns noch Amor in nebel und nacht«. Auch Johann Peter Hebel (1760-1826) »mi vetter het si bündel g'macht, und furt bi nebel und bi nacht«, Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) »der knecht wird in aller stille bei nacht und nebel über die gränze geführt«, Christoph Martin Wieland (1733-1813) »weil es mich däucht, dasz wir nicht recht klug sind, bei nacht und nebel so durch dick und dünn herum zu ziehen und die köpfe an den bäumen zu zerstoszen« und viele andere nutzten dieses diskrete verschwiegene Bild.

BeihaspelDiese unwillkommene Person oder das uneheliche Kind geht auf die Flachsverarbeitung zurück: Eine »Haspel« (Garnspule) kam in jedem Haushalt vor. Eine weitere, die »Beihaspel«, war aber völlig überflüssig, dementsprechend ist diese Redewendung schon sehr abwertend.

BeileibeDiese Beteuerung ist eine Kurzform für »bei meinem Leib, bei meinem Leben«, beispielsweise »beileibe nicht« - »auf keinen Fall, unter keinen Umständen«.

Beim Barte des Propheten...kann man feierlich beteuern, daß man die Wahrheit sagt, »bei allem, was mir heilig ist«. Ähnlich wie das Kopfhaar galt auch der Bart lange Zeit als Sitz der Lebenskraft, der Männlichkeit und Weisheit - ihn abzurasieren als Zeichen der Unterwerfung. In der Formel ist wohl der Prophet Mohammed (um 570-623) gemeint: Um die Aufrichtigkeit eines Schwurs zu demonstrieren, berührte man den Bart, man schwor »bei seinem Leben«. Hatte man keinen Bart oder wollte man dem Schwur mehr Gewicht verleihen, schwor man »beim Barte des Propheten«. Schon heidnische Völker schworen auf heilige Dinge, neben Haar und Bart auch auf Schwerter, Bäume, Quellen etc.

Beim Geld hört die Gemütlichkeit aufVor dem preußischen Vereinigten Landtag attackierte anno 1847 der Abgeordnete David Justus Ludwig Hansemann (1790-1864), preußischer Politiker, Bankier und einer der führenden Köpfe des deutschen Liberalismus, der sich für eine wirtschaftliche Lösung der sozialen Frage einsetzte, die preußischen Junker und insbesondere den damaligen Finanzminister, der eigenmächtig neue Schulden aufgenommen hatte, mit den Worten: »Bei Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf«.

Beim Kanthaken nehmen...vor allem Norddeutsche jemanden, den sie bei etwas Unlauterem erwischen, dafür verantwortlich machen, zur Rede stellen - aber auch etwas Schwieriges, das sie bewältigen, richtig anpacken:
Der »Kanthaken« - ein stabiler eiserner Haken, oft mit einem Ring, durch den ein Hebel hohe Kräfte überträgt - wurde früher eigentlich von Holzfällern zum Bewegen der Stämme und beim Beladen von Schiffen für schwere Fässer und Kisten verwendet. Wahrscheinlich geht die Redensart im 17. Jahrhundert auf eine Entstellung von »Kamm« (früher: Nacken, Genick) zurück.

Beim Schlafittchen nehmen...wir jemanden, um ihn festzuhalten, am Weglaufen zu hindern - ähnlich wie man Geflügel am Flügelansatz faßt. Der Diminutiv »Schlafittich« (Schlagflügel) für die Flügelschwungfedern der Gans bezeichnete einst auch den Rockschoß, den Hemd- oder Jackenkragen. Die regionale Variante »Schlawickel« könnte durch eine Verschmelzung mit »beim Wickel nehmen« entstanden sein - bei dem Band, das einst den Männerzopf zusammenhielt. Die gelegentliche (falsche) Schreibweise »Schlawittchen« ist wohl wiederum eine Vermischung aus beiden.

Beine machen...wir gelegentlich jemandem, den wir zur Eile antreiben, aber auch den wir verjagen oder vertreiben wollen. Wir meinen halt, daß er auf den eigenen Beinen nicht schnell genug vorankommt - also machen wir ihm ein Paar zusätzliche »Beine«.

Beisaß...war ein Stadtbewohner des späten Mittelalters, der keinen Landbesitz und nicht die vollen Bürgerrechte der Stadt hatte. Der »Insasse« dürfte mit ihm verwandt sein.

Bekannt wie ein bunter Hund...ist man - ursprünglich auf ein kleineres Gebiet (Dorf, Kleinstadt) bezogen - schon sehr auffällig. Da viele »Dorfköter« mit einfarbigem Fell sich recht ähnlichsehen, fällt ein zwei- oder mehrfarbiger »bunter Hund« dort recht schnell auf.

BelagerungsmünzenNotgeld, das in belagerten Städten meist aus minderwertigem Material hergestellt wurde. So gab die Stadt Kolberg während einer Belagerung 1807 einen Pappgroschen heraus.

Beleidigte Leberwurst...verspotten wir hin und wieder einen Menschen, der vor sich hin zickt oder schmollt und wir unterstellen ihm dabei meist, daß er doch eigentlich gar keinen Grund für seine Gekränktheit habe.
Im Altertum galt die Leber - die größte Drüse in unserem Körper im rechten Oberbauch - als Ort aller Gemütsregungen: Mediziner wie Galenus (um 129-199), einer der bedeutendsten Ärzte der Antike, glaubten fest daran, daß die vier Lebenssäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle sowie das Temperament und Gefühle wie insbesondere der Zorn, aber auch Liebe oder Trauer aus der Leber kämen. Diese Vorstellung hielt sich noch bis in das 17./18. Jahrhundert. War man ärgerlich, hatte man eine beleidigte Leber - die Wurst wurde später einfach angehängt.
Nur eine lustige Legende ist übrigens, daß die Leberwurst vor Wut fast platzte, weil der Metzger alle anderen Würste beim Kochen vor ihr aus dem Kessel nahm und sie ganz allein im Kessel bleiben mußte. Sie war einfach eine sehr beleidigte Leberwurst...

Belemmert...bedrückt, niedergeschlagen, vor den Kopf gestoßen - hier gibt es wieder mehrere Deutungen: Der Etymologie-Duden sagt, es sei eine Iterativbildung zum mittelniederdeutschen »belemmen« für »lähmen« und wäre im 18. Jahrhundert in die Hochsprache übernommen worden. Das »Deutsche Wörterbuch« meint dazu: »lahm, in der Schiffahrt hinderlich: Beim Gefechte müssen die Docken durch nichts belemmert sein«. Nach anderen ist die Deutung um 1750 für Hamburg bezeugt. Dabei soll das Wort von mhdt. »belemen« (mit bleibender Lähmung verletzen) und dies wiederum vom ahdt. »bilemmen« oder »bileman« (lähmen) kommen. All diese Wörter leiten sich vom indg. »lem« (brechen) her. Daneben gibt es auch Deutungen zu »Lamm«, übertragen für einen geduldigen, fügsamen, wehrlosen Menschen, »belammeln«, den Rocksaum der Frau beschmutzen oder auch »beliumunden« - in den Ruf oder Leumund von etwas bringen.

Beletage...nennen wir zuweilen metaphorisch die Führungsriege einer Organisation oder die »Chefetage« einer Firma - abgeleitet vom französischen »bel étage« (das schöne Geschoß), dem bevorzugten Stockwerk oder der am besten ausgestatteten Wohnung eines großbürgerlichen Hauses. Diese Bezeichnung kam in der Gründerzeit auf, als der - oft vom Besitzer selbst bewohnte - erste Stock über den Werkstätten und Läden im Parterre besonders repräsentativ mit großen, hohen Zimmern, aufwendigen Balkons oder Erkern und Stuckverzierungen an den Decken ausgestattet wurde.

BelladonnaIm Italienischen eine schöne Frau, im Deutschen das Gift Hyoscyamin, das, aus der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) gewonnen, Augenärzte zur Erweiterung der Pupillen nutzen, um die Netzhaut besser zu sehen. Zu diesem Zweck nahmen es auch Frauen im Mittelalter. Hyoscyamin erweitert, in die Augen geträufelt, die Pupillen und verleiht den Augen ein dunkles, glänzendes Aussehen.Sie wollten halt schön sein und nahmen die, durch die Lähmung des Ziliarmuskels ausgelösten, erweiterten Pupillen, Augenschmerzen, Sehstörungen und selbst Blindheit in Kauf...

Bemänteln...bedeutet, etwas anders, meist besser erscheinen zu lassen, als es tatsächlich ist. Im Mittelalter kam der Mantel bei manch Ritualen als Symbol zum Einsatz - so wurden uneheliche Kinder bei der Trauung unter dem Mantel der Mutter verborgen, aus dem sie nach der Trauung als eheliche Kinder hervortraten. Begnadigten Adlige einen Beschuldigten, legten sie ihm ihren Mantel über die Schultern.

Beneidenswert, wer frei davonDie Wendung (wörtlich »Sehr glücklich ist, wer nichts damit zu tun hat«) stammt von François Villon (1866-1944) aus seiner »Doppelten Ballade über dasselbe Thema«, in der er die Gefahren der Liebe behandelt. Er meint, sie mache Männer schnell zu Narren und stürze sie ins Unglück.

BenjaminNach der Hebräischen Bibel der jüngste Sohn des Patriarchen Jakob und seiner Lieblingsfrau Rahel: »Egrediente autem anima præ dolore et inminente iam morte vocavit nomen filii sui Benoni id est filius doloris mei pater vero appellavit eum Beniamin id est filius dexteræ« - »Da jr aber die Seele ausgieng das sie sterben muste, hies sie jn BenOni (Heisset meines schmertzen Son.) Aber sein Vater hies jn BenJamin (Heisset der rechten Son.)« (Genesis 35.18). Heute bezeichnen wir so den jüngsten Sohn oder den Jüngsten einer Gemeinschaft.

Beömmeln...könnten wir uns manchmal über etwas, worüber wir uns köstlich amüsieren, vor lachen nicht mehr einkriegen, schlapplachen: Eine eher zweifelhafte Vermutung meint, daß der rheinische Begriff auf den »Eumel«, der in den 70ern oft synonym für den »Schussel« stand, zurückginge. Wahrscheinlicher ist eine Verwandtschaft zu »ömmelich« - »unansehnlich, geringwertig, klein, mickrig, unbedeutend« oder zu »Ömme, Omme«, dem Kopf, weil einem etwas so zu Kopf steigt, daß man es nicht unterdrücken kann, sein Vergnügen darüber auszudrücken.

Berappen...müssen wir viel, immer und für alles Mögliche. Die oft zitierte Deutung über die Münze »Rappen« ist umstritten, da dieses Wort für »bezahlen« in Deutschland erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt ist, während der Rappen schon im 15./16. Jahrhundert gängiges Zahlungsmittel war.
Das hebräische »Rappo jerappe« (das Arztgeld geben, die Heilungskosten bezahlen), das über das Jiddische in die deutsche Sprache kam, führt uns denn zu einer besseren Erklärung: Hatte jemand einen anderen im Streit verletzt, mußte er für dessen Behandlungskosten aufkommen. Schon im Alten Testament heißt es dazu: »Si surrexerit et ambulaverit foris super baculum suum innocens erit qui percussit ita tamen ut operas eius et inpensas in medicos restituat«. - »Kompt er auff, das er ausgehet an seinem stabe; So sol der jn schlug vnschüldig sein; On das er jm bezale, was er verseumet hat vnd das Artztgeld gebe«. (Exodus 21:19)

BerufsjugendlicherSpöttisch für einen der zahlreichen FDJ-Funktionäre in der DDR, die erheblicher älter waren, als es die vorgeschriebene Altersgrenze von 35 Jahren erlaubte

Bescheidenheit ist eine Zier - doch weiter kommt man ohne ihr...sagt der Volksmund nicht ohne Zynismus und macht deutlich, daß diese Kardinaltugend zwar im Grunde gut und schön - aber völlig nutzlos ist, wenn man wirklich erfolgreich sein will. Wirksame Selbstdarstellung bringt einen oft schneller und weiter voran, als vornehme Zurückhaltung dies je könnte. Das Sprichwort stammt übrigens (auch wenn es sich so anhört) nicht wie gelegentlich kolportiert von Wilhelm Busch, das »Deutsche Sprichwörter-Lexikon« von Karl Friedrich Wilhelm Wander (1803-79) vermerkt zu der Wendung: »In № 541 der Schlesischen Zeitung (1871) als pommersches Sprichwort angeführt«.
In seinem Erstlingswerk »Die Ahnfrau« läßt Franz Grillparzer (1791-1872) seinen alten Grafen Zdenko von Borotin mit den Worten »Ziert Bescheidenheit den Jüngling, nicht verkenn er seinen Wert« (I. Vers 692 f.) den jugendlichen Helden Jaromir zu etwas mehr Bescheidenheit und Zurückhaltung ermahnen, warnt aber auch, er solle sie nicht überbewerten. Schon der lateinische Komödiendichter Titus Maccius Plautus (250-184 a.C.) hatte sich in »Asinaria« (833) mit »Decet verecundum esse adulescentem« (Bescheidenheit ziemt dem Jüngling) ganz ähnlich geäußert.

Bescheuert...nennen wir gelegentlich jemanden, den wir für verrückt, nicht recht bei Verstand halten, aber auch eine ärgerliche, unerfreuliche Sache oder Situation. Das ursprüngliche »scheuern« für »reiben« wandelte sich umgangssprachlich zu »schlagen« im Sinne von »eine Abreibung verpassen«. Der Sprachwissenschaftler Heinz Küppers (1909-99) erklärt das Wort in seinem »Illustrierten Lexikon der deutschen Umgangssprache« so: »Der Dumme leidet unter den Folgen einer Gehirnerschütterung, hervorgerufen durch einen Schlag an den Kopf«.

Besser als sein Ruf...ist jemand (oder etwas), der zwar nicht allzu beliebt ist, aber dennoch seiner Aufgabe vollauf gerecht wird. Die Wendung kommt aus dem Drama »Maria Stuart« von Friedrich Schiller (1759-1805), wo die Protagonistin während eines Streits zu Königin Elisabeth sagt: »Das Ärgste weiß die Welt von mir, und ich kann sagen, ich bin besser als mein Ruf«.

Besser spät als nie...forderten - natürlich auf Latein: »Potius sero quam numquam«- nach einem Bericht aus »Ab urbe condita« des Geschichtsschreibers Titus Livius (59 a.C.-17) zwei römische Konsuln im Jahre 445 a.C. die Senatoren zu beherztem Handeln gegen den Volkstribun Gaius Canuleius auf, der per Gesetz die Eheschranke zwischen Patriziern und Plebejern beseitigen wollte.

BesthauptEine Naturalienabgabe, das beste Stück Vieh (Kuh, Stier etc.), die ein Erbe eines hörigen Bauern an den Gutsherrn leisten mußte.

Betüddeln...wir jemanden, dann umsorgen und verwöhnen, hegen und pflegen, hätscheln und tätscheln wir ihn ganz besonders intensiv. Der norddeutsche Ausdruck geht auf die Weidehaltung von Kühen und Schafen zurück, die mit einem »Tüder« (Seil) angepflockt wurden. Nach einiger Zeit wurde jeweils »umgetüddert« - die Tiere an einer anderen Stelle der Weide festgemacht - sodaß systematisch jeder Quadratzentimeter abgegrast wurde.

BeutelschneiderIm Mittelalter trug man sein Geld oft in einem ledernen Beutel am Gürtel. Ein »Beutelschneider« schlitzte ein Loch in eben diesen Beutel, sodaß das Geld herausfiel bzw. er schnitt gleich den ganzen Beutel ab. Heute bezeichnen wir im übertragenen Sinne auch einen Anbieter verteuerter Waren oder Dienstleistungen als »Beutelschneider«.

Beweihräuchern...kann man sowohl sich selbst als auch jemand anderen, den man über alle Maßen lobt und dem man schmeichelt, obwohl es nicht wirklich einen Grund dafür gibt. Das Wort geht auf den Gebrauch von Weihrauch in der katholischen Kirche zurück: Das getrocknete Harz, das schon bei den alten Ägyptern für kultische Zwecke gebraucht wurde, soll das zu Gott aufsteigende Gebet symbolisieren, darüber hinaus werden so auch Personen und Kultgegenstände geehrt.

Biblisches AlterEin sehr hohes Alter - die Patriarchen der Bibel, unter ihnen der sprichwörtliche »Methusalem«, wurden steinalt. Adam beispielsweise 930 Jahre (Genesis 5.3ff): »Vixit autem Adam centum triginta annis et genuit ad similitudinem et imaginem suam vocavitque nomen eius Seth et facti sunt dies Adam postquam genuit Seth octingenti anni genuitque filios et filias et factum est omne tempus quod vixit Adam anni nongenti triginta et mortuus est« - »Vnd Adam war hundert vnd dreissig jar alt vnd zeuget einen Son der seinem Bild ehnlich war vnd hies jn Seth. Vnd lebet darnach acht hundert jar vnd zeuget Söne vnd Töchtere; Das sein gantzes Alter ward neunhundert vnd dreissig jar; Vnd starb«.

Bienchen ins Muttiheft...bekamen ab den 70er Jahren Kinder der unteren Klassen der Polytechnischen Oberschulen der DDR, die besonders artig oder sprichwörtlich »bienenfleißig« waren. Wohl jedem, der zu DDR-Zeiten zur Schule ging, dürfte dieser Bienchen-Stempel bekannt sein - außer er hat nie eins bekommen. Das »Muttiheft« diente dazu, die Eltern über Tadel, Lob und Auszeichnungen, bestimmte Ereignisse oder das Verhalten ihres (jüngeren) Kindes zu informieren, später übernahm diese Kommunikation das Hausaufgabenheft.


Bienchen im Muttiheft »für vorbildliches Verhalten« (1986)
Bild: wikimedia.org

Bier auf Wein - das laß seinDieser väterliche Rat von Saufkumpan zu Saufkumpan meint schlicht und ergreifend, daß man von vielen durcheinander konsumierten Getränken an nächsten Morgen einen mächtigen Kater kriegt. Tatsächlich kann die Reihenfolge den »Absturz« mildern: Der höherprozentige Wein geht sofort ins Blut - befindet sich im Magen hingegen bereits Bier mit relativ niedrigem Alkoholgehalt, wird der Wein verdünnt und der Alkoholgehalt erhöht sich nur minimal. Ursprünglich steckt hinter diesem Spruch aber eine Regel der Etikette: Wer zu einem Festmahl teuren Wein kredenzte, konnte dem nicht einfach schnödes Bier folgen lassen. Die Form »Wein auf Bier rat ich Dir« stammt aus der Zeit, als sauberes Trinkwasser noch nicht unbedingt immer zur Verfügung stand: Damals trank man ersatzweise Bier zum Durstlöschen, den feineren Wein eher zum puren Genuß.

Bier ist flüssiges Brot...denn es enthält neben Alkohol auch diverse Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Das recht nahrhafte Getränk gehörte in Deutschland daher einst zu den Grundnahrungsmitteln für alt und jung. Erschwerend kommt hinzu, daß die Leber kaum das Nahrungsfett verarbeiten kann, solange sie mit dem Alkoholabbau beschäftigt ist.
Die Redensart haben wohl einst Mönche erfunden, die beim Brauen immer auch ein Stück Brot in den Sud warfen, um mit der enthaltenen Brothefe die alkoholische Gärung in Gang zu setzen.

BierdeckelDie Zeiten, in denen man sein Trinkgefäß mit dem Untersetzer auch mal abdeckte, um so das edle Naß nicht mit Ungeziefer teilen zu müssen, sind längst vorbei - dennoch hat sich die Bezeichnung bis heute erhalten. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Filz übrigens der einzige Rohstoff für Bieruntersetzer, heute verwedet man eher Pappe dafür.
Darüber hinaus sind »Bierdeckel« heutzutage auch eine eher freundliche Umschreibung für die Zugangssoftware-CDs, wie sie vorzugsweise von AOL in (Un-)Massen verteilt werden...

Bierernst...sind wir, weil der Genuß eines guten Weins uns beschwingt und fröhlich macht, Bier hingegen den Trinker nach einem gewissen Abusus dieses Getränks gedankenschwer und ernst stimmt. Da werden peu à peu Dinge immer wichtiger, um die sich nüchtern kein Mensch scheren würde...

Big BenDie schwerste Glocke des Londoner Wahrzeichens, die zum Namensgeber des gesamten Uhrturms am Palace of Westminster wurde, verdankt ihren Namen der beträchtlichen Leibesfülle und dem daraus folgenden Spitznamen ihres Erbauers Staatsbaumeister Sir Benjamin Hall (1802-67).

Big Brother is watching youDer englische Schriftsteller George Orwell (1903-50) wurde sich im Grabe herumdrehen angesichts der NSA-Affäre, bei der unbescholtene Bürger vom amerikanischen Geheimdienst systematisch ausspioniert werden. In seinem Roman »1984« beschreibt Orwell einen totalitären Staat, in dem ein unsichtbarer »Großer Bruder« sowohl die Partei-Elite als auch die gesamte Bevölkerung überwacht. Mit dem Propaganda-Slogan »Big Brother is watching you« (Der große Bruder beobachtet Dich) wird das Volk an die stete Kontrolle erinnert. Das Zitat gilt heute als Kritik an Überwachungsmethoden aller Art.


Szenenbild aus dem Film 1984

Bimsen...mußten wir alle mal irgendwas. Egal, ob Einmaleins oder Vokabeln - wo einfaches lernen nicht reichte, war »bimsen« (hartnäckig lernen, pauken) angesagt. Das Wort stammt eigentlich vom »Bims«, einem porösen glasigen Vulkangestein: Bekam man früher mit normaler Seife die Hände nicht richtig sauber, wurde mit Bimsstein solange gerubbelt, bis der Dreck endgültig weg war.

Bin ich Moses, wächst mir Gras aus der Nase?...antworten wir gelegentlich auf eine Frage, von deren Lösung wir so gar keine Ahnung haben. Ursprünglich könne es sich hier um eine Verballhornung diverser Bibelpassagen in Kombination mit einem Schillerzitat aus der »Jungfrau von Orléans« handeln, wo König Karl VII. im 1. Aufzug, 3. Auftritt verzweiflungsvoll deklamiert: »Kann ich Armeen aus der Erde stampfen? Wächst mir ein Kornfeld auf der flachen Hand«?

Binsenweisheit...nennt man in Anlehnung an das lateinische Sprichwort »nodum in scirpo quærere« (den Knoten an der glatten Binse suchen, Schwierigkeiten suchen, wo keine sind) eine so allgemeinbekannte Tatsache, daß man normalerweise kein Wort darüber verlieren müßte, eine Wahrheit, die überall so verbreitet ist wie die »Binsen«, die (anders als andere Grasarten) keine Knoten am Halm haben - eine glatte Sache ohne weitere Verwicklungen oder Verknotungen. Der Ursprung liegt der Legende nach bei König Midas: Jener sollte einen Wettstreit zwischen Pan und Apoll schlichten. Da er Apoll nicht mochte, sprach er Pan den Sieg zu, obwohl die Zuschauer anderer Meinung waren. Aus Rache ließ der Verlierer Midas Eselsohren wachsen. Um diese Schande zu verdecken, trug Midas fortan eine Mitra, jedoch konnte er diese beim Haareschneiden nicht aufbehalten. Er ließ den Barbier unter Androhung der Todesstrafe schwören, daß er Stillschweigen bewahre, der konnte jedoch die Klappe nicht halten, grub sich in der Nähe eines Gewässers ein Loch und erzählte alles der Erde. Da die Erde nicht alles weitergeben kann, ließ sie an der Stelle, wo sich das Loch befand, Binsen wachsen. Diese nun erzählen nun die Geschichte von Midas' Ohren in alle Winde...

Bis an die Zähne bewaffnet...sind wir bildlich durch den Gebrauch der Zähne als letzte verfügbare Waffe. Auch nahmen die Piraten beim Entern fremder Segelschiffe ihr Entermesser zwischen die Zähne, um die Hände für die Seile frei zu haben, an denen sie sich auf das gegnerische Schiff schwangen.
Die Redensart, die sich auch 1559 in »Die niederländischen Sprichwörter«, dem wohl bekanntesten Ölgemälde des niederländischen Malers Pieter Bruegel des Älteren (um 1525-69) wiederfindet, ist schon viel früher im Mittelhochdeutschen geläufig: Der deutsche Lyriker Konrad von Würzburg (1230-87) schrieb in »Trojanerkrieg« (3495), einer unvollendeten einmaligen Kombination der Argonautensage mit der homerischen Sage vom Trojanischen Krieg:

 »gewâpent sêre unz ûf die zene
  und wolte dâ dis und jene
  mit liebe hân verslihtet.
  dô was ir muot gerihtet
  ze vaste ûf grimmeclichen zorn«.

Bis ans Ende aller Dinge...hieß es einst in einer Proklamation, welche Georg V. (1819-78), der letzte König von Hannover und 2. Herzog von Cumberland und Teviotdale anno 1865 aus Anlaß des fünfzigjährigen Besitzes von Ostfriesland erließ. Noch heute wollen wir so eine lange Dauer ausdrücken. Jenes »Ende aller Dinge« war damals allerdings weit näher, als Georg glaubte: Das Land wurde mit der Annexion des Königreiches Hannover gerade ein Jahr später wieder preußisch...

Bis aufs Haar...bis in jede Einzelheit, ins Detail gleichen sich manche Dinge - mit bloßem Auge ist es schier unmöglich, einzelne Haare zu unterscheiden, sie gleichen sich »wie ein Ei dem anderen«.

Bis aufs Messer...kämpfte der spanische General José Rebolledo de Palafox y Melci (1776-1847): Als napoleonische Truppen in Spanien intervenierten, wurde ab dem 15. Juni 1808 auch die Stadt Saragossa belagert. Der Feldherr lehnte die Aufforderung zur Kapitulation mit den Worten: »Krieg bis aufs Messer« ab. Am 13. August, nach 61-tägiger Belagerung gaben die Franzosen auf.

Bis die Schwarte kracht...machen wir umgangssprachlich alles Mögliche, das wir exzessiv, bis zur Erschöpfung, übermäßig, in großen Mengen betreiben.
Ursprünglich mag tatsächlich einst ein Schwein soviel gefressen haben, daß es derart schnell und viel zunahm, bis ihm sprichwörtlich »die Schwarte krachte«.
Möglich wäre indes auch eine Herleitung von »charta« (lat. Papier, Blatt, Urkunde) - vielleicht ging es ja einst um eine »alte Schwarte«, einen schweren, mit der Hand geschriebenen Folianten, den jemand bei der monatelangen mühseligen Arbeit krachend fallen ließ.

Bis Du heiratest, ist alles wieder gut...war so ein typischer »Mutti-Spruch«, der uns über diverse aufgeschlagene Knie hinwegtrösten sollte. Inwiefern hier ein Zusammenhang mit der heutigen enormen Single-Quote besteht, ist noch nicht endgültig erforscht.

Bis hierhin und nicht weiter...sagen wir, wenn es uns endgültig reicht. Irgendwas hat uns in Rage gebracht und wir wollen es nicht länger hinnehmen. Auch Gott der Herr zürnte dereinst mit Hiob, dem gerechten Mann, der trotz seiner Güte mit schrecklichen Leiden geschlagen wird. Eigentlich beschreibt er ihm, wie er das Meer bei der Erschaffung der Welt gebildet und dessen Grenzen festgelegt hat: »...et dixi usque huc venies et non procedes amplius et hic confringes tumentes fluctus tuos«. - »...vnd sprach: Bis hie her soltu komen vnd nicht weiter. Hie sollen sich legen deine stoltzen wellen«. (Hiob 38.11) Auch heute noch verwenden wir das Wort für eine nicht zu überschreitende Grenze.

Bis in die Puppen...bezieht sich wohl auf den »Großen Stern«, einen zentralen Platz im Berliner Bezirk Tiergarten:
»Puppen« waren die Standbilder aus der antiken Götterwelt des preußischen Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753), die Friedericus Rex ab 1742 zur Zierde des Platzes aufstellen ließ. Im 18. Jahrhundert war der Tiergarten noch weit vom Stadtzentrum entfernt. »Bis in die Puppen« hieß, noch weit laufen zu müssen. Später wandelte sich die ursprünglich räumliche Bedeutung, und die Wendung wird auf exzessive Zeitdauern angewandt, nämlich im Sinne von sehr spät, sehr lange, bis in den Morgen. Der »Große Stern« wurde übrigens schon 1698 angelegt. Sechs Alleen bildeten mit der Landstraße nach Charlottenburg einen achtstrahligen Stern.
Eine andere mögliche Deutung: Als »Puppen« bezeichnet man auch Getreidegarben, die zu Haufen zusammengestellt wurden. Obendrauf kam eine Deckgarbe als Schutz vor Regen, drang das Wasser dennoch bis in die Puppen vor, regnete es außergewöhnlich heftig.


Bild: wikimedia.org

Bis in die Spitzen...ist eine Steigerungsformel zu »mit Haut und Haaren« - die Haarspitzen symbolisieren hier, daß etwas noch über den eigentlichen Körper hinausgeht.

Bis über beide Ohren verliebt...sind wir literarisch belegt bereits etwa seit dem Jahre 1500. Die sprichwörtliche Redewendung bedeutet soviel wie »tief in oder unter etwas« sein, bildlich wohl abgeleitet von einem Ertrinkenden oder im Sumpf Versinkenden, der nicht mehr zu retten ist, weil das Wasser ihm schon »bis über die Ohren« (den Kopf) steht. Dies muß aber nicht zwangläufig nur für die Liebe, sondern kann auch für Schulden gelten...

Bis zum TZ kennenIn Deutschland war es einst üblich, »gotisch« oder »Fraktur« zu schreiben. Eine Schrift, die u.a. diverse Ligaturen wie »&«, »№«, »Æ«, »ß« sowie als letzten Konsonanten des Alphabets das »tz« kannte, das als »z-z«, ähnlich dem »ß« / »s-s« getrennt wurde. Diese schöne Schrift wurde per Regierungsanordnung vom 3. Januar 1941 durch Reichsleiter Martin Bormann (1900-45) als »Schwabacher Judenlettern« verboten. Einigen »Überlebenden« wie dem »ß« wurde in den letzten Jahren durch eine milliardenteure sogenannte »Rechtschreibreform« der Garaus gemacht. Auf heutigen Computern sind die meisten Ligaturen für »ch«, »ck«, »ss«, wie eben auch das »tz«, leider kaum noch oder gar nicht mehr darstellbar. Von diesen alten Ligaturen rührt noch der Ausdruck: »Etwas bis zum tz kennen« her, mit einer ähnlichen Bedeutung wie: »von A bis Z«.

Bis zur kalten Vergasung...machen wir etwas, das wir exzessiv bis ganz zum Ende, bis zum Überdruß, über einen langen Zeitraum hinweg durchführen. Die Formulierung kam auf, als im Zuge der Industrialisierung die ersten Gaswerke entstanden: Die »Vergasung« ist ein uraltes chemisch-physikalisches Verfahren, um Kohle oder andere Materialien vom festen oder flüssigen in den »letzten«, den gasförmigen Aggregatzustand zu überzuführen - ein Vorgang, der unumkehrbar ist. Gelegentliche Deutungen politisch überkorrekter Zeitgenossen, die mit dieser alten Wendung krampfhaft Verbindungen zum Holocaust assoziieren wollen, sind hingegen nicht belegbar.

BismarckheringIm Verlauf einer Reichstagsdebatte äußerte der »Eiserne Kanzler« Otto Eduard Leopold Graf von Bismarck-Schönhausen (1815-98) einmal den Satz: »Wenn der Hering so teuer wäre, wie der Hummer, gälte er als Delikatesse«. Die deutsche Fischindustrie erkannte schnell den kostenlosen Werbeeffekt und erfand daraufhin den »Bismarckhering«.

Bist Du Gottes Sohn, so hilf Dir selbst...und anderen. Die sprichwörtlich gewordene Spottrede über den gekreuzigten Jesus, der von jeder Hilfe verlassen auf die eigene Kraft angewiesen ist, wendet sich an Leute, die anderen Ratschläge erteilen, derer sie selbst viel mehr bedürften: Am Karfreitag, als Jesus auf Golgatha zwischen zwei Verbrechern am Kreuz hängt, erleben die Menschen keinen allmächtigen Gott, sondern vielmehr einen, der dem ganzen offenbar ohnmächtig zusieht: »Unus autem de his qui pendebant latronibus blasphemabat eum dicens si tu es Christus salvum fac temet ipsum et nos« - »Aber der Vbeltheter einer, die da gehenckt waren, lesterte jn, vnd sprach, Bistu Christus, so hilff dir selbs, vnd vns« (Lukas 23:39, auch Matthäus 27:39f, Markus 15:30).

Bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt...zitieren wir, wenn etwas nicht so funktioniert, wie wir es gerne hätten, aus der 7. Strophe von Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) anno 1782 entstandener Ballade »Der Erlkönig«:

 »Ich lieb Dich, mich reizt Deine schöne Gestalt,
  Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!
  Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
  Erlkönig hat mir ein Leids getan.«

Bei dem Namen »Erlkönig« ist Goethe ein Lapsus unterlaufen: Im guten Glauben, es handele sich dabei um den Baum »Erle«, übernahm er ihn von einer Übersetzung Johann Gottfried von Herders (1744-1803). Leider hatte sich auch dieser schon geirrt: »Erlkönig« (Dänisch:»Ellerkonge«) meint nämlich einen Elfenkönig...

BistroDie vermeintlich französischen Lokale sollen 1816-18 infolge der Befreiungskriege gegen Napoléon entstanden sein: Wenn russische Kosaken auf ihren Pferden über die Champs-Élysées trotteten, wurden ihnen oft kleine Lokale für einen schnellen (meist flüssigen) Imbiß angepriesen. Um ihre potentiellen Gäste zum eigentlich verbotenen Alkoholkonsum überreden zu können, verwendeten die Pariser das russische Wort »bystro« (schnell). Die Kosaken glaubten an ein Schnellrestaurant, was es ja schließlich auch wurde...

Blanker Hans...nennt der Volksmund die tobende Nordsee bei Sturmflut - »blank« (vom niederländischen »weiß«) meint hier die schäumende Gischt. Nach Aufzeichnungen des Chronisten Anton Heimreich (1626-85) soll der Deichgraf von Risum, der 1632 die Deiche hatte erhöhen lassen, der Nordsee zugerufen haben: »Trutz nun, blanker Hans« - nur zwei Jahre später verwüstete die verheerende »Burchardiflut« die Nordseeküste zwischen Ribe und Brunsbüttel.
Detlev von Liliencron (1844-1909) griff den Ruf für seine Ballade über die »Rungholtsage« auf, nach der die reiche, gottlose Stadt Rungholt durch eine Sturmflut vernichtet worden sei. Real handelte es sich hier jedoch nur um einen größeren Marktflecken, der schon 1362 bei der »Zweiten Marcellusflut«/»Grote Mandrenke« (großes Ertrinken) unter- und in die Geschichte eingegangen war. Der Sänger Achim Reichelt vertonte Liliencrons Text 1991 für sein Album »Regenballade«.

Blauäugigkeit...assoziiert bei vielen Menschen etwas Unschuldiges, ein Sinnbild der Treue und Durchsichtigkeit. Blaue Augen gelten gemeinhin als Symbol der Klarheit, als erfrischende Quelle, als Labsal, wie in einem Gedicht des niederdeutschen Dichters Klaus Groth (1819-99):

 »Dein blaues Auge hält so still.
  Ich blicke bis zum Grund.
  Du fragst mich, was ich sehen will?
  Ich sehe mich gesund«.

Kommt ein Kind zur Welt, hat es - da die Regenbogenhaut noch nicht voll entwickelt und für »Blau« am wenigsten Farbpigment nötig ist - zunächst immer blaue Augen. So verband man mit dieser Augenfarbe auch immer die Vorstellung von Naivität und Unschuld. Bezeichnet uns jemand als »blauäugig«, meint er, wir seien naiv, unerfahren, harmlos und gutgläubig. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Wendung eher negativ besetzt. So spricht Thomas Mann (1875-1955) in der 1903 erschienenen Meistererzählung »Tonio Kröger« von der Oberschicht als »zwar liebenswerten, aber geistlosen Vertretern dieser blonden und blauäugigen Normalität«. Unverhohlener Spott liegt denn auch in der Wendung »Man hat ihn nicht seiner schönen blauen Augen wegen genommen«.

Blaue Fliesen...nannte man den 100 DM-Schein (West). Damit konnte der DDR-Bürger im »Intershop« Westwaren einkaufen oder begehrte Handwerkerleistungen bekommen

Blauen Dunst vormachenNach altem Brauch lassen Zauberer vor ihren Experimenten blauen Dunst aufsteigen, damit die Zuschauer abgelenkt sind, ihnen nicht so genau auf die Finger sehen und hinter das Geheimnis des Tricks kommen.

Blauer BriefIm 18. Jahrhundert waren »blaue Briefe« (nach den blauen Umschlägen, die preußische Behörden - ursprünglich, um unbefugten Einblick in königliche Befehle zu verhindern - verwendeten) üblich. Das Papier dafür gewann man aus Lumpen von Uniformen, die damals »Preußisch Blau« waren, nach einem Verfahren, welches der Chemiker Heinrich Diesbach 1704 beim Kochen von Tierblut mit verschiedenen Salzlösungen eher zufällig entdeckte: Blausäure (Cyanwasserstoff HCN) kann mit Metallionen farbige Komplexe bilden. Bei einem Überschuß an Eisen (Fe) fällt ein blaues, lichtechtes Pigment, Eisen(III)hexacyanoferrat(II) Fe4(Fe(CN)6)3 an.

Blauer MontagDer mittelalterliche »blaue Montag« war der Montag vor der Fastenzeit, an dem Blau die liturgische Farbe der katholischen Kirche war. Der im 18. Jahrhundert aufgekommene Brauch des freien Tages, an dem der Sonntagsrausch ausgeschlafen wurde und Handwerksgesellen nicht arbeiteten, führte zum Bedeutungswandel. Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) schreibt 1842 in ihrer Erzählung »Die Judenbuche«: »Man sah mehr Betrunkene, hörte von mehr Schlägereien und dummen Streichen, als je. Überall gabs Lustbarkeiten, der blaue Montag kam in Aufnahme«. Die Szene spielt 1760. Eine andere Deutung: Bis ins ausgehende Mittelalter galt Blau als Farbe der Lüge, der Verstellung und Täuschung, so auch auf dem Bild »Die niederländischen Sprichwörter« von Pieter Breughel d.Ä. (1559): Es zeigt eine junge Frau, die ihrem Mann nach einer holländischen Redensart »den blauen Mantel umhängt« (mit weiter Kapuze, sodaß er kaum etwas sehen kann), die ihn also mit einem Liebhaber betrügt. Diese Bedeutung findet sich noch in jüngeren Redensarten wie »Er lügt uns das Blaue vom Himmel herunter« oder »Er will mir einen blauen Dunst vormachen«.

Blaues Blut...kommt aus dem Spanischen: »Sangre Azul« nahmen die aristokratischen Familien Kastiliens im Mittelalter für sich in Anspruch, um zu zeigen, daß sie rein spanischer Abkunft von den Westgoten, ohne maurische oder jüdische Ahnen seien. Wahrscheinlich beruht der Ausdruck darauf, daß ihre Haut in manchen Fällen so bleich war, daß die blauen Venen zum Vorschein kamen. Das hinterließ den Irrglauben, daß blaues Blut durch die Adern der Adligen fließe.

BlaumachenDas »Blaumachen« gehörte einst zur natürlichen Arbeitskultur der mittelalterlichen Färbergesellen. Wichtigster Farbstoff war Indigo oder der weniger intensive Färberwaid. Zur Herstellung wurden dessen Blätter in Kübeln mit menschlichem Urin vergärt. Alkohol verstärkte den Gärungsprozeß. Aber Alkohol war teuer, ergo tranken ihn die Färber, um ihren Urin damit anzureichern. Meist sonntags wurden die Stoffe in das Färbebad eingelegt, die blaue Farbe zeigte sich jedoch erst, nachdem sie längere Zeit an der Luft hingen. Und so wußte jeder: Immer wenn die Färbergesellen betrunken daniederlagen, warteten Sie darauf, daß die Tücher blau wurden.

BlaustrumpfUrsprünglich war dies im 17./18. Jahrhundert ein Spottname für Gerichtsdiener, die meist blaue Strümpfe trugen. Um 1750 eröffnete dann die Londoner Literatin Elizabeth Robinson Montague (1720-1800) ihren »Salon für schöngeistige Partys«. Einer der dort verkehrenden Herren, der Botaniker Benjamin Stillingfleet, trug statt der üblichen schwarzen Seiden- blaue Garnstrümpfe. Dieses modische Vergehen sprach sich herum und die Teilnehmer wurden allesamt als »Blaustrümpfe« bezeichnet. Im 19. Jahrhundert schließlich bezeichnete man oft auch unweibliche Frauen so, die sich - analog zur »Entmanntze« der 1970er - als »Frauenbewegung« verstanden.

Blech redenAls Synonym für Unnützes, Wertloses taucht »Blech« in vielen deutschen Mundarten auf. Es steht in allen Phraseologismen als minderwertig gegenüber den Edelmetallen, aus denen Münzen geprägt wurden, immer in negativem Verhältnis zu Geld.

BlechenStammt aus dem Rotwelschen und ist seit dem 16. Jahrhundert belegt: Im frühen Münzwesen, als es noch keine Stanzmaschinen gab, mußte der Münzer aus einer Edelmetallplatte so viele Geldstücke wie möglich herausschneiden. Zu dieser Platte sagte man auch Blech oder Silberblech. So bürgerte sich mit der Zeit das Wort »blechen« ein, wenn man mit Münzen zahlte.

Bleibe im Lande und nähre Dich redlichIn diesem Spruch steckt ein Aufruf zu Selbstdisziplin und Gewaltlosigkeit, er warnt die Menschen davor, den Kampf gegen das Böse auf eigene Faust aufzunehmen. Eine Kapitulation vor den Zuständen bedeutet das allerdings nicht: »Spera in Domino et fac bonitatem,et inhabitabis terram et pasceris in fide«. - »Hoffe auff den Herrn vnd thu guts. Bleibe im Lande vnd neere dich redlich«. (Psalmen Salomo 37.3). Einer der Schlußverse faßt die zähe Hoffnung auf Veränderung zusammen: »Vidi impium superexaltatumet elevatum sicut cedrum virentem; et transivi, et ecce non erat,et quæsivi eum, et non est inventus«. - »Jch hab gesehen einen Gottlosen, der war trötzig; Vnd breitet sich aus vnd grünet wie ein Lorberbawm. Da man fur vbergieng, sihe, da war er da hin. Jch fragte nach jm. Da ward er nirgend funden«. (Psalm 37.35f) In den Psalmen ist ursprünglich gemeint, daß man mit dem, was man hat zufrieden sein und auf Gott vertrauen soll, heute meist ironisch gemeint, wenn jemand sehr viel auf Reisen ist oder allzu hoch hinaus will.

Bleierne ZeitCharakterisiert trostlose gesellschaftliche Zustände. Das Zitat stammt aus dem Gedicht »Der Gang aufs Land« des Lyrikers Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843), in dem er bemerkt:

 »Trüb ist's heut,
  es schlummern die Gäng und die Gassen
  und fast will mir es scheinen,
  es sei, als in der bleiernen Zeit.

Blick zurück im Zorn...ist eine kaum vermeidbare Reaktion, wenn wir von anderen zu etwas gezwungen werden, was wir so nicht wollten. Der Ausdruck geht auf das Theaterstück »Look Back in Anger« des englischen Dramatikers John Osborne (1929-94) zurück. Nach der Uraufführung 1956 entstanden daraus die »Angry Young Men« - britische Künstler, die in ihren Werken gesellschaftskritisch radikal die soziale Entfremdung und Klassenunterschiede thematisierten.

Blind wie ein Maulwurf...ist jemand, der schlecht oder gar nichts sehen kann, aber auch einer, der etwas Offensichtliches nicht erkennt. Im richtigen Leben in ihren unterirdischen Gangsystemen sehen die geschützten, wenngleich bei vielen Gärtnern nicht sonderlich beliebten kleinen Tierchen zwar nicht besonders gut - das wäre auch gar nicht nötig -, sind aber keineswegs so blind, wie das Sprichwort vermuten ließe. Entgegen der volksetymologischen Vermutung, der Maulwurf würde die Erde mit dem Maul werfen, kommt sein Name übrigens vom mittelhochdeutschen »moltwepf, moltwerf« (»molte« = Hügel).

Blinder Eifer schadet nur...wußte bereits der deutsche Fabeldichter Magnus Gottfried Lichtwer der Jüngere (1719-83) aus der Fabel des Æsop »Die Katzen und der Hausherr« zu berichten: Katzen veranstalten in der Nacht ein übles Katzenkonzert, bis der Hausherr erwacht und es mit brachialer Gewalt beenden will:

 »Stolpert über ein'ge Späne,
  stürzt im Fallen auf die Uhr
  und zerbricht zwo Reihen Zähne
  Blinder Eifer schadet nur«.

Wir sollten also nicht unüberlegt handeln und bevor wir etwas beginnen, einen Moment innehalten und über unsere Vorgehensweise nachdenken.

Blinder Passagier...nennt man jemanden, der sich auf Schiffen, in Flugzeugen oder in Zügen versteckt, weil er unbemerkt mitreisen will - ganz im Gegenteil zum Schwarzfahrer, der seelenruhig im Abteil sitzt und hofft, daß der Kontrolleur ihn übersieht.
Das Wort »blind« bedeutet auch »falsch«, »verdeckt« und »unsichtbar«, der »blinde Passagier« stammt aus der Zeit der Postkutschen: Schon damals schon gab es Reisende, die nicht gesehen werden wollten, weil sie auf der Flucht waren oder ihr Beförderungsgeld nicht bezahlt hatten.

Blockadehammel...nennt der Volksmund ursprünglich nicht etwa Oppositionspolitiker, die stur jeden Gesetzentwurf blockieren, sondern waren einst eine euphemistische Umschreibung für den Hund: Als im und nach dem Zweiten Weltkrieg die Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht zuletzt durch Blockaden des Gegners weitestgehend zusammengebrochen war, stand des Menschen bester Freund mangels kulinarischer Alternativen recht häufig auf der Speisekarte. Analog dem »Dachhasen« mag manch lecker Braten durchaus an einen Hammel erinnert haben. Früher längst nicht so verpönt wie heute, war es aber in vielen deutschen Gegenden durchaus üblich, Hunde auch ohne Not zu verspeisen.

BlockflötenIronisch für Mitglieder der in der »Nationalen Front« der DDR bis 1989 zusammengefaßten »Blockparteien« (CDU, DBD, LDPD, NDPD)

Bloody Mary...ist ein Katerkiller, dessen Erfindung gern den amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway (1899-1961) zugeschrieben wird. Tatsächlich stammt sie von Fernand Petiot, dem Barkeeper der »Harry's New York Bar« in Paris, in der Hemingway ebenso gern wie ausgiebig zu Gast war. Der schüttete 1921 eins zu eins Tomatensaft und Wodka zusammen, verfeinerte das Gebräu mit schwarzem Pfeffer, Salz, Tabasco und Worcestershiresauce - und fertig war der Klassiker.
Zum Ursprung des Namens gibt es verschiedene Vermutungen: Manche sagen, die »Blutige Marie« sei nach der englischen Königin Maria I. Tudor (1516-58) benannt worden, die wegen ihrer blutigen Protestantenverfolgung diesen Beinamen trug. Wahrscheinlicher ist indes, daß Stammgast Hemingway höchstselbst den Namen vorschlug, da der Drink ihn an den »Bucket of Blood Club« in Chicago und an ein Mädchen dort namens Mary Welsh erinnere - seine vierte Ehefrau.

Blümchenkaffee...nennt der Sachse scherzhaft einen überaus dünn aufgebrühten Kaffee: Services aus der Meißner Porzellanmanufaktur werden seit 1815 noch bis heute u. a. mit dem Dekor »Gestreute Blümchen« verziert, bei dem rund um eine größere Mittelblume verschiedene Rosen, Vergißmeinnicht, Veilchen oder Kornblumen angeordnet sind. In der Tasse sieht man durch den besonders dünnen Muckefuck hindurch auf dem Boden manchmal diese einzelne Blume - ein Zeichen von Geiz, da zwischen dem edlen Porzellan und dem sparsamen Einsatz von Kaffeepulver deutliche Diskrepanzen bestehen. Die ultimative metaphorische Steigerung ist der »Schwerterkaffee«, bei dem gar die zwei gekreuzten blauen Schwerter, das berühmte Markenzeichen, auf der Tassenunterseite sichtbar werden sollen. Eine andere Erklärung geht auf die Wurzel der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus) zurück, der auch »Zichorie« genannten blauen Kornblume, die in Notzeiten zu Kaffeeersatz verarbeitet wurde.

BlumentopferdeDer geneigte Wortspielfreund weiß es längst: Blumentopferde, die oft der Gattung Enjambement zugeordnet werden, hat noch nie ein Mensch je leibhaftig zu Gesicht bekommen. Ihr Urinstinkt läßt die schwarzbraunen Gesellen, die ursprünglich wohl nur am Alpenostrand beheimatet waren, heute in allem Gärtnereien prächtig gedeihen, wo sie sich unter Usambaraveilchen und Gummibäumen verbergen. Auch ein Habitat aus trockenen Yuccapalmen und Grünlilien in Großraumbüros wird gut vertragen, verschiedene Unterarten bevorzugen eher Fensterbänke und Balkonbrüstungen, wo sie perfekte Symbiosen mit Geranien und Zwergelstern eingehen. Blumentopferde sehen vermutlich ganz anders aus, als alle anderen Pferde, nichts genaues weiß man aber nicht. Auch riecht dieses Getier in der Regel deutlich besser, als ihre im Stall wohnenden Verwandten. Große Ansprüche an den Lebensraum werden nicht gestellt, für eine artgerechte Haltung reicht Blumentopferden ein kleines Gefäß aus Ton oder Plastik mit einer nicht sehr hellen Duschlampe zum Glücklichsein meist schon aus, auch größere Flächen im Freien werden aber gern angenommen. Die anspruchslosen Herbivoren nehmen gelegentliche Gaben biochemischer Bodennahrung sowie Dihydrogenmonoxid gern an, wobei ein sehr seltener Kliniksterbefall vor allem bei älteren Exemplaren nicht immer zu vermeiden ist. Sehr zum Unmut heimischer Blumentopferde werden manche Wortspiele allerdings als schwachsinnig eingestuft - unklar bleibt ob des häufig in zertifizierten Baumschulen erworbenen überdurchschnittlichen Bildungsniveaus dennoch, warum Blumentopferde trotz ihrer deutlichen Unlustigkeit zuweilen ein müdes Lächeln bei Nachttischlampen und Winterastern hervorrufen.

BlümerantDieses altberliner Synonym für Übel oder Unpäßlichkeit kam um 1650 vom französischen »bleu mourant« (matt-, blaß-, wörtlich »sterbendblau«) in die deutsche Sprache: War der vornehmen Dame das Korsett zu eng geschnürt worden, bekam sie nicht genug Luft und die Gesichtsfarbe veränderte sich - ihr war »bleumourant« geworden...
Nach anderer Deutung war dieses Blau etwa um den 30jährigen Krieg in Deutschland die Modefarbe schlechthin. Hatte man sich an ihr bis zum Unbehagen sattgesehen, verallgemeinerte man dies später mit volksetymologischer Umdeutung, sodaß »blümerant« eine wunderbare Umschreibung für ein Unwohlsein, eine »elende Gemütsverfassung« wurde.
Übrigens: Anno 2007 wurde »blümerant« zum zweitschönsten bedrohten deutschen Wort gewählt.

Blut geleckt...hat, wer an etwas Gefallen findet, auf den Geschmack kommt, eine zunehmende Lust verspürt. Die Redensart hat nichts mit Vampirfilmen zu tun, sondern geht auf die Jägersprache zurück: Raubtiere verfolgen die Spur ihrer Beute emsiger und werden noch gefährlicher, wenn sie ein Tier bereits verletzt haben - sie haben schließlich »Blut geleckt«. Auch Blut- oder Schweißhunde - das ›schweißen‹ steht hier für ›bluten‹ - sind darauf spezialisiert, verletztes, blutendes Wild zu suchen und zu stellen. Werden diese Hunde auf eine Blutspur angesetzt, riechen sie nicht nur das Blut, sondern lecken auch daran. Der Verfolgungseifer wird dadurch enorm gesteigert.

Blut ist dicker als Wasser...wußte man schon anno 1670 in einer Sammlung englischer Redensarten. Der Hintergrund: Familiäre Bindungen zu Blutsverwandten sind stärker, als die durch (Tauf-)Wasser entstandenen zu Fremden, wenngleich auch disee dann Paten oder Freunde sind. Laut »Oxford Dictionary of English Proverbs« verwendete der schottische Schriftsteller Walter Scott (1771-1832) den Spruch 1814/1815 in dem Roman »Guy Mannering or the Astrologer (Guy Mannering oder Der Astrologe).« Kaiser Wilhelm II. soll damit die Verbundenheit zwischen dem deutschen und englischen Volk beschrieben und an die gemeinsamen stammesgeschichtlichen Wurzeln erinnert haben.

Blut und Wasser schwitzen...wir gelegentlich, wenn wir sehr angespannt und nervös sind: Angstschweiß und feuchte Hände sind wohl jedem bekannt, bei extremer Angst kann es mitunter sogar durchaus passieren, daß durch psychosomatische Vorgänge feine Äderchen unter der Haut platzen, sodaß es tatsächlich zum Blutaustritt kommen kann.
Ein bekanntes Beispiel ist das Blutschwitzen Jesu am Ölberg. Im Neuen Testament erscheint ihm, kurz bevor er gefangengenommen wird, ein Engel: »Et factus est sudor eius sicut guttae sanguinis decurrentis in terram« - »Vnd es kam, das er mit dem Tode rang vnd betet hefftiger. Es ward aber sein schweis wie Blutstropffen, die fielen auff die Erden« (Lukas 22:44).
Auch im Prolog der 14 Stationen des Kreuzwegs heißt es: »Sed unus militum lancea latus eius aperuit et continuo exivit sanguis et aqua« - »Sondern der Kriegsknechte einer öffenet seine Seite mit einem spehr. Vnd als bald gieng Blut vnd Wasser her aus«. (Johannes 19:34).
Dieser »Test« für den eingetretenen Tod wurde seinerzeit nicht nur als Vermischung von Blut und Lymphflüssigkeit gedeutet, sondern auch als Hinweis, daß Jesu Blutkreislauf vor dem Lanzenstich noch schwach tätig war.
Das »Blut und Wasser« ist wohl durch diese Bibelstelle gebräuchlich, kommt aber auch in anderen Quellen vor und könnte so durchaus auch altes medizinisches Wissen oder außergewöhnliche Erlebnisse widerspiegeln.

BlütenDie »Falschen Fuffziger« kommen aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Rotwelschen: Münzen wurden schon im 19. Jahrhundert aus Platten ausgestanzt - Falschmünzen aus »linken Platten«, aus denen sich die »Blüten« entwickelten. Eine andere Deutung: Als »blede« (Goldstück) wurden blankpolierte Pfennige bezeichnet, die Gutgläubigen als höherwertig untergeschoben wurden. Im Amtsdeutsch sind Blüten Geldscheine, die »nicht als Zahlungsmittel verwendet« werden sollen - Spielgeld also. Gefälschte Banknoten - die »Falsifikate« - sind schlicht und einfach Falschgeld.

BocksbeutelFrankenweine werden oft in sogenannte »Bocksbeutel« abgefüllt. Diese bauchigen Weinflaschen, die sonst nur in Tauberfranken und Ortenau verwendet werden dürfen, sind tatsächlich dem Hodensack (Beutel) eines Bockes nachgebildet, und sollen früher gar aus demselben hergestellt worden sein. In Norddeutschland bezeichnet es zudem verächtlich das steife Festhalten an alten Gewohnheiten: Dort meint man eine Verstümmelung von »Booksbüdel« (Buchbeutel), in dem vornehme Bürgerfrauen das Gesangbuch trugen, wenn sie zur Kirche gingen.

BohèmeDas scheinbar ungezwungene Künstlerleben geht zurück auf das mittelalterliche »bohemus« (der Böhme, Zigeuner) - eine Gruppe romantischer, antibürgerlicher Schriftsteller und Künstler, die sich im Paris des 19. Jahrhunderts in einer wilden, schillernden Art zu leben zusammenfanden und bewußt auf das konservative Dasein verzichteten, um ihre kreative Freiheit trotz drohender Armut auszuleben. Später wurde der Begriff auch auf das »Zigeunerleben« der Pariser Studenten und deren liederlichen Lebenswandel angewendet. Die Bezeichnung »Bohème« stammt aus Henri Murgers (1822-61) Roman »Scènes de la vie de Bohème« (1851), auf dem auch »La Bohème«, die berühmte Oper von Giacomo Puccini (1896) basiert.

Böhmische Dörfer...sind seit dem 16. Jahrhundert bekannt und entstammten ursprünglich der Donaumonarchie Österreich-Ungarn, zu der auch das Königreich Böhmen gehörte. Diese Dörfer waren oft sehr entlegen und hatten für Deutsche unverständliche böhmische Namen. Der Ausdruck wurde so geläufig, daß sogar Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-76) in seinem berühmten »Simplicissimus« die Phrase von den böhmischen Dörfern öfter benutzte für den Fall, daß jemand etwas nicht verstand. Richtig gebräuchlich wurde die Redensart nach dem Dreißigjährigen Krieg: Damals wurde Böhmen so verwüstet, daß kaum bewohnbare Dörfer übrigblieben. Als »Böhmisches Dorf« galt daher auch etwas, das es eigentlich gar nicht (mehr) gab. Auch ein Gedicht Christian Morgensterns (1871-1914) beginnt mit den Worten: »Palmström reist mit einem Herrn von Korf in ein sogenanntes böhmisches Dorf. Unverständlich bleibt ihm alles dort«.

Bohnen in den Ohren...haben umgangssprachlich Leute, die absichtlich nicht hören oder zuhören wollen. Dem liegt wohl die Vorstellung zugrunde, daß man die lecker Hülsenfrucht als Ohrstöpsel zweckentfremdet, um den Gehörgang zu verschließen.
Der amerikanische Schlagerbarde Gus Backus (*1937) landete 1965 als GI in Deutschland mit dem Lied »Bohnen in die Ohr'n« einen Ohrwurm, der bis heute auf keiner Faschingsfete fehlen darf:

 »Ja, meine Mutter sagt:
  Steck keine Bohnen in die Ohr'n,
  Bohnen in die Ohr'n,
  Bohnen in die Ohr'n.
  Und auch der Lehrer klagte:
  Du hast Bohnen in die Ohr'n,
  Bohnen in die Ohr'n.
  Und so gehts mir auch heute«...

Bohnenstange...nennen wir gelegentlich spöttisch eine sehr magere Person mit dünnen Armen und Beinen von »asthenischer« oder »leptosomer« Konstitution, deren schlanker, schmalwüchsiger Körperbau und die schmalen, leichtknochigen Gliedmaßen an »Bohnenstangen« erinnern.

BohnerwachsIn der französischen Stadt Beaune im Weinbaugebiet Côte-d'Or wurde aus Traubenkernen, die bei der Weinherstellung anfielen, traditionell Wachs gewonnen, das sich hervorragend zur Bodenpflege eignete. In Deutschland wurde unter »Beauner Wachs« ähnliches produziert, nach dem ersten Weltkrieg und unter dem Druck des Versailler Vertrages, diese Bezeichnung allerdings verboten. Die Hersteller nannten ihre Ware dann »Bohnerwachs«.

Bollerwagen...kennt wohl jeder von den alljährlichen feuchtfröhlichen Vatertags-Touren: Diese kleinen vierrädrigen, an einer Handdeichsel gezogenen Karren sind fast unverzichtbar, um die notwendigen Mengen geistiger Getränke darin zu transportieren. Namensgeber war möglicherweise ein anderer Trank von der Berliner Molkerei »Bolle«, die einst mit solchen Wagen und Pferdefuhrwerken ihre Milchkannen transportierte. Ebenfalls gut möglich ist allerdings, daß der Name einfach nur von den polternden Holzrädern abgeleitet wurde.

Bombastisch...nennen wir - abgeleitet vom grch. »bombyx« (Baumseide) und mlat. »bombax« (Baumwolle) - etwas, das gigantisch und überwältigend ist, uns ganz besonders beeindruckt, oft eine schwülstige Rede, die eine leere Hülle mit viel Füllmaterial ausstopft, um dem mangelhaften Gedankengerüst Gewicht zu verleihen. Insbesondere Politiker beherrschen diesen verschachtelten, weitschweifigen Satzbau, der es dem geneigten Zuhörer nachgerade unmöglich macht, den Sinnzusammenhang auch nur noch ansatzweise zu erfassen. Der Ursprung dieses Wortes liegt in der Mode: Gegen Ende des 16. Jahrhunderts trug man am spanischen Hofe gern »bombastische« Herrenhosen aus einem Baumwollgewebe, die voluminös ausgestopft und versteift wurden.

Bombenstimmung...könnte ursprünglich einmal in der Theaterwelt des 19. Jahrhunderts geherrscht haben, als eine »bombige« Vorstellung durch verschiedene ungewöhnliche, überraschende und herausragende »Knalleffekte« für Verblüffung im Publikum sorgten - ähnlich wie Bomben, die im Gegensatz zur einfachen Kanonenkugel mit Sprengstoff gefüllt sind, um eine ungleich größere Wirkung zu erzielen.

Bombenwetter...kommt möglicherweise daher, daß man, um eine Stadt bombardieren zu können, einst klares Wetter benötigte. Je besser die Sicht, desto größer die Chance, die gewünschten Ziele zu treffen.

Bonfortionös...nennt man in manchen Gegenden etwas »nicht mit Worten zu beschreibendes«, weil so außerordentlich Luxuriöses - insbesondere im Zusammenhang mit einem guten, reichlichen Festmahl. Dieses Wort kommt wohl von einer hugenottisch-berlinischen Kreation aus »bon« (gut) und »fort« (stark, groß, viel) oder »fortuné« (Glück, Vermögen, Erfolg) mit französisch angehauchter Endung. Möglich wäre auch eine Herleitung von »bon« und »confort« (Komfort). In Frankreich ist das Wort unbekannt, dort heißt großartig »formidable« oder »trop-top« (etwa: absolut spitze).

Bönhase...nannte man jemanden, der (heimlich) ein Gewerbe betrieb, das zunftpflichtig war, ohne daß die Person dieser Zunft auch angehörte. Der Begriff setzt sich zusammen aus »Bön« (niederdeutsch für Hausboden) und »Hase«, also jemand, der auf den Hausboden flüchtete, weil er fürchtete, bei seiner Tätigkeit entdeckt zu werden.

BonmotDas »gute Wort«, der »geistreiche Ausspruch« gilt gemeinhin als Zeichen von Esprit und ist Teil der Fähigkeit, sich in anspruchsvoller Gesellschaft zu bewegen. Diese geistreiche, treffende oder witzige Wendung bezieht sich oft auf den individuellen Fall, wobei der Unterhaltungswert im Vordergrund steht.

Bonze...nennen wir oft begüterte, einflußreiche - und unbeliebte - Personen aus Politik und Wirtschaft. Ursprünglich war der »Bonze« der japanische Name für einen buddhistischen Mönch; das negative Bild leitet sich also von den dicken Buddhafiguren ab, die in Japan - ganz anders als hier - für Heiterkeit, Lebensfreude und Glück stehen.

BordellDas »Haus für die gewerbsmäßige Prostitution«, das wohl aus dem französischen »Bordel« oder dem italienischen »Bordello« hervorging, meinte ursprünglich eine kleine (Bretter-)Hütte.

BordsteinschwalbeDiese besonders leichte, überwiegend nachtaktive Spezies, von der nur sehr vereinzelt männliche Exemplare beschrieben wurden, zeichnet sich durch ihr recht farbenfrohes Federkleid und den charakteristischen Balzruf: »Na Süßer, wie wär's mit uns beiden?« aus. Die kontaktfreudige und gesellige, bis zu 1,90 m große, schlanke bis fette typische Stadtbewohnerin lebt - oft aufgereiht wie die flugfähigen Schwalben auf den Stromleitungen - in lockeren Kolonien in Bahnhofsvierteln oder an Ausfallstraßen. Ab und zu fliegt sie für einen kurzen Rundflug davon und landet bald darauf wieder bei ihren Kolleginnen - gelegentlich auch auf Polizeiwachen. Neben ihrer völligen Anpassung an den Nahrungserwerb auf der Straße waren wohl die wie ein Schwalbenschwanz typisch gegabelten langen Beine namensgebend. Die Bordsteinschwalbe ist sehr reviertreu und verteidigt dieses argwöhnisch gegen Konkurrentinnen. Ihre oben offenen Nester baut sie vorzugsweise aus Plüsch und Satin, sie ernährt sich vorwiegend von Schampus, pflanzt sich im Regelfall nicht fort und ist besonders gut zu vögeln.

Böse Zungen behaupten...manchmal gar unglaubliche Sachen. Und sie gehören meist zu sehr böswilligen, negativ eingestellten Menschen. Schon Martin Luther (1483-1546) schrieb in seine Bibelübersetzung zum Buch Jesus Sirach: »Lingua tertia multos commovit et dispersit illos a gente in gentem« - »Ejn böse Zungen macht viel Leute vneins vnd treibet sie aus einem Land ins ander« (28:16).

Bösewicht...war im Mittelalter ein hinterlistiges dämonisches Wesen, das man in Menschen mit schlechtem Charakter zu erkennen meinte. Jemanden als »Bösewicht« (was sich übrigens wirklich aus den Begriffen »böse« und »Wicht« zusammensetzt) zu bezeichnen, war damals ein ehrenrühriges Schimpfwort, auch wenn es heute eher belustigend klingt...

Bouillabaisse...kochte man ursprünglich im armen Hafenviertel von Marseille: Hafenarbeiter sammelten dort die Fischreste auf dem Fischmarkt ein und brachten sie nachhause, um daraus mit Meerwasser eine Art Eintopf zu bereiten. Mittlerweile durchlief die Bouillabaisse einen Wandel von der ursprünglichen Resteverwertung hin zum luxuriösen Fischgericht. Das Fischfleisch muß nach dem Zubereiten noch bißfest sein und zusammenhalten. Daher kommt übrigens der Name: »bouillie a baisse« bedeutet »gekocht bis zum Absinken«. Sobald die Brühe anfängt zu kochen (»bouillir«), muß man die Wärme senken (»baisser«).

BoulevardDieses vermeintlich französische Wort kommt eigentlich aus dem Deutschen: »Boulevard« ist vom »Bollwerk« entlehnt. Im Mittelalter gab es wahrscheinlich oft an der Stadtmauer Händlerstände, an denen man auf Bohlenwegen vorbeiflanieren konnte.

BoykottWährend der irischen Agrarkrise im 19. Jahrhundert war ein gewisser Charles Cunningham Boycott Verwalter der Ländereien eines Lord Earne in der Grafschaft Mayo. Als 1879 die Pächter von ihren Grundherren mit unzumutbaren Abgaben belegt wurden, rief der Führer der irischen Radikalen die Landliga auf, die habgierigen Herren wie Aussätzige zu isolieren. Das erste Opfer wurde Boycott: Tagelöhner verweigerten ihm die Arbeit, Briefträger brachten keine Post mehr, Händler belegten jeglichen Geschäftsverkehr mit ihm und seinen Angehörigen mit ihrem Bann, sodaß die Familie sich per Dampfer mit dem Nötigsten versorgen lassen mußte. Nach einem Jahr zwang man die Boycotts zur Flucht nach England. Der Hauptmann starb 1897 in Suffolk, sein Name wurde zum Synonym für die Ächtung.

Brandbrief...nannte man einen dringenden Bittbrief um Geld oder auch ein Schriftstück, mit dem Mißstände angeprangert und Konsequenzen angedroht werden: Das Idiom aus dem Mittelalter wird dementsprechend mit zwei unterschiedlichen Bedeutungen überliefert: Während der Brandbrief in Norddeutschland eher das Abbrennen von Haus und Hof androhte, war er im Süden eine Anweisung an die Obrigkeit, Geld für Brandgeschädigte zu spenden.

Brandschatzen...bedeutete ursprünglich, eine Stadt zu erpressen und behufs dessen mit dem Inbrandsetzen zu drohen. Gleichzeitig wurde ein »Schutzgeld« verlangt, eine gebrandschatzte Stadt also gegen Lösegeld verschont. Heute verstehen wir darunter das Verbrennen oder Verwüsten einer Stadt.

BratkartoffelverhältnisIm ersten Weltkrieg wurde eine kurze Liebesbeziehung noch hauptsächlich wegen der besseren Verpflegungsverhältnisse eingegangen. Heute wird das Synonym eher für die »wilde Ehe« benutzt.

Braunbier mit Spucke...sagt der Berliner zu jemandem, der blaß, krank, elend - einfach nur fertig aussieht.
Diese wenig schmeichelhafte Beschreibung könnte darauf zurückgehen, daß jemand, der zuviel des Gerstensaftes genossen hatte, sich selbiges noch mal »durch den Kopf gehen« ließ - es wieder von sich gab. Aber auch ein abgestandenes Bier, an dem jemand schon stundenlang nuckelt, bis statt Schaum nur noch die Spucke des Zechers darauf schwimmt, ist vorstellbar.

Bretter, die die Welt bedeuten...nennt der Schauspieler die Theaterbühne, die sein natürliches Habitat darstellt und früher meist aus Brettern gefertigt war. Die sprichwörtliche Redensart geht auf das Gedicht »An die Freunde« (1803) von Friedrich von Schiller (1759-1805) zurück. Dort heißt es in der letzten Strophe:

 »Größres mag sich anderswo begeben,
  Als bei uns in unserm kleinen Leben;
  Neues - hat die Sonne nie gesehn.
  Sehn wir doch das Große aller Zeiten
  Auf den Brettern, die die Welt bedeuten,
  Sinnvoll still an uns vorübergehn.
  Alles wiederholt sich nur im Leben,
  Ewig jung ist nur die Phantasie;
  Was sich nie und nirgends hat begeben,
  Das allein veraltet nie!«

Brief und Siegel geben...wir jemandem, der einen Sachverhalt anzweifelt, von dessen Richtigkeit wir selbst überzeugt sind. In der mittelalterlichen Gerichtssprache wurden Urkunden nach dem lateinischen »brevis libellus« (kurzes Schreiben, Urkunde) auch »Brief« genannt. Im Meister- oder Steckbrief finden wir diese Bedeutung noch bis heute. Der Brief galt auch ohne Unterschrift - unbedingt dazu gehörte aber das amtliche Siegel des Ausstellers, ohne den das Schriftstück wertlos war. Spricht man von »Brief und Siegel«, ist man bereit, einen Vertrag zu schließen.

Briefadel...meint diejenigen Adeligen, die durch einen Adelsbrief (statt durch Geburtsadel, ererbten Titel) in den Adelsstand erhoben wurden.

Brillenschlange...sagen manche wenig netten Menschen gelegentlich zu Brillenträgern. Der Ausdruck geht auf die südasiatische Kobra (Naja naja), eine etwa 1,5 Meter lange Giftnatter zurück, die oft eine typische, an eine Brille erinnernde Markierung auf der Rückseite des Halsschildes aufweist.


Bild: wikimedia.org

BrimboriumViel Gerede, große Umschweife, aufwendige Vorbereitungen - andere stehen dem oft recht neutral gegenüber und wundern sich über soviel Aktionismus: Als »Brimborium« bezeichnete man im 16. Jahrhundert ein überlanges Gebet in lateinischer Sprache, ein schnelles, undeutliches Gemurmel. Abgeleitet vom französischen »brimborion« (Lappalie), das wiederum auf das mittelfranzösische »breborion, briborion« (Zauberformel, Kleinigkeit ohne Wert) zurückgeht und des »gelehrteren« Klanges wegen mit der latinisierten Endung »-ium« versehen, wurde das Wort durch Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) »Urfaust« bekannt. Mephistopheles sagt dort:

  Ihr sprecht schon fast wie ein Franzos;
  Doch bitt ich, laßts Euch nicht verdrießen:
  Was hilfts, nur grade zu genießen?
  Die Freud ist lange nicht so groß,
  Als wenn Ihr erst herauf, herum
  Durch allerlei Brimborium,
  Das Püppchen geknetet und zugerichtt
  Wies lehret manche welsche Geschicht.

Brosamen...waren ursprünglich Stücke, die vom Brot abgebrochen wurden, also zunächst eher »Brocken«. Heute werden so nur noch allerkleinste Stücke (Krümel, Brösel) bezeichnet. Den Begriff - vom ahdt. »brosem, broseme, brosme«, später mhdt. »brosoma« (Bröckchen, Zerriebenes) - finden wir schon in der Geschichte des Lazarus: »...et cupiens saturari de his, quæ cadebant de mensa divitis; sed et canes veniebant et lingebant ulcera eius«. - »...vnd begeret sich zu settigen von den brosamen, die von des Reichen tische fielen. Doch kamen die Hunde, vnd lecketen jm seine schweren«. (Lk. 16.21). Dem Hungernden wurden also einfach Krümel der eigenen Mahlzeit zugeworfen. Heute erklären wir ironisch die Spende eines Reichen an Arme, die so gering ausfällt, daß sie eigentlich wirkungslos bleibt und vor allem den Reichen gar nicht belastet. Bei Ludwig Thoma (1867-1921) »Der sächsische Landtag« heißt es dazu:

  »Sie saßen lange Zeit allein im Saale,
  Recht unter sich bei reichbesetztem Mahle,
  Verteilten Braten unter sich und Fisch,
  Ein Brosam fiel dem Volk von ihrem Tisch...«

Brot und Spiele...bezeichnet bis heute die Versuche einer Regierung, das Volk von aktuellen innenpolitischen Problemen abzulenken, indem man mit inszenierter Massenunterhaltung die allgemeine Stimmung zu heben versucht.
Das war schon im alten Rom so: Der Ausdruck geht auf das lateinische »panem et circenses« (»Brot und Zirkusspiele«, eigentlich »Brot und Wagenrennen«) zurück, womit der römische Dichter Decimus Iunius Iuvenalis (um 60-127) in seinen »Satiræ« (10:81) das Volk kritisierte, es habe einst die Macht an Feldherren verliehen und Beamte gewählt, würde sich jetzt allerdings nur noch für Essen und Unterhaltung interessieren, nicht aber für Politik.

BrötchengeberSchon in Genesis 3.19 hieß es: »In sudore vultus tui vesceris pane donec revertaris in terram de qua sumptus es quia pulvis es et in pulverem reverteris«. - »Jm schweis deines Angesichts soltu dein Brot essen, Bis das du wider zu Erden werdest da von du genomen bist. Denn du bist Erden vnd solt zu Erden werden«. Eine der wohl am tiefsten bei uns verwurzelten Weltanschauungen - Menschsein bedeutet, bis zum Tode hart zu arbeiten. Derjenige, der uns für einen kargen Lohn dieses oft recht kleine Brot in ebendiesem Schweiße essen läßt, der Arbeitgeber, Firmeninhaber, Unternehmer ist im wahrsten Wortsinne unser »Brötchengeber«

Brotlose Kunst...bezeichnet umgangssprachlich eine Tätigkeit, die schlicht und einfach nichts einbringt: Selbst Künstler müssen sich ihre Brötchen hart verdienen. Nur von Genie und Kreativität allein läßt es sich kaum leben, und Unsterblichkeit erlangt man auch und gerade in diesem Metier oft erst weit nach dem Tode. Da aber längst nicht jedes vermeintliche »Kunstwerk« sich in klingender Münze auszahlt, mangelt es manch selbsternanntem Künstler oft genug an einem etablierten, finanziell abgesicherten Leben und hin und wieder eben gar am Mindesten.

Bruder Leichtfuß...nennen wir gelegentlich einen Tunichtgut, einen eher windigen Burschen, dem wir eine gewisse Leichtsinnigkeit attestieren. Solch lockere und bisweilen etwas unbeständige Zeitgenossen gehen meist leichtfertig über anstehende Probleme hinweg, springen stattdessen hurtig und leichtfüßig wie ein Hase nur zwischen den angenehmen Seiten des Lebens umher.

Brüderschaft trinken...zwei Menschen auf dem Weg vom »Sie« zum »Du«, indem sie in einem Ritual jeweils die Arme, mit denen sie aus einem Glas trinken, gegenseitig durch die Armbeuge des anderen unterhaken. Danach gibt's einen Kuß und man stellt sich mit seinem Vornamen vor.
Laut »Meyers Enzyklopädie« von 1888 ist dies »...zunächst die Übereinkunft von zwei Personen, sich als Brüder anzusehen, oft nur um einander mit ›Du‹ anzureden. Die Sitte, Brüderschaft zu trinken, beruht wohl darauf, daß der Genuß des gleichen Trankes als Symbol fester Vereinigung angesehen wurde...«
Wo dieser Brauch ursprünglich herkommt, ist unklar: In »Jus Potandi oder Zechrecht«, einer anno 1616 herausgegebenen Übersetzung der »Disputatio inauguralis theoretico-practica jus potandi« von Richard Brathwaite (1588-1673) heißt es in Kapitel 20: »Einen sonderlichen Verstandt oder Meynung hat der jenige Becher oder Glaß, damit einer den andern mit darzu sonderlichen und üblichen woertern zum Bruder erwehlet unnd einweyhet, oder aber, wie man sonst zusagen pfleget, mit ihme auff Bruederschafft oder auff den Dutz trincket. Welches auff allgemeine weise folgender Gestallt zu geschehen pfleget. In dem einer den andern anredet und spricht: Wenn ich dem Herrn nicht zu jung oder zu geringe were, wolte ich ihm eines auff gute Kundschafft unnd Bruederschafft bringen. Darauff antwortet der ander: Trinck her in Gottes Nahmen. Es soll mir sehr lieb und angenehm seyn: Darauff trinckt er auß und in dem er das wieder eingeschenckte Trinckgeschirr seinem newen Bruder zustellet, gebraucht er sich dieser wort und spricht: Mein Nahme heist N.N. ich wil thun was dir lieb ist unnd lassen was dir leyd ist. Darauff antwortet der ander: Und beyden deßgleichen wil ich in allem auch thun. Und nach Verrichtung dessen schweigen sie ein wenig still unnd bitten darauff, daß solche Bruederschafft durch oeffters besuchen, so von einem gegen den andern geschehen soll moege bestaettiget und vollnzogen werden und eine solche Bruederschafft wie ich gemeldet ist durch Gewonheit eingefuehret worden«.
Im 18. Jahrhundert werden Studentengelage beschrieben, bei denen das »Duztrinken« offenbar gängig war. Der Hallenser Magister Christian Wilhelm Kindleben (1748-85) erzählt in seinem »Studenten-Lexicon« von 1781: »...wenn die jungen Leute beym Glase Wein oder auch wohl beym Kommersch in einem Glase Bier oder Schnaps Brüderschaft trinken, und sich alsdenn einander Du und Herr Bruder nennen [...] Sonst pflegen auch Aeltern ihre Kinder, Lehrer in niedrigen Schulen ihre Schüler, Meister ihre Lehrjungen und Gesellen, Officiers die gemeinen Soldaten zu dutzen, das ist Du zu heißen«.

Brunnenvergifter...richten großen Schaden an und treffen meist viele Unschuldige: Die Vergiftung öffentlicher Brunnen, die in früheren Jahrhunderten der Wasserversorgung der Bevölkerung dienten, galt als besonders verwerflich. So wurden bei kriegerischen Auseinandersetzungen gelegentlich Leichen oder Tierkadaver in die Brunnen des Feindes geworfen. Das Wasser wurde dadurch ungenießbar, da jeder, der davon trank, mit schweren Erkrankungen oder gar dem Tode rechnen mußte.

BrunstDer Begriff für die Paarungszeit beim Wild existiert so schon im Althochdt. und meint »Glut, Hitze«. Daran angelehnt kennen wir heute noch die »Feuersbrunst« und die »Inbrunst« (Leidenschaft).

Bubenhühner...waren Hühner, die für jeden Sohn eines Bauern (bis zu dessen Verheiratung) zu entrichten waren. Im Mittelalter bezahlten die Bauern oftmals ihre Abgaben mit Naturalien, was mit dafür sorgte, daß sie oft ziemlich »arm dran« waren.

Buch mit sieben Siegeln...nennen wir heute meist etwas, das wir nicht verstehen, das uns einfach »zu hoch«, zu schwer verständlich ist, oft auch einen Menschen, den wir nicht durchschauen.
»Liber signatum septem sigillis« bezieht sich auf einen Seher, der in den Johannes-Offenbarungen (5.1) eine Buchrolle nicht öffnen, den Inhalt also nicht lesen kann, weil die Rolle mit sieben Siegeln verschlossen ist: »Et vidi in dextera sedentis super thronum librum scriptum intus et foris signatum sigillis septem«. Martin Luther übersetzte anno 1546: »Vnd ich sahe in der rechten Hand des, der auff dem stuel sass, ein Buch geschrieben inwendig vnd auswendig versiegelt mit sieben Siegel«. In einer wortgewaltigen, teils nachgerade surrealen Sprache wird dann geschildert, wie das Lamm Gottes ein Siegel nach dem anderen öffnet und so die Apokalypse auslöst.
Auch Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) »Faust« sagt zu seinem Famulus Wagner:

 »Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit
  sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.
  Was ihr den ›Geist der Zeiten‹ heißt,
  das ist im Grund der Herren eigner Geist,
  in dem die Zeiten sich bespiegeln«.
  (Der Tragödie erster Teil, Nacht, 575)

BücherwurmMenschen, die viel lesen und deren Augen daraufhin nicht immer die besten sind, halten Bücher oft so nah vor das Gesicht, daß es aussieht, als würden sie diese »auffressen«. In der Literatur wurde diese Metapher erstmals 1747 von Gotthold Ephraim Lessing (1729-81) in seinem Lustspiel »Der junge Gelehrte« (3. Szene, 1. Auftritt) verwendet:

  (Lisette:)
Tust Du nicht recht albern! Ich habe Dir ja alles erzählt, was unter uns vorgegangen ist. Dein Herr, das Bücherwürmchen!
  (Anton:)
Ja, auch das sind verdammte Tiere, die Bücherwürmer. Es ist schon wahr, ein Mädel wie du, mit tausend Talern, die ist wenigstens tausend Taler wert; aber nur das Kabinett - das Kabinett...

Auch der Maler Carl Spitzweg (1808-85) griff 1850 in seinem Gemälde »Der Bücherwurm« diese Übertragung auf. Eigentlich sind »Bücherwürmer« aber Käferlarven, deren Lebensraum neben dem trockenen Totholz zuweilen auch Möbel, Bücher oder trockene Nahrungsmittel wie Brot umfaßt.

Büchse der PandoraNach der griechischen Sage war Pandora die erste Frau auf Erden. Zeus ließ sie von Hephaistos aus Lehm formen und mit vielen Vorzügen und Reizen versehen. Doch da Prometheus den Menschen gegen den Willen der Götter das Feuer gebracht hatte, schenkte Zeus als Strafe seiner Schwägerin ein Tongefäß, das alles Böse dieser Erde enthielt. Pandora sollte diese Büchse auf keinen Fall öffnen. Als Prometheus Bruder Epimetheus Pandora zur Frau genommen hatte, tat sie es aus Neugier - ganz Frau - aber dennoch und alles Übel der Welt kam über die Menschheit, die vorher kein Leid gekannt hatte. Nur die Hoffnung blieb im Gefäß zurück, damit der Mensch sein Leben trotzdem weiterführt. Heute ist die »Büchse der Pandora« Inbegriff alles Unheilbringenden.

Bucklige Verwandtschaft...nennen wir gelegentlich scherzhaft die ungeliebte Sippe, die uns im Grunde mal »den Buckel runterrutschen« könnte. Manche meinen, diese Wendung käme daher, daß die armen Verwandten mangels Kapital immer im niedrigen Keller oder auf dem schrägen Dachboden leben mußten, was zu den entsprechenden Deformationen geführt habe. Allerdings war im Mittelalter alles was anders war - wie eben auch ein Buckel - von Hause aus minderwertig, was man eben auch dieser Verwandtschaft nachgesagt hat.

Bückling...nannte man einst die höfliche Verbeugung eines Untergebenen - »Welches ist der höflichste Fisch?« lautete dazu eine beliebte Scherzfrage. Heute ist der Bückling (vom mittelniederdeutschen »buckinc«, »bucking« oder »pucking«) nur noch der geräucherte Hering, dessen charakteristischer goldener Glanz auf der Haut durch das austretende Fett beim Räuchern entsteht. Der Geruch nach »buc« (Bock) soll zu dem Namen geführt haben.

BückwareWare, die nur über »Beziehungen« (Westgeld) zu bekommen war. Sie lag versteckt unter der Theke, Verkäufer mußten sich also bücken, um sie hervorzuholen

BüdnerEin »Büdner« oder »Häusler« war ein Dorfbewohner mit eigenem Häuschen, aber nur wenig oder keinem eigenen Land. Er mußte also bei landbesitzenden Bauern seinen Unterhalt als Tagelöhner verdienen. Die Begriffe stammen noch aus der mittelalterlichen Agrarverfassung.

Büffeln...müssen viele Schüler, wenn sie versuchen, sich den Lernstoff für eine Klassenarbeit noch in letzter Minute einzuprägen. Diese Anstrengung hat allerdings nichts mit der harten Arbeit der Büffel zu tun - hierfür haben wir im deutschen Sprachraum das Wort »ochsen« -, sondern geht wohl eher auf das mittelhochdeutsche »buffen« zurück, was »schlagen, stoßen« bedeutet. Lehrer brachten ihre Schüler einst mit Schlägen und Stößen dazu, zu lernen.

BuhlerinDer alte Ausdruck für eine Geliebte findet sich schon als »buole« im mhdt. und meint dort eine nahe Verwandte oder Liebhaberin.

BulleDieses Kosewort für unsere Exekutivorgane kommt - wenngleich millionenfach anders kolportiert - natürlich nicht vom Rindvieh, sondern vom rotwelschen »Puhler«: Bereits im 18 Jahrhundert nannte man die Landjäger, die Vorläufer der heutigen Schutzpolizei, je nach Mundart »Landpuller« oder »Landbohlwer«. Zugrunde liegt dem Ausdruck das niederländische »bol«, was soviel wie Köpfchen (mit Grips) bedeutet...

Bulle & BärDie beiden Symbolfiguren der Börse wurden nach ihrem Kampfverhalten ausgewählt: Bullen greifen ihre Gegner mit gesenktem Kopf an und reißen sie mit den Hörnen hoch - der Bär schlägt den Feind mit der Tatze von oben nieder. Dementsprechend stehen der Bulle für steigende und der Bär für fallende Börsenkurse. Eine andere Deutung stellt darauf ab, daß der Bulle ein temperamentvolles Tier ist, während der Bär eher tapsig und schläfrig daherkommt.

BummelschichtUnentschuldigtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz, Blaumachen

BundschuhDie schon seit den alten Germanen bekannte Fußbekleidung - oftmals nur ein Stück Leder, das mit Riemen an Fuß und Knöchel befestigt wurde - war seit etwa dem Ende des 13. Jahrhunderts Symbol des Bauernstandes, um sich gegen die Adeligen (die Stiefel trugen) abzusetzen und wurde 1492/93 im Elsaß gleichbedeutend mit vorreformatorischem, bäuerlichem Widerstand gegen die weltliche und geistliche Obrigkeit. Einer der wichtigen Führer, der Bauer: Joss Fritz, führte Bauernheere des Bistums Speyer (1502), des Breisgaus (1513) und des Oberrheins (1517). Der »Bundschuh« mündete schließlich in die Bauernkriege von 1525.

Buridans Esel...war einer, der die Wahl zwischen zwei Gegenständen hatte, die ihm gleich wertvoll erscheinen: Johannes Buridan (um 1300-58), ein französischer Philosoph, soll sich des Bildes eines Esels bedient haben, der im gleichen Abstand zwischen zwei Heubündeln stand, um zu beweisen, daß er verhungern müsse, weil er gleichmäßig von beiden angezogen würde. In der Wirklichkeit gibt es indes solche Esel nicht, auch in seinen Werken bislang vergeblich nach dieser Stelle gesucht worden. Arthur Schopenhauer (1788-1860) hat aber nachgewiesen, daß das Beispiel über die Willensfreiheit sich bei Dante Alighieri (1265-1321) im 4. Buch seines Paradieses findet, wo es heißt: »Zwischen zwei gleich entfernten und sich bewegenden Speisen würde der Mensch eher sterben, als daß er bei Willensfreiheit eine an die Zähne brächte«. So bezeichnen wir heute einen Menschen, der sich bei der Wahl zwischen zwei gleichwertigen Gegenständen oder Zuständen nicht entscheiden kann als »Buridans Esel«.

BuschfunkInformelle Weitergabe von Informationen

BusenfreundDer beste Freund, einer, den man von Herzen gernhat - der »Busen« wird hier nicht im wörtlichen Sinne als Bezeichnung für die (weibliche) Brust verwendet, sondern beschreibt (insbesondere in der Romantik) überschwenglich-poetisch das »Innerste des Menschen«. In Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) »Veilchen« heißt es: »Bis mich das Liebchen abgepflückt und an dem Busen matt gedrückt...« und auch Tamino aus Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-91) »Zauberflöte« singt in seiner Arie: »Ich möchte sie dann voll Entzücken an meinen heißen Busen drücken...«

BüttelEin »Büttel« war ein Gerichtsdiener, mitunter auch Häscher, der flüchtige Verbrecher wieder einfangen und dem Gericht ausliefern mußte.

Butter bei die Fische...gibt man in Norddeutschland: Gebratener Fisch wird dort gerne mit einem Stückchen Butter serviert, das erst kurz vor Beginn der Mahlzeit auf den heißen, angerichteten Fisch gegeben werden darf, damit es nicht zerläuft. Sobald »Butter bei de Fische« ist, wird gegessen - man kommt also endlich zur Sache.

ButterbriefDer »Butterbrief« war eine Bescheinigung zur Fastenerleichterung, die von einem kath. Geistlichen (manchmal gar vom Papst selbst) ausgestellt wurde. Nur damit war es erlaubt, in der Fastenzeit Butter o.ä. nicht zugelassene Speisen zu essen. Oft erfolgte die Ausstellung gegen eine Bußzahlung (Butterpfennige). Die eingenommenen Beträge wurden im sogenannten Butterkasten aufbewahrt und z. B. zum Bau von Kirchen, Brücken etc. verwendet.

Buxtehude, wo die Hunde mit dem Schwanz bellen...ist ein rückständiger Ort, wo aus Dummheit quasi alles falsch gemacht wird. Ursprünglich war »Hunte« (Glocke) gemeint, der »Schwanz« war das ausgefranste Glockenseil. Möglicherweise liegt dem auch eine fremdsprachliche Übertragung zugrunde: Im Englischen heißt »to bell« läuten. In Buxtehude, das eine der ältesten Kirchen (13. Jahrhundert) Deutschlands hat, wurde noch lange mit Glockenseil und Klöppel geläutet, was heute als Zeichen von Rückständigkeit verstanden wird.


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