3904 Sprichwörter, Redewendungen, Idiome, geflügelte Worte



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C

C+M+BIn katholischen Regionen Deutschlands wandern am 6. Januar Sternsinger von Tür zu Tür, singen und schreiben die Abkürzung »C+M+B+« mit der jeweiligen Jahreszahl und drei Kreuzen an die Tür. Oft als »Caspar, Melchior und Balthasar« fehlgedeutet ist aber die Bedeutung »Christus Mansionem Benedicat« (Christus segne dieses Haus) ursprünglich richtig.

Café Viereck...nennt sich im Landserjargon die Arrestzelle im Wachgebäude der Kasernen: Der Begriff, der wohl ganz einfach auf den viereckigen Grundriß dieses doch eher karg eingerichteten Raumes abstellt, beschönigt das Ganze gewaltig - wirklich drinsitzen möchte in diesem »Café« natürlich keiner und von Kaffee und Kuchen können die Inhaftierten wohl auch nur träumen...

Canossa-GangAnno 1076 forderte der römisch-deutsche König Heinrich IV. Papst Gregor VII. nach Streitigkeiten um die Investitur zur Abdankung auf. Einige der deutschen Bischöfe hatten kurz zuvor dem Papst ebenfalls den Gehorsam aufgekündigt. Heinrich IV. wurde daraufhin vom Papst gebannt und mußte diesen Kirchenbann innerhalb eines Jahres lösen lassen, da ihm sonst die Königswürde aberkannt worden wäre. Da der Druck innerhalb des Reiches auf den gebannten Heinrich immer größer wurde und die Fürsten ihm immer mehr den Gehorsam verweigerten, mußte er den schon auf dem Weg nach Deutschland befindlichen Papst unterwegs erreichen, um zu verhindern, daß sich eine Allianz der Fürsten mit Gregor VII. in Deutschland selbst bilden konnte. Deshalb reiste Heinrich IV. 1077 nach Canossa. Auf der Felsenburg in der italienischen Provinz Reggio (Emilia-Romagna) ließ er sich 1077 von Papst Gregor VII. drei Tage demütigen, um von einem Bann losgesprochen zu werden. Danach hob Gregor VII., nicht zuletzt wegen der Fürsprache der sehr einflußreichen Burgherrin der Festung Canossa, Markgräfin Mathilde von Tuszien, den Bann auf - dafür versprach Heinrich IV., die Autorität des Papstes anzuerkennen. Nachdem er dadurch seine Macht im Reich festigen konnte, kam es aber wieder zu Streitigkeiten mit dem Papst, und so wurde er 1080 erneut von Gregor VII. gebannt. Daraufhin marschierte Heinrich IV. 1081 mit einem Heer nach Rom und setzte 1084 Papst Gregor VII. ab. Ebenfalls 1084 wurde Heinrich IV. vom eingesetzten Gegenpapst Clemens III. (in Rom) zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt.

CappuccinoEigentlich »Kapuziner«, eine spezielle Zubereitungsart des Kaffees, in Österreich ein kleiner Mokka mit wenigen Tropfen Schlagobers, sodaß der Kaffee die braune Farbe der Kutte des Mönchsordens »Ordo Fratrum minorum Cappucinorum« annimmt. Andere sagen, das aufgeschäumte Sahne- oder Milchhäubchen würde wie eine Kapuze sein - daher stamme der Name.

Castor & Pollux...waren in der griechischen und römischen Mythologie die unzertrennlichen Zwillingssöhne von Leda, der Frau des spartanischen Königs Tyndareos. Eines Tages wird Castor im Kampf von Idas, einem Viehbesitzer, im Streit über sein Vieh getötet und sein unsterblicher Bruder Pollux, der empfangen wurde, als Zeus in Gestalt eines Schwanes Leda verführte, trauert fortan um ihn. Er bittet seinen Vater, ihm die Unsterblichkeit zu nehmen. Gerührt von soviel Liebe ließ Zeus seinen Sohn wählen, ewig jung zu bleiben und unter den Göttern zu wohnen oder mit Castor jeweils einen Tag im unterirdischen Totenreich und einen Tag im Olymp bei den Göttern zu weilen. Ohne zu zögern wählt Pollux die zweite Variante und wandelt fortan mit seinem Bruder zwischen den Reichen des Zeus und des Hades. Einer späteren Legende zufolge wurden sie von Zeus in das Sternbild Zwillinge verwandelt, das noch heute mit seinen Hauptsternen Castor und Pollux von der großen Bruderliebe zeugt.

Casus knaxus...nennen wir umgangssprachlich die Stelle, wo ein Problem sitzt, das es zu lösen gilt. Der nicht allzu ernstzunehmende Ausdruck für den »springenden Punkt«, den »Knackpunkt« geht auf das lateinische Wort »casus« (Fall) zurück, »knaxus« ist hingegen nichts weiter als eine latinisierte Verballhornung von »knacken«.

Catonische Strenge...legte der römische Staatsmann Marcus Porcius Cato Maior (234-149 a.C.) an den Tag, ein großer, wortgewaltiger und unermüdlicher Verteidiger der altrömischen Sittenstrenge.

Charlottenburger...nennt der Wandergeselle ein bedrucktes Tuch, in das er sein Hab und Gut zu einem kunstvollen Bündel schnürt. Der Name geht auf den Berliner Stadtteil zurück, wo Handwerksburschen mit dem anno dunnemals üblichen Felleisen nicht gut gelitten waren, da sich darin allerlei Ungeziefer halten könnte. Möglicherweise abgeleitet von diesem überdimensionalen (Taschen)Tuch bedeutet »einen Charlottenburger machen« im Berlinischen aber auch, sich die Nase mal eben zwischen Daumen und Zeigefinger ohne selbiges zu schneutzen. Pfui Deibel...

ChauvinismusNicolas Chauvin war ein Soldat, der in der Armee der Ersten Französischen Republik und später in der Grande Armée diente und der ständig von den Leistungen Napoléons I. sprach, selbst noch nach dessen vernichtender Niederlage bei Waterloo anno 1815. Eine solche Bewunderung für sein Idol machte Chauvin, der oft verwundet, schwer verstümmelt und daraufhin von Napoléon hoch dekoriert worden sein soll, zum Gespött der Leute. Später erschien seine Einsatzbereitschaft nicht mehr so bewunderungswürdig, sondern diente vielmehr als Zielscheibe des Spotts. Im Lustspiel der Gebrüder Hippolyte und Théodore Cogniard »La Cocarde Tricolore« (1831) wird die Figur durch ihren Hang zu übersteigertem Patriotismus zum Namensgeber einer Geisteshaltung, namentlich mit Bezug auf Napoléon I. In den 1970er Jahren verwendete frau den Begriff mit dem ihr eigenen Halbwissen, um vorgeblich »männliche« Verhaltensweisen und Einstellungen zu charakterisieren. Er sollte sich polemisch gegen den angeblichen »Überlegenheitsanspruch des Mannes« gegenüber der Frau in der Gesellschaft richten...

Cherchez la femmeDas französische Sprichwort »sucht die Frau« meint soviel wie: »gewiß steckt eine Frau dahinter«. Schon im 19. Jahrhundert gingen viele französische Kriminalisten davon aus, daß hinter einem schlauen verbrecherischen Anschlag oft eine Frau steckt. In dieser Form kommt das Wort zuerst in dem 2.856 Seiten dicken Drama über die Pariser Unterwelt »Les Mohicains de Paris« (1854) des französischen Schriftstellers Alexandre Dumas pere (1802-70) als Schlagwort des Pariser Polizeibeamten Monsieur Jackal vor, der bei jedem Bericht über einen Fall denkt: »Sucht die Frau«, denn er glaubt an ihre Macht.

ChimäreIm griechischen Mythos ein feuerschnaubendes Ungeheuer, das den Kopf eines Löwen, den Mittelteil einer Ziege und das Hinterteil einer Schlange hat. Heute findet man diese Bezeichnung in der Biologie, wo »Chimäre« ein Individuum bezeichnet, das aus genetisch unterschiedlichen Teilen besteht, auch in übertragenem Sinn ein Hirngespinst oder ein Trugbild.

Chow-ChowDas Wort aus dem Pidgin-Englisch bezeichnet eine Rarität aus dem fernen Osten. Übersetzen läßt es sich etwa mit »lecker-lecker« oder auch »gut gebraten«. Für Chinesen gelten Hunde von jeher als schmackhaft: Um 1900 soll das deutsche Kaiserhaus ein Schäferhundpaar zur Zucht nach Peking geschickt haben. Dort bedankte man sich angeblich für das vorzügliche Mahl...

Chronogramm...nennt man eine Inschrift, die im Text eine oder mehrere Jahreszahlen »versteckt« hält, die die Textaussage unterstützen. Meist sind die römischen Zahlzeichen hervorgehoben und geben das Bau- oder Entstehungsjahr an. Am berühmten Genter Altar findet sich z. B.: »PICTOR HUBERTUS EEYCK. MAIOR QUO NEMO REPERTUS INCEPIT. PONDUS. QUE JOHANNES ARTE SECUNDUS (FRATER) PERFECIT. JUDOCI VIJD PRECE FRETUS VERSV SEXTA MAI VOS COLLOCAT ACTA TVERI (Übersetzt: Maler Hubert van Eyck, einen größeren gab es nicht, hat dies Werk begonnen und sein Bruder Johannes, der zweite in dieser Kunst, hat im Auftrag von Jodocus Vijd die schwere Aufgabe vollendet. Durch diese Verse vertraut er Eurer Obhut das an, was am 6. Mai entstand.) Aus den Buchstaben des letzten Satzes haben Kunsthistoriker die Jahreszahl »MCCCLLXVVVVII« (1432) entschlüsselt. Allerdings ist die Inschrift wohl erst nachträglich zugefügt worden.

Chuzpe habenDer jüdische Begriff für eine »bodenlose Frechheit« geht ursprünglich auf das hebräische »chuzpa« zurück. Eine sehr treffliche Definition für dieses Idiom bietet Salcia Landmann in seinen 1962 erschienenen »jüdischen Witzen«: »Wenn einer Vater und Mutter erschlägt und im Schlußwort des Angeklagten im Mordprozeß mildernde Umstände erbittet, weil er elternlose Waise ist...«

CocktailEine Anekdote, die als gut erfunden gelten kann, überliefert James Fenimore Cooper (1789-1859) in seinem 1821 erschienenen Buch »Der Spion«: Danach gab es 1779, im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eine Taverne in Yorktown, in der Wirtin Betsy Flanagan den Soldaten den »bracer«, die »kleine Stärkung«, ein beliebtes Mixgetränk servierte. Ihr Nachbar, ein königstreuer Engländer, besaß einen Hahn mit herrlich buntem Schwanz, den die patriotische Wirtin einfing, den Offizieren auftischte und mit seinen Schwanzfedern ihre »bracers« dekorierte, woraufhin ein Franzose die Gastgeberin mit dem Trinkspruch: »Vive le cock's tail!« (Es lebe der Hahnenschwanz!) bedachte. Mehrere andere Deutungsversuche sind auch im Umlauf: Der Begriff könnte sich ableiten vom gestutzten oder hochgebundenen Schwanz eines Rennpferdes, der als »Cocktail« bezeichnet wurde oder vom »Cock-Ale«, einem seit 1648 bekannten Bier, in dem man zehn Tage lang einen Sack mit einem gekochten Hahn und allerlei Gewürzen ziehen ließ. Er kommt aber vielleicht auch von Hahnenkämpfen, vor denen die Tiere mit in Bier eingeweichtem Brot, dem »cock-bread-ale«, gefüttert wurden. Trank man auf den siegreichen Hahn, wurden soviele bunte Bestandteile zusammengemixt, wie der Hahn noch Schwanzfedern hatte. Es könnte auch eine Kurzform von »cock-tailings« sein, den Resten aus verschiedenen Flaschen, die der Wirt zur Polizeistunde zusammengoß und zum günstigen Preis anbot. Das französische »Coquetel« für ein weinhaltiges Mischgetränk aus Bordeaux, das die Franzosen 1777 nach Amerika brachten, stand möglicherweise Pate und der französische Apotheker Antoine Amadee Peychaud, der seit 1795 in New Orleans lebte, servierte seinen »Peychaud-Bitter« im doppelseitigen Eierbecher, einem »coquetier«.

ComputerDas vermeintlich englische Wort kommt tatsächlich ursprünglich vom lateinischen »computare« (ausrechnen, zusammenrechen, berechnen, zahlen, bezahlen). 1962 tauchte die Bezeichnung erstmals in deutschen Zeitungen auf und verdrängte alsbald Wortkreationen wie »Dater«, »Horter« und »Elektronenrechner«. Lediglich die Synonyme »Rechner / Großrechner« und »PC« (Personal Computer) konnten sich daneben noch behaupten.
Die erste einfache Addiermaschine wurde 1642 vom französischen Philosophen, Mathematiker und Physiker Blaise Pascal (1623-62) erfunden, den ersten modernen Computer »Z 1« stellte der deutsche Bauingenieur Konrad Ernst Otto Zuse (1910-96) anno 1936 der Weltöffentlichkeit vor. Die Theorie dazu entwickelte bereits der britische Mathematiker und Erfinder Charles Babbage (1792-1871) zusammen mit seiner Assistentin und Lebensgefährtin Augusta Ada Byron (Lady Lovelace, 1815-52), der einzigen Tochter des englischen Dichters Lord Byron. Babbage begann 1820 mit der Entwicklung seiner »Analytical Engine«, der Differenzmaschine, einem mechanischen Gerät, das bereits komplizierte mathematische Berechnungen durchführte, konnte seine Maschine aber nicht vollenden, da ihm die nötigen Geldmittel dazu fehlten. Britische Wissenschaftler bauten 1991 diese Maschine nach Babbages Zeichnungen und Beschreibungen - sie arbeitet fehlerfrei, rechnet mit einer Genauigkeit von 31 Stellen und beweist so die Korrektheit seines Entwurfs.

Controletti...nennen wir manchmal einen eher unangenehmen Zeitgenossen, der kein Vertrauen in andere hat, alles und jeden kontrolliert. Der Begriff geht auf den Mafiosi »Jonny Controletti« aus einem Song von Udo Lindenberg (*1946) zurück. Auf der LP »Ball Pompös« (1974) singt er: »Ich heiße Jonny Controletti, buon giorno, Signor. (...) Und dann packt er sich das Glas, das volle und sagt: ›Alles unter Kontrolle ‹«.

Couch Potatoes...nennen wir neudeutsch die einstigen »Stubenhocker« - jene Zeitgenossen, die dank einer ausgeprägten Frischluftallergie ebenso ausnahms- wie hemmungslos alles konsumieren, was Fernsehprogramm, Polstermöbelindustrie, Brauerei und Junkfood so an neuzeitlichen Segnungen zu bieten haben. Die »Sofa-Kartoffeln« erfand der amerikanische Cartoonist Robert D. Armstrong in den 70ern als Antwort auf die gerade verstärkt aufkommenden Gesundheits- und Fitneßfanatiker.


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