3904 Sprichwörter, Redewendungen, Idiome, geflügelte Worte



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V

VabanquespielDieses »Spiel« ist eigentlich eine mit einem hohen Risiko verbundene Vorgehensweise, ein sehr gewagtes Unterfangen, bei dem man alles aufs Spiel setzt:
Im »Pharo«, einem alten Glücksspiel mit französischen Karten, das im 18./19. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet, heute fast völlig vergessen ist, legt der Bankier die Höhe des Mindesteinsatzes fest. Mit dem Zuruf: »Va banque!« (französisch: »es gilt die Bank«) setzt ein Spieler die ganze Summe gegen die Bank.

VademekumVom lateinischen »vade mecum« (geh mit mir) nennt man so ein Buch, das man als Ratgeber mit sich herumtragen kann. Eine »Vademekumsgeschichte« ist eine Erzählung, die längst jeder kennt, die jeder schon lange mit sich herumträgt, also eine abgedroschene, gehaltlose Geschichte.

VasistasAls anno 1784 napoléonische Soldaten in Deutschland einmarschierten, schauten die Bürger in den Städten verwundert durch kleine Oberlichter und riefen beim Trara des Einzugs: »Was ist das«? Die Franzosen verbanden damit die ihnen fremden kleinen Dachluken, das Wort bürgerte sich später für »Guckfenster, Lüftungsklappe« ein.

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr...weiß der Urvater des Comics Wilhelm Busch (1832-1908) in seinem Gedicht »Julchen« aus dem Jahre 1877 zu berichten. Junggeselle Tobias Knopp muß auf der Suche nach der »Frau fürs Leben« etliche Abenteuer bestehen, um die »Richtige« zu finden. Und wie könnt' es anders sein: Selbst mit dieser hat er so seine Probleme - allemal, als Tochter Julchen zur Welt kommt:

»Vater werden ist nicht schwer,
  Vater sein dagegen sehr.
  Ersteres wird gern geübt,
  Weil es allgemein beliebt.
  Selbst der Lasterhafte zeigt,
  Daß er gar nicht abgeneigt;
  Nur will er mit seinen Sünden
  Keinen guten Zweck verbinden,
  Sondern, wenn die Kosten kommen,
  Fühlet er sich angstbeklommen.
  Dieserhalb besonders scheut
  Er die fromme Geistlichkeit,
  Denn ihm sagt ein stilles Grauen:
  Das sind Leute, welche trauen. -
  So ein böser Mensch verbleibt
  Lieber gänzlich unbeweibt. -
  Ohne einen hochgeschätzten
  Tugendsamen Vorgesetzten
  Irrt er in der Welt umher,
  Hat kein reines Hemde mehr,
  Wird am Ende krumm und faltig,
  Grimmig, greulich, ungestaltig,
  Bis ihn dann bei Nacht und Tag
  Gar kein Mädchen leiden mag.
  Onkel heißt er günstgen Falles,
  Aber dieses ist auch alles.

  Oh, wie anders ist der Gute!
  Er erlegt mit frischem Mute
  Die gesetzlichen Gebühren,
  Läßt sich redlich kopulieren,
  Tut im stillen hocherfreut
  Das, was seine Schuldigkeit,
  Steht dann eines Morgens da
  Als ein Vater und Papa
  Und ist froh aus Herzensgrund,
  Daß er dies so gut gekunnt«.

Vaterlandslose Gesellen...sind Menschen, die an nichts glauben, keine Grundsätze mehr haben: Im »Kommunistischen Manifest«, das 1848 von Karl Marx (1818-83) und Friedrich Engels (1820-95) herausgegeben wurde, kann man nachlesen: »Den Kommunisten ist ferner vorgeworfen worden, sie wollten das Vaterland, die Nationalität abschaffen. Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht abnehmen, was sie nicht haben«.

VatermörderEin steifer, hoher Stehkragen aus der Biedermeierzeit, den man mit Knöpfen am Hemd befestigen konnte. Dieses unbequeme Accessoire für den eleganten Herrn im Frack konnte mitunter gar lebensgefährlich sein: Durch den eisenharten Druck des Kragens auf die Halsschlagader schwanden dem Träger nicht selten die Sinne - bis hin zum Kreislaufkollaps. Im Ursprungsland Frankreich heißt der Kragen »parasite« - Schmarotzer, weil man ihn auf verschiedene Hemden aufknöpfen kann. Möglich wäre hier auch ein simpler Übertragungsfehler oder ein bewußtes Wortspiel: Der »Vatermörder« heißt auf französisch »parricide«...

VeitstanzBei dieser epidemischen Volkskrankheit im 14./15. Jahrhundert, die als Tanzwut oder Tanzplage (Epilepsia saltatoria) beschrieben worden ist, tanzten Menschen, von religiösem Wahn ergriffen, vielfach auch aus Verzweiflung, der Bedrohung durch die Pestepidemie zu entgehen, bis sie in Ekstase verfielen, die ihr Müdigkeits- oder Erschöpfungsgefühl ausschaltete und bis ihnen Schaum aus dem Mund quoll und andere Wunden auftraten. Die Ursachen für dieses Phänomen sind nicht ganz geklärt, man vermutet jedoch halluzinogene Wirkungen pflanzlicher Drogen, wie der Engelstrompete oder auch Vergiftungserscheinungen des Mutterkorns im Getreide.
Heute bezeichnet der Begriff die Erbkrankheit Chorea Huntington, eine der häufigsten erblich bedingten Hirnstörungen.

VeräppelnDieser Ausdruck für »jemandem etwas Unwahres erzählen, veralbern« hat nichts mit dem »Apfel« zu tun, sondern mit dem jiddischen »eppel«, was »nichts« bedeutet. Das Gegenüber bekommt also eine Nichtigkeit erzählt, etwas, das nicht stimmt.

VerballhornenDer Lübecker Buchdrucker Johann Balhorn der Jüngere (1528-1603), wurde ganz unverschuldet der Lächerlichkeit preisgegeben: Von ihm sind über 220 Druckschriften überliefert. Daß diese generell vor Fehlern strotzten und die Nachdrucke auch nur verschlimmbesserte Ausgaben waren, ist nichts als eine böse Verleumdung - vielmehr ruinierte ein einziges Buch seinen Ruf schon zu Lebzeiten: 1586 mußte er unter Zeitdruck das neue »Lübische Recht« herausbringen, das das weit über die Stadtgrenzen geltende Recht enthielt. Hatte schon die erste Ausgabe eine Unzahl von Prozessen hervorgerufen, verschärfte die zweite »korrigierte« Version, die anonym erschien, den Konflikt durch noch absurdere Bestimmungen. Da sich die Verantwortlichen des Lübecker Senats nicht namentlich nennen ließen, traf der Volkszorn den bedauernswerten Verleger, dessen Name allein auf dem Titel prangte. Weil diese Gesetze bis ins 17. Jahrhundert gültig blieben, setzte sich die diffamierende Redensart im Volksmund fest.

Verbiestert...kommt vom mittelniederdeutschen »vorbisteren« (umherirren). Das gehört wiederum zu »bister« (von mittelniederländisch bijster): umherirrend, gereizt.

Verbotene Früchte...schmecken ja bekanntlich immer besonders süß. Dennoch sollten wir sie auf keinen Fall essen: »Præcepitque ei dicens ex omni ligno paradisi comede de ligno autem scientiæ boni et mali ne comedas in quocumque enim die comederis ex eo morte morieris«. - »Vnd Gott der Herr gebot dem Menschen vnd sprach: Du solt essen von allerley Bewme im Garten. Aber von dem Bawm des Erkentnis gutes vnd böses soltu nicht essen Denn welches tages du da von isset wirstu des Todes sterben« (Genesis 2.16f) Adam und Eva taten es trotzdem und das Unheil nahm seinen Lauf...

Verflixt und zugenäht...fluchen wir gelegentlich, wenn mal wieder etwas nicht so funktioniert, wie wir es wollen. Die euphemistische Form von »verdammt, verflucht«, mit der man vermeiden wollte, Geister und Dämonen auf den Plan zu rufen, entstammt höchstwahrscheinlich einem alten Studentenlied:

 »Ich habe eine Liebste,
  Die ist wunderschön,
  Sie zeigt mir ihre Äpfelchen,
  Da ist's um mich gescheh'n.

  Doch als mir meine Liebste
  Der Liebe Frucht gesteht,
  Da hab ich meinen Hosenlatz
  Verflucht und zugenäht«.

Eine andere Deutung meint, daß der Ausruf gebraucht wurde, wenn beim studentischen Fechten einer der Paukanten einen schweren Schmiß erhielt, der sofort genäht werden mußte.
Und dann war da noch der Schneider: Als der seine Frau mit einem fremden Mann erwischte, hat er sie »verflucht und zugenäht«...

VerfranzenDer Begriff für »verirren, steckenbleiben« stammt aus der Fliegersprache: Im ersten Weltkrieg hießen die Navigatoren in deutschen Fliegern umgangssprachlich »Franz«, die Piloten »Emil«. Gab »Franz« nun »Emil« einen falschen Befehl, hatte man sich »verfranzt«.

Vergackeiern...meint jemanden veralbern, sich einen Spaß mit ihm machen: Das Wort ist etwa seit 1900 im Sprachgebrauch - schon damals begleiteten Hühner das Eierlegen üblicherweise mit lautem Gegacker. Von Zeit zu Zeit gackern sie aber auch, wenn sie gar kein Ei gelegt haben und spielen so den Menschen einen Streich.

Verhauen...möchten wir heute am liebsten manchmal jemanden, der etwas angestellt hat, das man nicht wieder ausbügeln kann. Mittelalterliche Steinmetze meinten das noch wörtlich: Hatten Lehrlinge beispielsweise in die Inschriften der Grabsteine Schreibfehler eingemeißelt, waren diese nicht mehr zu gebrauchen, sie hatten sie »verhauen«.

VerheerendDas Synonym für »furchtbar, entsetzlich, katastrophal, ruinös« leitet sich vom althochdeutschen »farherion« ab, was etwa bedeutet »mit einer Heeresmacht überziehen, verwüsten, verderben«.

Verhohnepiepeln...wir jemanden, dann machen wir ihn mit Ironie und Spott lächerlich, nehmen ihn auf den Arm, führen ihn an der Nase herum. Das (fast schon ein wenig aus der Mode gekommene) Wort kommt vom frühneuhochdeutschen »hole Hip« (hohle Waffel): Von Haus zu Haus ziehende Händler der »Hohlhippen«, der hohlen Waffel, nannte man »Hohlhipper«, daraus wurde im 16. Jahrhundert ein Synonym für »Lästerer«, wohl weil Käufer und Verkäufer sich gegenseitig verspotteten. Später bildeten sich daraus »hohlhippeln« oder »hohlhippen« (schmähen, beleidigen), was irgendwann im Thüringisch-Sächsischen zu »hohniepeln« und »(ver)hohnepi(e)peln« (hänseln, lächerlich machen) führte.

Verhökern...wir etwas, machen wir wegen der möglichen Aussicht auf einen kurzfristigen Gewinn einen ansehnlichen Besitz viel zu billig zu Geld, verscherbeln es weit unter Wert. Das Wort geht auf das ostmitteldeutsche »Höker« zurück - im Mittelalter Händler, die ihre Ware in einer »Hucke«, einer auf dem Rücken getragenen Last, einem Rückentragekorb zum Markt trugen. Was zum Marktende noch an Ware vorhanden war, mußte »verhökert«, billig verkauft werden.

Verhunzen...hatte ursprünglich im Mittelalter mit dem »Hund« zu tun. »Verhundste« man damals etwas, behandelte man es schlecht wie einen Hund.

Verkasematuckeln...heißt, etwas in kurzer Zeit in größeren Mengen konsumieren (essen, trinken), eine große Portion mit sichtlichem Behagen verspeisen, etwas »verdrücken«, gelegentlich auch etwas erklären, »auseinanderklamüsern«, »Bildung aufnehmen«, was meist recht hastig und übertrieben, aber mit großer Motivation geschieht. Dieses wunderschöne Wort geht wohl auf das mittelgriechische »chásma(ta)« (Spalte, Erdschlund, Kluft) zurück und gelangte über das italienische »casamatta« (Wallgewölbe) und das französische »casematte« ins Deutsche, wo die »Kasematte« ein unterirdisches Gewölbe ist, in dem man einst wichtige Waren, Waffen und Vorräte sicher vor dem Feind geschützt fertigmachen oder einlagern konnte.
Eine andere Deutung führt zur alten Münsterländer Geheimsprache »Masematte«, wo die Wörter »tucken« und »kasematucken« für »schlagen, verhauen« oder auch »mit den Gläsern anstoßen« einst gebräuchlich waren.

Verklickern...müssen wir umgangssprachlich manchmal jemandem etwas, der besonders begriffsstutzig ist und einfach nicht versteht, was man ihm beibringen, erklären will.
Der schon im 19. Jahrhundert belegte Ausdruck kommt wahrscheinlich aus dem Rotwelschen und bezeichnet im Seglerjargon einen an der obersten Mastspitze von Sport- oder Freizeitbooten befestigten Wimpel oder ein Fähnchen, das den Seglern - ähnlich wie ein »Wetterhahn« auf dem Kirchturm - die Windrichtung »verklickert«, anzeigt, deutlich macht.

Verkorkst...ist etwas, das sich eher mißlungen darbietet, ein bißchen neben der Spur, das nicht gut geraten, vermurkst ist. Irgendwas ist schiefgegangen - so wie ursprünglich beim Korken einer Weinflasche: Wenn die »korkt«, weniger nach Wein, denn allzusehr nach Kork schmeckt, ist sie verdorben und quasi ungenießbar. Traditionelle Korken haben bisweilen großen Einfluß auf den Geschmack des Weines, wenn der Verschluß die Flasche nicht ganz dicht versiegelt. Daß der Wein durch den Korken »atmen« soll, ist eine Mär - besser sind tatsächlich Kronkorken und Schraubverschlüsse. Aber bei denen denken Weinliebhaber eher an billigen Fusel.
Eine andere Theorie meint, daß »verkorksen« eine Abwandlung des mundartlichen »gorksen« (gurgeln, aufstoßen) sei - dem Zustand, wenn man sich den Magen verdorben hat.

VerkuppelnWer sich von seinem Liebes- oder Lebenspartner getrennt hat, kennt das Phänomen: Allerlei Freunde und Bekannte spielen »Partnervermittlung« und fädeln Zusammentreffen mit Leuten ein, die vermeintlich doch so gut zu einem passen würden. Schon früher wurde viel Kuppelei betrieben - führte sie zur Heirat, durfte der Ehestifter einen »Kuppelpelz« - oft ein Zobel, im altdeutschen Eherecht der übliche Kaufpreis - verlangen. Diente die Kuppelei aber nur einem »One-Night-Stand«, war sie verpönt und stand sogar unter Strafe.

Verlorene LiebesmühDer Ausdruck für »keiner Anstrengung wert, vergeblich, umsonst sein« ist eine Lehnübersetzung des englischen »Love's labour's lost«, eines Lustspiels von William Shakespeare (1564-1616): Am Hofe Ferdinands, König von Navarra, schwören der junge Fürst und seine Freunde Dumain, Longaville und Berowne, die nächsten drei Jahre ganz dem Studium von Literatur und Wissenschaft zu widmen und für diese Zeit allen weltlichen Genüssen - namentlich weiblicher Gesellschaft - zu entsagen. Kurz darauf trifft die Prinzessin von Frankreich ein, Ferdinand verfällt ihr, die drei Freunde verlieben sich in deren Hofdamen. Die vier versuchen, ihren Angebeteten heimlich Liebesbriefe zukommen zu lassen, die aber - wie sollt' es anders sein - verwechselt werden, sodaß der allseitige Eidbruch offensichtlich wird. Das Stück endet mit einem Fest, auf dem es zunächst zu weiteren Verwechslungen kommt, bevor ein Bote die heitere Atmosphäre mit der Nachricht vom Tod des Königs von Frankreich zunichtemacht...

Vermaledeit...heißt, etwas ist »verflucht«. Diesen emotional verstärkenden Ausdruck negativer Empfindungen hört man heutzutage nur noch selten, das Wort kommt wohl vom lateinischen »maledicere« (lästern, schmähen, schimpfen, Böses sagen, beschimpfen, verfluchen, beleidigen, nahetreten). Das lateinische »male« steht für »schlecht«, »dicere« für »sagen«, davon abgeleitet gibt es auch »maledictus« (verflucht).
Das früher durchaus gebräuchliche Gegenstück dazu war das Wort »benedeien«, das uns heute eher fremd geworden ist, und auf das ebenfalls lateinische »benedicere« (preisen, segnen, gutsagen, gutheißen, loben) zurückgeht, sowie den »benedictus« (geweiht, gesegnet), das es immerhin bis zum Papstnamen gebracht hat...

Vermöbeln...bedeutet eine handfeste Prügelei, bei der sich die Gegner tüchtig aufs Maul hauen. Der Ausdruck kommt wohl aus der Studentensprache des 18. Jahrhunderts und bedeutete ursprünglich »vergeuden, durchbringen, zu Geld machen«, was mit den »Mobilien« - beweglichen Gütern - zu tun hatte, die man schnell losschlagen konnte. Möglich wäre aber auch eine Analogie zum Teppichklopfer, mit dem man Polstermöbel bearbeitet.

VerpetzenDas Wort »Petze« für einen schlimmen Verräter, der unbedingt sein hochgeheimes Wissen über irgendjemanden mit anderen teilen muß, wurde im 18. Jahrhundert durch Theologiestudenten des Hallischen Waisenhauses in die lokale Studentensprache eingeführt. Anfang des 19. Jahrhunderts benutzte man es dann auch in anderen deutschen Städten. Der Ursprung liegt im hebräischen, später rotwelschen Ausdruck »pazah« - »das Maul aufreißen«.

Verpissen...geht auf den 1. Weltkrieg zurück: Soldaten, die sich immer dann zum Austreten verdrückt haben, wenn es brenzelig wurde, haben sich »verpißt«.

Verpönt...ist etwas, das von anderen Menschen gemeinhin für schlecht gehalten wird, unerwünscht, tabu ist. Von dem Verb »verpönen« (mißbilligen, ablehnen, verachten) ist heute nur noch das 2. Partizip »verpönt« gebräuchlich. Es stammt vom mittelhochdeutschen »verpenen« (bei Strafe verbieten), welches letztlich auf das lateinische »poena« (Pein, Strafe, Buße, Qual, Bestrafung, Geldstrafe) zurückzuführen ist. Im Laufe der Zeit entfiel zwar die Strafe, die Mißbilligung bleib jedoch.

Verpulvern...sagen wir, wenn jemand etwas - oft Geld - verschwendet, vergeudet, sinnlos ausgibt. Das Wort geht auf die Zeit zurück, als man noch mit Schießpulver schoß: Dieses wurde zuerst in den Lauf der Waffe gefüllt, dann kam die Kugel hinterher. Beim Schuß trieb das explodierende Pulver die Kugel aus dem Lauf.

Versaubeuteln...bedeutet umgangssprachlich, etwas falsch- oder kaputtmachen, verderben oder verlieren, vermasseln oder versauen. Die »Sau« steht in recht vielen Beschimpfungen als Verstärkung für etwas Unsauberes, Schlechtes, Abstoßendes; der »Saubeutel« könnte also für ein Synonym zum »Drecksack« stehen oder für einen Müllsack, in dem etwas auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Verscherbeln...müssen wir manchmal alte Sachen, die wir nur noch billig abstoßen, weit unter Wert verkaufen. Dieser Ausdruck geht auf den »Scherf« zurück, eine Münze von geringem Wert, die vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert in Umlauf war. Ein einzelner Scherf hatte nur den Wert eines halben Pfennigs, deshalb wurden meist Münzen im Wert von drei, sechs oder 12 Scherf geprägt. Auch der Ausdruck »sein Scherflein beitragen« geht auf dieses Geldstück zurück.

VerschüttgehenDas Synonym für »verlorengehen« läßt uns glauben, daß etwas unter einem Berg anderer Sachen »verschüttet« wird. Tatsächlich kommt es aber aus der Ganovensprache: Das mndt. »schatten« (einsperren, einschließen, einfrieden) liegt hier eigentlich zugrunde.

Versessen sein...heißt wortwörtlich, daß jemand sehr lange an einer Sache hängenbleibt und dabei alles andere vernachlässigt. Und weil er dabei oft auf einem Stuhl sitzt, ist er ganz »versessen«.

Versuchen, das Einhorn zu fangenDas »Einhorn«, ein Tier in Pferdegestalt mit einem einzelnen geraden, spitzen Horn auf der Stirn, war in frühchristlicher Zeit Sinnbild für gewaltige Kraft und wurde auf Christus bezogen. Im Mittelalter wurde es als Symbol der Keuschheit Maria zugerechnet, da es seine Wildheit verliere, wenn es sein Haupt in den Schoß einer Jungfrau lege.
Obwohl die Tierwelt ein solches Fabeltier eigentlich gar nicht kennt, hat der Glaube daran in vielen Kulturen Verbreitung gefunden und sich lange erhalten. Versucht jemand, das »Einhorn zu fangen«, jagt er einem Phantom nach und versucht, etwas zu bekommen, was nicht da ist.

Versuchen, einen Pudding an die Wand zu nageln...ist ein äußerst treffendes Synonym für etwas schier Unmögliches: Jeder, der das schon mal ausprobiert hat, weiß, daß es sich zumindest als recht schwierig erweisen dürfte - weshalb es die meisten gleich bleibenlassen, ohne es jemals versucht zu haben. Und auf dem Teller ist die kalte Süßspeise ja ohnehin viel leckerer...

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser...soll angeblich der russische Revolutionär Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924), der sich »Lenin« nannte, gesagt haben, als er 1917 die parteitreue Geheimpolizei »Tscheka« gründete. In seinen Werken findet sich das Zitat nicht - belegt ist indes, daß er oft das russische Sprichwort »доверяй, но проверяй« (Vertraue, aber prüfe nach) gebraucht hat. Möglich, daß die Wendung von manchen Übersetzern abgewandelt wurde - viele schöne Zitate sind aber auch nie von den Autoren erfunden worden, denen sie zugeschrieben werden.

Verwursten...meint bildlich, gedanken- oder bedenkenlos völlig verschiedene Dinge durcheinanderwürfeln oder ohne sachlichen Grund gemeinsam abhandeln. Das Wort kommt natürlich vom Metzger, der verschiedene Fleischteile und Zutaten durch den Fleischwolf dreht und die Masse dann in Tier- oder Kunstdärme füllt.

Verzage nicht, Du Häuflein kleinDer Versuch, sich über die geringe Bedeutung der eigenen Gruppe zu trösten, äußert sich zuweilen in diesem Kirchenlied von Jakob Fabricius (1593-1654), einem Prediger im Heer Gustav Adolfs von Schweden aus dem 17. Jahrhundert (Evangelisches Gesangbuch, № 249):

  Verzage nicht, Du Häuflein klein,
  Obschon die Feinde willens sein,
  Dich gänzlich zu verstören.
  Und suchen Deinen Untergang,
  Davon Dir wird recht Angst und Bang,
  Es wird nicht lange währen.

VerzettelnWir arbeiten planlos vor uns hin, machen mal dies, mal das und nichts geht so recht voran: Wir haben uns verzettelt. Im Althochdt. bedeutete »zetten« sovielwie »ausbreiten, verstreuen«. Daraus entstand »verzetteln« im Sinne von »nutzlos ausbreiten«. Eine Abart dieser fruchtlosen Arbeitsmethode ist die »Zettelwirtschaft«. Alles wird aufgeschrieben, irgendwo abgelegt und nie wiedergefunden. »Zette(l)n« war auch ein Fachwort aus der Weberei, so erklärt sich das heutige »anzetteln« als »beginnen, einen Stoff zu weben«. Beides hat also nichts mit dem »(Notiz)Zettel« zu tun, der vom mittellateinischen »cedula« als »Zeddel« Anfang des 14. Jahrhunderts ins Deutsche kam und somit weit jünger ist.

Victory-ZeichenDas alte Zeichen der Friedensbewegung, Zeige- und Mittelfinger in die Höhe gestreckt, bedeutet heute: »Ich gebe nicht auf«. Es entstand schon im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England im 14./15. Jahrhundert: Wegen ihrer Treffsicherheit waren britische Langbogenschützen, die den Bogen mit ebenjenem Zeige- und Mittelfinger spannten, gefürchtet. Bekamen die Franzosen einen zu fassen, sorgten sie dafür, daß er nie wieder einen Bogen spannte - sie hackten ihm kurzerhand die beiden Finger ab. Doch die Briten hatten sehr viele Schützen mit sehr intakten Fingern und diese bekamen die armen Franzosen zu spüren - und zu sehen. Das Victory-Zeichen ist demnach eine Art mittelalterlicher »Stinkefinger«.

Viel auf dem Kasten haben...umgangssprachlich Leute, die besondere Fähig- und Fertigkeiten besitzen, Ahnung haben, sich mit etwas auskennen. Der »Kasten« steht hier bildlich für den Kopf - das »Behältnis«, in dem unser Verstand sitzt.
Manche meinen auch, die Wendung käme aus einer Zeit, als es noch keine Schulranzen gab und die Schüler auf in kleine Holzkästen eingelassene Ton- oder Schiefertafeln schrieben. Wer schon schreiben konnte, hatte viel »auf dem Kasten« und zeigte so, wie klug er war.

Viel Aufhebens machenFinden wir eine Sache besonders beachtenswert, versuchen wir, sie auf jede erdenkliche Art und Weise hervorzuheben. Der Ursprung ist wohl im 17. Jahrhundert bei den Schaufechtern zu suchen: Diese legten die Waffen (Degen, Schwerter...) vor dem Kampf in einer festgelegten umständlichen und überflüssigen Zeremonie zunächst auf den Boden. Dort konnten sie dann vom sachkundigen Publikum begutachtet, deren Länge verglichen werden etc. Erst nach diesem Vorspiel wurden die Waffen »aufgehoben« und der eigentliche Kampf begann.

Viel Bohei um etwas machen...Leute, die »viel Lärm um nichts«, unnötig viel Aufhebens machen, nur wegen Nichtigkeiten für enorme Aufregung sorgen. Das besonders im Westmitteldeutsch/Rheinischen umgangssprachliche Wort kommt ursprünglich wohl vom jiddischen »palhe« (Lärm, Tumult, Aufhebens), das zum niederländischen »poeha, boeha« und schließlich zu »Bohei« umgeformt wurde. Weniger wahrscheinlich ist die Herkunft aus der lautmalerischen Variante des keltisch/schottischen Kampfrufes »buaidh« (Sieg), der über das Englische zu uns einwanderte. Ebenso fraglich ist ein Zusammenhang mit der »Bohai-Bucht« vor Peking, wo anno 1900 der »Boxeraufstand« - nachgerade ein Synonym für Übertreibung - niedergeschlagen wurde.

Viel Feind, viel Ehr'...glauben manche Menschen, die es nachgerade genießen, mit ihrer Art andere derart zu verprellen, daß diese zu ihren Feinden werden.
Die Wendung ist bereits im 15. Jahrhundert als Wahlspruch des Georg von Frundsberg (1473-1528), eines mittelalterlichen Landsknechtsführers in kaiserlich-habsburgischen Diensten, belegt. Jener kämpfte lange um die Vorherrschaft in Oberitalien; anno 1513 schlug er bei Creazzo ein venezianisches Heer, das seinem eigenen vierfach überlegen war.
Im 18. Jahrhundert findet sich die Wendung auch in Briefen von Fridericus Rex (1712-86), allgemeinbekannt wurde sie aber wohl durch ein Soldatenlied jener Zeit, das die Worte aufgriff: »Viele Feinde, viele Ehr', das ist unseres Königs Lehr'«.

Viel Geschrei und wenig Wolle...sagte der Teufel und schor eine Sau. Diese sprichwörtliche Redensart für »viel Lärm, Aufhebens machen, sich unnötig aufregen«, die unter anderem schon bei Martin Luther (1483-1546) als »Vil geschrey, wenig wol« zitiert wird, ist seit dem 15. Jahrhundert bei uns bekannt. Der eigentliche Sinn »Vil G'scherei (viel Schererei) und wenig Wolle« beruht wohl auf einer Sage vom betrogenen Teufel, der Gott Schafe scheren sah: Gefragt, warum er das tue, antwortet Gott, daß er sich aus der Wolle Kleider weben wolle. Der Teufel versucht dasselbe bei seinen Schweinen, die bei diesem Procedere zwar ein großes Geschrei anstimmten, aber kaum Wolle hergaben. Eine andere Deutung aus dem spätmittelhochdeutschen »viel geschreis und wenig wollen« meint, daß jemand viel Geschrei, »Viel Lärm um nichts« macht und eigentlich nur wenig erreichen will.

Viel Lärm um nichts...sagen wir, wenn jemand viel Trubel wegen einer Kleinigkeit verursacht, sich künstlich aufregt. Diese sprichwörtliche Redensart, im englischen Original »Much Ado about nothing« geht auf William Shakespeares (1564-1616) gleichnamige Komödie um Liebe und Intrigen aus dem Jahre 1599 zurück.

Viel Tamtam machen...wir manchmal um etwas, wenn wir viel Aufregung verursachen, lautstark Propaganda betreiben, um starke Aufmerksamkeit zu erregen. Das »Tamtam« ist der lautmalerische Name für einen ostasiatischen Metallgong, dessen tiefe und sehr sanft klingende Töne als sehr wohltuend empfunden werden, aber eben auch sehr laut sind.

Viele Köche verderben den Brei...sagt das traditionelle Sprichwort und meint, es sei oft nicht gut, wenn sich allzuviele Leute um ein und dieselbe Sache kümmern. Die Köche streiten um die richtige Zubereitung, jeder hat andere Ideen, Rezepte oder Gewürze, am Ende kann man es nicht mehr essen - obwohl jede Zubereitung für sich allein delikat gewesen wäre. Manchmal hat ein Problem halt mehrere Lösungen und man sollte lieber die drittbeste Lösung konsequent verwirklichen, als eine Mischung aus der besten und der zweitbesten.

Viele Mäuler zu stopfen...hat, wer eine große Familie mit Essen, Kleidung etc. versorgen muß. Je größer diese ist, desto mehr Geld muß verdient werden, etwas Außergewöhnliches und Teures muß man sich oft gar »vom Munde absparen«.

Viele sind berufen, aber wenige sind auserwähltIn einem Gleichnis aus der Bibel hatte ein König zur Hochzeit geladen, doch alle Gäste blieben fern. Deshalb ließ er Leute von der Straße holen, sie einkleiden und ihnen einen Platz an der Tafel zuweisen. Doch ein Gast schmuggelte sich hinein. Der König ließ ihn hinauswerfen, weil er offenbar nicht zu den Auserwählten zählte. Jesus bezieht sich hier darauf, daß die Juden zwar sein auserwähltes Volk sind, aber nur wenige zu seinen Anhängern wurden: »Multi autem sunt vocati pauci vero electi«. - »Denn viel sind beruffen, Aber wenig sind auserwelet«. heißt es in Matthäus 22.14. Heute wenden wir die Redensart meist ironisch auf jemanden an, der sich zwar zu einer Sache berufen fühlt, aber nicht über das nötige Geschick oder die nötigen Fähigkeiten verfügt, um sie zum Erfolg zu bringen.

VielfraßDer »Gulo gulo«, ein Raubtier, das zu den Mardern gehört, heißt nordisch »Fjellfräs« - das bedeutet einfach nur »Gebirgs-(Fjell)-Katze«.

Viereckige Augen...kriegt umgangssprachlich, wer ewig lange vor der »Mattscheibe« gesessen hat. Natürlich bleiben die überanstrengten Augen trotz allem rund - da aber Fernseher nunmal viereckig sind, wurde die Form sinnbildlich auf die Augen übertragen.

Vierschrötig...sagen wir zu kräftigen, breiten, etwas grob wirkenden Männern, deren Umgangsformen vermeintlich zu wünschen übrig lassen. Im Mittelhochdeutschen hieß »vierschrotig« noch »grob gemahlen« - Getreide wurde früher nach Schrotkörnung von eins (fein) bis vier (grob) eingestuft.

Vitamin BOhne dieses wäre so manche Karriere längst nicht das, was sie ist - allerdings ist hier beileibe nicht von gesunder Ernährung die Rede: »Vitamin B« steht für »Beziehungen«. Und die schaden ja bekanntlich immer nur dem, der keine hat...

Vogel-Strauß-PolitikMan will Gefahren nicht sehen und verschließt die Augen und den Verstand: Die Redensart geht auf das Gerücht zurück, der Strauß würde bei drohender Gefahr seinen Kopf in den Sand stecken. Das tut er allerdings beileibe nicht - er flüchtet lieber. Kommt es dennoch zum Kampf, verteidigt er sich mit einigen gezielten Tritten, die dank seiner scharfen Krallen durchaus einen Löwen töten können.

Vogelfrei...meinte ursprünglich, frei von allen Diensten für seinen Herrn - heute eher bar jeglicher sozialer Verpflichtungen - zu sein. Einst gab es auch eine Friedloserklärung, die jemanden für »vogelfrei« erklärte: Der Leichnam des so Geächteten hatte kein Recht auf eine ordentliche Bestattung, blieb also den Raubvögeln zum Fraße überlassen.

Vögeln...wurde ab dem Mittelalter gebraucht, um den Kopulationsakt (mhdt. »vogelen« - begatten) zu benennen und meinte zuvor (ahdt. »fagolan« - Vögel fangen) noch den Vogelfang. Wenn also in Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-91) »Zauberflöte« der gefiederte Papageno singt:

  »Ein Netz für Mädchen möchte ich,
  ich fing sie dutzendweis' für mich.
  Dann sperrte ich sie bei mir ein,
  und alle Mädchen wären mein«,

darf man vermuten, daß auch der Komponist und sein Textdichter Emanuel Schikaneder beide Wortbedeutungen im Sinn hatten...
Äußerst vorsichtig sollte man übrigens in puncto Groß- und Kleinschreibung bei dem Satz »Sie ist gut zu Vögeln« sein - mit kleingeschriebenem »V« bekäme dieser eine völlig andere Bedeutung...

VokuhilaDieses Akronym aus den Wörtern »vorne kurz - hinten lang« bezeichnete eine Frisur der 80er/90er Jahre: Wer seinerzeit besonders auf sich hielt, trug gelegentlich gar »Vokuhilamivoschi« - der üble Haarschnitt wurde zusätzlich mit blondierten Strähnchen, dem »Vogelschiß« garniert. Besonders Fußballer liebten diesen Haarschnitt, der ihnen eine freie Sicht auf den Ball ermöglichte und sie trotzdem ein bißchen wie Rockstars aussehen ließ.

Voll wie ein Amtmann...ist manch Zeitgenosse nicht nur traditionell zum alljährlichen »Vatertag« - auch sonst rinnt die eine oder andere »Herrenhandtasche« (Sechserpack) über den Durst durch ausgedörrte Kehlen: Der »Amtmann«, heute ein Beamter im gehobenen Dienst, war im Mittelalter noch Bediensteter des Adels oder der Kirche und wurde hauptsächlich für die Verwaltung von Gütern und Burgen nebst dazugehöriger Weinkeller eingesetzt. Diese privilegierte Stellung nutzte so mancher zu regelmäßigen Saufgelagen aus.

Voll wie eine Drossel...kommt von der provenzalischen Mittelmeerküste, wo sich die aus den nördlichem Ländern kommenden Drosseln über die süßen Früchte des Südens (Trauben, Feigen etc.) hermachen und sich so mit Weinbeeren vollstopfen, daß man den unsicheren Flug und die taumelnde Bewegung der Trunkenheit zuschreibt, die vom Fressen der Trauben herrühren soll...

Voll wie eine RodehackeZu Zeiten Ludwig XIV. (1638-1715) trugen Lebemänner an den Schuhen rote Absätze von solchen Ausmaßen, daß das Gehen nahezu unmöglich war und sie sich, hatten sie mal einen über den Durst getrunken, chauffieren lassen mußten. Daraus entstand die »Rote Hacke« für einen, der nicht mehr auf den Beinen stehen kann...

Voll wie eine Strandhaubitze...ist eine der vielen Redensarten, die den Grad der Trunkenheit eines Mitmenschen beschreiben: Haubitzen, Steilfeuergeschütze, die mit einem hohen Richtwinkel (über 45°) abgefeuert werden, wurden oft als Teil der Küstenverteidigung eingesetzt. Wird das Mündungsrohr nicht verschlossen, neigen sie dazu, mit Sand und Wasser »vollzulaufen« und sind somit nicht mehr einsatzbereit. Eine andere Deutung geht von »blau wie eine Strandhaubitze« aus, weil die Geschütze zwecks Tarnung gegen das Meer oft blau lackiert gewesen sein sollen.

Vollbeschäftigung...ist ein archaisch anmutender, in unserer Umgangssprache quasi ausgestorbener Begriff, den allenfalls noch unbelehrbare Utopisten, Geisteskranke oder Politiker benutzen.
Die Älteren werden sich vielleicht noch dunkel erinnern: Diese paradiesische Gesellschaft, die allmorgendlich kollektiv zur Firma eilte und abends müde, aber glücklich heimkehrte, soll es einst tatsächlich gegeben haben! Das Wochenende über hatten alle frei (montags machte man auch schon mal blau), die Arbeit tauschte man gegen Geld, dieses wiederum gegen Sachen, und damit jene nicht ausgingen, ging man wieder zur Arbeit und stellte immer neue Sachen her: Wirtschaftswissenschaftlich gesehen also das berühmte »Perpetuum mobile«...

Volle BreitseiteDieses Synonym für ungebremste, schonungslose Attacken stammt aus dem Sprachschatz der Kriegsmarine: Eine »Breitseite« bezeichnet das gleichzeitige Abfeuern aller vorhandenen Geschütze auf der dem Gegner zugewandten Seite des Schiffes.

Volle Pulle...machen wir etwas sehr schnell, mit voller Kraft, maximalem Einsatz.
Wer jetzt glaubt, eine »volle Flasche« austrinken zu müssen, um Vollgas geben zu können, irrt gewaltig: Die »Volle Pulle« kommt vom »pullen«, was in der Seemannssprache »rudern« (auch englisch »pull« - ziehen der Ruder) bedeutet.
In Herman Melvilles (1819-91) weltberühmtem Roman »Moby Dick« aus dem Jahre 1851 feuert Steuermann Stubb die Ruderer eines Beibootes der »Pequod« an, mit ganzer Kraft zu rudern: »Jetzt pullt, Männer, grad so wie 50.000 Linienschiffe voller roter Teufel«.

Voller Bauch studiert nicht gern»Plenus venter non studet libenter« wußte schon Sophronius Eusebius Hieronymus vor rund 2500 Jahren in seinen »Epistulæ« zu berichten. Daß schweres Essen müde macht und es naturgemäß schwerfällt, sich zu konzentrieren und komplexe Zusammenhänge zu begreifen, ist wohl hinlänglich bekannt: Schon der Säugling schläft kurz nach dem Stillen ein, da aus dem Eiweiß der Muttermilch schlaffördernde Opiate gebildet werden. Ähnliche Stoffe können auch aus Weizen- und Fleischeiweiß entstehen. Das Blut ist im Bauchraum und steht dem Gehirn nicht zur Verfügung. Wissenschafter der »Yale School of Medicine« haben nun (jedenfalls für Ratten und Mäuse) nachgewiesen, daß das im Darm produzierte Hungerhormon »Ghrelin« auf den Hippocampus wirkt, der eine entscheidende Rolle beim Lernen und der Gedächtnisbildung spielt. Da die Produktion von Ghrelin tagsüber und bei leerem Magen am höchsten ist, folgern die Forscher, daß Lernleistungen vor den Mahlzeiten am effektivsten sind.

Völlig aus dem Häuschen...ist jemand, der vor Freude aufgeregt, außer sich, übermütig ist: Leute, die sich über ein Ereignis besonders freuen, können diese Neuigkeit nicht für sich behalten und müssen es jemand anderem mitteilen. Sie rennen also »aus dem Häuschen« zu den Nachbarn. Früher war man auch »nicht recht zuhause«, wenn man nicht ganz klar bei Verstand war - ein Bezug zu »Les Petites Maisons« (Die kleinen Häuser), einem Pariser Irrenhaus ist hier denkbar. Und nicht zuletzt ist der Hofhund »aus dem Häuschen«, wenn der Briefträger kommt...

Vom Affen gebissen...sagt der Volksmund, wenn jemand sich ungewöhnlich oder krankhaft verhält: Affenblut enthält wahnsinnig viele Viren - bis zu zehn Millionen pro Milliliter. Menschenblut erreicht höchstens ein Hundertstel dieses Wertes. Da die allermeisten der dadurch ausgelösten Krankheiten in unseren Breiten mangels Affen kaum bekannt gewesen sein dürften, wird dies wohl oft eine gängige - vielleicht gar einzige - Diagnose gewesen sein...

Vom Baum der Erkenntnis essen...heißt heute, Weisheit zu erlangen, schlauer zu werden. Auch dies ist wieder eine Anspielung auf die Zeit im Paradies: Gemeint ist hier der »Baum der Erkenntnis«, von dem Adam und Eva nach Weisung Gottes keine Früchte essen durften: »De ligno autem scientiæ boni et mali ne comedas in quocumque enim die comederis ex eo morte morieris«. - »Aber von dem Bawm des Erkentnis gutes vnd böses soltu nicht essen Denn welches tages du da von isset, wirstu des Todes sterben« heißt es in 1 Mose 2.17. Sie taten es dennoch und wurden deshalb aus dem Paradies vertrieben...

Vom Hundertsten ins Tausendste...kamen wir ursprünglich nicht bei endlos in Nichtigkeiten abschweifendem Gelaber, sondern bei Rechenfehlern: Im 15.-17. Jahrhundert rechnete man hierzulande mit dem sogenannten »Abakus«, einem Rechengerät, mit dem sich arithmetische Rechnungen (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division) durchführen ließen. Dieser bestand aus einem hölzernen Rahmen mit Perlen auf parallelen Stangen und einem Querbalken senkrecht zu den Stangen, der die Perlen in zwei Gruppen einteilt. Jede Spalte (jede Stange) stellt eine Stelle im Dezimalsystem. Die Spalte ganz rechts entspricht den Einern, die links daneben den Zehnern etc. Da die Hunderter und Tausender dicht beieinander lagen, waren sie mitunter leicht zu verwechseln.
»Wer das Hundert in das Tausend wirft, der macht es also, daß niemand weiß, was er rechnet oder redet« meinte denn anno 1529 der deutsche evangelische Theologe und Sprichwortsammler Johann Agricola (1494-1566) und auch der Reformator Martin Luther (1483-1546) schrieb ganz ähnlich: »Sie haben eine seltsame Weise zu reden, als sie keine Ordnung halten, sondern das Hundert in das Tausend werfen«.
Der Abakus wird von östlichen Geschäftsleuten und Buchhaltern noch immer häufig benutzt. Geübte Benutzer können damit schnellere Ergebnisse erzielen, als es mit einer elektronischen Rechenmaschine möglich wäre. Bei uns ging irgendwann das Wissen um diese »Rechenbank« weitestgehend verloren, allein die Redensart blieb erhalten.

Vom Leder ziehen...ist ein Ausdruck für Lästern oder Prahlen oder auch jemanden schlechtmachen oder übertreiben: Mußte ein Ritter sich gegenüber einem anderen behaupten, zog er sein Schwert aus der damals üblicherweise ledernen Scheide. Seit dem 18. Jahrhundert wurde die Redewendung auch im übertragenen Sinne von »über jemanden herziehen« gebraucht.

Vom Munde absparen...müssen wir uns manchmal etwas, indem wir sogar am Essen sparen, um es uns kaufen zu können. Die Wendung erscheint bereits in Hans Sachs' (1494-1576) Schwank »Der zu karg und der zu milt«:

 »Wo er nur kund bey seinen jaren
  Ein Pfenning kund am maul ersparen«

und in seinem bekannten Fastnachtsspiel »Heiß eisen«:

 »Vier gulden zwölffer, die ich doch hart
  Hab selbst an meinem maul erspart«.

Vom Regen in die Traufe kommenDie Traufe, ein Abfluß an der Dachkante, aus dem das gesammelte Regenwasser abfließt, erzeugt bei starkem Regen einen recht kräftigen Wasserfall: Wer aus dem Regen dort hineingerät, hat ein Problem umgangen, um einem anderen zum Opfer zu fallen.

Vom Saulus zum Paulus werden...wir, wenn wir unsere Meinung völlig ändern, vom Bekämpfer einer Ansicht zu ihrem Verteidiger werden. Wer heute »vom Saulus zum Paulus« wird, gilt nicht eben als einer, dem es »von seinen Augen wie Schuppen fiel« (Apg 9.18), allzuoft ist er schlicht ein »Wendehals«. Das Wort stammt von der plötzlichen wunderbaren Bekehrung des Saulus (hebr. »Der Erbetene«) auf seiner Reise nach Damaskus: Saulus war einst einer der heftigsten Christenverfolger in Palästina gewesen. Der bekehrte Paulus (lat. »Der Kleine«) hingegen hat den Glauben an Christus wie kein anderer Apostel bekannt. Tatsächlich ist Saulus niemals zum Paulus geworden - vor und nach seinem Erlebnis trug er wie jeder Römer beide Namen: Neben dem jüdischen »Schaul« (latinisiert Saulus) hatte er von Kind an den Namen seiner römischen Sippe »gens Pauli«, den er im Umgang mit Römern und Heiden nutzte. »Saulus autem qui et Paulus«... (Saulus aber, der auch Paulus heißet...) nennt ihn Lukas, der Autor der Apostelgeschichte (13.9) und verwendet den Namen Paulus erst, als der den römischen Statthalter Sergius Paulus in Zypern bekehrt und seine Heidenmission beginnt.

Vom Scheitel bis zur Sohle...achten wir - zu besonderen Anlässen noch mehr als sonst - auf eine gepflegte Erscheinung, ein gutes Aussehen. Die Wendung kommt aus der Bibel - im Alten Testament ist zum Beispiel von Absalom (um 1000 a.C.) die Rede: »Porro sicut Absalom vir non erat pulcher in omni Israhel et decorus nimis a vestigio pedis usque ad verticem non erat in eo ulla macula« - »Es war aber in gantz Jsrael kein Man so schön als Absalom vnd hatte dieses lob fur allen. Von seiner fusssolen an bis auff seine scheitel war nicht ein feil an jm« (2. Samuel 14:25).
Es gibt dort aber auch eine ganz andere Sichtweise: »Percutiat te Dominus ulcere pessimo in genibus et in suris sanarique non possis a planta pedis usque ad verticem tuum« - »Der Herr wird dich schlahen mit einer bösen Drüs an den knien vnd waden, Das du nicht kanst geheilet werden von den fussolen an bis auff die scheitel«. (Deuteronomium 28:35)

Vom Stamme Nimm...ist umgangssprachlich jemand, der raffgierig und geizig stets auf den eigenen Vorteil und Gewinn bedacht ist. Er will immer nur mehr und mehr haben, aber höchst ungern geben. Diese alte Redensart ist vermutlich eine Anspielung auf die zwölf Stämme Israels: Im Alten Testament der Bibel. sendet Moses je einen Kundschafter von jedem dieser Stämme nach Kanaan aus, um das Land zu erkunden: »Fecit Moses quod Dominus imperarat de deserto Pharan mittens principes viros quorum ista sunt nomina; de tribu Ruben Semmua filium Zecchur; de tribu Symeon Saphat filium Huri; de tribu Iuda Chaleb filium Iepphonne; de tribu Isachar Igal filium Ioseph; de tribu Ephraim Osee filium Nun; de tribu Beniamin Phalti filium Raphu; de tribu Zabulon Geddihel filium Sodi; de tribu Ioseph sceptri Manasse Gaddi filium Susi; de tribu Dan Ammihel filium Gemalli; de tribu Aser Sthur filium Michahel; de tribu Nepthali Naabbi filium Vaphsi« - »Vnd hiessen also: Sammua der son Zacur des stams Ruben; Jgeal der son Joseph des stams Jsaschar; Hosea der son Nun des stams Ephraim; Saphat der son Hori des stams Simeon; Caleb der son Jephunne des stams Juda; Jgeal der son Joseph des stams Jsaschar; Hosea der son Nun des stams Ephraim; Palti der son Raphu des stams BenJamin; Gadiel der son Sodi des stams Sebulon; Gaddi der son Susi des stams Joseph von Manasse; Ammiel der son Gemalli des stams Dan; Sethur der son Michael des stams Asser; Nahebi der son Vaphsi des stams Naphthali; Guel der son Machi des stams Gad« (Numeri 13:4ff)

Vom Stapel lassen...wir manchmal ganz große Reden - leider oft gerade im unpassendsten Moment - und treten damit gehörig ins berühmte »Fettnäpfchen«. Manche Sprüche kann man nur als ungehörig, unverschämt und unpassend deuten. Ganz anders der eigentliche Ursprung dieser Redensart, ein neugebautes Schiff zuwasserlassen, erweitert auch etwas produzieren, auf den Markt bringen oder einweihen. Ein »Stapel« sind eigentlich übereinandergeschichtete Holzklötze, die beim Bau in der Werft den Schiffskörper stützen und bei der Einweihung entfernt werden. Am Schiff - und sinnbildlich an der Rede - wurde lange gefeilt und gearbeitet, nun kann endlich der Stapellauf gefeiert werden.

Vom Teufel geritten...handelt jemand unüberlegt oder gar gefährlich, ist besessen oder zumindest übermütig, treibt Unfug oder stellt etwas an, verliert allgemein die Beherrschung. Der mittelhochdeutsche Volksglaube unterschied zwei Arten von Teufeln: Die »Einfahr-Teufel«, die von einem Körper Besitz ergriffen und den Menschen innerlich krankmachten, sowie die »Aufhock-Geister«, die sich dem Menschen auf den Nacken setzten und ihm böse Gedanken ins Ohr flüsterten.

Von dem nimmt kein Hund ein Stück BrotEr wird von allen gemieden und verachtet. Hunde sind bekanntlich nicht eben wählerisch, wenn es ums Fressen geht. Wenn selbst die die Gabe verschmähen, steht es wirklich schlecht um einen...

Von der Hand in den Mund leben...umgangssprachlich Leute, die nichts sparen, sondern ihr Geld sofort wieder ausgeben - oft, weil ihr Einkommen schlicht nicht weiter als für das Nötigste ausreicht. Schon im Mittelalter lebten viele Menschen in großer Armut, wer etwas Eßbares ergatterte, verzehrte es oft gleich an Ort und Stelle, bevor ihm ein anderer den Happen streitig machen konnte. Andere verweisen auf die damaligen Tischsitten: Gabeln setzten sich erst im 19. Jahrhundert durch, bis dahin behalf man sich mit einfachen Holzlöffeln oder den bloßen Händen. Und scherzhaft bezieht man diese Wendung auch auf den - bestimmt nicht wirklich armen - Zahnarzt, der davon lebt, daß er anderen mit der Hand in den Mund fährt.

Von der Muse geküßt...werden Schreiberlinge, die lange vor einem leeren Blatt Papier gesessen haben und nun endlich inspiriert werden, eine zündende Idee haben. Diese Redensart basiert auf der antiken Vorstellung, daß der Mensch seine Ideen nicht selbst entwickelt, sondern sie ihm vielmehr von den neun »Musen« der griechischen Mythologie - allesamt Töchter des Zeus und der Gedächtnisgöttin Mnemosyne - eingegeben werden. Die bekanntesten Beschützerinnen der schönen Künste und Wissenschaften sind Thalia, Göttin der Komödie, Urania, Göttin der Astronomie und Klio, Göttin der Geschichte, daneben nannte Hesiod (6. Jh. a.C.) in seiner »Theogonie« auch noch Melpomene (Tragödie), Terpsichore (Tanz), Euterpe (Lyrik), Erato (Liebesdichtung), Polyhymnia (Gesang) und Kalliope (epische Dichtung, Rhetorik, Philosophie und Wissenschaft).

Von der Pike auf...erlernen wir ein Handwerk, indem wir mit den Grundlagen beginnen. Diese Wendung bezog sich im 17. Jahrhundert zunächst auf das Kriegshandwerk, die militärische Karriere eines ranghohen Offiziers, der am Beginn seiner Laufbahn wie die einfachen Soldaten mit der Pike (von französisch »piquer« - stechen; ein langer Spieß mit blattförmiger Eisenspitze) diente. Im Mittelalter bestand ein Teil des Heeres aus den »Pikenieren« (Landsknechte mit Kampfspießen), deren Piken schon etwas besser als die einfachen Speere des Fußvolks waren und als Abwehr gegen Reiter eingesetzt wurden. Dazu mußten sie auf jeden Fall länger als die Lanze des Reiters sein. Selbstredend mußte man den Umgang mit dieser bis 6 Meter langen Waffe gründlich erlernen. Heute wird die Redensart allgemein auf jeden Beruf angewendet; auch die Spielkarte »Pik« erinnert noch an diese Waffe.

Von der Rolle...sein kann man beim »Steherrennen«, einem Bahnradsport, bei dem der Sportler dicht hinter einem schweren Motorrad (Schrittmacher) im Windschatten fährt. Der Fahrer versucht dabei, möglichst nahe an der Rolle des vor ihm fahrenden Schrittmachers zu bleiben, um möglichst viel von dessen Windschatten zu erhalten - verliert er den engen Kontakt, kommt er »von der Rolle«.

Von echtem Schrot und Korn...ist im heutigen Sprachgebrauch ein »Ganzer Kerl«, der geradeheraus ist, einen guten Charakter hat. Der Ursprung dieser Redewendung liegt wohl in der Münzherstellung des Mittelalters. »Schrot und Korn« beschrieben die Güte eines Geldstücks. Das wirkliche Gewicht einer Münze wurde einst »Schrot«, der Edelmetallanteil »Korn« genannt. Je höher Gewicht und Feingehalt der Münze, desto höher ihr Wert. Gerade in Zeiten, da der Edelmetallgehalt der Geldstücke immer geringer wurde, waren unverfälschte Münzen »von echtem Schrot und Korn« besonders gut angesehen.

Von etwas Wind bekommenWir erhalten eine Information, die eigentlich so gar nicht für uns bestimmt war, sind nun gewarnt und auf alles vorbereitet. Die Wendung stammt aus der Jägersprache: Ein Jäger pirscht sich so lautlos wie möglich an das Wild heran. Außerdem sollte er darauf achten, daß er dies gegen den Wind tut, denn ein Tier, das die Witterung des Jägers oder eines anderen Feindes aufnimmt, »bekommt Wind« von ihm und wird zweifellos flüchten.

Von Furien gehetztJemand hat etwas angestellt, und hat deswegen nun ein furchtbar schlechtes Gewissen - diese Wendung geht auf die griechische Sagenwelt zurück: Die Erinnyen oder lateinisch Furien (»furere« = rasen, wütend sein, schwärmen, stürmen, toben, sehr lieben) sind griechische Rachegöttinnen. Als Kronos seinen Vater Uranos entmannte und dessen Blut auf ihrer beider Mutter Gaia tropfte, gebar die daraufhin die Erinnyen, die Giganten und die melischen Nymphen. (Hesiod, Theogonie) Die Erinnyen Alekto (die Unaufhörliche), Megaira (der neidische Zorn) und Tisiphone (Vergeltung) bewohnen die Unterwelt Tartaros, wo die Untertanen des Pluto (Hades) rast- und erbarmungslos alle Frevler gegen das heilige Recht verfolgen, insbesondere die (Mutter)Mörder und Blutschänder. Ihrer habhaft geworden schlagen die Erinnyen ihre Opfer mit Wahnsinn.

Von gestern sein...heißt es in Hiob 8.9: »Hesterni quippe sumus et ignoramus quoniam sicut umbra dies nostri sunt super terram« - »Denn wir sind von gestern her vnd wissen nichts. Vnser Leben ist ein schatten auff Erden«.

Von hinten durch die Brust ins Auge...umschreiben wir bildlich eine Herangehensweise, die sehr umständlich und verwirrend wirkt und die zwar nur über skurrile Umwege, aber desungeachtet irgendwie trotzdem (meist) zum Ziel führt. Besonders beliebt ist der Spruch für Leute, die wähnen, über umfassendes Fachwissen zu verfügen - in Wahrheit aber keine Ahnung haben, unnötig kompliziert vorgehen, etwas sehr umständlich tun, was auch viel einfacher ginge. Wer jemals Schriftstücke gelesen hat, die von Beamten oder Politikern verfaßt wurden, weiß, wovon diese relativ junge Redewendung kündet...

Von jedem Dorf 'nen HundWenn die Spielkarten (zu) gut gemischt wurden, kommt es häufig vor, daß man von jeder Farbe zwei Karten, aber kein brauchbares Blatt - »von jedem Dorf 'nen Hund« hat.

Von Kindesbeinen an...geht auf das Kirchenlied »Nun danket alle Gott« zurück, das in Martin Rinckarts (1586-1649) Sammlung »Jesu Herz Büchlein in geistlichen Orden« aus dem Jahre 1636 zu finden ist:

  Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen
  der große Dinge tut an uns und allen Enden,
  der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an
  unendlich viel zugut und noch jetzund getan.

  Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben
  ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben
  und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort
  und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

  Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne
  und dem, der beiden gleich im höchsten Himmelsthrone:
  dem dreimaleinen Gott, als der ursprünglich war
  und ist und bleiben wird jetzund und immerdar.

Von nichts kommt nichts...konstatieren wir gelegentlich, daß ohne Engagement nichts geschieht, ein wenig Anstrengung und Zielstrebigkeit durchaus nicht schaden können, man nicht nur stillsitzen und abwarten darf. Die Wendung »De nihilo quoniam fieri nihil posse videmus« (Denn wir sehen, daß nichts von nichts entstehen kann), meist zitiert als »Ex nihilo nihil fit« (Aus nichts entsteht nichts) stammt aus dem Werk »De Rerum Natura« (II, 287) des römischen Dichters und Philosophen Titus Lucretius Carus (99-55 a.C.) und bezog sich ursprünglich auf die Naturgesetze.

Von Pontius zu Pilatus schicken...heißt, unzählige Instanzen zu durchlaufen, um dem eigentlichen Ziel etwas näherzukommen: Die Redensart ist seit 1704 literarisch belegt, ihre ursprüngliche Bedeutung bleibt allerdings zunächst rätselhaft, da Pontius und Pilatus Namen derselben Person sind. Die biblische Ostergeschichte aus dem Lukasevangelium klärt das Rätsel auf: Jesus wird von Pontius Pilatus zu König Herodes und von dem retoure zu Pontius Pilatus geschickt. So beschreibt Lukas ein »Instanzen-Karussell«.

Von Tuten und Blasen keine AhnungBei drohender Gefahr zu tuten und zu blasen waren die Hauptaufgaben des Nachtwächters - einer der am schlechtesten angesehenen und somit untersten Berufsgruppen im Mittelalter. Wer nicht einmal für diese Aufgaben befähigt war, mußte danach besonders dumm sein. Die Redensart ist in der »Proverbiorum Copia«, einer Sprichwortsammlung des Eucharius Eyring (um 1520-1597) belegt, aber wohl wesentlich älter.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetztHesiod (um 700 a.C.) schrieb in seinem Lehrgedicht »Werke & Tage« für seinen arbeitsscheuen Bruder Peres: »Vor den Erfolg setzten den Schweiß die Götter, die unsterblichen, lang aber und steil ist der Weg zu ihm hin«.

Vor den Kadi bringenDas Synonym für »vor Gericht bringen« kommt aus dem Islam. Der »Kadi« ist dort der Richter, der nach der Schari'a, dem islamischen Glaubensgesetz urteilt. Eine persönliche Rechtsauslegung ist ihm und seinen Gehilfen kaum möglich, da er den Geboten Folge leisten muß.

Vor der Nase wegschnappen... heißt, daß jemand etwas schnell an sich bringt, bevor es ein anderer erlangen kann - wie ein Tier, das dem anderen blitzschnell einen zugeworfenen Bissen »vor der Nase« wegschnappt.

Vor die Hunde gehenJemand stirbt oder jemand ist völlig verarmt oder verkommen: Krankes, schwaches Wild wird leicht Opfer einer Jagdmeute, es »kommt vor die Hunde«. Eine andere Deutung meint, daß Bergleute vor die »Hunte« (Bergbaulore) gehen müssen, um diese zu ziehen. Wahrscheinlicher ist wohl die erste, weil viel ältere Variante.

Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand...man ist auf Gedeih und Verderb einer »höheren Macht« ausgeliefert und weiß nie, was passieren wird. Niemand kann sich wirklich gegen einen Sturm wie ein falsches Urteil wehren: Die oft zitierte römische Juristenweisheit »Coram iudice et in alto mari sumus in manu Die« / »Coram iudice et in alto mare in manu dei soli sumus« (Vor Gericht und auf hoher See sind wir 'allein' in Gottes Hand) verdeutlicht, wie undurchschaubar und unkalkulierbar unser Rechtssystem damals wie heute ist. Auf hoher See mögen unter Umständen noch ein gutes Schiff und ein erfahrener Steuermann aus der Misere helfen - vor Gericht ist man einzig und allein auf das Wohlwollen der Richter und Anwälte angewiesen. Und es ist oft schon recht seltsam, was manche Gerichte so entscheiden...

Vor Neid platzen...könnten wir sprichwörtlich, wenn wir auf jemanden ganz besonders neidisch, eifersüchtig oder mißgünstig sind.
Schon in der Antike berichtet der freigelassene römische Sklave und Dichter Phædrus (20 a.C.-50) in seiner Fabulæ I.24 »Rana rupta et bos« (Der geplatzte Frosch und der Ochse): »Inops, potentem dum vult imitari, perit. In prato quondam rana conspexit bovem et tacta invidia tantæ magnitudinis rugosam inflavit pellem: tum natos suos interrogavit, an bos esset latior. Illi negarunt. Rursus intedit cutem maiore nisu et simili quæsivit modo, quis maior esset. Illi dixerunt bovem. Novissime indignata dum vult validius inflare sese, rupto iacuit corpore«. - »Schlecht geht's dem Kleinen, der's dem Mächtgen gleichtun will. Auf einer Wiese erblickte einst ein Frosch einen Ochsen und berührt von Neid auf die so große Gestalt blähte er seine runzelige Haut auf. Dann fragte er seine Söhne, ob er größer sei als der Ochse. Jene verneinten. Wieder spannte er seine Haut an mit größerer Anstrengung und fragte auf ähnliche Weise, wer größer sei. Jene nannten den Ochsen. Als er sich beleidigt zuletzt noch stärker aufblähen wollte, lag er mit zerplatztem Leib da«.
Der römische Dichter Marcus Valerius Martialis (40-104) sagt in seinen »Epigrammata« (IX,97): »Rumpitur invidia quidam, carissime Iuli, Quod me Roma legit, rumpitur invidia. Rumpitur invidia, quod turba semper in omni Monstramur digito, rumpitur invidia. Rumpitur invidia, tribuit quod Cæsar uterque Ius mihi natorum, rumpitur invidia. Rumpitur invidia, quod rus mihi dulce sub urbe est Parvaque in urbe domus, rumpitur invidia. Rumpitur invidia, quod sum iucundus amicis, Quod conviva frequens, rumpitur invidia. Rumpitur invidia, quod amamur quodque probamur: Rumpatur, quisquis rumpitur invidia« - »Jemand platzt vor Neid, mein teuerster Julius, platzt, Weil ganz Rom mich gern liest, er platzt vor Neid. Platzt vor Neid, weil stets, wo ein Haufe Volkes versammelt, Jeder mit Fingern auf mich zeiget, er platzt vor Neid. Platzt vor Neid, weil mir durch die Huld der beiden Cæsaren Vaterrechte verliehen wurden, er platzt vor Neid. Platzt vor Neid, weil mir vor der Stadt ein freundliches Gütchen Und ein Häuschen in Rom eigen, er platzt vor Neid. Platzt vor Neid, weil gern ich gesehen werde von Freunden, Weil man zu Tische mich oft ladet, er platzt vor Neid. Platzt vor Neid, weil jeder mich liebt und jeder mich lobet: Platze denn immerhin jeder, der platzt vor Neid«.

Vor seiner eigenen Tür kehren...sich um seine eigenen Belange und Fehler kümmern, sollte jeder, der allzu schnell mal versucht ist, sich über den Lebensstil anderer aufzuregen. Der Spruch stammt ursprünglich aus den »Xenien« von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), die Friedrich von Schiller (1759-1805) im Jahre 1797 in seiner Literaturzeitschrift »Musenalmanach« veröffentlichte. Hier heißt es in dem Gedicht »Bürgerpflicht« in der ersten Strophe:

 »Ein jeder kehre vor seiner Tür
  Und rein ist jedes Stadtquartier.
  Und jeder übe sein Lektion,
  So wird es gut im Rate stohn«.

Der Volksmund machte daraus kurzerhand:

 »Ein jeder kehr' vor seiner Tür,
  Da hat er Dreck genug dafür«.

Vor's Schienbein treten...wir jemandem, wenn wir ihm wehtun wollen - gar nichtmal, um ihn zu verletzen, als vielmehr, um ihn aufzuwecken, seinen Pflichten nachzukommen: Übertragen heißt das, jemanden an einer höchst empfindlichen Stelle zu treffen, um eine Reaktion bei ihm auszulösen.

Vornehm geht die Welt zugrundeManche Menschen halten noch an ihren Gewohnheiten und Wünschen, an ihrer »Vornehmheit« fest, wenn sie längst völlig am Ende sind. Das Wort wird meist selbsironisch, oft aber auch zynisch, als Kritik an anderen verwendet. Mit »vornehm« ist hierbei oft ein (eigentlich erbärmlich) kleiner, aber dennoch überflüssiger Luxus gemeint.

Vorschußlorbeeren...ernten Leute, die schon lange vor dem erhofften Erfolg gelobt werden: Der vorzeitige, mit hohen Erwartungen verknüpfte Nimbus findet sich zuerst bei Heinrich Heine (1797-1856). In seinem Gedicht »Plateniden« aus dem 2. Buch der Sammlung »Romanzero« formuliert er im Hinblick auf Menschen mit überragender schöpferischer Begabung wie die bedeutendsten deutschen Klassiker Schiller, Goethe, Lessing und Wieland als die wirklichen Repräsentanten deutscher Dichtkunst - im Unterschied zu August Graf von Platen, den er für einen Epigonen hält:

 »...Wahre Prinzen aus Genieland
  Zahlen bar, was sie verzehrt,
  Schiller, Goethe, Lessing, Wieland
  Haben nie Kredit begehrt.

  Wollten keine Ovationen
  Von dem Publiko auf Pump,
  Keine Vorschuß-Lorbeerkronen,
  Rühmten sich nicht keck und plump...«

Vorsicht ist die Mutter der PorzellankisteEs scheint sich hier um eine Abwandlung von »Vorsicht ist die Mutter der Weisheit/Tapferkeit« zu handeln: Der dicke, trunksüchtige Soldat John Fallstaff, Protagonist aus William Shakespeares (1564-1616) Königsdrama »Heinrich IV« (1597), erzählt, wie er einen Zweikampf überlebte, indem er sich totstellte: »Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht, und mittels dieses besseren Teils habe ich mein Leben gerettet.«
Das Synonym für Situationen, in denen man besonders vorsichtig sein sollte, könnte wohl auch aus Zeiten stammen, als es noch das »gute Porzellan« gab, das nur zu festlichen Gelegenheiten genutzt wurde. Da dieses so wertvoll war, ging Mutter ganz besonders vorsichtig damit um...


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Letzte Änderung am 18.09.2017 um 11:05:51