3904 Sprichwörter, Redewendungen, Idiome, geflügelte Worte



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G

GabelfrühstückBesonders zu festlichen Anlässen reicht man gelegentlich ein zweites Frühstück in der Art eines kalten Bufetts. Das Wort ist eine Lehnübersetzung aus dem Französischen: »déjeuner à la fourchette«. Man nennt es so, weil man im Stehen einzelne Häppchen mit der Gabel aufnimmt.

Gaga...steht im englischen Original ursprünglich für »verkalkt« oder »blöde«, mittlerweile aber eher für »verrückt« und »exzentrisch«. Seinen Ursprung hat das Wort im Altnordischen: »Gaga« hieß hier, jemanden verspotten. Letztlich kommt es aber von den Lauten der Gans her.

Galgenfrist...nannte man ursprünglich die kurze Zeitspanne zwischen Verurteilung und Hinrichtung eines Verbrechers - es konnte aber auch eine Gnadenfrist für den Todeskandidaten geben, um persönliche Angelegenheiten regeln oder auch weitere Beweise zu seiner Entlastung sammeln zu können. Heute meinen wir damit nur noch ganz allgemein einen letzten Aufschub bis zu einem wichtigen Termin.

Galgenhumor...hat, wer selbst in ausweglosen Situationen noch eine ironische Bemerkung fallen läßt. Der Ausdruck meinte Mitte des 19. Jahrhunderts die Aussprüche zum Tode Verurteilter auf dem Weg zum Galgen. Der Räuber Mathias Kneißl (1875-1902) soll auf seine Hinrichtung an einem Montag mit den Worten: »Die Woche fängt ja schon gut an« reagiert haben, der österreichische Dramatiker Johann Nepomuk Nestroy (1801-62) wird oft und gern mit den Worten: »Wenn alle Stricke reißen, hänge ich mich auf« zitiert.

Galgenvogel...nennt man bildlich Bösewichte, Prügelknaben, Sündenböcke, Verbrecher und sonstige Sünder, die aus dem Unglück anderer Vorteile zu ziehen versuchen. Der Begriff geht zurück auf den Raben, der als Aasfresser in der Nähe von Hinrichtungsstätten und Schlachtfeldern als Leichenfledderer beobachtet werden konnte. Sein schwarzes Erscheinungsbild und das scharenweise Auftreten haben zur Legendenbildung um diesen schwarzen Gesellen sicher ein Übriges getan.

Gammelfleischparty...ist ein recht uncharmantes Synonym für die allgegenwärtigen »Ü-30«-Feten in Discotheken. Früher oder später sollte man sich vielleicht besser andere Freizeitvergnügen suchen...

Gang und gäbe...waren nach mittelalterlichem Recht Münzen, die »genge und gæbe« (gängig, unter den Leuten umgehend, annehmbar, angenehm, gültig, gut, von rechtem Gewicht) waren. Im Laufe der Zeit wurde der Ausdruck immermehr für alles, was Sitte oder Brauch ist, angewandt.

Ganove...nennen wir jemanden, der schwere Straftaten begeht oder sonstwie der Unterwelt angehört. Das Wort geht auf das jiddische »ganeff« (Dieb) zurück und kam im 17. Jahrhundert ins Rotwelsche. Der »Gauner« - ein Zeitgenosse mit ganz ähnlichen geschäftlichen Ambitionen - geht hingegen auf den ebenfalls rotwelschen »Joner« (Ionier - Grieche) zurück, was im 15. Jahrhundert noch »(Falsch)Spieler« bedeutete.

GänsefüßchenSchon seit der Barockzeit sind die eckigen Doppelklammern » « gebräuchlich, die ein wenig wie der Fußabdruck einer Gans aussehen. Buchdrucker nannten die Spitzklammer, die ein Zitat kenntlich machte, zunächst »signum citationis« - Zitierzeichen. Erst im 18. Jahrhundert bürgerte sich die deutsche Lehnübersetzung »Anführungszeichen« ein.
Auch Begriffe wie »Hasenöhrchen« kamen damals in Mode, der Züricher Verleger Salomon Geßner (1730-88) wollte den Begriff »Gänseauge« einführen - dauerhaft etablieren konnten sich solche Kreationen jedoch nie.
Es war der Dichter Jean Paul (1763-1825), der den »Gänsefuß« populär machte: Im »Leben des Quintus Fixlein« schreibt er anno 1796: »Die Seele des Kunstrates war jetzt nicht wie die nachgestochene im »orbis pictus« (das Sachbuch »Gemalter Erdkreis« von 1658) aus Punkten zusammengesetzt, sondern aus Ausrufungszeichen; andere Seelen bestehen aus Parenthesen, aus Gänsefüßen, die meinige aus Gedankenstrichen«. In seiner »Vorschule der Ästhetik« spottet er 1804 über »die Gelehrten, welche in jedem Werke nichts lieber haben und nützen als (...) die sogenannten »Hasenöhrchen« oder »Gänseaugen« und »Gänsefüße«, womit die Buchdrucker typisch genug die Anführ-Typen benennen«. Ein andermal (Doppelwörter, 1820) bemerkte er gallig, der antike Satiriker Horaz sei ohne solche Zeichen ausgekommen, aber »wir folgen natürlich gleichsam auf den Gänsefüßen dem Autor leichter und vernehmen ihn mit den Hasenöhrchen besser«. Am bekanntesten wurde ein Satz aus »Titan« (1800): »Da ich nicht absehe, was die Menschen davon haben, wenn ich die mir beschwerlichen Gänsefüße samt dem ewigen »er sagte« hersetze: so will ich den Auftrag in Person erzählen«.

Gänsehaut...nennen wir die unzähligen kleinen Erhebungen auf der Haut, die entstehen, wenn sich vor Angst, Kälte oder Emotionen die Haare aufstellen: Der Sympathikus, ein Teil des Nervensystems, das wir nicht beeinflussen können, steuert unter anderem die Herzfrequenz, die Schweißproduktion, aber eben auch die Haaraufstellermuskeln, was uns gelegentlich aussehen läßt, wie eine gerupfte Gans.

Ganz kleine Brötchen backen...muß umgangssprachlich, wer nur kleine Sachen
zustandebringt, zurücksteckt, sich einschränkt, nach
anfänglicher Prahlerei kleinlaut und bescheiden wird:
»Kleinere Brötchen backen« mußten auch die Bäcker,
wenn das Mehl immer teurer wurde. Da deren
festgelegte Größe und Gewicht vom »Beckmesser«
nachgeprüft wurde, standen hohe Strafen ins Haus
wie das »Bäckerschupfen«, das öffentliche Eintauchen
des in einem hölzernen Käfig sitzenden Delinquenten
in einen Fluß oder einen Marktbrunnen, das als Strafe
für betrügerische Bäcker im Augsburger Stadtrecht
von 1276 verankert war.
Erst 1533 entwickelte der sächsische Rechenmeister
Adam Ries (1492-1559) die »Annaberger Brotordnung«
in der Umrechnungstabellen von Getreidekosten,
Gewicht und Preis verzeichnet waren.







Titelblatt der Brotordnung von Adam Ries
Faksimile, Ratsschulbibliothek Zwickau
www.adam-ries-bund.de

Ganz Ohr sein...heißt, daß wir ganz genau aufpassen, gespannt, mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuhören. Keiner unserer anderen Sinne lenkt uns davon ab, der gesamte Körper ist »ganz Ohr«.

GardinenpredigtMit der »Gardine« ist hier nicht die am Fenster gemeint, sondern der Bettvorhang - eine übliche Wohndekoration in Schlafzimmern vor 200 Jahren. Ehefrauen hielten ihren Männern im Bett, hinter den Gardinen eine Strafrede und warfen ihm seine vermeintlichen Fehler vor.

Garten Eden...nennt der Volksmund ein besonders schönes, nachgerade paradiesisches Stück Land: Im Alten Testament heißt es: »Vnd Gott der Herr pflantzet einen Garten in Eden, gegen dem morgen vnd setzet den Menschen drein den er gemacht hatte. Vnd Gott der Herr lies auffwachsen aus der Erden allerley Bewme, lüstig an zusehen vnd gut zu essen. Vnd den Bawm des Lebens mitten im Garten vnd den Bawm des Erkentnis gutes vnd böses. (Genesis 2:8f)
Viele Forscher meinen, daß es diesen Garten einst tatsächlich in der Gegend von Mesopotamien gegeben haben könnte - belegen läßt sich das jedoch nicht.

GasgebenEinen Bummelanten fordern wir auf, er solle doch endlich mal »Gasgeben« - das Wort kommt natürlich vom Automobil: Um vorwärtszukommen, treten wir aufs Gaspedal und erreichen damit, daß mehr Kraftstoff in den Motor eingespritzt wird, wodurch das Fahrzeug beschleunigt.

Gassenhauer...waren im Mittelalter Menschen, die abends auf der Gasse feierten. Sie sangen Volkslieder, die jeder kannte und tanzten dazu. Diese Lieder bekamen dann später den Namen »Gassenhauer«. Heute sagen wir meist nur noch »Hits« dazu.

Gebauchpinselt...fühlt sich jemand, dem wir Komplimente machen, genau das sagen, was er gerne hören möchte, den wir in übertriebener Weise loben, um uns selbst einen Vorteil zu verschaffen. Vermutlich rührt dieses schöne alte Wort, das in das »Lexikon der bedrohten Wörter« aufgenommen ist, von einer alten Art unterwürfiger Ehrerbietung her. Der Sprachhistoriker Lutz Röhrich deutet »bauchpinseln« als burschikose studentische Nachbildung zu »Ohren- oder Gaumenkitzel«.

Geben ist seliger denn nehmen...weiß jeder, der schon einmal jemandem mit einem kleinen Geschenk eine große Freude machen konnte. Ursprünglich zitiert Apostel Paulus in seiner Abschiedsrede an die Ältesten von Ephesus Jesu' Worte und meint damit, daß man sich auch der Schwachen annehmen solle: »Omnia ostendi vobis quoniam sic laborantes oportet suscipere infirmos ac meminisse verbi Domini Iesu quoniam ipse dixit beatius est magis dare quam accipere« - »Jch habs euch alles gezeiget, Das man also erbeiten muesse, vnd die Schwachen auffnemen, vnd gedencken an das wort des Herrn Jhesu, das er gesagt hat, Geben ist seliger denn nehmen« (Apostelgeschichte 20.35). Wenngleich vollkommen anders gemeint, ist dieses Bibelzitat aber auch Lebensmaxime vieler Boxsportler im Ring...

Gebetsmühlenartig...wiederholt jemand sein Argument immer und immerwieder - das Wort geht auf den tibetanischen Buddhismus zurück: Die ›Gebetsmühle‹, eine aufrecht stehende Walze, enthält aufgeschriebene Gebete bzw. ist außen damit verziert. Durch das drehen dieser Mühle werden diese Gebete ewig wiederholt und symbolisch in die Welt getragen, um ein gutes Karma anzuhäufen.

Gedächtnis wie ein Sieb...sagt man uns nach, wenn wir ein schlechtes Erinnerungsvermögen haben, schusselig und vergeßlich sind - bildlich unsere Gedanken einfach verschwinden, wie Wasser durch ein Sieb.
Aber von dem polnischen Satiriker Wiesław Brudziński (1920-96) stammt auch der Satz: »Das Gedächtnis ist ein sonderbares Sieb: Es behält alles Gute von uns und alles Üble von den anderen« (Katzenjammer) und der deutsche Aphoristiker Hellmut Walters (1930-85) wußte: »Das gute Gedächtnis ist wie ein Sack, es behält alles. Das bessere Gedächtnis ist wie ein Sieb, es behält nur, worauf es ankommt«.

GedönsÜberflüssiges Getue wird gerne auch als »Gedöns« bezeichnet. Der Ursprung des Wortes liegt in Norddeutschland und geht auf das alte mittelhochdeutsche »gedense« (hin- und herziehen) eines startenden oder landenden Vogelschwarms zurück.

Gefährlich ist's, den Leu zu wecken...mahnte schon Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759-1805) - manche Dinge sollte man einfach auf sich beruhen lassen, denn unnötige Aufmerksamkeit könnte nachteilig sein. In seinem »Lied von der Glocke« (1799) thematisiert und kritisiert er die unmenschlichen jakobinischen Exzesse der Französischen Revolution von 1789. Ursprünglich zeigt diese oft parodierten Redensart ein sehr pessimistisches Menschenbild:

 »Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
  Verderblich ist des Tigers Zahn,
  Jedoch der schrecklichste der Schrecken
  Das ist der Mensch in seinem Wahn«.

Gefallener Engel...nannte man einst anständige junge Mädchen, die auf die schiefe Bahn geraten waren: In den drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam glaubt man an abtrünnige Engel, die sich gegen Gott erheben und zur Strafe aus dem Himmel in die Hölle gestürzt werden.

Gegen den StrichEigentlich ist etwas unangenehm, sodaß wir eine fast schon körperliche Abneigung dagegen haben. Der »Strich« bezeichnet die Richtung des Haarwuchses bei Tieren: Streicht man nicht in Richtung des Haarwuchses, fühlt sich das Tier unwohl und wird sich das nicht allzulange gefallen lassen.

Gegen den Strom schwimmen...Menschen, die in Opposition zur vermeintlichen Mehrheit stehen, eine eigene Meinung vertreten, trotz oft erheblichen Widerstandes anderer beharrlich nach ihren Zielen streben und so eigentlich eher Bewunderung als Unverständnis verdienten. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom - in den Apokryphen ist die Botschaft allerdings noch gegensätzlich gemeint: »Non confundaris confiteri peccata tua et ne subicias te homini pro peccato« - »Scheme dich nicht zubekennen, wo du gefeilet hast vnd strebe nicht wider den strom«. (Jesus Sirach 4.31). Auch Hermann Hesse (1877-1962) wußte: »Wer zur Quelle will, muß gegen den Strom schwimmen«.

Gegen Windmühlen kämpfen...wir meist vergebens. Die Redensart geht auf den Roman »El ingenioso hidalgo Don Quijote de La Mancha« des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes y Saavedra (1547-1616) zurück: Der »Ritter von der traurigen Gestalt«, ein kleiner Landadliger, träumt sich in längst vergangene Zeiten zurück, hält Windmühlen für Riesen und rennt mit angelegter Lanze gegen sie an - was natürlich übel ausgehen muß. Die Metapher verwenden wir heute, wenn jemand aussichtslos gegen etwas Übermächtiges kämpft, das nur in der Einbildung vorhanden ist.

Gegensätze ziehen sich anSchwarz und weiß, Yin und Yang, Feuer und Wasser - seit jeher ziehen Gegensätze Menschen in ihren Bann. Gegensätzliche Interessen bedeuten oft eine Bereicherung im Leben und insbesondere in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn sich Paare mit absolut gleichen Grundinteressen zusammenfinden, wird die Beziehung oft recht schnell von Langeweile geprägt sein - andererseits kann ein aktiverer Partner einen ruhigeren mitreißen, der ausgeglichenere den nervösen beruhigen. Die berühmte Ausnahme bestätigt sicher auch hier die Regel, aber meist ist es doch interessanter, wenn man sich auch nach längerer Zeit immernoch was zu sagen hat und am Anderen hin und wieder mal was Neues entdecken kann.

Geh hin, wo der Pfeffer wächstDiese nicht wirklich wohlmeinende Bitte stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts, als der Seeweg nach Indien, das für Normalsterbliche noch enorm weit weg lag, entdeckt wurde: Schon Alexander der Große (356-323 a.C.) brachte allerlei Gewürze nach Griechenland. Auch bei den Römern efreute sich der Pfeffer großer Beliebtheit, sie benutzten ihn gern auch in Verbindung mit Honig. Allerdings blieb das teure Gewürz bis ins Mittelalter ausschließlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Wer eine unangenehme Person dahin wünscht, »wo der Pfeffer wächst«, will sie also an den entlegendsten Ort in der Welt schicken.

Geh mir aus der Sonne...sagen wir heute zu jemandem, wenn wir unsere Ruhe haben, nicht gestört werden wollen. Ursprünglich ist dies ein Zitat des kynischen Philosophen Diogenes von Sinope (ca. 399-323 a.C.), der Alexander dem Großen auf die Frage, welchen Wunsch er habe, laut Plutarch (Leben des Alexander, 14) geantwortet haben soll: »Geh mir ein wenig aus der Sonne«, worauf der entgegnet habe: »Wäre ich nicht Alexander, wollte ich Diogenes sein«. Der anspruchslose Weise wollte damit wohl ausdrücken, daß er genügsam sei, und nur seine Tonne - und die Sonne - brauche. Jenes Stückchen Natur halt, das für alle da ist.


»Geh mir aus der Sonne« - Alexander und Diogenes in der Tonne
Bild: wikimedia.org

Geheimratsecken...nennt der Volksmund den an den Schläfen beginnenden altersbedingten Haarausfall des Mannes, der nicht selten Anzeichen einer angehenden Glatzenbildung ist. Die »calvities frontalis« spielen auf die Ehre (und das meist fortgeschrittene Alter) des »Geheimrats« an - ein Titel, der zu Zeiten der deutschen Monarchien an verdiente Beamte verliehen wurde.

Geht ab wie Schmidt's KatzeDer Name »Schmidt« leitet sich vom Beruf »Schmied« ab: Wohl jeder Schmied hielt sich Katzen, um Mäusen, Ratten und ähnlicher Plagegeister Herr zu werden. Schlug der Schmied plötzlich mit dem Hammer auf den Amboß, während sich die Tiere in der Nähe aufhielten, erschreckten sie sosehr, daß sie wie wild und verrückt davonsprangen.

Gehupft wie gesprungen...meint, etwas ist schnurzpiepegal, es macht keinen Unterschied, ist Jacke wie Hose. Beide Teile dieses Idioms bezeichnen dieselbe Bewegung - ob hüpfen oder springen - es ist völlig dasselbe.

Gelackmeiert...ist man schnell übertölpelt, getäuscht, betrogen, übers Ohr gehauen. Der »Meier« (lat. major - der oberste Vorsteher) war im Karolingerreich Gutsverwalter einer Grundherrschaft, der die Bedingungen einer Pacht festlegte und ggf. einen unfähigen Bauern »abmeierte« - recht willkürlich bestrafte. Der »Lack« ist im Plattdeutschen (und Englischen) ein Fehler oder Makel, den man jemandem anhängen kann. Die Kombination aus beidem verstärkt noch einmal, daß der »Gelackmeierte« ganz schnell im Nachteil ist.

GelageAus dem Norddeutschen stammt das seit dem 14. Jahrhundert bekannte Wort, das ursprünglich »Zusammengelegtes« bedeutete. Es geht um das, was auf dem Tisch zusammengetragen wurde. Jeder Teilnehmer trug etwas zum gemeinsamen Festmahl bei. Mit dem Brauch, beim Essen zu liegen, hat »Gelage« nichts zu tun.

Gelb vor Neid...werden wir nach der Humoralpathologie der antiken Ärzte Hippokrates von Kos (um 460-370 a.C.) und Galen (um 129-199) durch die Körpersäfte, die unser physisches und psychisches Leben steuern. Im Mittelhochdeutschen wurde die Galle zum Synonym für Bosheit und Neid, von daher wird die Farbe Gelb in Verbindung mit Neid auf die gelbliche Farbe der Galle zurückgeführt. Ein Überfluß an »gelber Galle« erzeugt nach dieser Viersäftelehre Neid, Mißgunst und die leicht erregbare und jähzornige Art des Cholerikers (griech. cholé = Galle).
Eine andere Deutung geht von einer Ohnmacht aus, die - auch von gesteigertem Neid ausgelöst - Farberscheinungen im Auge mit sich bringen oder auch jemanden kränklich aussehen lassen kann.

Geld allein macht nicht glücklich...wissen insbesondere Menschen, die nicht wirklich viel davon besitzen. In der Tat steigt das Glücksgefühl auch nicht proportional zum erzielten Einkommen.
Zu dieser Erkenntnis gelangte schon früh der für seine Gier und Dummheit berühmte König Midas: Von dem römischen Dichter Publius Ovidius Naso (43 a.C.-17) ist überliefert, daß jener phrygische König aus der griechischen Mythologie, um die sagenhafte Weisheit des des alten Dionysos-Lehrers Silenos zu erlangen, Wein in eine Waldquelle goß, aus der jener trank und berauscht einschlief. Dionysos mußte ihm für Silenos' Freigabe den Wunsch erfüllen, daß alles, was er berührte, zu Gold werden sollte - doch bald schon bereute er seine Entscheidung, denn sogar seine Speisen und Getränke verwandelten sich in Gold. Dionysos riet ihm daraufhin, im Paktolos zu baden, der Fluch ging auf den Fluß über, sodaß dieser zum goldreichsten in ganz Kleinasien wurde und Midas resümiert letztlich, daß Gold (bzw. Geld) nicht wirklich glücklich machen kann.

Geld auf den Kopf hauenWer sein Geld »auf den Kopf« haut, läßt es sich so richtig gutgehen: Schon im Mittelalter hatten die Münzen Kopf und Zahl. Kam die Rechnung, war es - mangels einheitlichen Münzsystems - üblich, die Zahl nach oben zu legen. So konnte man schnell den Wert der Gelstücke erkennen. Dabei lag die Kopfseite natürlich unten - man hat also die Münze »auf den Kopf« gehauen.

Geld regiert die Welt...und der Knüppel die Menschen. Eine Tatsache, mit der sich jeder als unabänderliches Faktum abgefunden hat: Wer Geld hat, hat auch Macht, wer viel Geld hat, hat viel Macht.
Schon Publilius Syrus (1. Jh. a.C.), der es in Rom vorn Sklaven zum Theaterautor gebracht hatte, bemerkte dazu »In cunctis domina pecunia est« (In Allem herrscht das Geld). Sebastian Franck (1499-1542) verzeichnet die Wendung in seiner Sammlung »Sprichwörter, schöne, weise, herrliche Clugreden und Hoffsprüch«, auch im Wörterbuch »Teutsche Sprach und Weißheit« des Mediziners und Humanisten Georg Henisch (1549-1618) findet sich der Satz: »Gut und Gelt herrschet die Welt«. Die lateinische Form »Imperat in toto regina pecunia mundo« diente Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1646-91) als Wahlspruch.
Ursprünglich war Geld reines Mittel zum Zweck, mit dessen Hilfe Tauschgeschäfte vereinfacht wurden. Seine Schattenseite zeigte sich, als Zinsgeschäfte, Börsen- und Devisenspekulation in großem Stil daraus entstanden, sodaß Geld längst kein einfaches Maß für geleistete Arbeit mehr ist. Die Gesellschaft hat die Alleinherrschaft akzeptiert, die Politik ist längst handlungsunfähig, in ihren Entscheidungen vollkommen abhängig von Großkonzernen und Kapitalgebern. Demokratie existiert bestenfalls noch in Sonntagsreden vereinzelter Utopisten - finanzielle Sachzwänge und persönliche Vorteile sind halt weitaus stärker als Volkes Wille.

Geld stinkt nicht...wußte bereits Kaiser Vespasian (9-79), der im alten Rom überall Amphoren als Latrinen aufstellen ließ, um den Urin zu sammeln, den die Gerber und Wäscher weiterverwendeten. Er belegte diesen Urin mit einer Steuer und hielt die ersten Einnahmen daraus seinem Sohn Titus, der sich darüber beschwerte, mit den Worten: »Pecunia non olet« unter die Nase.

Geld verdirbt den Charakter...sagt der Volksmund, »...vor allem, wenn man keins hat« ergänzte einst Gabriel Laub (1928-98) und »...vorausgesetzt, man hat einen« Peter Ustinov (1921-2004). Das muß nicht zwangsläufig so sein - schließlich liegt es an jedem selbst, wie man damit umgeht - aber natürlich verändert man sich durch plötzlichen Reichtum: Man hat auf einmal viele »Freunde«, bewegt sich in ganz anderer Gesellschaft, ist nicht mehr abhängig davon, in bestimmten Grenzen zu leben, ständig Leistung zu bringen und die Anforderungen anderer zu erfüllen. Vielleicht gibt es ja Leute, die sich selbst treu bleiben - vielleicht wird durch Geld der »wahre« Charakter aber auch erst wirklich deutlich‽

Geld wie Heu...sagt man jemandem nach, der sehr reich ist, besonders viel Geld hat. Anders als die eigentlichen Früchte der Landwirtschaft war Heu zumeist reichlich vorhanden. Im Umkehrschluß konnte einer, der viel Heu hatte, auch viel Vieh halten. Er hatte also - nicht nur metaphorisch - sehr viel Geld. Gotthold Ephraim Lessing (1729-81) läßt in seinem Lustspiel »Minna von Barnhelm« (III.5) das Mädchen Franziska fragen: »So? Hat der Major Geld?«, woraufhin der Wachtmeister Paul Werner ihr antwortet: »Wie Heu! Er weiß nicht, wie viel er hat. Er weiß nicht, wer ihm schuldig ist...«
Der deutsche Aphoristiker Gerhard Uhlenbruck (*1929) stellte einst fest: »Man empfindet es oft als ungerecht, daß Menschen die Stroh im Kopf haben, auch noch Geld wie Heu besitzen«.

Geld zum Fenster hinauswerfen...heißt, daß jemand sehr verschwenderisch damit umgeht, sein Geld für unnütze Dinge ausgibt. Diese Redensart soll im mittelalterlichen Regensburg entstanden sein: Am dortigen alten Rathaus, wo 1663-1806 der »Immerwährende Reichstag« - die Ständevertretung im Heiligen Römischen Reich - seinen Sitz hatte, gibt es ein Fenster, aus dem Kaiser Leopold I. dem jubelnden Volk hin und wieder gönnerhaft einige Münzen zuwarf. Die Ratsherren sahen indes nur, daß er ihre Steuereinnahmen zum Fenster hinauswarf...

GeldschneidereiGeht auf das alte Münzhandwerk zurück: Im Mittelalter schnitt der Münzer die Geldstücke aus Silberblech heraus und prägte sie anschließend. Die negative Bedeutung bekam der Ausdruck durch Geldwechsler, die an den Münzrändern feilten und sich so Silber oder Gold aneigneten.

Gelegenheit macht Liebe...denn sie weckt und reizt Begierden, die sonst nicht erwacht oder doch jedenfalls in ihren Grenzen geblieben wären. Das Sprichwort kommt ursprünglich aus dem Lateinischen: »Ex aspectu nascitur amor« (Aus dem Anblick wird die Liebe geboren). Wohl angeregt von dieser Formulierung, schrieb 1598 der englische Philosoph und Schriftsteller Francis Bacon (1561-1626) in einem Brief an den Earl of Essex: »Opportunity makes a thief« (Gelegenheit macht einen Dieb). Diese Form finden wir auch schon im Talmud: »Die Lücke lockt die Diebe herbei«. Daher galt im Strafrecht ein Vergehen, das bloß bei Gelegenheit begangen wurde, als nicht so strafbar, wie ein mit Vorsatz und Überlegung ausgeführtes. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sah es wieder anders und kombinierte beide Formen dieses Sprichworts:

 »Nicht Gelegenheit macht Diebe,
  Sie ist selbst der größte Dieb;
  Denn sie stahl den Rest der Liebe,
  Die mir noch im Herzen blieb.

  Dir hat sie ihn übergeben,
  Meines Lebens Vollgewinn,
  Daß ich nun, verarmt, mein Leben
  Nur von dir gewärtig bin.

  Doch ich fühle schon Erbarmen
  Im Karfunkel deines Blicks
  Und erfreu' in deinen Armen
  Mich erneuerten Geschicks«.

Gelobt sei, was hart machtDie Wendung geht auf Friedrich Wilhelm Nietzsches (1844-1900) Werk »Also sprach Zarathustra« zurück. Darin geht es um Leben und Wirken des fiktiven Denkers Zarathustra, der sich angesichts eines beschwerlichen Gipfelaufstiegs selbst Mut zuspricht: »Wer sich viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung. Gelobt sei, was hart macht! Ich lobe das Land nicht, wo Butter und Honig fließt«.

Gelsenkirchener Barock...nannte sich ironisch ein Möbelstil der 30er bis 50er Jahre in Deutschland, der sich - angelehnt an den ausladenden Formenreichtum des Barock - mit überbordenden Ornamenten vom funktionalen Bauhaus-Stil abzusetzen versuchte. Vor allem im Gebiet an Rhein und Ruhr sollte dieser verspielte »Jugendstil der Bergarbeiter« mit seinen üppig gerundeten Konturen und aufgesetzten Zierprofilen Gemütlichkeit erzeugen und Werte vortäuschen. Seither wurde kein eigener Stil mehr entwickelt.

Gemeiner Pfennig...nannte sich eine Reichssteuer, die jeder Bürger ab dem 15. Lebensjahr zu entrichten hatte. Sie wurde auf dem Reichstag von Worms (1495) als erster Versuch einer allgemeinen Reichssteuer eingeführt, die zur Aufstellung eines Heeres dienen und die Kosten für das Reichskammergericht decken sollte. Der Versuch diese Steuer durchzusetzten, mißlang aber, da das Eintreiben zu schwierig und der Ertrag zu gering war.

Gemessenen Schrittes...bewegen sich heutzutage oft Politiker bei hochoffiziellen Empfängen. Sie hasten oder eilen nicht, sondern gleiten langsam dahin. Die Wendung geht auf die Hofetikette zurück: Höflingen wie auch Würdenträgern war jede Bewegung vorgeschrieben, so eben auch die Art und Weise, wie sie sich fortbewegten. Bei Hofe wurden kleine, gemäßigte und würdevolle Schritte »abgemessen«...

Gemüt wie ein FleischerhundDer Phlegmatiker der kaum Gemütsbewegungen zeigt, geht auf die Beobachtung einer tierischen Eigenheit zurück: Der Hund einer Fleischerei hat ausgesorgt. Es gibt jeden Tag mehr als genug zu fressen, was stört es, wenn mal jemand etwas wegschnappt - es ist immer genug da. Auch die Freude darüber hält sich ob der Alltäglichkeit in Grenzen - die Völlerei ist normal, die Pfunde werden immer mehr, die Bewegung immer weniger...

Genieße, was Dir Gott beschiedenDer Schriftsteller Christian Fürchtegott Gellert (1715-69) verfaßte im 18. Jahrhundert das Lied »Zufriedenheit mit seinem Zustande«. Die vierte Strophe lautet:

 »Genieße, was Dir Gott beschieden,
  entbehre gern, was Du nicht hast.
  Ein jeder Stand hat seinen Frieden,
  ein jeder Stand auch seine Last«.

und fordert so jeden Unzufriedenen auf, sich mit den gegebenen Umständen abzufinden.

GeniestreichGeheimrat Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) meinte dereinst: »Genie ist die Kraft des Menschen, welche durch Handeln und Tun Gesetz und Regel gibt. Wenn einer zu Fuße, ohne recht zu wissen warum und wohin, in die Welt lief, hieß dies eine Geniereise, wenn einer etwas Verkehrtes ohne Zweck und Nutzen unternahm, ein Geniestreich«.

Gentleman's Agreement...nennt man eine »Vereinbarung unter Ehrenmännern«, wenn ein Handel per Handschlag besiegelt wird. Schon im römischen Recht galt »pacta sunt servanda« - Verträge (auch mündliche) sind einzuhalten. Der Begriff soll dann erstmals 1821 in einem britischen Regierungsbericht verwendet worden sein, in dem es um langfristige Geschäftsbeziehungen ging.

Gentlemanlike...bewegen wir uns, wenn wir im gesellschaftlichen Umgang perfekte Manieren an den Tag legen: Der Begriff geht auf die Männer des niederen britischen Adels (gentry) zurück. Später war jeder Angehörige der gehobenen Gesellschaft ein »Gentleman«, der über Wohlstand, Bildung, tadellose Manieren, ein Gespür für Diskretion, Höflichkeit und eine Prise Humor verfügte.

Genudelt seinWir haben viel zuviel gegessen und fühlen uns wie »genudelt« - dabei muß gar keine Pasta im Spiel gewesen sein: Die Redewendung kommt eigentlich aus der Gänsemast. Den Tieren werden riesige Mengen an Nudeln, Fett oder Getreide direkt in den Hals gestopft, was über eine 10fach vergrößerte Leber zur Produktion von Gänseleberpastete führt. Ein Mensch müßte übrigens hochgerechnet rund 18 Kilo Nudeln verschlingen, um ein ähnliches Ergebnis zu erreichen. In Deutschland ist dieses Verfahren (auch für Gänse) - scheinheilig wie üblich - verboten, allerdings werden seither große Mengen dieser Pastete importiert.

Gepfefferte Preise...müssen wir nur allzuoft für ganz alltägliche Dinge bezahlen, ohne die es nunmal im Leben nicht geht. Der Euphemismus für »völlig überteuert« geht natürlich auf den Pfeffer zurück, neben dem Salz das wichtigste Gewürz, das einst auch als Heil- und Konservierungsmittel diente und so extrem teuer war, daß Christoph Kolumbus (1451-1506) sich eigens aufmachte, einen neuen Seeweg nach Indien zu finden, um das venezianische Monopol zu brechen.

Geprellt...fühlen wir uns, wenn uns jemand betrogen oder hintergangen hat. Die Redewendung geht auf einen mittelalterlichen Brauch zurück: Beim »Prellen« schleuderte man Füchse mit Netzen in die Luft und ließ sie immer wieder auf dem Boden aufprallen, bis sie starben. Der »Fuchs« übertrug sich später auf junge Studenten, die von älteren Semestern gern getäuscht und gequält wurden.

Gesalzene Rechnung...sagt der Volksmund, wenn er für eine Sache horrend viel bezahlen soll. In aller Regel wird sich niemand darüber freuen, sondern eher das Gesicht verziehen. Oft treibt es einem gar die Tränen in die Augen - so, wie wenn ein Essen übertrieben stark gesalzen ist. Ein weiterer Aspekt dürfte sein, daß Salz und andere Gewürze früher unverschämt teuer waren.

Gesammeltes Schweigen...nennen wir es gelegentlich, wenn sich jemand an Diskussionen nicht beteiligt, zu einem Thema keine Stellung bezieht oder uns eine Antwort schuldig bleibt. In Heinrich Bölls (1917-85) Satire »Doktor Murkes gesammeltes Schweigen« aus dem Jahre 1958 sammelt der Protagonist herausgeschnittene Tonbandschnipsel, auf denen nichts zu hören ist. Diese Pausen gefallen ihm, weil er des vielen leeren Geschwätzes längst überdrüssig ist.

Geschlaucht sein...als Metapher für »erschöpft und müde« geht wohl auf das jiddische Wort »schlacha« - zu Boden werfen - zurück.

Geschniegelt und gestriegelt...sind umgangssprachlich manchmal Leute, die - vielleicht zu einem besonderen Anlaß - ein bißchen übertrieben gut frisiert und gekleidet daherkommen. Dieser nur noch selten gebrauchte Ausdruck kommt vom »schniegeln«, das war einst ein Synonym für »glätten« oder »kämmen«, das »striegeln« bezeichnet noch heute die Fellpflege des Pferdes, bei der mit einer Bürste das Fell gegen den Strich gebürstet und aufgestellt wird, damit man es besser reinigen kann. Ursprünglich war der lateinische »strigilis« eine Art Schabeinstrument zur Säuberung der menschlichen Haut.

Geschröpft werden...wir stets und ständig - von Politikern wie Versicherungen, von Händlern wie von vermeintlich »guten Freunden« - kurz gesagt von jedem, der irgendeine mehr oder weniger »legale« Möglichkeit findet, uns mit List und Tücke unverhältnismäßig viel Geld ohne adäquate Gegenleistung abzuknöpfen. Ursprünglich war das Schröpfen eine uralte Heilmethode: In sogenannten »Schröpfgläsern« wurde ein alkoholgetränkter Wattebausch angezündet, dadurch ein Unterdruck erzeugt und die Gläser über einem kranken Organ auf die Haut aufgesetzt, um eine starke Durchblutung zu fördern. Gelegentlich wurde sogar die Haut vorher angeritzt, sodaß Blut austrat. Diese blutige Behandlungsweise wandelte sich im 17. Jahrhundert zu der Metapher, um lebensnotwendige Geldmittel gebracht zu werden.

Geschwurbel...nennen wir abwertend vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne, inhaltsleere Ausführungen, oft von Politikern oder aus der Werbung. Dieser Ausdruck schlechten Stils leitet sich von »schwirbeln«, mittelhochdeutsch »swerben« - sich im Kreise drehen, wirr durcheinander bewegen - ab und ist wohl mit »wirbeln« verwandt. Das Grimmsche »Deutsche Wörterbuch« definiert »Geschwurbel« als: »Verworrene Menge, Schwarm, Confuser Lärm, Taumel«.

Gesiebte Luft atmen...für gewöhnlich Spitzbuben im Gefängnis: Durch die Gitterstäbe vor den Fenstern kommt die Luft praktisch nur wie durch ein Sieb...

Gespannt wie ein Flitzebogen...ist, wer etwas nicht mehr erwarten kann: Das doppeldeutige Wort »gespannt« impliziert zum einen »gestrafft«, wie es eben der Bogen ist - zum anderen »erwartungsvoll/neugierig«, wie man einen Roman liest. »Flitzen« kommt vom »fliegen« und bezog sich ursprünglich auf den schnellen Pfeil. Die Redensart erzeugt hier ein Bild von zugleich nervlicher und körperlicher Anspannung.

Gespons...erklärt die »Oekonomische Encyklopädie« (1773-1858) von J. G. Krünitz so: (der), Fämin. die Gespons, ein veraltetes und nur noch unter gemeinen Leuten einiger Gegenden übliches Wort, einen Bräutigam, eine Braut zu bezeichnen; von dem Lat. Sponsus und Sponsa.

Gesslerhut...nennen wir etwas, dessen einziger Sinn es ist, untertäniges Verhalten von uns zu erzwingen. Der Legende nach ließ Hermann Gessler, der »Reichsvogt in Schwyz und Uri«, so einen Hut aufstellen, den jeder Vorbeikommende zu grüßen hatte. Wilhelm Tell verweigerte dies, was den berühmten Apfelschuß zur Folge hatte, der nach Friedrich Schillers Darstellung zur Gründung der Schweiz führte.

Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter...sagen wir scherzhaft, wenn eine Sache ohne den gewünschten Erfolg beendet werden muß, wir mit unserem Latein am Ende sind, sich vor uns ein Abgrund auftut, der uns zu verschlingen droht. Was eigentlich ausdrücken sollte, daß bestehende Probleme nun endlich überwunden sind, läßt den Hörer lachen - assoziiert er doch mit diesem Spruch zwangsläufig den vollständigen Absturz. Auch der frühere DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht (1893-1973), dem dieses Zitat oft in den Mund gelegt wurde, glaubte, eben nicht abgestürzt, sondern einen richtigen Schritt in die richtige Richtung gegangen zu sein. Die weitere Geschichte ist bekannt...

Gestiefelt und gespornt...sind wir heutzutage fertig angezogen, zum Aufbruch bereit. Diese Zwillingsformel meinte ursprünglich »mit Stiefeln und Sporen versehen« - gerüstet zu einem Ausritt. Das Märchen vom »Gestiefelten Kater« ist heute der wohl bekannteste Beleg für diese Redewendung.

Gestochen scharf/wie gestochenDas Synonym für »gleichmäßig und sauber, wie gedruckt. streng symmetrisch« kommt wohl von den Kupferstechern, die einst in großer Zahl Gemälde oder Illustrationen druckfähig kopierten, was hohe Ansprüche an ihre zeichnerischen und handwerklichen Begabungen stellte. »Wie gestochen« bzw. »gestochen scharf« dürfte dabei für eine hervorragende Qualität der Arbeit stehen.

GesundstoßenWer von uns hofft nicht auf eine günstige Gelegenheit, sich zu bereichern, finanziell zu sanieren, herauszuholen, was nur immer möglich ist? Das Synonym für »viel Geld verdienen« kommt - wie könnte es anders sein - aus der Börsensprache: Hier stößt man vor dem Börsensturz Aktien ab, wodurch Gewinne mitgenommen oder Verluste wenigstens begrenzt werden. Ziel ist, das Risiko möglichst gering zu halten und wirtschaftlich gesund dazustehen.

Geteiltes Leid ist halbes LeidWie wichtig gute Freunde sind, merkt man oft erst, wenn einem Böses widerfährt. Anteilnahme erleichtert den eigenen Kummer, so kann es durchaus sinnvoll sein, Probleme mit anderen zu teilen, sich bei einem guten Zuhörer von der Seele zu reden. Man bürdet einem anderen wenigstens teilweise die eigene Last auf und erhält möglicherweise einen guten Rat, der helfen kann, daß die eigenen Sorgen nur noch halb so schlimm sind. Das wußten schon unsere römischen Vorfahren, als sie formulierten: »Divide, quod portas, et leve pondus erit« (Teile, was du trägst, und Deine Last wird leicht). Auch Æsop (um 600 a.C.) und später Baruch Benedictus de Spinoza (1632-77) wußten: »Solamen est miseris socios habuisse molorum« (Es ist ein Trost für die Unglücklichen, Leidensgefährten zu haben). Später dichtete Christoph August Tiedge (1752-1841):

 »Sei hoch beseligt oder leide,
  Das Herz bedarf ein zweites Herz.
  Geteilte Freud ist doppelte Freude,
  Geteilter Schmerz ist halber Schmerz«.

Getrennt von Tisch und Bett...sind bildlich Paare, die ihre Ehegemeinschaft nicht mehr fortsetzen, sich scheiden lassen. Die Zwillingsformel, die bereits im 16. Jahrhundert bezeugt ist, steht hier für die wirtschaftliche (Tisch) und sexuelle (Bett) Trennung.

Getretner Quark wird breit - nicht stark...erkannte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) in seiner berühmten Gedichtsammlung »West-östlicher Divan«. Etwas Banales ohne inhaltliche Tiefe kann auch durch großen Aufwand, viele Worte, mehrfache Wiederholung nicht auf ein höheres Niveau gebracht werden, eine langweilige Rede wird durch Weitschweifigkeit nicht besser.

Getroffene Hunde bellen...sagt der Volksmund, wenn ein ertappter Lügner völlig überreagiert und einen »Gegner« über Gebühr diffamiert, um sein vermeintliches »Recht« zu verteidigen. Nicht selten hat es jedoch einen klaren Hintergrund, wenn sich jemand maßlos über etwas aufregt und oft ist der Versuch, etwas vertuschen zu wollen, nur allzu auffällig - wie bei einem Hund halt, der sein geklautes Leckerchen auch mit Klauen und Zähnen verteidigt.

GewäschEtwas unheimlich Blödsinniges kommt uns zu Ohren: Das »Gewäsch« stammt ursprünglich von den mittelalterlichen Waschfrauen, die - ganz anders als die heutige »Powerfrau«, die in all ihrer weiblichen Überlegenheit oft schon mit der »Doppelbelastung« beim Knöpfchendrücken an ihrem Waschvollautomaten völlig überlastet ist - gemeinsam ihre eigene und fremde Wäsche im nächsten Fluß wuschen. Dabei wurde natürlich auch jede Menge Klatsch und Tratsch ausgetauscht, was (damals wie heute) zurecht bald als »dummes Gewäsch« bezeichnet wurde...

Gewehr bei Fuß...stehen Leute, die stets in Alarmbereitschaft auf ihren Einsatz warten. Jemand hält im Augenblick still, kann aber jederzeit wieder aktiv werden. Diese Wendung kommt aus der Kommandosprache beim Militär: Ein Befehl beim Exerzieren lautet: »Gewehr bei Fuß«, der Soldat hält dann die Waffe mit der rechten Hand und stellt sie neben dem rechten Fuß auf ihrem Schaft ab.

Gewicht auf etwas legenUm den Ausschlag einer Waage zugunsten einer Seite zu beeinflussen, legt man ein zusätzliches Gewicht in eine der beiden Waagschalen. Bei einer verbalen Auseinandersetzung ist es ein sehr gewichtiges Argument, das die Waage für die eine oder andere Partei ausschlagen läßt.

Gewogen und zu leicht befundenDie Waage ist Sinnbild für gerechten Ausgleich und Unparteilichkeit. Neigt sie sich (bildlich) auf die Seite einer Person, kann diese zusätzliche positive Aspekte in die Waagschale werfen. Eine andere Deutung meint, daß man sich vorstellt, gefühlsmäßig ausgeglichen zu sein, nicht für die eine oder die andere Person auszuschlagen.
Das Bild der charakterlichen und moralischen Bewertung findet man schon im Alten Testament, Buch Daniel 5.25ff: Eine geheimnisvolle Hand hatte an König Belsazars Palast die Worte »Mene Tekel« geschrieben. Keiner der Weisen des Königs konnte sie deuten - bis auf Daniel: »Hæc est autem scriptura, quæ digesta est: mane, thecel, upharsin. Et hæc est interpretatio sermonis: mane, numeravit Deus regnum tuum et complevit illud; thecel, appensus es in statera et inventus es minus habens« - »Das ist aber die Schrifft alda verzeichent Mene Mene Tekel Vpharsin. Vnd sie bedeutet dis Mene das ist Gott hat dein Königreich gezelet vnd volendet. Tekel das ist Man hat dich in einer wage gewogen vnd zu leicht funden«.

Gift und Galle speien...geht auf die Bibel zurück. Kurz vor seinem Tode hält Moses eine Abschiedsrede vor der Gemeinde Israel. Über die Feinde urteilt er: »Fel draconum vinum eorum et venenum aspidum insanabile« - »Jr wein ist Trachengifft Vnd wütiger Ottern gall«. (Deuteronomium 32.33). Daraus ergab sich durch Verkürzung diese Wendung, zu deren Verbreitung die Gebrüder Grimm mit der giftspeienden Hexe aus dem Märchen »Jorinde und Joringel« beitrugen.

Glänzen wie ein Judenei...kann etwas, das ganz besonders blinkt und funkelt, das spiegelblank ist:
Diese weithin bekannte, von manchen nicht so gern gehörte Redewendung geht wahrscheinlich auf eine Sage zurück: Als Maximilian 1493 in Aachen zum Kaiser gekrönt wurde, machten ihm die Juden einen Korb mit goldenen Eiern zum Geschenk. Er befahl, die Überreicher der kostbaren Gabe festzuhalten, jedoch sollte es ihnen aber an nichts mangeln. Nach dem Grund ihrer Haft gefragt, antwortete der Kaiser: »Hühner, die so kostbare Eier legen, muß man ja nicht gleich wieder fliegen lassen, denn es heißt: ›Fleißige Hennen soll man einhalten und wohlhalten.‹«
Eine andere Deutung bezieht sich auf die Gewohnheit jüdischer Händler, ihr Obst und ihre Eier vor dem Verkauf zu polieren, damit sie auf die Kundschaft einen besseren Eindruck machten.
Möglicherweise ist das »Judenei« aber auch eine spiegelblanke goldglänzende Taschenuhr - seinerzeit Prestigeobjekte, die sich nur die Reichsten leisten konnten.

Glatt wie ein Aal, aalglatt...ist im übertragenen Sinne jemand, der sehr gewandt, kaum angreifbar, nur äußerst schwer (mit Argumenten) zu packen, hinterrücks ist, der gelegentlich auch »sich einschleimend« auftritt. Der schlanke, sehr bewegliche Aal erinnert äußerlich eher an eine Schlange als an einen Fisch. Wird er gefangen, windet er sich sprichwörtlich »wie ein Aal«, versucht, sich durch heftige Schlängel- und Ringelbewegungen wieder zu befreien. Dabei kommt ihm natürlich auch sehr zugute, daß er wegen seiner schleimig-schlüpfrigen Haut mit den feinen Schuppen fast nicht festzuhalten ist.

Glatt wie ein Kinderpopo...ist bildlich etwas, das noch ganz neu, von keinerlei äußeren Einflüssen beschädigt, gealtert, zerkratzt oder faltig ist.

Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast...lautet ein Zitat, das wohl in keiner Publikation über Statistik fehlen darf. Oft und gern dem früheren britischen Premierminister Sir Winston Churchill (1874-1965) in den Mund gelegt, existiert jedoch keinerlei Quelle, die dies sicher belegen könnte. Dennoch bleibt natürlich der Grundgedanke, daß jede Statistik zur Fälschung mißbraucht werden könnte - und wohl auch oft genug wird.

Gleich und gleich gesellt sich gern...wissen wir - abgeleitet vom lat. »Simile gaudet simili« - aus vielen Beziehungen, Freundschaften oder Vereinen. Schon der griechische Dichter Homer (8. Jahrhundert a.C.) erklärt in der berühmten »Odyssee«: »Immer in Paaren vereinigt ein Gott doch die Gleichen«. Auch Martin Luther (1483-1546) verwendete die Formel in seinen Tischreden. Menschen mit ähnlichen Interessen und Eigenschaften schließen sich zusammen, Gleichgesinnte verbringen viel Zeit miteinander. Wir bevorzugen Freunde und Partner, die uns selbst nach eigener Einschätzung am ähnlichsten sind, dieselben Vorlieben und Interessen teilen oder auf demselben sozialen Status stehen. Die Chance eines Besserverdieners auf eine »gute Partie« ist ungleich größer, als daß er einen Partner aus ärmlichen Verhältnissen heiratet. Aber der Volksmund weiß auch: »Gegensätze ziehen sich an«...

Gleiches mit Gleichem vergelten...meint heute landläufig, eine schwere Untat mit einer hohen Strafe zu ahnden, etwas mit gleicher Münze heimzuzahlen. Der alttestamentarische Grundsatz »Auge um Auge, Zahn um Zahn...« (Exodus 21:24) wird allerdings schon seit Jahrhunderten schlicht falsch ausgelegt: Ursprünglich ging es eigentlich darum, für einen entstandenen Schaden einen adäquaten Ersatz zu geben statt ihn zu fordern.

Glotzt nicht so romantisch...appellierte Bertolt Brecht (1898-1956) auf Spruchbändern in »Trommeln in der Nacht« (1922). Brecht wünschte sich kritische, kluge und nachdenkliche Zuschauer und Leser. Er hat das moderne Theater stark beeinflußt, seine Innovationen, seine poetisch-demonstrativen Verfremdungen, die beim Zuschauer Illusionen zerstören, damit er eine kritische Distanz zum Dargestellten einnehmen kann, sind inzwischen üblich geworden. Dem Publikum sollte bewußt sein, daß sie ein Theaterstück sähen und keine Realität, es sollte weniger staunen, sondern vielmehr seine Welt begreifen.

Glück habenDas erst seit dem 12. Jahrhundert nachweisbare Wort »Glück« hängt über »Lücke« und »Loch« mit der Idee des offenen Ausgangs zusammen. Über die neutralen Elemente Schicksal und Zufall hat es sich erst später zur heutigen Dominanz eines günstigen Ausgangs verdichtet. Neben dem Zufall sind dann auch der persönliche Erfolg, die Fähigkeit, das Können getreten, so daß jemand, der sein Glück macht, persönlich verantwortenden Erfolg verbuchen kann.

Glück hat nur der TüchtigeIn seinen »Abhandlungen über Strategie« schrieb der preußische Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (1800-91): »An der unwiderstehlichen Gewalt der Verhältnisse scheitert selbst der beste Mann, und von ihr wird ebensooft der mittelmäßige getragen. Aber Glück hat auf die Dauer doch zumeist wohl nur der Tüchtige«.

Glück im Spiel, Pech in der Liebe...trösten wir den Liebeskummer unserer Mitmenschen, wenn es mit deren Beziehungsleben nicht ganz so klappt, wie es wünschenswert wäre. Hier ging es wohl ursprünglich darum, daß jemand, der sein Glück im Kartenspiel sucht, massiv den häuslichen Frieden riskiert, weil er die Familie um ihre Existenz bringt.

Glück und Glas, wie leicht bricht das...warnen wir gelegentlich vor übermäßigen Hochgefühlen - ähnlich vergänglich wie das kostbare und zerbrechliche Glas sind auch unsere Glücksgefühle. Das wußte bereits der römische Dichter Publilius Syrus, als er im 1. Jahrhundert a.C. artikulierte: »Fortuna vitrea est: tum, cum splendet, frangitur« (Das Glück ist aus Glas: Dann wenn es glänzt, zerbricht es auch).

Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern istDiese Aufforderung, sich mit Unabänderlichem abzufinden, stammt ursprünglich aus der Operette »Die Fledermaus« (op. 368) von Johann Strauß jr. (1825-99). Im 1. Akt zerstreut der verliebte Alfred, einst Gesangslehrer der Rosalinde von Eisenstein, deren Bedenken wegen ihres absenten Gatten, sodaß sie schließlich in den Refrain einstimmt:

 »Trinke, Liebchen, trinke schnell,
  trinken macht die Augen hell.
  Sind die schönen Äuglein klar,
  siehst du alles licht und wahr.
  Siehst, wie heiße Lieb' ein Traum,
  der uns äffet sehr,
  siehst, wie ew'ge Treue Schaum,
  so was gibt's nicht mehr!
  Flieht auch manche Illusion,
  die dir einst dein Herz erfreut,
  gibt der Wein dir Tröstung schon
  durch Vergessenheit!
  Glücklich ist, wer vergißt,
  was doch nicht zu ändern ist...«

Dieser Ausdruck der Resignation, der ein nicht wiedergutzumachendes Versäumnis kommentiert, ist auch in vielen scherzhaften Variationen wie »...daß ihm nicht zu helfen ist« oder »...wer verfrißt, was nicht zu versaufen ist« weitverbreitet. Ähnlich formulierte es einst auch Ernest Hemingway (1899-1961): »Glück, das ist einfach eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis«.

Glückspilz...nannte man zunächst ab dem 17. Jahrhundert ausgemachte Taugenichtse, die sich nur auf ihr Glück verließen oder Emporkömmlinge, die scheinbar plötzlich und zufällig »wie Pilze aus dem Boden« schossen. Erst im 19. Jahrhundert wandelte sich dies zur heute gebräuchlichen positiven Konnotation. Das Glückssymbol geht wohl auf den Fliegenpilz zurück, der neben seinem auffälligen Äußeren über eine halluzinogene Wirkung verfügt, die schon in vorchristlicher Zeit genutzt wurde, um Menschen in tranceähnliche Zustände zu versetzen.

Glupschaugen machen...Norddeutsche, wenn sie mit großen Augen, lauernd, mißtrauisch oder neugierig kucken: Die leicht hervorstehenden Augäpfel treten aus ihren Augenhöhlen heraus - fast ein bißchen, wie bei einem Frosch. Eine medizinische Erklärung scheint es dafür nicht zu geben, besonders große, stark hervortretende Augen sind gelegentlich bei Menschen mit »Morbus Basedow« anzutreffen. Die »Glupschaugen« (gelegentlich auch »Glubschaugen«) gehen wohl auf das mittelniederdeutsche »glupen« (mit halb geöffneten Augen schauen), zu »glup« (lauernd) zurück.

Gnade Dir Gott...ist eine umgangssprachliche Drohung, wenn jemand etwas plant, für das es von uns selbst keine Rechtfertigung oder Entschuldigung geben wird. Derjenige kann noch darauf hoffen, daß es wahrhafte Entlastung nur durch die freie Gnade Gottes geben wird.

Gnade vor Recht ergehen lassen...heißt, nachsichtig zu sein und auf eine eigentlich berechtigte Strafe zu verzichten. Auf Gnade hat man keinen Anspruch, wir können sie uns nicht verdienen, höchstens darauf hoffen.
Diese Wendung geht auf das christlich-ethische Prinzip zurück, daß die Gnade höher als etwa das bis zum Frühmittelalter geltende recht rigide römische Recht steht. Auch die durch das Neue Testament vermittelte Gnade Gottes solle höher stehen, als das Gesetz der Tora, des Alten Testaments. Die christliche Form der Zuwendung zu Gott wäre dem Judentum damit überlegen.

Gnadenbrot...bekommen heute fast nur noch Pferde, die im Alter keinen praktischen Nutzwert mehr haben. Der Ausdruck meint seit dem 18. Jahrhundert die Haltung eines nicht mehr leistungsfähigen Tieres, dem aufgrund seiner bisherigen Lebensleistung Pflege und Versorgung bis zum Tode gewährt wird. Im Mittelalter stand das »Gnadenbrot« noch als Synonym für »Almosen« oder »milde Gabe« aus Mitleid an einen Menschen ohne Erwartung einer materiellen Gegenleistung. In ihrem »Deutschen Wörterbuch« schreiben Jacob und Wilhelm Grimm: »...aus Mitleid gereichte Speise, Mahlzeit, meist verallgemeinert und unsinnlich, aus Erbarmen gewährter Unterhalt, Sold, ohne Gegenleistung von seiten des Empfangenden; oft gleichbedeutend mit Almosen«...

Gnothi seauton»Erkenne Dich selbst« lautete eine griechische Inschrift am Apollontempel in Delphi, die dem Weisen Chilon von Sparta zugeschrieben wird. Der Philosoph Sokrates (um 470-399 a.C.) hat daraus das Prinzip der Selbsterkenntnis im Zusammenhang mit der Tugendlehre entwickelt. Danach ist Selbsterkenntnis die Vorbedingung der philosophischen Erkenntnis und Weisheit.

Gold gab ich für EisenAm 16. März 1813 erklärte Preußen Frankreich den Krieg, einen Tag später veröffentlichte Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), um gegen Napoleon siegen zu können, den Aufruf zu seiner berühmten Sammelaktion »Gold gab ich für Eisen«. Nachdem seine Schwägerin Prinzessin Marianne an alle Frauen Preußens appellierte, ihren Goldschmuck im Austausch gegen eine eiserne Brosche oder Ring abzugeben, wurde Eisenschmuck zur Mode aller Patrioten. Der Aufruf wurde im 1. Weltkrieg unter Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) wiederholt, diesmal lautete der Spruch: »Gold gab ich zur Wehr - Eisen nahm ich zur Ehr«.

Goldelse...nennt die sprichwörtliche »Berliner Schnauze« die vergoldete Bronzeskulptur der Viktoria auf der Siegessäule, die an gleich drei siegreiche Kriege - an den Deutsch-Dänischen Krieg 1864, den Deutschen Krieg 1866 gegen Österreich und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 - erinnert. Die »Goldelse«, ursprünglich 1873 auf dem Königsplatz (dem heutigen »Platz der Republik« am Reichstagsgebäude) errichtet, wurde im Zuge der geplanten Umgestaltung zur »Welthauptstadt Germania« im Jahre 1938/39 auf den »Großen Stern« im Tiergarten versetzt.

Goldene Brücken bauenWir wollen einen Streit beenden, eine Versöhnung einleiten und sind bereit, dafür Opfer zu bringen und Zugeständnisse zu machen. Die Redensart geht auf die Kriegskunst zurück: Hatte ein Gegner kapituliert, war man verpflichtet, ihm beim Rückzug zu helfen. Falls nötig, mußten sogar Brücken errichtet werden, um eine erneute Verzweiflungsschlacht mit dem unterlegenen Gegner zu vermeiden, die vielleicht die eigenen Verluste noch erhöht hätte. Schon der deutsche Barockdichter Johann Fischart (um 1546-90) schrieb: »Dem fliehenden Feinde sollte man eine goldene Brücke machen, daß er davonziehen könne«.

GoogelnDie berühmte Suchmaschine leitet ihren Namen von dem Wort »googol« ab, der 10100, einer Zahl mit 100 Nullen, die größer ist, als die geschätzte Zahl der Atome im bekannten Universum und die ausgeschrieben so aussieht: 10 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000.
Im Jahre 1938 erfand Milton Sirotta (1929-80), der damals neunjährige Neffe des amerikanischen Mathematikers Edward Kessner (1878-1955), diesen Begriff völlig ohne jeglichen etymologischen Hintergrund. Die Google-Betreiber wählten den Namen in Anspielung auf die ungeheure Menge an Informationen, die die schier unendlich vielen indizierten Webseiten widerspiegeln. »Googeln« als eingedeutschtes Synonym für die Suche wurde 2004 in den Duden aufgenommen.

Gordischer KnotenNach einem Bericht Plutarchs (um 45-125) von den Taten Alexanders des Großen (356-323 a.C.) lag ein äußerst kunstvoll verschlungener, unentwirrbarer Knoten im Jupitertempel der Stadt Gordium in Phrygien. Wer ihn löste, sollte nach dem Orakel Beherrscher Asiens werden. Der Hegemon hielt sich im Frühjahr 333 a.C. nicht lange mit der Problemanalyse auf: Er löste den »Gordischen Knoten«, indem er ihn kurzerhand mit seinem Schwert durchschlug. Heute beseitigen wir Schwierigkeiten oder Hindernisse noch immer gern durch ähnlich energische Handlungen.
Nach anderen Überlieferungen verband der Knoten die Deichsel am Streitwagen König Gordios mit dem Zugjoch und Alexander habe ihn durch Schläue gelöst, indem er einfach nur den Deichselnagel herauszog.

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen...die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Das »Gelassenheitsgebet« des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr (1892-1971) wird oftmals fälschlich dem württembergischen Prälaten und Theosophen Friedrich Christoph Oetinger (1702-82) zugeschrieben, entstand tatsächlich aber wohl erst in der Zeit vor oder während des Zweiten Weltkriegs.

Gott sei's gelobt, getrommelt und gepfiffen...rufen wir - auch in der Form »Dem Herrn...« oder verhüllend »Dem Himmel...« - freudig und sichtlich erleichtert aus, wenn eine Sache wider Erwarten noch einen guten Ausgang genommen hat. Eigentlich handelt es sich hier schlicht um eine burschikose Verlängerung und Vergröberung der alten Formel »Gott sei Dank« oder »Gott sei gelobt«, die - vom Volksmund aufs Wesentliche verkürzt - auf den Psalm 150:4ff aus dem Alten Testament der Bibel zurückgeht: »Laudate eum in tympano et choro, laudate eum in chordis et organo, laudate eum in cymbalis benesonantibus, laudate eum in cymbalis iubilationis:omne quod spirat, laudet Dominum. Alleluia« - »Lobet jn mit Paucken vnd Reigen. Lobet jn mit Seiten vnd Pfeiffen. Lobet jn mit hellen Cymbeln. Lobet jn mit wolklingenden Cymbeln. Alles was Odem hat Lobe den Herrn. Haleluia«.

GötterdämmerungNach germanischer Mythologie der Weltuntergang: Das isländische »Ragnarök« bedeutet eigentlich »Götterverhängnis«, wurde aber falsch übersetzt. An diesem Tag sollte es zur letzten Weltschlacht kommen, die Götter gegen Riesen und Dämonen kämpfen, die Erde im Meer versinken und das Weltall in Flammen vergehen, was den Untergang der Götter und die Errichtung einer neuen Herrschaft des Friedens und der Liebe zur Folge haben würde.

Gottes Mühlen mahlen langsam, aber gerecht...weisen wir gelegentlich darauf hin, daß auch im Moment unentdeckte und ungestrafte Taten irgendwann denn doch gesühnt werden. Schon der Arzt und Philosoph Sextus Empiricus (um 160-210) schrieb Ende des 2. Jahrhunderts in »Adversus mathematicos«: »Lange zwar mahlen die Mühlen der Götter, doch mahlen sie Feinmehl«. In Deutschland erkannte der schlesische Dichter Friedrich Freiherr von Logau (1605-55) in seinem Epigramm »Göttliche Rache«:

 »Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein;
  Ob auß Langmuth er sich seumet, bringt mit Schärff er alles ein.«.

Gottes Wege sind unergründlich...heißt es oft, wenn wir nicht weiterwissen, ein Problem nicht lösen können, keine einleuchtende Erklärung haben. Die Bibel zeugt davon, wie Gott oft auf besondere oder übernatürliche Art und Weise vorgeht. Aber für unsereins bleiben seine Lösungsansätze doch weitestgehend ungeeignet. Der Spruch geht natürlich auf die Bibel zurück, unter anderem auf das längste prophetische Buch des Alten Testaments, in dem Jesaja über die Zeit der Niederlage Babylons anno 539 a.C. berichtet: »Non enim cogitationes meæ cogitationes vestræ neque viæ vestræ viæ meæ dicit Dominus quia sicut exaltantur cæli a terra sic exaltatæ sunt viæ meæ a viis vestris et cogitationes meæ a cogitationibus vestris« - »Denn meine gedancken sind nicht ewr gedancken vnd ewer wege sind nicht meine wege spricht der Herr. Sondern so viel der Himel höher ist denn die Erde, So sind auch meine Wege höher denn ewr wege vnd meine gedancken denn ewr gedancken« (Jesaja 55.8f).

Grabenkämpfe austragen...heißt heute, daß sich verbal streitende Parteien Rechtfertigungen an den Kopf werfen, ohne dabei aufeinander einzugehen, viele Worte verbrauchen, ohne auch nur den mindesten Fortschritt zu erzielen. Die Wendung geht auf den Stellungskrieg in einem System aus Schützen- und Laufgräben zurück, bei dem die Gegner sich verschanzen, sich nichts bewegt und beide Seiten enorme Verluste verzeichnen. Im großen Stil gab es solche Grabenkämpfe erstmals 1854 im Krimkrieg aufgrund einer Idee des Russen Eduard Iwanowitsch von Totleben (1818-84), einen blutigen Höhepunkt erreichten sie in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs.

Graf Koks von der Gasanstalt...nennen wir Angeber, die vorgeben, mehr zu sein als sie wirklich sind, sich aufspielen, besonders vornehm tun. »Graf Koks« nannte der Volksmund in Berlin und im Ruhrgebiet - angelehnt an den Hochadel - die Koksgrafen und Schlotbarone, die Besitzer von Gasfabriken, die durch die im 19. Jahrhundert massenhaft aufkommende Straßenbeleuchtung trotz »niederer« Herkunft zu einigem Wohlstand gelangten. Eine andere Deutung führt auf den steifen Zimmermannshut zurück, der früher »Koks« genannt wurde und den ein gewisser William Coke populär gemacht haben soll. Wieder andere bemühen das jiddische »gag« (Dach), woraus sich auch die Bezeichnung »Keks« für den Schädel (auf den Keks gehen) entwickelt haben soll.

Graf Rotz...nennt der Volksmund verächtlich jemanden, der sehr übertrieben vermeintlichen Reichtum zur Schau stellt, obwohl er selbigen eigentlich gar nicht besitzt und sich lediglich auf irgendwelchen »Rotz«, den eher wertlosen Nasenausfluß etwas einbildet.

Granate im Bett...nennt der Volksmund Frauen, die - oft ganz entgegen ihres sonstigen Auftretens - beim Liebesspiel sehr aus sich herausgehen, nachgerade »explodieren«. Schnell ist da mal das Nachtlager völlig verwüstet - geradeso, als hätte tatsächlich eine Bombe eingeschlagen. Selbst von zusammengekrachten Bettladen ist gelegentlich zu hören...

Gras über etwas wachsen lassen...wir, wenn wir eine Sache nicht weiter verfolgen und hoffen, daß sie mit der Zeit vergessen wird. Tatsächlich wird fast alles in der Natur bald von der recht anspruchslosen Pflanze überwuchert, wenn wir uns nicht regelmäßig darum kümmern.

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht...sagt ein altes Sprichwort: Eine Sache dauert halt eine gewisse Zeit, die wir nicht beeinflussen können. Wir sollten also allem seinen natürlichen Lauf lassen, abwarten, bis wir das Gras mähen können und es in unserer unnötigen Eile lieber nicht ab- oder gar ausreißen.

GratwanderungMan begibt sich in einem Vorhaben auf gefährliches Terrain. Abgeleitet ist das Wort von einer Wanderung auf der obersten Kante eines Bergrückens: Links und rechts fällt der Hang steil ab und jeder Schritt ist gefährlich und will wohlüberlegt sein.

Grau ist alle TheorieDiese Feststellung ließ einst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) seinen Mephistopheles im Studierzimmer in »Faust I« treffen:

  Grau, teurer Freund, ist alle Theorie
  Und grün des Lebens goldner Baum...

Graue EminenzSo wird jemand bezeichnet, der im Hintergrund der Politik die Fäden zieht, einflußreich ist, aber selbst nicht in Erscheinung tritt. Die erste »Graue Eminenz« soll Père Joseph (1577-1638), der einflußreichste Beichtvater von Kardinal Armand-Jean I. du Plessis duc de Richelieu (1585-1642) gewesen sein. Als Kapuzinermönch war Joseph immer grau gekleidet. Richelieu hätte ihm gerne zum Kardinalstitel »Eminenz« verholfen, doch politische Gegner verhinderten dies.

Grauzone...nennt man bildsprachlich undeutliche oder unbekannte Bereiche, häufig im Zusammenhang von Legalität und Illegalität, ursprünglich natürlich zwischen Weiß und Schwarz.

GreifDer Greif (lateinisch »gryphus«) ist eine Kreatur, die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie hat. Der Sage nach lebt er in den Bergen und erreicht ein Alter von bis zu 60 Jahren. Er hatte die Ohren, den Körper, die Hinterbeine und den Schwanz eines Löwen und den Vorderleib samt Flügeln, Krallen und Kopf eines Adlers. Aristeas erzählte in seinem Gedicht »Arimaspeia«, daß der Greif in Indien und auf den Rhipäischen Bergen die Goldgruben gegen die Arimaspen bewache, Aischylos läßt den Okeanos auf ihm reiten und ihn vor seinen Wagen spannen.

GretchenfrageEine Frage, deren Beantwortung unserem Gegenüber oft peinlich und schwierig ist, die aber zur grundsätzlichen Klärung der Situation beiträgt. Ihren Ursprung hat die »Gretchenfrage« im Jahre 1808 im »Faust«, Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) Tragödie erster Teil: In Marthens Garten möchte Gretchen von Dr. Faust wissen: »Nun sag, wie hast Du's mit der Religion«? Wenig später hakt sie nach: »Glaubst Du an Gott«? Faust weicht geschickt aus: »Wer darf ihn nennen? Und wer bekennen ›Ich glaub ihn‹«.

Griesgram...nennen wir abwertend jemanden, der übellaunig und abweisend ist. Dieser Miesmacher mit der mürrischen Stimmung geht auf das mittelhochdeutsche »grisgramen« (Zähneknirschen) bzw. das althochdeutsche »grisgramôm« (mit den Zähnen mahlen) zurück. Vgl. hierzu auch das englische »grist« (Mahlgut, gemahlenes Korn) oder den »Grieß« für Sand/Kies, aber auch das relativ grob aus Weizen gemahlene Getreideerzeugnis. Unwahrscheinlich, aber dennoch denkbar wäre auch eine Herleitung vom »Greis«, der wiederum auf »grau« zurückgeht.

Griff in die Mottenkiste...nennen wir umgangssprachlich etwas, das veraltet und abgedroschen ist. Der Ausdruck hingegen ist relativ neu und kommt aus dem Theater: Im Fundus werden Kostüme und allerlei Zubehör auf Kleiderständern und in Kisten gelagert und mit Mottenpulver vor dem Verfall geschützt. Der »Griff in die Mottenkiste« beschreibt bildlich das Hervorholen altmodischer Sachen oder Ideen.

Grinsen wie ein Honigkuchenpferd...können Leute, die breit über das ganze Gesicht feixen, begeistert sind, große Freude zeigen. Das Lebkuchen-Gebäck in Form eines Pferdes, dessen lächelndes Gesicht aus Zuckerguß sich offenbar darauf freute, gegessen zu werden, stammt wahrscheinlich aus der Regierungszeit König Wenzels II. von Böhmen (1271-1305): Da das Volk anno 1293 unter den Folgen eines strengen Winters litt, ließ er derartiges Gebäck verteilen, um den Hunger der Menschen zu lindern. Im Laufe der Zeit übertrug sich dieses Grinsen auf unbedarfte Menschen, die in übermäßigem Glück recht einfältig wirken.

GroggyIn der Royal Navy gab es seit dem 17. bis hinein ins 20. Jahrhundert die Sitte, Matrosen jeden Tag einen Pint Rum als Teil des Soldes auszuschenken, was der Einsatzfähigkeit der Truppen natürlich eher abträglich war. Dies ärgerte bereits anno 1740 einen Vize-Admiral namens Edward Vernon (1684-1757), dessen Spitzname nach seinem alten Mantel »Old Grogham« - von »Grogram« (frz. »gros grain«), einem Gemisch aus Seide und Wolle - war, so sehr, daß dieser verfügte, den Rum nurmehr mit Wasser verdünnt an die Matrosen auszugeben. Da dies Gesöff recht fad schmeckte, taten die Herren je nach Gusto etwas Zucker oder Gewürze, später auch Limettensaft gegen die Skorbut dazu, im Winter wärmten sie den verdünnten und gewürzten Rum an und nannten das Gebräu fortan nach seinem »Erfinder« »Grogham's Rum«, woraus später einfach »Grog« wurde. Wenn nun jemand ganz plötzlich »groggy« - schwer angeschlagen, erschöpft, wackelig und schwach auf den Beinen - war, hatte er wohl das Mischungsverhältnis nachhaltig zuungunsten des Wassers verändert...

Groschenroman...nennen wir eine Form trivialer Unterhaltungsliteratur von zumeist unbedeutenden Autoren ohne jeden literarischen Anspruch, die wieder und wieder kopiert als billige Massenware unters Volk gebracht wird. Die Bezeichnung stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, als diese Heftchen am Bahnhof tatsächlich noch nur ein paar Groschen kosteten - bis heute haben sich die Preise längst vervielfacht, sodaß der Name wahrlich nicht mehr angebracht wäre.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus...mutmaßen wir, wenn sich einschneidende Veränderungen ankündigen, kleine Signale im Vorfeld auf zukünftige Sensationen hinweisen. Die Redensart geht auf die Ballade »Lochiel's Warning« des schottischen Dichters Thomas Campbell (1777-1844) zurück: »Der Abend des Lebens gibt mir geheimnisvolle Weisheit, und künftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus«. (The sunset of life gives me mystical lore, and coming events cast their shadows before), das der Dichter Lord Byron (1788-1824) als Motto für seine Elegie »Dantes Prophezeiung« (Prophecy of Dante) wählte.

Großer Bahnhof...sagen wir heute, wenn großes Aufhebens um eine Person veranstaltet wird, weil einst große offizielle Empfänge für Herrscher und Machthaber, für berühmte Künstler und erfolgreiche Sportler am Bahnhof abgehalten wurden.

Großer BatzenDer »Batzen« war ursprünglich eine in der Schweiz (zuerst in Bern, 1492) geprägte Münze, ein 4-Kreuzer-Stück, das auch »Dickpfennig« genannt wurde. Die Bezeichnung: stammt wohl daher, daß auf der Münze ein Bär, das Berner Wappentier »Bätz« (Meister Petz) abgebildet war. Der ›große‹ oder auch ›dicke‹ Batzen läßt sich vom Bild des Bären oder als ironischer Kommentar zur späteren Münzverschlechterung ableiten.

Großer OnkelDieser Ausdruck für den »großen Zeh« hat rein gar nichts mit der Genealogie zu tun - anders als die Finger haben die anderen Zehen (bis auf den »Kleinen«) auch keine Namen. Jahrhundertelang sprach der deutsche Adel französisch. Unzählige Wörter wurden im Laufe der Zeit eingedeutscht, so eben auch der »Oncle«, der als »Onkel« den früheren »Oheim« verdrängte. Ein Wortspiel führte irgendwann zum ähnlich klingenden »le grand ongle« - »der große Nagel«...

Großes Buhei um etwas machen...Leute, die unnötig viel Lärm um nichts machen, wegen Bagatellen enorme Aufregung auslösen: Vermutlich handelt es sich hier um eine lautmalerische Wiedergabe des keltisch-schottischen Kampfrufes »buaidh« (Sieg), der ob des großen Mutes, letztlich aber dürftigen Erfolges gegen die Engländer spöttisch in die Umgangssprache übernommen wurde. Auch der Duden ist sich nicht sicher und meint, daß das Wort wohl irgendwo im Rhein- oder Westmünsterländischen aus den beiden Ausrufen »Buh« und »Hei« entstanden sein könnte.

Großkopferte...nennt man - hauptsächlich im bairischen Sprachraum - die »hohen Tiere«, Bonzen, die mächtig Einfluß im öffentlichen Leben, besonders in der Politik und Wirtschaft haben. Nicht immer ist eine akademische Ausbildung für den »großen« Kopf verantwortlich - nur allzuoft halten sich solche Leute auch nur selbst für unheimlich wichtig.

Grottenschlecht...ist umgangssprachlich etwas, das ganz besonders schlecht ist. Der Wortteil »grotten« geht möglicherweise auf das süddeutsche »krotten« (zu »Krotte« - »Kröte«) zurück, andere sehen eine volksmundliche Abschleifung von »grotesk«, was »absonderlich« oder »lächerlich« bedeutet.

Grün und Blau schlagenWenn mit dem lichtechten blauen Farbstoff der Indigofera-Pflanzen gefärbt wird, kommen die Stoffe grün aus der Färberlauge. Der nun an der Luft oxidierende Farbstoff wird langsam blau. Um diesen Prozeß zu beschleunigen, schlug man früher mit Holzlatten auf den Stoff ein, dadurch kam mehr Sauerstoff in das Gewebe. Man schlug den Stoff »Grün und Blau«. Durch kräftige Schläge auf die menschliche Haut entstehen oft Blutergüsse, die sich im natürlichen Heilungsprozeß in einem täuschend ähnlichen Farbspiel manifestieren.

GründonnerstagDer Tag, an dem Christus beim Abendmahl seine Auferstehung angekündigt hat, wurde früh zum Gedenktermin, der die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod stärken sollte. Schon seit dem 4. Jahrhundert interpretiert er das heidnische Frühlingserwachen als Erneuerung des Menschen. Symbolisch werden seit dem 14. Jahrhundert als Fastenspeise grüne Gartengewächse gegessen - daher wohl der Name. Andere leiten ihn vom »greinen« ab, dem Weinen über den Kreuztod Christi.

Grüne Hochzeit...nennen wir den »eigentlichen« Hochzeitstag, zu dem früher dem Brautpaar am Vortag - dem »Polterabend« - ein Ehrenbogen aus Tannengrün am Eingang befestigt wurde. In alten heidnischen Bräuchen bedeutete die Farbe grün oft Fruchtbarkeit und Wachstum. Andere führen den Begriff darauf zurück, daß das Brautpaar noch »grün hinter den Ohren« ist, sich aufeinander einspielen und viele Erfahrungen sammeln muß.

Grüne MinnaAnno 1866 bekam die Berliner Schutzmannschaft - die damalige Polizei - ein grüngestrichenes, geschlossenes Pferdefuhrwerk für den Gefangenentransport, das im Volksmund bald »Grüne Minna« getauft wurde. Der Name könnte sich aus dem Rotwelschen herleiten: »Greaner« bedeutet dort »Gauner«, das jiddische »meannes sein« heißt »demütigen, peinigen«. Der Transport durch die Stadt war eine sehr erniedrigende Sache, so ließe sich der Name auch mit »Gauner-Quäler« übersetzen.

Grüne Witwe...nennt der Volksmund eine Frau, die mit ihrer Familie »im Grünen«, außerhalb der Stadt lebt und von ihrem Göttergatten alleingelassen wird, während dieser seinem Tagewerk nachgeht. Dieser an den »Strohwitwer« angelehnte Ausdruck kommt aus den späten 60ern, als zahllose Städter das Landleben entdeckten und massenhaft Reihenhäuser bauten.

Grünes Licht gebenDiese noch recht junge Redensart bezieht sich auf technische Errungenschaften der Moderne: Ursprung sind die Lichtzeichen im Eisenbahn- und Straßenverkehr, welche die Weiterfahrt erlauben oder - übertragen - jemandem erlauben, etwas zu beginnen. Ähnlich der Grünphase einer Ampel, die »freie Fahrt« symbolisiert, gibt jemand quasi den »Startschuß«.

Grünschnabel...nennen wir scherzhaft jemanden, der noch »grün hinter den Ohren«, jung und unerfahren ist: Viele Früchte sind zunächst völlig grün, ehe sie dann in der Reife ihre meist rote oder gelbe Färbung bekommen. Diese »unreife« Farbe hat man auf Jugendliche und Neulinge in bestimmten Bereichen übertragen, die wie Jungvögel ihren »Schnabel« übermäßig weit aufreißen.

Gruß und Kuß, Dein JuliusDer erste Teil ist eine uralte, bis heute recht beliebte Floskel, um einen Brief oder ein Gespräch zu beenden. Die Gebrüder Grimm zitieren in ihrem Wörterbuch u.a. Martin Luther mit den Worten: »grusz und kusz: gleych wie Judas gellt nam und mit fruntlichem grus und kusz den herrn gab yn seyner feynde hand«. Die zweite Hälfte hat wohl einfach irgendwann der Volksmund hinzugefügt, weil es sich so »schön« reimt...

Grüßaugust...nennen wir despektierlich jemanden, der zwar ein hochoffizielles Amt bekleidet, dies aber lediglich zu repräsentativen Zwecken tut und nicht wirklich was zu sagen hat. Schon in der »guten alten Zeit« gab es Könige und Kaiser - heute ersatzweise den Bundespräsidenten -, der Staatsgäste empfängt und das Volk repräsentiert. Für die eigentliche Regierungsarbeit hält man sich Minister und Beamte, die sich währenddessen um Wohl und Wehe des Landes kümmern. Der Begriff kommt aus Berlin: Vor größeren Hotels wartete einst ein livrierter Portier, der - geschmückt wie ein General und sich auch so fühlend - die einzige Aufgabe hatte, die Gäste zu begrüßen. Die »Berliner Schnauze« holte sie mit der spöttischen Berufsbezeichnung jedoch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

GrützkopfMan erzählt, die Dänen wären einst von den Friesen überfallen worden, als sie eben mit dem Grützekochen beschäftigt gewesen seien. Diese hätten, um ihr Mittagessen nicht einzubüßen, die Grütze in die Hüte geschüttet und diese so aufgesetzt.

GulagRussische Abkürzung für »Glawnoie Uprawlenie Lageri« - Hauptverwaltung der Straflager, das Anfang der 20er Jahre in der UdSSR eingerichtete Straflagersystem. Das »Konzentrationslager« haben eigentlich die Sowjets erfunden. Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924), einer der Schöpfer des »wissenschaftlichen Sozialismus«, führte den Begriff in den Sprachschatz der Menschheit ein. Anläßlich eines Bauernaufstandes telegrafierte er am 09. August 1918: »Man muß schonungslos Massenterror anwenden, verdächtige Personen in ein Konzentrierungslager außerhalb der Stadt einsperren«. Auf russisch heißt es »Konzentrazionny lager«, das Wort ging in die russische Amtssprache ein, später dann in die deutsche.

GummiadlerLiebevolle Bezeichnung für Broiler, Hendl, Brathähnchen - die Bezeichnung ist bereits in den 50er Jahren belegt.

Gummikuh...nennt der Eingeweihte die alten BMW-Motorräder mit luftgekühltem Boxermotor der Modellreihe »R« (1955-90). Der Begriff soll auf den Motorradjournalisten Ernst »Klacks« Leverkus (1922-98) zurückgehen, der bei einer Testfahrt feststellte, daß sich die Maschine beim Beschleunigen hinten deutlich aus den Federn hebt und ebenso einsackt, wenn man Gas wegnimmt. Klacks verglich diesen »Fahrstuhl-Effekt« der der damaligen Konkurrenz weit überlegen komfortablen Federung mit Kühen, die sich für gewöhnlich auch mit dem Hinterteil zuerst erheben.

Gummiparagraph...nennt der Volksmund eine gesetzliche Bestimmung oder Vorschrift, die so allgemein und unklar formuliert ist, daß das betreffende Gesetz »gummiartig« gedehnt und für die eigenen Zwecke verzerrt und interpretiert, so oder so ausgelegt werden kann. Freilich können Rechtsnormen nicht jeden Einzelfall vorweg explizit regeln - mehr und mehr drängt sich jedoch der Eindruck auf, daß dies oft auch gar nicht gewollt ist.

Gurkentruppe...betitelt der Volksmund schon gerne mal ironisch die Spieler unterklassiger Sport-, insbesondere Fußballmannschaften, die keine Siege zu feiern imstande sind und ob ihres »Gegurkes« auf dem Platz von den wenigen Fans subjektiv oft als minderwertig eingeschätzt werden. Das unschuldig namensstiftende Gemüse, das in seinem satten Grün einst als unreif wahrgenommen wurde, leitet seinen Namen über das polnische »ogórek«her, das von mittelgriechisch »aggourion, agouros« (unzeitig, unreif), dieses wiederum von altpersisch »angōrah« abstammt.

Gut behütetDas mittelhochdeutsche Wort »Hut« bedeutet eigentlich »Bewachung, Fürsorge«. In dem Verb »hüten« oder in der »Obhut« finden wir es noch heute. Wer »gut behütet« ist, hat also nicht etwa »den Hut auf«, sondern wird von seinen Eltern fürsorglich erzogen.

Gut beschlagen...ist jemand, der sich über ein bestimmtes Fachgebiet oder einen Sachverhalt gut auskennt, ein umfangreiches Wissen und Können hat, versiert, erfahren, sachkundig ist: Das Idiom aus dem 17. Jahrhundert leitet sich vom Pferd ab, dessen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit entscheidend davon abhing, daß die Hufe ordnungsgemäß beschlagen waren. So wie das gut beschlagene Pferd auf festen Hufeisen einen besonders sicheren Gang hat, hat der gut beschlagene Fachmann eine solide Grundlage auf seinem Gebiet.

Gut betucht seinManche Menschen, die finanzielle Sorgen nicht kennen, bezeichnen sich als »gut betucht«, was sich natürlich von der besseren und höherwertigen Kleidung herleitet. Darüber hinaus investierte man einst gern in teure, wertvolle Stoffe oder Tücher, gewissermaßen als Kapitalanlage. Solche legte man unter anderem der Aussteuer der Töchter bei.

Gut Ding will Weile haben...meint der Volksmund und er hat damit - wie so oft - recht: Schöne Dinge, die gut werden sollen, brauchen halt ihre Zeit: Schwierigkeiten müssen zunächst überwunden werden, man muß sich in Geduld üben, darf nichts überstürzen. In Johann Wolfgang von Goethes (1749 - 1832) »Wilhelm Meisters Wanderjahre« äußert diesen Spruch ein Einsied1er über die Entstehung der Welt; in Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens (um 1622-76) »Simplicissimus« heißt es schon anno 1669: »Gut Ding will Weile haben, und vortreffliche Sachen werden ohne große Mühe und Arbeit nicht erworben«. Und Rom wurde ja schließlich auch nicht an einem Tag erbaut...

Gut gebrüllt, Löwe...bekunden wir manchmal unseren Beifall, wenn jemand etwas treffend und schlagfertig bemerkt oder erwidert hat - eher aber in ironischem Kontext für Maulhelden, die den Mund nur recht weit aufreißen, wenn eigentlich doch keinerlei Gefahr droht.
In William Shakespeares (1564-1616) Komödie »Ein Sommernachtstraum« (A Midsummer Night's Dream, V. Akt, 1. Szene) erschreckt der Löwe Thisbe mit seinem Gebrüll. Sie läuft davon, darauf ruft Demetrius, einer der Liebhaber der Hermia: »Well roared, lion«, was ins Deutsche übersetzt zu »Gut gebrüllt, Löwe« wurde.

Gut gekaut ist halb verdaut...haben uns unsere Omas immer gesagt, und sie hatten recht damit: Gründliches Kauen regt die Speichelbildung an, dabei entstehende Enzyme beginnen bereits im Mund die Nahrung zu zersetzen und für den weiteren Verdauungsprozeß vorzubereiten.

Gut gewappnet sein...heißt, sich zu schützen oder auf eine mögliche Gefahr vorzubereiten und geht ursprünglich auf das mittelhochdeutsche »wapen« in der Bedeutung von »Waffe, bewaffnet sein« zurück. Im 16. Jahrhundert teilte sich der Begriff in »wappen« und »wafen« - Wappen waren nun die auf Turnieren getragenen Symbole und Farben, die auf Schild und Fahne die Zugehörigkeit einer Person zu einer bestimmten Familie symbolisierten, die Waffe war das Kampfgerät.

Gut in Schuß...ist etwas, das gut erhalten, kaum verschlissen ist, eine gute Qualität besitzt. Diese Wendung hat nichts mit Krieg oder Jagd zu tun, sondern kommt aus der Webersprache: »Schuß« nennt man jene Fäden eines Gewebes, die abwechselnd oben und unten quer zu den Kettfäden liegen, weil das Schiffchen durch das Fach im Webstuhl »geschossen« (getrieben) wird, »Gut in Schuß« ist also das daraus entstehende gleichmäßige Muster.

Gut Nacht, Marie...sagen wir oft nach einer großen Enttäuschung, wenn etwas Unangenehmes geschieht, etwas schiefgeht, das wir nicht mehr ändern können. Der Zusammenhang zum gebräuchlichen »Na dann gut Nacht«, wenn der Tag beendet ist, liegt wohl auf der Hand - die Wendung geht vermutlich auf Kurt Tucholskys (1890-1935) beliebtes Wanderlied »Wir drei, wir geh'n jetzt auf die Walze« aus dem Jahre 1924 zurück, wo es in der 4. Strophe heißt:

 »Am Weg, da blüh'n die wilden Schlehen
  Und auch die Liebe klopft mal an, jawohl!
  Für die, die morgen weiter gehen
  Da lehnt sie gern die Fenster an, jawohl!
  Und schlagen früh die Finken,
  dann tun wir manchmal winken
  Mit der Leber-, Leberwurst, mit der Leberwurst
  Gute Nacht, auf Wiederseh'n, Marie!
  Falschen Tritt, falschen Tritt, die ganze Kompagnie«.

Da die Fensterbank bekanntermaßen noch weniger als andere Banken für die »Marie« - das Geld - geeignet ist, war die Wendung denn einst wohl auch eher ein Abschiedsgruß eines Soldaten von einer Frau, die für ihre Liebesdienste entlohnt wird.

Gut Wetter machen...bedeutet, daß man andere zu den eigenen Gunsten umstimmt, Freundlichkeit und Harmonie heuchelt. »Wetter« ist in dieser Wendung ein anderes Wort für »Stimmung, Gemütszustand«. Der Germanistikprofessor Hermann Paul (1846-1921) vermutet einen Ursprung im Französischen, andere meinen eine norddeutsche Herkunft zu erkennen: Dort sagt man zu einem Kind, das artig seinen Teller leergegessen hat: »Goods Wedder« - morgen kommt »Gutes wieder«. Hochdeutsch wurde daraus »gut Wetter machen«.

Gute Handschrift ...verteilt kräftige, sehr schmerzhafte Ohrfeigen.

Gute Miene zum bösen Spiel machen...wir, wenn wir bei etwas widerwillig mitmachen, weil es in der augenblicklichen Situation schlecht wäre, unsere eigene Meinung zu vertreten. Manchmal zeugt das einfach nur von fehlendem Selbstbewußtsein, meist sind wir aber als Untergebene oder Empfänger finanzieller Zuwendungen ganz einfach nicht in der Lage, etwas dagegen zu tun. Die Redewendung ist wohl in der Form »faire bonne mine à mauvais jeu« dem französischen Glücksspieljargon entlehnt.

Gute/schlechte LauneDer »Mann im Mond« ist für unsere Stimmung zuständig: »Laune« leitet sich vom lateinischen »luna« - »Mond« ab. Viele Menschen glauben bis heute, daß analog den Mondphasen auch die Gemütszustände wechseln...

Guten Rutsch ins neue Jahr...wünschen wir uns gegenseitig beim »Hinübergleiten« ins neue Jahr und meinen damit eigentlich »Viel Glück«. Viele Leute behaupten, der »Gute Rutsch« käme vom Jiddischen »a gut Rosch«, das wiederum vom Hebräischen »Rosch ha Schana« (Kopf/Anfang des Jahres) abgeleitet sei und bedeute somit »Ein gutes Jahr« - doch jeglichen Beleg dafür in der jiddischen Literatur bleiben sie uns schuldig. Selbst die Gebrüder Grimm, Herausgeber des wohl größten und berühmtesten »Deutschen Wörterbuches« kannten den vermeintlich uralten Wunsch nicht - er ist wohl doch erst um 1900, möglicherweise durch Glückwunschkarten mit lustig-winterlichen Motiven entstanden.

Gutmenschen...nennen wir umgangssprachlich überwiegend negativ konnotiert Leute, denen wir ein stets und ständig »politisch korrektes«, ein übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten attestieren. Abgeleitet von »guter Mensch« wendet sich die eigentlich positive Bedeutung ins ganze Gegenteil: Diesen vermeintlichen Weltverbesserern verschwimmt der Unterschied zwischen »gut gemeint« und »gut gemacht«, vorgeblich gute Absichten werden durch meist sehr einseitige Betrachtung, fehlende Objektivität, bis hin zum völligen Realitätsverlust oder schlichte Unkenntnis von Fakten zumeist komplett ins Gegenteil verkehrt.


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