3869 Sprichwörter, Redewendungen, Idiome, geflügelte Worte



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F

F. d. H.Manch Zeitgenosse nimmt offenbar schon zu, wenn er nur etwas fettgedrucktes liest - das Einzige, was wirklich dagegen hilft, ist »F. d. H«. - Friß die Hälfte. Der Ausdruck entstand vermutlich in den Zeiten des »Wirtschaftswunders« in den 1960er Jahren: Deutschland hatte die Kriegsfolgen weitgehend überwunden, es herrschte Vollbeschäftigung, »Otto Normalverbraucher« hatte zu einem - im Verhältnis heute unvorstellbaren - Wohlstand gefunden. Dabei blieb es nicht aus, daß man ob der oft üppigen Schlemmerei immer dicker und dicker wurde, was bei manchem wiederum zum Nachdenken über Diäten führte. Über die damals zahllos entstandenen »Atkins-«, »Brigitte-« und ähnliche Diäten machte man sich mit der (einzig wirksamen) »F. d. H«.-Diät lustig...

FachchinesischEgal, ob Doktor, Advokat oder Computerexperte - wenn sich Fachleute aus einer bestimmten Sparte miteinander unterhalten, ist für uns Normalsterbliche Schluß. Wir verstehen vor lauter exotischen Fachausdrücken kein einziges Wort mehr - als ob Chinesen in ihrer Sprache reden...

Fachsimpeln...heißt, zu unangemessener Zeit tiefgreifende Fachgespräche führen, die Uneingeweihte weder interessieren noch nachvollziehen können. Das Wort entstand wohl in der Studentensprache des 19. Jahrhunderts aus dem »Fach« (Spezialgebiet) und dem »Simpel« (Einfaltspinsel) und war ursprünglich eine despektierliche Bezeichnung für junge Studenten, die stets und ständig mit ihrem neuerworbenen Wissen prahlen wollten. Heute nennt man solche Leute auch »Fachidioten«.

Fadenscheinig...ist eigentlich manchmal die alte Lieblingshose oder -jacke, die über viele Jahre so abgewetzt und nachgerade »durchsichtig« ist, daß schon die einzelnen Fäden zu sehen sind. Längst nicht so beliebt sind »fadenscheinige« Ausreden, die vorgeschoben werden oder so durchschaubar sind, daß jeder schnell deren Wahrheitsgehalt erkennt.

FahrkarteSchützen bezeichnen so einen Treffer, der die Zielscheibe außerhalb der Ringe am Rand trifft. Das sieht dann so aus, als hätte ein Schaffner eine Fahrkarte »abgeknipst«, also entwertet. Trifft der Schütze überhaupt nichts, erhält er die Meldung »Fehlanzeige«.

Fahrt ins BlaueSchon unsere Vorväter machten sich ihren Reim auf die Bedeutung von Farben. Grün galt als Symbol der Hoffnung, Rot als Farbe der Liebe, Gelb ist traditionell der Neid. Blau wurde in diesem Zusammenhang als undefiniert, nebulös gedeutet, steht für das Unbekannte, Geheimnisvolle, für Weite und Sehnsucht, der blaue Himmel scheint weit entfernt, Dinge am Horizont verschwinden im blauen Dunst, der im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm für Lügen und Verschleierung steht. Die »Fahrt ins Blaue« ist also eine Reise ins Ungewisse, eine Fahrt ohne Ziel, man stellt sich auf Überraschungen ein.

Falsche Schlange...sagen wir - wenig charmant - zu einer unaufrichtigen, hinterlistigen Frau, die uns getäuscht oder hintergangen hat. Auch wenn es mit der Wirklichkeit herzlich wenig zu tun hat, da »Falschheit« bewußtes Denken voraussetzt und also nur dem Menschen überhaupt möglich ist: Die Schlange hat ihren schlechten Ruf schon, seit sie in der biblischen Schöpfungsgeschichte Eva arglistig zum Griff nach dem Apfel vom Baum der Erkenntnis verleitete: »Sed et serpens erat callidior cunctis animantibus terræ quæ fecerat Dominus Deus qui dixit ad mulierem cur præcepit vobis Deus ut non comederetis de omni ligno paradisi« - »Vnd die Schlange war listiger denn alle Thier auff dem felde, die Gott der Herr gemacht hatte vnd sprach zu dem Weibe: Ja solt Gott gesagt haben Jr solt nicht essen von allerley Bewme im Garten«... (Genesis 3:1)

Falscher Fuffziger...nennen wir landläufig einen Blender, dem wir nicht über den Weg trauen, einen scheinheiligen, unaufrichtigen Lügner. Viele meinen zu wissen, daß der Begriff darauf zurückginge, daß der Fünfzigmarkschein einst der am häufigsten gefälschte gewesen sei - dem ist mitnichten so. Vielmehr ging es ursprünglich um den »Nachtschilling«, eine österreichische 50-Groschen-Münze aus dem Jahre 1934, deren Adlerseite exakt dem Schillingstück entsprach und die deshalb bei schummrigem Licht leicht verwechselt wurde - statt dem Schilling bekam man nur einen »falschen Fuffziger«. Aber auch diverse andere Münzen, die noch zur Kaiserzeit aus Silber oder anderen Edelmetallen bestanden hatten, wurden später aus billigen Legierungen geprägt und bald so massiv gefälscht, daß viele Händler sie erst gar nicht zur Bezahlung annahmen.

Falscher Hase...sagen wir zu einem preiswerten Bratenersatz aus einer Zeit, als es Fleisch nur Sonntags gab - einer Art Riesenboulette, die zu einem länglichen großen Laib geformt, ein bißchen wie ein Hasenrücken aussieht. Hatte man einst nicht das Geld, sich einen »echten« Braten leisten zu können, wurden billige Fleischreste durch den Wolf gedreht, kräftig gewürzt und kamen - gefüllt mit hartgekochten Eiern als »Innereien« - als Hackbraten auf den Tisch. Böse Zungen behaupten hartnäckig, daß dabei gelegentlich auch der eine oder andere »Dachhase« verarbeitet worden sei.

Falten gehenIronisch für »wählen«

Farbe bekennen...bedeutet, sich zu einer Sache zu bekennen oder seine Meinung offen zu sagen. Der Ausdruck aus dem Kartenspiel ist schon seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich: Wird in verschiedenen Spielen eine bestimmte Kartenfarbe gefordert, ist der Mitspieler gezwungen, diese Karte auszuspielen. Man muß also bekennen, daß man diese Farbe auf der Hand hatte. Anderenfalls wäre das Spiel verloren.

Faß der DanaidenDie Danaiden, in der griechischen Mythologie die 50 Töchter des lybischen Königs Danaos, töteten auf Befehl ihres Vaters (bis auf Hypermnestra) alle in der Brautnacht ihre jungen Ehemänner, die Söhne des Aigyptos. Zur Strafe mußten sie Wasser in ein durchlöchertes Faß schöpfen, was natürlich kein Ende findet. Wenn wir heute von »Danaidenarbeit« sprechen, meinen wir eine mühsame, nicht enden wollende Arbeit.

Faß ohne Boden...nennen wir eine Sache, die ständig immer und immerwieder viel Geld kostet und bei der sich die Aufwendungen auf Dauer nicht rentieren können, weil jede Investition in irgendwelchen dunklen Kanälen versickert - wie in einem Faß, das ohne Boden niemals zu füllen wäre.

Fastnacht...setzt sich zusammen aus dem ahdt. »fasta« für die Fastenzeit und »naht« für Vorabend. Damit war ursprünglich nur der Abend vor dem Beginn der Fastenzeit, der heutige Fastnachtsdienstag gemeint.

Fata Morgana...nennen wir ein Trugbild oder eine Sinnestäuschung, eine Luftspiegelung, bei der ein nahe erscheinendes Bild eines entfernten Gegenstands in der Luft zu sehen ist. In Wüsten scheint man aufgrund von Spiegelungen des Himmels oft Wasserflächen zu sehen. Der Ausdruck kommt aus dem Italienischen, es ist der Name der Fee Morgana, die auch in verschiedenen arabischen Märchen und in der Artus-Dichtung vorkommt. Diese Fee galt als Urheberin atmosphärischer Erscheinungen, die in der Straße von Messina und in der Sandwüste zu beobachten waren.

Fatzke...nennen wir abwertend einen allzusehr von sich eingenommenen, eitlen und arroganten, eingebildeten und selbstverliebten Zeitgenossen. Das Wort wurde wohl im 19. Jahrhundert aus dem polnischen Vornamen »Wacek, Wacław« oder dem tschechischen »Václav« abgeleitet, wahrscheinlich ist auch ein Einfluß des frühneuhochdeutschen »fatzen« (zum Narren halten), was wiederum im lateinischen »facētia« (Witz, Scherz) wurzelt.

Faule Schäfer haben gute Hunde...sagt das Sprichwort und tatsächlich würde wohl kaum ein Schäfer versuchen, seine Herde ganz allein zu hüten. Je besser die Hunde sind, desto weniger Arbeit hat er damit, gute Hunde können sogar fast völlig selbständig arbeiten. Verallgemeinert wird auch sonst jeder, der nicht gern selber zupacken mag, in entsprechend hoher Position andere die Arbeit machen lassen, ohne dadurch einen Nachteil befürchten zu müssen.

Faulpelz...nennen wir jemanden, der sich vor jeder Arbeit drückt und träge durchs Leben treibt - hier liegt vermutlich der Vergleich mit verfaulten Lebensmitteln zugrunde, auf denen sich Schimmelpilz breitmacht, dessen haarige Struktur an einen Pelz erinnert. Eine heute gern angenommene Verbindung mit dem pelzigen südamerikanischen Faultier, das sich extrem langsam bewegt, kann wohl ausgeschlossen werden: Das Schimpfwort ist bereits seit dem 13. Jahrhundert belegt - da war Amerika noch gar nicht entdeckt.

Faustdick hinter den Ohren haben...meint, daß jemand harmlos tut, in Wahrheit aber äußerst raffiniert ist: Die alten Griechen hatten eine - heute recht seltsam anmutende - Vorstellung von menschlicher Anatomie. In ihrem Glauben an allerhand Dämonen ordneten sie den einzelnen Organen und Körperregionen Gemütsregungen, Gefühle, Fähigkeiten etc. zu. Beispielsweise galten die Nieren als Sitz des Geschlechtstriebes (daher auch: »An die Nieren gehen«). Nach dieser Theorie saßen hinter den Ohren Drüsen, die als Auffangbecken und Ausscheidungsorgan des Gehirns galten. Dicke Wülste wurden dabei als große Ansammlung von Durchtriebenheit, Schalk, List und Verschlagenheit betrachtet.

Fauxpas...nennen wir oft einen Verstoß gegen ungeschriebene, aber allgemeinbekannte Verhaltensregeln und Umgangsformen, ein gesellschaftliches Fehlverhalten, auch eine »Taktlosigkeit«. Es kann viele verschiedene Ursachen haben, daß wir einen »Fehltritt« (vom französischen »faux« - falsch, »pas« - Tritt) begehen, »ins Fettnäpfchen treten« und hängt auch stark vom sozialen Umfeld ab. Also unbedingt vorher informieren, mit wem man es zu tun hat!

Faxen machenDiesem Synonym für »Unsinn« liegt das mittelalterliche Verb »fickfacken« (hin- und herbewegen) zugrunde. Davon abgeleitet entstanden unter anderem Begriffe wie »Fiksfaks« oder »Fackes«. So wurde der Narr auf den Jahrmärkten zum »Faxenmacher«...

FebruarDer »mens februaris« (lateinisch »februare«, reinigen) war der altrömische Monat der Reinigung. In diesem Monat, dem 12. und somit letzten Monat des Julianischen Kalenders, wurden Sühneopfer den Göttern gebracht, um den Sündenstoff zu beseitigen.

Fechten betteln...bedeutet im Ruhrgebiet so viel wie »die Hand aufhalten«, »anpumpen«. Das Wort aus dem Rotwelschen meint nichts anderes als »betteln«. Eine volksetymologische Erklärung: Wandernde Handwerksburschen, die das Fechten gelernt hatten, zogen einst durch die Lande und zeigten ihre Kunst für Geld und Almosen als »Fechtbrüder«.

Federfuchser...nennt man einen kleinlichen, am Buchstaben hängenden Menschen, Schreiberling, Bürokraten. Der »Fuchser«, von »fucken, facken, ficken« für »unruhig hin- und herbewegen«, steht hier für »ärgern, peinigen, martern, quälen«, also eigentlich ein »Federquäler«. »Fuchs« hieß dereinst auch eine »Vorrichtung zum Einspannen der Häftlinge bei körperlicher Züchtigung in der Berliner Stadtvogtei«.

Federn/Haare lassen...müssen wir bildlich, wenn wir etwas nur mit gewissen Einbußen erreichen können. Die Wendung stammt aus dem Jagdwesen und bezieht sich einerseits auf die Beute, die sich in letzter Minute aus einer Schlinge oder Falle befreit - andererseits auf das Wild, das zur weiteren Verarbeitung abgezogen wird.

FegefeuerJemandem, der für seine Untaten bestraft werden soll, droht oft das Fegefeuer, nach katholischer Kirchenlehre ein vorübergehender Reinigungsprozeß, in dem Verstorbene ihre läßlichen Sünden abbüßen, bevor sie in das Reich Gottes eintreten. Das ist eine recht praktische Sache: Jeder, der sich irgendwas hat zuschulde kommen lassen, muß, auch wenn die irdische Gerichtsbarkeit ihn nicht aburteilen kann, auf jeden Fall mit einer unangenehmen Buße rechnen. Andererseits muß nicht jeder, der einmal Dummheiten gemacht hat, auf ewig in der Hölle schmoren.

FehdehandschuhDer Begriff ist in der deutschen Sprache in zwei Redensarten gebräuchlich: »Den Fehdehandschuh hinwerfen« oder »Den Fehdehandschuh aufnehmen«. Erstere bedeutet, ihn herauszufordern oder mit ihm einen Streit vom Zaun brechen zu wollen. Von der anderen spricht man, wenn jemand diese Herausforderung annimmt. Entgegen landläufiger Meinung stammen die Wendungen nicht aus dem Mittelalter. Zwar ist der Brauch des Hinwerfens/Aufnehmens eines Kettenhandschuhs zur Ansage und Annahme einer Fehde in Kreisen der Ritterschaft für jene Zeit bekannt, doch war für die Rechtmäßigkeit einer solchen weit mehr nötig. Der Ausdruck als Zusammensetzung der Worte »Fehde« und »Handschuh« entstand erst im 18. Jahrhundert, als es üblich war, seinem Gegner einen Handschuh aus Stoff ins Gesicht zu schlagen, um ihn zu einem Ehrenduell herauszufordern.

Fehlende Bodenhaftung...sagen wir gelegentlich Menschen nach, die sich in ihrem ausgeprägten Größenwahn völlig von allgemeingültigen Regeln und Normen verabschiedet haben. Bekannt sind dafür beispielsweise viele Manager, die sich längst nicht mehr mit dem Doppelten oder auch Zehnfachen eines »normalen« Einkommens zufriedengeben, sondern ein Vielhundertfaches für sich beanspruchen, ohne auch nur ansatzweise eine dementsprechende Leistung zu erbringen. Der Ausdruck kommt ursprünglich aus dem Straßenverkehr: Ein Auto verliert aufgrund von Glatteis oder Aquaplaning die Bodenhaftung, der Fahrer jegliche Kontrolle über das Fahrzeug.

Feierabend...bezeichnete ursprünglich den Vorabend eines großen Festes - ähnlich, wie wir bis heute noch den »Heiligabend« vor dem Weihnachtsfest kennen. Dies wurde später in die Ruhe von der Arbeit am Abend umgedeutet. Am Morgen nach dem »Feierabend« wird also längst nicht mehr getanzt und gesungen. Eher unterbrechen wir den eintönigen Alltag am Feierabend selbst - »Denn morgen mit demselben Fleiße geht's wieder an dieselbe Sch...

FeierabendbrigadeSchwarzarbeiter, die nach Feierabend tätig werden

Feind hört mit...war eine Kampagne zur Abwehr von Spionage und Sabotage im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkrieges. Dazu gab es eine Serie Propagandaposter, auf denen jeweils eine Personengruppe und ein schräger schwarzer Schatten zu sehen war, der sie abhört, sowie zahlreiche Schilder an öffentlichen Fernsprechern.
Ähnliche Kampagnen wurden auch in den USA, der Sowjetunion und Großbritannien geführt; in der Form »Big Brother is watching you« (Der Große Bruder beobachtet dich) aus George Orwells (1903-50) Roman »1984« hat sich die allgegenwärtige Bespitzelung bis heute erhalten und wurde durch die von Whistleblower Edward Snowden (*1983) im Jahre 2013 aufgedeckte NSA-Überwachungs- und Spionageaffäre in eine nachgerade neue Dimension ausgeweitet.


Bild: wikimedia.org

Feiner Pinkel...nennt der Volksmund recht abfällig Zeitgenossen, die sich gerne besonders »vornehm« geben, dies tatsächlich aber mitnichten sind. Der Ausdruck geht vermutlich auf das friesische »pink« für Penis oder das englische »pinkie« (kleiner Finger} zurück. Unter dem Einfluß des Rotwelschen kam er in den Berliner Sprachraum, wo auch die Wörter »pinka« für Geldbörse und »Pinkepinke« für Geld eine Rolle gespielt haben dürften.

Feminismus...ist semantischer Blödsinn. Wenn schon, dann müßte es »Feminisma« heißen. Aber das ist noch größerer Blödsinn...

Ferkeltaxe...nannte der Volksmund die Schienenomnibusse der Deutschen Reichsbahn - kleine Triebwagen, die einst zahlreich zwischen Ostsee und Thüringer Wald unterwegs waren. Der VEB Waggonbau Bautzen fertigte ab Ende der 50er Jahre diese zweiachsigen Triebwagen der Baureihe 2.09 (später umbenannt in 171/172 und 771/772), die hauptsächlich auf Nebenstrecken im ländlichen Raum fuhren und in denen wie man hört längst nicht nur Menschen nebst Gepäck, sondern auch »handliches« Kleinvieh - u.a. eben oft auch Ferkel - transportiert wurden.

Ferner liefen...kommt aus der Ergebnisbekanntgabe bei Pferderennen. Nachdem Erster, Zweiter etc. genannt waren, wurden Zossen, die sehr weit hinterhergezockelt waren, nur noch summarisch aufgezählt: »Ferner liefen...«

Fersengeld gebenDie Flucht ergreifen. Die Redewendung ist zwar seit dem 13. Jahrhundert bezeugt, ihre Herkunft hingegen ist unklar. Bei den alten Germanen war das Fersengeld ein Strafgeld, das ein Deserteur zu zahlen hatte. Bei den Wenden durften Ehefrauen ihre Ehemänner jederzeit gegen etwa 3 Schilling (nach Landesgewohnheit) »Fersengeld« verstoßen. Im Sachsenspiegel (ca. 1220) ist schon von dem »versen phennige« oder »versnegelt« die Rede: »Man saget, daz Wendinnen vri sin, durch daz ire kindere nach deme wendischen vater horen, des en iz doch nicht. Wenne se geben ire burneite deme herren also dicke, alse se man nemen. Lazen se ouch (iren man), alse wendisch recht iz, so muzen se irme herren de versnegelt geben, daz sint dri schillinge unde etswa me nach des landes wonheit«. Andere Deutungen meinen, das Fersengeld käme von der »Färse«, einer Jungkuh, mit deren Gegenwert man sich freikaufen konnte.

Fertig ist der Lack...stellen wir erleichtert fest, wenn etwas geschafft, eine Aufgabe erledigt ist. Die Wendung bezieht sich wohl darauf, daß Lack recht schnell und einfach aufzutragen ist und eine große Wirkung erzielt.

Fertig ist die Laube...sagt der Berliner, wenn eine Arbeit flott von der Hand geht, man bald damit fertig ist: Für den Großstadt-Berliner war es einst das höchste Glück, neben der (Hinterhaus)Wohnung eine »eigene Scholle« zu besitzen. Dort mußte selbstredend ein kleines Gartenhäuschen stehen. Da es sich dabei meist um ein sehr einfaches Bauwerk handelte, war dies »ruckzuck« zusammengezimmert.

FeschUm den Anfang des 19. Jahrhunderts war das englische Wort »fashionable« in Wien sehr beliebt. Die eingedeutschte Abkürzung beschrieb jemanden, der sehr modern und fortschrittlich eingestellt war. Heute beschreibt das Wort im bayerisch/österreichischen Sprachraum allerdings eher mur noch die körperlichen Vorzüge einer Person.

Feucht hinter den Ohren...ist jemand, der »ohne praktische Erfahrung, grün, unreif« ist und geht wohl zurück auf die Geburt, wenn ein Neugeborenes noch »naß« ist. Ist noch nicht einmal das Fruchtwasser getrocknet, ist auch ein Mitreden nicht möglich.

Feuer unter dem Hintern machen...wir jemandem, den wir antreiben, bedrängen, dem wir regelrecht »die Hölle heiß« machen, um eine Sache zu beschleunigen: Bildlich zünden wir ein Feuer an, damit er sich schneller in Bewegung setzt. Daß dadurch ein gewisses Fluchtverhalten angeregt wird, kann man sich wohl vorstellen.

Feuerprobe...war ursprünglich wörtlich zu be- und verstehen: Gold wurde schon in der Antike »geläutert«, mit Feuer auf seine Echtheit geprüft. Dazu heißt es in den Sprüchen Salomo: »Sicut igne probatur argentum et aurum camino ita corda probat Dominus« - »Wie das fewer silber vnd der ofen gold, Also prüfet der Herr die hertzen«. (17.3) Die Feuerprobe war auch ein mittelalterliches Gottesurteil, bei dem der Beschuldigte ganz oder teilweise dem Feuer ausgesetzt wurde. Unschuldige sollten nach herrschendem Glauben von Gott vor Verbrennungen geschützt sein. Heute ist allgemein eine entscheidende Aufgabe - oft in einem neuen Aufgabenbereich - zu lösen, als Beweis, daß man dafür auch geeignet ist.

Feuertaufe...nennen wir eine erste Bewährungsprobe, die wir zu bestehen haben. Ursprünglich ging es im Militärjargon des 19. Jahrhunderts um die erste Teilnahme des Soldaten an einem Feuergefecht.
Von jeher sprach man dem Feuer eine reinigende Kraft zu und so wurde es auch zum Sinnbild für den Heiligen Geist. Der Begriff geht denn wohl auch auf Johannes den Täufer zurück, der seinen Nachfolger Jesus mit den Worten ankündigt: »Ego quidem vos baptizo in aqua in pænitentiam qui autem post me venturus est fortior me est cuius non sum dignus calciamenta portare ipse vos baptizabit in Spiritu Sancto et igni« - »Jch teuffe euch mit Wasser zur busse, Der aber nach mir kompt, ist stercker denn ich, Dem ich auch nicht gnugsam bin, seine Schuch zutragen, Der wird euch mit dem heiligen Geist vnd mit Fewr teuffen« (Matthäus 3:11, ähnlich Lukas 3:16).

FiaskoDas italienische Wort für einen Reinfall, Mißerfolg oder Zusammenbruch brachte 1837 Heinrich Heine (1797-1856) nach Deutschland, um ein durchgefallenes Theaterstück zu beschreiben. Ursprünglich bezeichnete »Fiasco« eine bauchige, strohummantelte Flasche: Hatte im alten Italien ein Theaterstück dem Publikum mißfallen, warf man die ausgetrunkenen Flaschen auf die Bühne. Essen und Trinken zur Vorstellung mitzubringen, war damals völlig normal. Noch bis ins 18. Jahrhundert hängte man auch armen Sündern am Pranger eine bauchige Flasche um den Hals. Die hatte die Funktion einer Schandtafel - nicht zuletzt bei klatschsüchtigen Weibern. Also ist ein Fiasko gleichzusetzen mit Mißerfolg, Pech und Schande. Auf denselben Brauch ist sicherlich auch die Redensart von »jemandem etwas anhängen« zurückzuführen.

FickenIm Mittelhochdeutschen bedeutete dieses »schlimme« Wort einst schlicht und einfach nur »schnell hin- und herbewegen, reiben«. Bei der Herstellung von Schwertern wurden diese zur Reinigung von Schlacke, Zunder und Asche in einen Sandsack gestoßen. Aus dieser Hin-und-her-Bewegung - »ein Schwert ficken« - entstanden übrigens auch die Berufsbezeichnung und der Name »Schwertfeger«. In der katalanischen Sprache bedeutet »ficar« »stecken«, ähnelt also der deutschen Herkunft - das Spanische »ficar« entstammt dem lateinischen »facere« und bedeutet »machen, herummachen, schmusen« - nicht mehr und nicht weniger, als im Deutschen...

FilibusterJemand, der etwas gezielt hinauszögert, eine Verschleppungstaktik anwendet. Das Wort ist abgeleitet von »Flibustier«, den Freibeutern der Karibischen See im 17. Jahrhundert (niederländisch »vrijbuiter« - Freibeuter). »Filibuster« bezeichnet eine Dauerrede, mit der eine Minderheit eine Beschlußfassung durch die Mehrheitsfraktion zu verhindern sucht. Diese Praxis wird vor allem im amerikanischen Kongreß angewendet. Seit 165 Jahren haben die Politiker dort ein unbeschränktes Rederecht. Solange auch nur einer der 100 Senatoren in der zweiten Kammer des Kongresses das Wort ergreifen möchte, darf über nichts mehr abgestimmt werden. Filibuster sind zwar absolut undemokratische parlamentarische Manöver, aber eine Mehrheit der Amerikaner möchte auf den alten Zopf nicht verzichten. Rekordhalter eines einzelnen Filibusters ist bis heute Senator James Strom Thurmond (1902-2003), der es 1957 ganze 24 Stunden und 18 Minuten am Rednerpult aushielt, in dem (erfolglosen) Versuch, die Bürgerrechtsgesetzgebung hinauszögern.

Filzen...ist umgangssprachlich eine gründliche Untersuchung bei Verdacht auf verbotenen Besitz - der Zoll ist berühmt dafür. Das Wort kommt aus dem Rotwelschen und geht ursprünglich auf den »Filtzer« (Kamm) zurück, mit dem Herbergsgäste einst intensiv auf Läuse, Filzläuse und anderes Getier und leicht übertragbare Krankheiten untersucht wurden. Diese akribische Kontrolle übertrug sich später allgemein auf die Suche nach verbotenen Dingen, die jemand bei sich trug.

Finster war's, der Mond schien helle......Auf die grünbeschneite Flur,
Als ein Wagen blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschoß'ner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief
Und ein blondgelockter Knabe,
Dessen rabenschwarzes Haar
Von der Fülle seiner Jahre
Schon ganz grau geworden war,
Auf die grüne Bank sich setzte,
Die gelb angestrichen war.
Aß vergnügt 'ne Butterbemme,
Die mit Fett beschmieret war,
Neben ihm 'ne alte Schachtel,
Die erst siebzehn Jahre war.
Droben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume,
Und an Nüssen noch genug.
Eine Kuh, die saß im Schwalbennest
Mit sieben jungen Ziegen,
Die feierten ihr Jubelfest
Und fingen an zu fliegen.
Der Esel zog Pantoffeln an,
Ist übers Haus geflogen,
Und wenn das nicht die Wahrheit ist,
So ist es doch gelogen.
Dieses traurige Geschehen
War so lustig wie noch nie,
Deshalb heißt's »Auf Wiedersehen«,
Bleibe bei mir, oh Marie!

Dieses Sprachspiel, das in unzähligen Varianten vor Oxymora und Paradoxa nur so strotzt, wird verschiedentlich Goethe, Lewis Carroll oder Christian Morgenstern zugeschrieben - allerdings ohne jeden Beleg. Wahrscheinlich stammt es aus dem sächsischen Volksmund aus der Zeit um 1850.

Finster wie im Bärenarsch...ist es überall da, wo es »zappenduster« ist. Natürlich fragt man sich spontan, woher die Leute solche Vergleichsmöglichkeiten haben - ob diese Wendung aus konkreten Erfahrungen stammt, ist aber leider nicht bekannt.
Die Finsternis gehört nach alter Tradition den Geistern und Dämonen - wir fürchten das Dunkel eher. Um die Angst davor zu verbergen, lassen wir uns gern allerhand humorvolle Vergleiche einfallen - und was böte sich da mehr an, als die (vermutete) Dunkelheit im Hinterteil großer Tiere?

FinteEine Aktion vortäuschen - reagiert der Gegner auf den Täuschungsversuch, haben wir Gelegenheit, das eigentliche Ziel anzusteuern. Der Ausdruck kommt aus der Fechtersprache: Hier gibt es u.a. die Stoßfinte, die zur eigentlichen Umgehung der Abwehr des Gegners führt. Natürlich werden auch in anderen Sportarten Finten geschlagen, die richtig großen finden wir aber vor allem in Militär und Politik...

Firlefanz...sagt man zu jemandem, der keinen Unsinn machen, sich nicht albern verhalten soll. Das Wort stammt vom spätmittelhochdeutschen »virlefanz« (von »virelai«, einem französischen, besonders ausgelassenen Ringel- und Kreiseltanz ab dem 14. Jahrhundert) und bedeutet nichts weiter als »wertloser (modischer) Kram«, aber auch Torheit oder Kinderei. Die heutige Bedeutung »närrisch sein«, daß etwas bedeutungslos, unerheblich oder überflüssig ist, kannte offenbar schon Martin Luther (1483-1546). Einfluß auf die Entstehung könnte auch das Wort »alefanzerey« für »Albernheit, Possen« gehabt haben.

Fisch muß schwimmen...begründen wir scherzhaft, daß wir zu oder nach einem Fischgericht Wein oder Bier trinken: Im ersten Wasser schwimmt er, im zweiten wird er zubereitet, das dritte trinkt man hinterher...
Zu Zeiten, als man Fisch (zumindest im Binnenland) nur in Salz eingelegt kaufen konnte, da es keine andere Möglichkeit der Konservierung gab, mußte man recht viel dazu trinken. Auch trotz des Wässerns vor der Zubereitung blieb das Mahl recht salzig. Die Redensart hat ihren Ursprung im 1. Jahrhundert in dem Roman »Satyricon« des römischen Schriftstellers Titus Petronius Arbiter (um 14-66), wo in »Das Gastmahl des Trimalchion« der Gastgeber nach den servierten Fischen seine Gäste auffordert, kräftig dem Wein zuzusprechen: »Pisces natare oportet«.

Fisch sucht FahrradAls einst die frühen Entmanntzen noch glaubten, sie könnten witzig sein, »kreierte« irgendjefraud den sinnigen Spruch »Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad«. - schwach angelehnt an Uralt-Versionen wie »...ein Huhn ohne Kopf« oder »...eine Blume ohne Blatt«. Bald merkte man aber, daß es auch noch wirkliche Frauen gab, und die wollten natürlich sehr wohl »Fahrräder« haben. So kam man fast zwangsläufig recht bald auf die glorreiche Idee, Singlepartys unter dieses Motto zu stellen...

FisimatentenDer Begriff für sinnloses Tun, Ausflüchte, lose Streiche, Flausen entstand wohl im 16. Jahrhundert aus »visepatentes«, dieses wiederum aus dem lateinischen »visæ patentes«, ein »ordnungsgemäß verdientes Patent«. Später wurde es umgedeutet zu »überflüssige bürokratische Schwierigkeiten«. Angeblich ist das Wort beeinflußt vom mittelhochdeutschen »visament« (Zierrat). Im Laufe der Jahre wurden die Urkunden zum Synonym für all den Ärger, den sie verursachten, bis endlich der Stempel draufkam.
Eine volkstümlichere, aber nicht unbedingt falsche Deutung geht aus einem Brauch französischer Besatzungssoldaten hervor, die heimischen Mädchen zum Fraternisieren zu überreden: Die - immer wieder den deutschen Jungfern gegenüber vorgebrachte - Aufforderung »Visitez ma tente« (besuch mich in meinem Zelt) führte zu der elterlichen Warnung, keine Fisimatenten zu machen. Auch verspätet in ihr Quartier zurückkehrende Soldaten sollen hin und wieder mit »J'ai visité ma tante« (Ich habe meine Tante besucht) eine leicht zu durchschauende Ausrede gebraucht haben. Nicht zuletzt bezeichnete »Visites de matin« morgendliche Höflichkeitsbesuche, die sicher oft als eher überflüssig empfunden wurden.
Wissenschaftlich belegt sind diese so grundsätzlich verschiedenen Deutungen nicht - sie zeigen jedoch die Schwierigkeit, solchen Redensarten auf den einzig wahren Grund zu kommen. Man kann sich auch nicht des Verdachtes erwehren, daß solche Deutungsversuche nicht selten dem gerade herrschenden Zeitgeist unterliegen.

Fit wie ein Turnschuh...ist im Volksmund jemand, der - symbolisiert durch den Turnschuh des Sportlers - in einer guten körperlichen Verfassung ist. »To be fit« bedeutet im Englischen etwa »passend, angemessen, tauglich« und gelangte Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Sport im Sinne von »gut vorbereitet, leistungsfähig« in die deutsche Sprache. Die Redewendung wurde wohl in den 70ern von Karlheinz Brunnemann und Rainer Brandt, dem legendären Autorenduo der »Deutschen Synchron« in Berlin geprägt, die zahlreiche Filmdialoge in ein bis ans Sinnentstellende grenzendes »Schnodderdeutsch« transformierten, das sie selbst erfanden oder auf der Straße aufschnappten.

Fix und foxi...ist, wer viel gearbeitet hat und nun geistig und körperlich total erschöpft ist. Eigentlich sollte die Zwillingsformel »fix und fertig« heißen, im Sinne von »etwas fertiggemacht haben, es ist fixiert und fertig«. Die Verballhornung geht auf die beiden Füchse »Fix & Foxi« zurück, die sich seit dem Jahre 1953 in einer beliebten deutschen Comic-Serie von Rolf Kauka (1917-2000) tummeln.

Fixe Idee...nennen wir eine Wahnvorstellung, die jeder realistischen Grundlage entbehrt. Dabei konzentriert sich jeglicher Gedanke auf die Überbewertung eines bestimmtes Kernthemas, wobei der Betroffene ansonsten vollkommen logisch denkt, sodaß man ihn durchaus für vernünftig hält, solange das kritische Gebiet nicht berührt wird. Die »idea fixa« (lat. fixus - unveränderlich, idea - Idee) wurde 1870 vom Psychiater Friedrich Wilhelm Hagen jr. (1814-88) geprägt, einem der Verantwortlichen für die Entmündigung des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. (1845-86). Der Franzose sagt übrigens »avoir une idée fixe« für »dickköpfig sein«, folgerichtig nennt Obelix seinen Hund »Idefix«.

Flachlandtiroler...sind Touristen aus dem Flachland, die in den Alpen - bevorzugt in Tirol - Urlaub machen und sich als Bergwanderer verkleiden. Mancher soll sich in all seiner Begeisterung für die schöne Gegend sogar schon als Einheimischer ausgegeben haben...

Flatratelabern...ist ein eher uncharmantes Synonym für »reden ohne Punkt und Komma«.

Flausen im Kopf...hat jemand, von dem ist nichts Gescheites zu erwarten ist, der allerlei Macken und Allüren statt ernstzunehmender Vorstellungen hat. »Flaus«, unsere heutige »Fluse« oder »Flausch« - nach dem mittelhochdeutschen »vlus« (Vlies, Schaffell) - bezeichnete ursprünglich Wollflocken oder Fadenreste, aber auch einen Überrock aus weichem Wollstoff. Nach literarischen Belegen in Jacob und Wilhelm Grimms »Deutschem Wörterbuch« stammt der Begriff aus dem 17./18. Jahrhundert und stand für dumme Ausflüchte und Ausreden, auch Angstmacherei und trübsinnige Gedanken.

FleddernDieses schöne alte deutsche Wort für »bestehlen, ausplündern« findet sich noch bis heute in der »Leichenfledderei«. Heute schlicht »Störung der Totenruhe« (§ 168 StGB) genannt, berauben dabei Unholde die Leichen ihrer letzten Habseligkeiten.

FledermauspolitikEinst sagte man von Leuten, auf deren Wort man sich nicht verlassen konnte oder die zwischen zwei Ansichten schwankten: »Er lebt wie eine Fledermaus«, weil man diese weder für einen richtigen Vogel, noch eine vollkommene Maus hielt.

Flegeljahre...nannte man einst in der »guten alten Zeit« die Pubertät, während der Jugendliche häufig zu erheblichen Stimmungsschwankungen neigen, die schon mal zu ernsthaften Divergenzen mit Erwachsenen führen können.
Der »Flegel« (althochdeutsch »flegil«, vom lateinischen »flagéllum« - die Geißel) führt natürlich schnurstracks zum »Dreschflegel«, das brachiale Arbeitsgerät, das bald als pejoratives Synonym für den Bauern an sich benutzt wurde.
Der Dichter Jean Paul (1763-1825) schrieb unter dem Titel »Flegeljahre« einen vierbändigen Roman über die Zwillingsbrüder Walt und Vult, zwei darbende Musen- und Schulzen-Söhne in den 90ern des 18. Jahrhunderts in Franken und Umgebung.

FliegenherrHier ist nicht »The Lord of the Flies (Herr der Fliegen)« aus dem 1954 erschienenen Roman des englischen Schriftstellers Sir William Gerald Golding (1911-93) gemeint. Der »Fliegenherr« ist der oberste der Dämonen, den man auch als »Beelzebub« bezeichnet. Diesen Namen nutzen wir heute noch in dem Sprichwort »Den Teufel durch den Belzebub austreiben«: »Pharisæi autem audientes dixerunt hic non eicit dæmones nisi in Beelzebub principe dæmoniorum« - »Aber die Phariseer, da sie es hoereten, sprachen sie: Er treibt die Teufel nicht anders aus, denn durch Beelzebub, der Teufel oebersten«. (Matthäus 12.24)

Flintenweiber...sind umgangssprachlich Frauen, die Waffen tragen oder durch ihr übertrieben martialisches Gehabe auffallen. Hauptsächlich wurde der Begriff für die Soldatinnen der Roten Armee im 2. Weltkrieg gebraucht; entstanden ist er wohl unter deutschen Freikorpsoffizieren während des russischen Bürgerkrieges im Baltikum 1918/20.

Flitterwochen...haben mit dem »Flitter« oder »Glanz« gar nichts zu tun. Gemeint ist vielmehr »Filtarazan«, das bedeutete einst »liebkosen«, und beschrieb die Zeit, in der »gevlittert«, heimlich gelacht wurde. Das Wort kommt aus dem Spätmittelhochdeutschen, damals sagte man »vlittern« für »lachen, kichern, schmeicheln, flüstern und kosen« - das machen wohl alle frischverheiratete Paare gerne. Das »Flittern« ist praktisch aus unserer Umgangssprache verschwunden, gerademal in die »Flitterwochen« fahren einige von uns immernoch.

Flohzirkus...nennen wir gelegentlich eine Schar höchst lebhafter Kinder, die es zu beaufsichtigen gilt. Ursprünglich handelte es sich um eine alte Jahrmarktsattraktion, bei der tatsächlich Flöhe auf Jahrmärkten kleine Kunststückchen vorführten. Da die Biester sich nicht wirklich dressieren lassen, teilt man sie durch Beobachtung in »Springer«, die beispielsweise eine kleine Kugel von sich schleudern und »Läufer«, die an einem feinen Silberfaden kleine Wägelchen ziehen können.

Flöten gehen...fort, davon, wie ein Flötenton verhallt, verlorengehen, vom hebräischen »peleta« - »entrinnen« (des Betrügers) wie in »Pleite« oder »plejta« - »verlieren«. Andere meinen eine »fäkalistische« Deutung aus dem niederdeutschen »fleeten« für »fließen, harnen« zu erkennen. Auch vom schwedischen »flyta« (eilen) oder im »Fleet« (Bach) verlorengehen.

Flott machenEin uralter Kalauer: Ein Kind möchte, daß wir etwas erledigen und vergißt, »bitte« zu sagen. Pädagogen, wie wir sind, fragen wir nach dem berühmten kleinen Wörtchen mit den zwei »T« und es schalmeit uns ein kräftiges »Aber flott« entgegen...
Das Synonym für »schnell« kommt aus dem Niederdeutschen. Dort bezeichnet das Wort »Vlot« - »schwimmend«, etwas »flott machen« also »schwimmend in Bewegung setzen«. Auch die »Schiffsflotte« kommt daher.

Flügge werden...unsere Kinder, wenn sie - mehr oder weniger reif und erwachsen - ihren Willen durchsetzen, das »Hotel Mama« verlassen und ihren Weg in die Selbständigkeit gehen. Auch in der Vogelkunde ist das Küken »flügge« (vom althochdeutschen »fluggen«, »flügge machen« - die Flügel schwingen), wenn es fähig ist, zum ersten Mal aus dem elterlichen Nest auszufliegen und es bald endgültig verlassen wird.

Flurschaden...richtet jemand an, der durch meist unbedachte Handlungen weitreichende Schäden verursacht. Ursprünglich waren es die Folgen, die Wild, militärische Übungen oder auch das Wetter an Feldern, Weiden, Forsten und anderen landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen verursachten.

Fracksausen...haben Leute, die ein unwohles Gefühl bei einer Sache, sprichwörtliche Angst verspüren. Oft kommen dann auch noch Magenschmerzen dazu - und schon »saust der Frack« - oder besser die Hose. Angst und Nervosität führen ganz einfach zu Durchfall und wir werden voraussichtlich den Rest des Tages auf der Toilette zubringen.
Eine andere Erklärung: Wer in Bedrängnis gerät, zeigt bisweilen einen deutlichen Fluchtreflex. Die wehenden Rockschöße des »Schwalbenschwanzes« wenn der Trager davonsaust könnten auch zu diesem schönen Begriff geführt haben.

Frag mich nur nicht, wie...seufzen wir, wenn wir etwas nur mit viel Mühe, unter größten Schwierigkeiten bewerkstelligen oder überstehen konnten, die letzte Zeile eines Vierzeilers aus Heinrich Heines (1797-1856) »Buch der Lieder«, den er einst einem Carl v. U. in dessen Stammbuch schrieb:

 »Anfangs wollt' ich fast verzagen
  Und ich glaubt', ich trug' es nie
  Und ich hab es doch getragen,
  Aber fragt mich nur nicht: wie?«

Frag nicht nach Sonnenschein...sagt einer, der etwas nicht näher beschreiben möchte. Man soll bildlich nicht nach Sonnenschein fragen, denn der Ausgehorchte ist gerade nicht besonders gut gelaunt und würde die gefragten Dinge - wie in der allseits so beliebten Wetter-Konversation - sehr schlecht einschätzen.

Fraktur reden...wir mit jemandem, und sagen ihm mit deutlichen Worten, ohne Umschweife oder Euphemismen, unverblümt unsere Meinung. Im 16. Jahrhundert wurde mit der »Fraktur«, eine gotische Schrift mit gebrochenen, eckigen Linien geschaffen, die, im Gegensatz zur eleganteren und weicheren »Antiqua«, als derb angesehen wurde. In Deutschland konnte sie sich dennoch gegenüber der lateinischen Variante behaupten, bis sie per Erlaß von Reichsleiter Martin Bormann vom 3. 1. 1941 als »Schwabacher Judenlettern« verboten wurde.

Frank und frei...sagen wir etwas geradeheraus, ohne falsche Scham oder Rücksichtnahme. Das Wort geht auf die westgermanischen Frankenstämme zurück: Der Name selbst, die »Franken« die »Freien, Kühnen« waren große Eroberer und freie Herren. Zwischen dem 5.-9. Jahrhundert hatte das fränkische Reich seine größte Ausdehnung, später wurde es geteilt in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und Frankreich. Eine andere Erklärung: Im Mittelalter bedeutete »frank« nichts anderes als »frei«. Außer in dieser Doppelung kennen wir noch heute das »frankieren« (freimachen) eines Briefes.

FrauWie wir Genesis 2.21f der Bibel entnehmen, wurde Eva aus Adams Rippe erschaffen: »Inmisit ergo Dominus Deus soporem in Adam cumque obdormisset tulit unam de costis eius et replevit carnem pro ea et ædificavit Dominus Deus costam quam tulerat de Adam in mulierem et adduxit eam ad Adam« - »Da lies Gott der Herr einen tieffen Schlaff fallen auff den Menschen vnd er entschlieff. Vnd nam seiner Rieben eine vnd schlos die stet zu mit Fleisch. Vnd Gott der Herr bawet ein Weib aus der Riebe die er von dem Menschen nam vnd bracht sie zu jm«. wußte schon Martin Luther.
Die »Frau« (mittelhochdeutsch »vrouwe«, althochdeutsch »frouwa« - »Herrin«) hat sich im Deutschen als Femininbildung des althochdeutschen »fro« - »Herr« entwickelt. Begriffe wie der »Frondienst«, (unbezahlte Arbeit für den Herren), und »Fronleichnam« (Fest des Dienstes am Leib Christi) stammen davon ab, desgleichen das Wort »Fürst« und sogar Odins Gemahlin »Freya«, die altnordische Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, steht für die »Herrin«.

Frauen und Kinder zuerstDiese bekannte Formel aus der christlichen Seefahrt hat - man mag es heutzutage kaum noch glauben - nichts mit dem zwischenzeitlich allgegenwärtigen Feminismus zu tun. Auch hin und wieder kolportierte Überlegungen, Frauen und Kinder wären für das Überleben der Schiffbrüchigen auf einer einsamen Insel wichtiger, gehören ebenso in das Reich der Legende wie die Hoffnung, alle Männer würden sich dadurch als »Gentlemen« gerieren.
Der - übrigens zu keiner Zeit ins Seerecht aufgenommene - Rettungsgrundsatz wurde am Morgen des 26. Februar 1852 geprägt, als der Schaufelraddampfer »Birkenhead«, ein Truppentransporter der britischen Marine, vor der Küste Südafrikas havarierte. Der erste Offizier Alexander Seton gab die Reihenfolge der zu Rettenden »Women and Children first« vor und setzte sie mit gezücktem Schwert durch. Tatsächlich konnten sich 184 Frauen und Kinder retten, bevor das Schiff versank und 67 Seemänner und 386 Soldaten ertranken oder von Haien gefressen wurden. Der legendäre »Birkenhead-Drill« sollte nicht mehr und nicht weniger als ein einfaches ethisches Prinzip hochhalten, das in der Krise oft als Erstes über Bord geht: »Die Starken helfen den Schwachen«.

FrauendreißigerDie Zeit von Maria Himmelfahrt (15. August) bis Maria Namen (12. September) gilt als besonders fruchtbare und glückbringende Zeit. Nach altem Volksglauben verlieren die Pflanzen in diesen 30 Tagen alles Gift und entfalten ihre größte Heilkraft. In Altbayern ist es eine Zeit inniger Marienfrömmigkeit mit vielen Gottesdiensten zu Ehren der »Patrona Bavariæ«.

Frauenglas...ist ganz schlichter und einfacher Gips. Die weiteren Namen »Marien- oder Jungfernglas« weisen auf die Verwendung für Marienfiguren und die Namensherkunft hin. Gips hat in der Regel eine weiße Farbe, die auch für die Jungfräulichkeit und Reinheit Marias steht

FrauenhausIm 12./15. Jahrhundert waren dies noch Bordelle, die eingerichtet wurden, um Verführungen und Vergewaltigungen zu verhindern. Die Häuser standen unter Aufsicht der Stadt und hatten eine Wirtin, die »Glidenvetzerin«, die immer die nötige Anzahl »Buhlerinnen« bereitzuhalten hatte. Später wurden daraus Erziehungsanstalten für »gefallene Mädchen« und mittellose Frauen, die mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen mußten.
Heutige »Frauenhäuser« bieten bei sogenannter »häuslicher Gewalt« Beratung und Unterkunft. Natürlich geht die »Gleichberechtigung« nicht so weit, so etwas auch für Männer anzubieten...

Frauenzimmer...nannte man etwa vom 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts oft die einzelne Frau oder Dame. Das heute nahezu ausgestorbene Wort bezeichnete ursprünglich im Mittelalter noch den gesamten Hofstaat einer adligen Dame, deren eigene Räumlichkeiten und das dazugehörige Personal, über das sie unabhängig von ihrem Mann herrschte.

Fräulein...nennt man eine Frau, der »zum Glück der Mann fehlt«, sagt ein alter Kalauer. Das Wort hat eine erstaunliche Wandlung erfahren: Aus dem mittelhochdeutschen »vröuwelîn«, der jungen Adligen, entwickelte sich über die einfache ledige Frau schließlich - glaubt man einigen Feministinnen und deutschen Beamten - ein Quasi-Schimpfwort. Davon abgesehen stören sich laut einer Allensbach- Umfrage aus dem Jahre 2008 gerademal ganze 7% der Deutschen an dem Wort. Andere Länder, andere Sitten: Die französische »mademoiselle« ist ebenso selbstverständlich wie die spanische »señorita« oder die italienische »signorina« und - wir ahnen es - natürlich wird es sich auch kein noch so entmanntsiepiertes deutsches Fräulein nehmen lassen, zur »Miss-Wahl« anzutreten...

Fräuleinwunder...wurden in der Nachkriegszeit besonders von amerikanischen Besatzungssoldaten umschwärmt: In den 50ern passierten in Deutschland zahlreiche »Wunder« - neben dem »Wirtschaftswunder« und dem »Wunder von Bern« stand das dunkelhaarige Berliner Mannequin Susanne Erichsen (1925-2002), die erste »Miss Germany« der BRD, die 1952 als »Botschafterin der deutschen Mode« in den USA von der Presse zum »Fräuleinwunder« erklärt worden war, für junge, attraktive und begehrenswerte deutsche Fräuleins dieser Zeit.

Frech/stolz wie OskarWer für diese im Norden verbreitete Wendung Pate stand, ist nicht ganz geklärt: Eine Ableitung von Oskar Blumenthal (1852-1917), der als Rezensent beim »Berliner Tageblatt« äußerst scharfe Kritiken schrieb, wird durch dieses Zitat von Erwin Heinrich Bauer (1857-1901) häufig vermutet: »Du bist stolz, Teiteles, und es schwellt Dir die Brust und Du hebst empor die Nase frech, wie Oscar, der Blumenthal, und blickst um Dich wie'n Pascha, der hat sieben Roßschweife und 'nen Harem mit dreißig Weibern«.
Auch ein Bezug zu dem Leipziger Marktschreier Oskar Richard Seiffert (1861-1932) wäre möglich, andere sehen den Ursprung im Jiddischen, wo »ossik« (frech, verhärtet) über »ossoker« zum sprichwörtlichen »Oskar« geworden sein könnte. Aufgrund der Analogie zu »frech/stolz wie Bolle« könnte es sich aber auch schlicht um einen verallgemeinernden Allerweltsnamen handeln. Der Ausdruck findet sich bereits 1918 in Ludwig Thomas (1867-1921) »Altaich« (Achtes Kapitel): »Wie er sie dutzte, frech wie Oskar«, unter Literaten galt auch der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900) als satirisch-frech.

Frechdachs...nennen wir manchmal mehr oder weniger liebevoll Kinder, die sich »zu viel herausnehmen«.
Der Ausdruck geht auf den Dachs zurück, der seine Kinder und seinen Bau durchaus auch gegen erheblich größere Raubtiere verteidigt. »Frech« wird hier noch in der alten Bedeutung von »mutig« gebraucht. Eine andere Herkunft könnte auch eine Eselsbrücke vom lateinischen »audax« für »beherzt, frech, dreist, tollkühn« sein.

FreibriefWer einen solchen hat, kann sich alles erlauben und ist bar jeglicher Einschränkung. Im Mittelalter war er eine Urkunde über die Entlassung aus der Leibeigenschaft bzw. darüber, daß Leistungen daraus nicht mehr erbracht werden mußten. Zudem galt er auch als Beleg einer freien Herkunft. Dies war wichtig, wollte man beispielsweise als Stadtfremder in eine Zunft aufgenommen werden.

Freie Fahrt für freie Bürger...hieß es im Februar 1974 an zahlreichen deutschen Stammtischen:
Drei Monate nach der »Ölkrise« und dem ersten »autofreien Sonntag« startete der ADAC eine Kampagne, die sich gegen einen Tempo-100-Großversuch auf den Autobahnen richtete - mit dem Erfolg, daß statt eines generellen Tempolimits eine unverbindliche Richtgeschwindigkeit von 130 km/h eingeführt wurde.

Freitag, der 13.Vielfältige Glaubensvorstellungen geben dem Freitag, ahdt. »frijetag«, der nach Fría oder Frigg, der germanischen Himmelsgöttin und Gattin des Hochgottes Odin benannt ist, eine besondere Bedeutung als Unglückstag. Die »13« wurde in Kulturen mit Duodezimalsystem (Kreisteilung, Uhr, Maßsysteme) als »Unglückszahl« empfunden, da sie die »vollkommene« Zwölf überschreitet. Nach europäischem Volksglauben bringt die »13« Unglück: An der Gästetafel dürfen keine 13 Personen sitzen, im Hotel ist die Zimmernummer »13« unerwünscht, Vorsicht am 13. des Monats, im Märchen ist die 13. Fee schuld an Dornröschens Todesschlaf...
Dieser aus Frankreich stammende Aberglaube geht auf den 13. Oktober 1307 zurück: An diesem Freitag nahm Philipp IV. »der Schöne« (1268-1314) den Großmeister des einflußreichen und finanzstarken Templerordens gefangen und ließ den Orden nach einem langwierigen Prozeß 1312 durch Papst Klemens V. (1260-1314) verbieten. Man beschuldigte die Templer der Ketzerei und Unzucht, Christus zu verleugnen, auf das Kreuz zu spucken und an heiligen Orten unanständige Küsse auszutauschen. Desweiteren bezichtigte man sie, einem Götzen namens »Baphomet« zu huldigen. Philipp IV. konfiszierte das Vermögen des Ordens, enteignete jüdische und lombardische Kaufleute, erhöhte die Steuern und entwertete das Geld mehrmals, um den Finanzbedarf der Krone zu decken. Das weitere Schicksal der Tempelritter war so ungeheuerlich, daß seither jeder Freitag und Dreizehnte als böses Omen gilt. Manche Menschen entwickeln gar eine regelrechte »Paraskavedekatriaphobie« - die Angst vor Freitag dem 13....

Fressen und gefressen werdenDieses beliebte Synonym für »Täter oder Opfer sein«, den alltäglichen Konkurrenzkampf, geht auf die Nahrungskette zurück: Fast alle Tierarten dienen jeweils einer anderen, vermeintlich »höheren« Art als Nahrung. Dadurch entstehen Abhängigkeiten, einschneidende Veränderungen können recht schnell zum Aussterben unzähliger nachfolgender - eben jener »höheren« - Geschöpfe führen. Der Mensch beruft sich nur zu gern darauf, daß er »intelligenter« sei, jedes andere Tier »beherrschen« könne. Ein fataler Trugschluß: Huhn, Kuh, Schwein & Co. könnten sicher ebenso problemlos ohne ihn auskommen, wie der kleine Steuerzahler ohne den ach so »wichtigen« Bürokraten - umgekehrt hingegen wird es wohl äußerst schwierig...

Fressen wie ein Scheunendrescher...heißt, jemand hat einen enormen Appetit und ißt zügellos viel zuviel: Getreide wurde früher in die Scheune gebracht und dort das Korn per Hand mit dem Dreschflegel herausgedroschen. Scheunendrescher hatten also eine sehr schwere körperliche Arbeit, die viel Staub aufwirbelte und entsprechend durstig und hungrig machte. So wurden sie ob ihrer enormen Eß- und Trinklust sprichwörtlich legendär. Der Vergleich ist schon bei Thomas Murner (1475-1537) bezeugt. Auch Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausens (1622-76) »Simplex« berichtet: »Ich mochte damals fressen wie ein Drescher, dann mein Magen war nicht zu ersättigen«. (Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch IV, 8) Obersächsisch sagt man auch: »Fressen wie e Scheffeldrescher«. Das waren gemietete Leute, die um den Scheffel droschen, d.h. in einer Art von Akkord arbeiteten.

Freudscher VersprecherDer österreichische Psychiater Sigmund Freud (1856-1939) verglich unsere Seele mit einem Eisberg, der nur zu einem kleinen Teil über der Wasseroberfläche (Bewußtsein) zu sehen sei, der größere Teil liege aber unter der Oberfläche (Unterbewußtsein) verborgen. Danach offenbarten sich in Fehlleistungen wie versprechen, vergessen, verlaufen etc. unbewußte Wünsche, ähnlich übrigens wie in Träumen. So sei auch der »Freudsche Fehler« zu erklären, eine Aussage, die bewußt so nicht getroffen werden sollte, aber den wahren (verborgenen) Wunsch erkennen lasse.

Freuen wie ein Schneekönig...bezieht sich auf unseren kleinsten Singvogel, den Zaun- oder Schneekönig, der auch im strengsten Winter bei uns bleibt und trotz Kälte und Schnee munter pfeift und singt. Zu seinem Königstitel kam er dank einer Fabel des Æsop (um 600 a.C.): König der Vögel sollte derjenige werden, der am höchsten fliegen konnte. Der kleine Kerl verbarg sich im Gefieder des Adlers und als der nicht mehr höher fliegen konnte, startete er vom Adler aus, flog noch ein Stückchen höher und rief: »König bin ich!«

Freund Blase...ist im Osten Deutschlands ein Synonym für die meist letzte Warnung, bevor Eltern eine härtere Gangart einleiten: Die träge und verschlafene Figur aus dem zauberhaften russischen 50er Jahre-Trickfilm »Die drei Holzfäller - Strohhalm, Blase & Bastschuh« drückte sich stets sehr clever um alles, was auch nur entfernt mit Arbeit zu tun hatte - wurde allerdings mit den Worten »Wo ist mein großer Löffel« sofort hellwach, wenn es seine Lieblingsspeise »Süßen Brei« zu essen gab, den er in Unmengen verdrücken konnte.

Freund Hain...meint den Tod, »Hain« kommt dabei von »Heinrich«. Diese euphemistische Bezeichnung für den Tod stammt von Matthias Claudius (1740-1815) der alle seine Werke »Freund Hain« gewidmet hat. So ziert auch die Erstausgabe seines Buches »Asmus omnia sua secum portans, Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen« (1774) die Abbildung eines Knochenmannes mit großer Sense. Die neuere Schreibweise: »Hein« geht wohl auf den Schriftsteller Johann Karl August Musæus (1735-87) zurück, der den Begriff von Claudius übernahm.

Freunde in der Not gehen hundert auf ein Lot...sagt ein uraltes Sprichwort und oft genug müssen wir erfahren, daß es sich bewahrheitet: In schweren Zeiten findet man kaum Menschen, die einem beistehen und erst in einer Notsituation zeigt sich, wer wirklich wahre Freunde sind. Das »Lot« war einst eine sehr kleine Gewichtseinheit - regional unterschiedlich um ca. 14-17 Gramm. Mit einer so geringen Menge kann man natürlich nur sehr wenige wirkliche Freunde aufwiegen.

Friede den Hütten, Krieg den Palästen...schrieb der Schriftsteller Georg Büchner (1813-37) als Einleitungssatz in das Flugblatt »Der Hessische Landbote« (1834), das vom Butzbacher Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig (1791-1837) später entschärft wurde, jedoch auf wenig Resonanz stieß. Die Verteilung war vor allem für die Bauern im erzreaktionären Großherzogtum Hessen vorgesehen. Damit sollte der krasse Gegensatz zwischen dem Reichtum der Besitzenden und dem armseligen Leben der Bauern deutlichgemacht werden.

Friede, Freude, EierkuchenDer Ausdruck für scheinbare Harmonie entstand wohl, weil die Beendigung des 2. Weltkrieges in vielen Häusern mit Eierkuchen gefeiert wurde. Dies war ein einfacher Kuchen, der für die meisten Leute erschwinglich und die Zutaten relativ einfach zu bekommen waren. In einer Theaterkritik schrieb der Satiriker und Drehbuchautor Carl Andrießen (1925-93) im Jahre 1959: »Am Schluß, wie sich's gehört, Friede, Freude, Eierkuchen und Beifall«. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine Abwandlung des englischen »love, peace and happiness« (Liebe, Frieden und Glück).

Frieren wie ein Schneider...muß, wer sehr leicht fröstelt, besonders kälteempfindlich ist. Vertreter dieses als eher ärmlich angesehenen Handwerks wurden früher oft als besonders leichtgewichtige, schmächtige, schwache und kränkliche Stubenhocker dargestellt. Anders als richtig »männliche« Berufe wie Schmied oder Zimmermann galten sie als überempfindlich, weibisch und nicht besonders widerstandsfähig, weil sie nur körperlich nicht sonderlich anstrengende Arbeit im - meist warmen - Haus verrichteten. In einem alten deutschen Kinderlied heißt es denn auch:

 »Dreizehn, vierzehn Schneider,
  Die wiegen fufzehn Pfund,
  On wenn se das nich wiegen thun,
  Denn sin se nich gesund«.

Eine andere Deutung könnte von den auch »Weberknecht« genannten Schneidern kommen - den Spinnentieren, die, wenn sie sich bedroht fühlen, in ihrem Netz stark zu zittern beginnen. Das hat allerdings nichts mit Kälte zu tun, vielmehr verschwimmt ihr Körper dadurch vor dem Hintergrund und sie werden so praktisch unsichtbar.

Friesennerz...nennen wir - obwohl sie weder aus Ostfriesland noch von edlen Pelztieren stammt - scherzhaft die leuchtend quietschgelb/blaue PVC-beschichtete Regenjacke der 1970er Jahre, die ursprünglich für Fischer, Radfahrer und Segler gedacht war. Die despektierliche Bezeichnung für die 1968 von Jan E. Ansteen Nielsson von der Firma »Jeantex« in dem dänischen Örtchen Hörve entworfenen, eher zweckmäßigen denn schönen Öljacken kam erst recht spät mit dem »Ostfriesenwitz« auf und beendete schließlich auch die Trendwelle.

Friß (Vogel) oder stirb...sagen wir, wenn es keine andere Wahl gibt, wir tun müssen, wozu die Gegebenheiten uns zwingen. Die seit dem 16. Jahrhundert bezeugte Redensart bezieht sich bildlich auf einen gefangenen Vogel, der um zu überleben fressen muß, was immer man ihm als Futter vorsetzt. Sie ist in »Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch«, dem Schelmenroman von Jacob Christoffel von Grimmelshausen (1622-76) von 1668 ebenso zu finden, wie in einer Schmähschrift gegen Martin Luther (1483-1546), die der Straßburger Pfarrer Johann Nikolaus Weislinger (1691-1755) im Jahre 1722 verfaßte, sowie im 1653 erschienenen Geschichtswerk »Königlich Schwedischer in Teutschland geführter Krieg« von Bogislaw Philipp von Chemnitz (1605-78) oder in Johan Baptist Fischarts (1546-91) »Eulenspiegel Reimenweis« von 1572 und vielen anderen. Die wohl früheste Variante: »Wie du wilt vogelin, wiltu nicht essen, so stirb« ist von Martin Luther in seiner Sprichwörtersammlung von 1530 überliefert.

Frisch gewagt ist halb gewonnenFür einen beherzten Anfang braucht man genau so viel Energie wie für die Durchführung und Vollendung.

Frisch von der Leber weg...reden wir seit dem 18. Jahrhundert offen, rückhaltlos und freimütig über etwas, das uns stört oder bewegt. Diese Redewendung basiert auf einer Vorstellung, die schon im Altertum geläufig und in der mittelalterlichen Medizin weit verbreitet war: Danach galt unser zentrales Stoffwechselorgan als Sammelpunkt der Lebenssäfte und somit auch als Sitz der Leidenschaften, des Temperaments, vor allem des Zorns. Wer sich freimütig äußerte, erleichterte die Leber von angesammeltem Ärger und aufgestauter Galle. Überdies hielten die alten Griechen die Leber für den Sitz der Seele. Nicht von ungefähr ließ etwa Göttervater Zeus dem aufmüpfigen Prometheus, der den Menschen das Feuer gebracht hatte, die Leber von einem Adler ausreißen. Damit wurde dem Übeltäter die Seele und damit seine Persönlichkeit aus dem Leib entfernt - eine grausame Strafe. Der hohe Rang der größten Körperdrüse, noch vor dem Herzen, läßt sich auch daran ablesen, daß man in der Antike bei einem Tieropfer die Leber prüfte, um daraus die Zukunft zu weissagen. Am Sitz der Seele, so glaubte man, müßten sich Wahrheiten offenbaren.

Frisch, fromm, fröhlich, freiDer Wahlspruch der deutschen Turnerschaft geht auf einen Studentenspruch des 16. Jahrhunderts zurück. Nachdem »Turnvater« Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) sich bereits 1816 in seinem Buch »Die deutsche Turnkunst« ähnlich geäußert hatte, stammt die heutige Form nunmehr von seinem Schüler Hans Ferdinand Maßmann (1797-1874).
Das aus den Anfangsbuchstaben, den vier »F«, gestaltete sogenannte »Turnerkreuz« bedeutet:

 »Frisch ans Werk!
  Fromm im Glauben an die Gemeinnützigkeit und Wertbeständigkeit des Schaffens!
  Fröhlich untereinander!
  Frei und offen in allem Handeln!«

Frittentheke...nennt der Autotuner spöttisch die oft gigantischen Heckspoiler an eher schwachmotorisierten Kleinwagen, mit denen die meist jugendlichen Besitzer am lokalen Dönerstand die Mädels zu beeindrucken versuchen.

Fröhliche Urständ...feiert etwas längst vergangen oder überwunden geglaubtes, das urplötzlich, bestenfalls in leicht abgewandelter Form, wiederkommt, wieder auflebt. Ursprünglich war der Ausdruck einst von »Fröhliche Auferstehung«, dem frommen Gruß der Christen an Ostern abgeleitet worden. Das Wort »Urständ« geht auf das mhdt. »urstende« (auferstehen) zurück. Die heutige Verwendung ist oft eine gänzlich andere: Manche Dinge ändern sich halt nie - so wird kolportiert, daß beispielsweise manch reinrassiger Arier, der später als überzeugter Kommunist gegen allerhand Ausbeutung kämpfen mußte, sich heute als FeministIn im »Geschlechterkampf« bewährt, oder wahlweise (wie der Ur-Demokrat und bekennende Christ George W. Bush in Guantanamo) von muselmanischen Terroristen bedroht wird. Auch wird nur, wer weiland die »Stasi« in der DDR kennenlernen durfte, wirklich verstehen, warum es so enorm wichtig ist, sämtliche deutschen Telephone und Computer lückenlos zu überwachen. Eigentlich ist sie wohl gar nicht wirklich fröhlich, diese »Urständ«...

FruchtlosWir haben irgendwas gewollt, blieben dabei aber ohne jeglichen Nutzen oder Erfolg, es waren nur vergebliche Bemühungen, ein erfolgloser Versuch: Auch in der Natur kann es aus verschiedenen Gründen manchmal vorkommen, daß z.B. mancher Baum fruchtlos bleibt, trotz reichlicher Blüte konnte er keine Früchte ausbilden.

Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will...sagen wir - abgeleitet von dem Schiller-Zitat »Früh übt sich...« -, um auszudrücken, daß man nicht nur frühzeitig mit dem Lernen anfangen, sondern sich im Namen der Karriere vor allem der Obrigkeit unterordnen und anpassen muß.

Früh übt sich, was ein Meister werden willDas Zitat stammt aus Friedrich Schillers (1759-1805) »Wilhelm Tell«. In der »Apfelschuß-Szene« im dritten Aufzug ist Tell mit der Zimmeraxt, seine Frau Hedwig mit häuslicher Arbeit beschäftigt, ihre Kinder Walther und Wilhelm spielen mit einer kleinen Armbrust:

 Hedwig
  Die Knaben fangen zeitig an zu schießen.

Tell
  Früh übt sich, was ein Meister werden will.

 Hedwig
  Ach, wollte Gott, sie lernten's nie!

Früher Vogel fängt den Wurm...aber erst die zweite Maus bekommt den Käse. Dieses Sprichwort bedeutet eigentlich nichts anderes als »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst« oder »Morgenstund' hat Gold im Mund«: Wer als Erster da ist, bekommt auch den Fang, die Beute, den Zuschlag, was auch immer. Je früher man sich um eine Sache bemüht, desto größer ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit des Gelingens. Mäuse sollten allerdings nichts überstürzen: Die erste wird oft von der Mausefalle getötet und erst die zweite kriegt den leckeren Köder...

Frühstücke wie ein Kaiser, iß mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann...empfahlen uns unsere Großmütter oft und gern: In einer Zeit, da die Menschen noch körperlich hart arbeiteten, war es wichtig, schon morgens etwas kräftiges im Bauch zu haben, um dem Tag gewachsen zu sein. Auch mittags mußte gegessen werden, um durchzuhalten - das Abendessen war indes nicht mehr ganz so wichtig. Außerdem kann ein opulentes Abendessen Schlafstörungen und Magendrücken verursachen - ein Garant für Schlankheit ist die Regel allerdings beileibe nicht.

Frühstücksdirektor...nennt der Volksmund leitende Angestellte, die zwar formal herausgehobene Positionen innehaben - tatsächlich aber weder über Entscheidungskompetenz noch fachliche Eignung verfügen. Solche »Führungskräfte« sind lediglich dazu da, die Firma bei Geschäftsessen mit wichtigen Kunden oder Gästen zu repräsentieren. Oft handelt es sich hier um hochdotierte Versorgungspöstchen für ehemalige Politiker und Funktionäre, für verarmte Adlige mit hochtrabenden Titeln, für geschaßte Manager - Leute, die sich selbst unheimlich wichtig nehmen, aber eigentlich doch nur ganz kleine überbezahlte Würstchen sind.

Fuchsteufelswild...ist jemand, der aufs höchste aufgebracht, wütend ist. Im »Deutschen Wörterbuch« der Brüder Grimm heißt es dazu: »So aufgebracht, als wenn man ganz des teufels wäre, im höchsten grade aufgebracht: da wurd dir nun das männchen fuchsteufelswild«. Das Adjektiv »fuchswild« ist schon im 16. Jahrhundert belegt (u.a. bei Hans Sachs). Es liegt dabei nahe, an das wilde Verhalten eines Fuchses, der tollwütig ist oder sich aus einer Falle zu befreien versucht, zu denken.

Fuffzehn machenFrüher dauerte die gewöhnliche Mittagspause meist nur ein »Viertelstündchen«, also 15 Minuten...

Fünf vor zwölf...ist es seit Jahrzehnten für die Menschheit. Wir haben uns - glaubt man jedenfalls den zahllosen mehr oder weniger berufenen Wissenschaftlern und Politikern - schon mehrfach selbst ausgerottet. Mal waren es kranke Bäume, mal Vögel, mal Kühe, die uns samt und sonders dahinrafften. Derzeit machen selbsternannte Ökologen die Klimaänderungen, die seit Abermillionen Jahren unsere Erde formten, für die bevorstehende Apokalypse verantwortlich. Aber auch wenn der Mensch tatsächlich irgendwann den Bach runtergehen sollte - die Natur wird das sicherlich kaum erschüttern. Ursprünglich schwang in der Redensart die uralte Angst vor der Geisterstunde mit: »Hört Ihr Leut' und laßt Euch sagen - die Uhr hat zwölf geschlagen« rief der städtische Nachtwächter. Die Zeit der Geister und Gespenster hatte begonnen...

Fünfe gerade sein lassen...wir, wenn wir etwas nicht ganz so genau nehmen, Dinge tun, die nicht ganz korrekt sind und es nicht so eng sehen, auch mal was durchgehen zu lassen.
Diese Wendung erinnert an »Keinen Finger krumm machen« - wer die fünf Finger an der Hand »gerade sein« läßt, kann nichts anfassen, nicht arbeiten. Darüber hinaus ist die »Fünf« ohnehin eine »ungerade« Zahl, die sich nicht durch Zwei teilen läßt - wer sie als gerade annimmt, rechnet also sehr großzügig. Auch Friedrich Schiller (1759-1805) machte sich Gedanken über die Fünf: »Wie der Mensch aus Gutem und Bösem ist gemischt, so ist die Fünfe die erste Zahl aus Grad' und Ungerade« (Wallenstein, Die Piccolomini).

Fünfte Kolonne...nennt man eine politische/militärische Gruppe, die bei einer kriegerischen Auseinandersetzung im eigenen Land mit dem Feind kollaboriert, übertragen auch unterwandernde Kräfte. Geprägt wurde der Begriff im Spanischen Bürgerkrieg von General Emilio Mola Vidal (1887-1937), der mit seinen Truppen in vier Kolonnen auf das von den Republikanern gehaltene Madrid marschierte, die entscheidende Rolle bei der Einnahme der Stadt jedoch den in Madrid operierenden Anhängern von General Francisco Franco als seiner »Fünften Kolonne« beimaß. Ernest Hemingway (1899-1961), der auf Seiten der Republik gegen Franco gekämpft hatte, nannte 1938 ein Theaterstück »The fifth column«.

Fünftes Rad am Wagen...ist umgangssprachlich eine Person, die in einer Gruppe überflüssig ist und eigentlich nur geduldet wird. Schon im 11. Jahrhundert schrieb Egbert von Lüttich in seiner Sprüchesammlung »Fecunda ratis« (Das vollbeladene Schiff): »Quem fastidimus, quinta est nobis rota plaustri« (Wer uns lästig ist, der ist uns das fünfte Rad am Wagen).
Wobei: Als diese Wendung »erfunden« wurde, gab es wohl noch nicht allzu viele ordentliche Straßen. Auf den damals üblichen Feldwegen konnte es schnell passieren, daß ein Rad zerbrach und man dringend auf einen Ersatz für Wagen oder Kutsche angewiesen war. Auch heute noch - trotz völlig anderer Räder wie Straßen - mag kaum jemand darauf verzichten.

Für 'n Appel und 'n Ei...arbeiten wir, weil auf jedem Bauernhof in der Regel Äpfel und Eier reichlich vorhanden sind und keinen großen Wert darstellen. Man kann einen Apfel und ein Ei abgeben, ohne arm zu werden.

Für bare Münze nehmen...wir etwas, das wir glauben, wörtlich nehmen, für wahr halten. Die Redewendung aus dem 18. Jahrhundert meinte ursprünglich, daß jemand eine avisierte Zahlung bereits als seinen Besitz ansah - blieb sie aus, war er einem falschen Versprechen aufgesessen.
Noch im Mittelalter entsprach der Wert einer Münze tatsächlich dem der erkauften Ware. Im 17. Jahrhundert dann entstanden in Japan die »Quittungen«, die für einen gewissen Wert standen, die Schweden schufen 1666 das Papiergeld, der schottische Moralphilosoph und Wirtschaftstheoretiker Adam Smith (1723-90) führte den Faktor der Arbeit ein, die als Maßsystem dem Geld vorgeordnet wurde. Seither müssen wir eine bestimmte Zeit arbeiten, um eine bestimmte Summe zu erhalten. Mittlerweile werden virtuelle Milliarden um den Erdball geschoben, die praktisch keinerlei realen Wert mehr haben. In schöner Regelmäßigkeit brechen nun alle paar Jahre die Börsen zusammen, die teuren Aktien sind quasi wertlos, wir können sie nicht mehr »für bare Münze nehmen«, nichts mehr dafür kaufen.

Für den Nabel der Welt halten...sich gern hochnäsig-arrogante überhebliche Egozentriker, die so von sich eingenommen sind, daß sie ihr eigenes Selbstbild kaum kritisch hinterfragen - ein klarer Fall von Selbstüberschätzung zumeist. Diese ungemein selbstbezogene Spezies geht zurück auf den »Omphalos«, einen phallischen Stein im Adyton des Apollon-Tempels in Delphi, der vom Himmel gefallen sein soll: Der Sage nach markiert er die Stelle, an der sich die von Zeus im äußersten Westen und Osten entsandten Adler in der Mitte der Welt getroffen haben. Aufgrund der damals höchst anerkannten Orakeltätigkeit des Tempels sahen bald viele Völker diesen Stein als »Nabel der Welt« an.
Eine andere mythologische Lokalisierung des Weltenmittelpunkts ist der »Umbilicus urbis« in Rom als Zentrum der Stadt und Mittelpunkt des römischen Imperiums, von dem aus die Meilen der römischen Straßen gezählt wurden. Gleichzeitig galt er als »mundus«, als Stelle, an der sich Ober- und Unterwelt berührten. Weitere »Nabel der Welt« waren der Tempelberg oder das Mittelschiff der Grabeskirche in Jerusalem. Der Nabel im Zentrum des Körpers, an dem Mutter und Kind vor der Geburt durch die Nabelschnur miteinander verbunden sind, hat so als Ursprung allen Seins einen festen Platz in der Mythologie.

Für die Katz'...ist eine Arbeit, die wir umsonst verrichten. Die Originalform stammt aus der Fabel »Vom Schmied und seiner Katze« in »Der ganz neuw gemachte und in Reimen gefaßte Esopus« (1548), die der Erzähler Burcard Waldis (1490-1556) schrieb: Darin geht es um einen gutherzigen Schmied, der sich immer nur soviel für seine Arbeit bezahlen ließ, wie sie den Kunden wert war. Jene wollten natürlich am liebsten gar nichts bezahlen, also sagten sie einfach nur »Danke«. Der Schmied wurde zunehmend griesgrämig, weil er so oft für Gotteslohn arbeiten mußte, nahm eine alte Katze, band sie in seiner Werkstatt an und jedesmal, wenn ihn ein Kunde mit einem »Danke« abspeiste, sagte er: »Katz, das geb' ich dir«. Zu dumm, daß die Katze von leeren Worten nicht leben konnte und deswegen verhungerte...
Eine andere Deutung kommt aus der Zeit, da Katzen ihren Lebensunterhalt noch mit Mäusefangen bestreiten mußten: Fiel bei Herrchen mal ein Essensrest an, bekam diesen gelegentlich die Katze - allerdings durfte der Appetit auf Maus dadurch keinesfalls gestillt sein.

Für Gotteslohn arbeiten...meint nicht einen Lohn, wie ihn ein Gott gibt, sondern einen Lohn, den Gott geben soll (statt des Menschen, der ihn eigentlich bezahlen müßte). »Für Gotteslohn« bedeutet also meist »unbezahlt«.

Für nichts und wieder nichts...heißt, umsonst zu arbeiten, seine Mühe zu verschwenden. Voltaire (1694-1778), von Friedrich dem Großen in Ungnade entlassen, soll dieses Wort gebraucht haben. Nach anderen Deutungen ließ die preußische Regierung ihre »Baugefangenen« für lau an königlichen Gebäuden arbeiten. Wieder andere suchen die Entstehung in einem Spottlied, das nach der Schlacht von Rossbach von den Parisern gesungen wurde und dessen Refrain lautete: »Il a travaille, il a travaille pour le roi de Prusse«. Das 1863 erschienene Husarenbuch des Grafen zur Lippe deutet die Redensart auf die vergeblichen, nur den höhern Ruhm des Preußenkönigs fördernden Anstrengungen seiner kleinen fürstlichen und reichsstädtischen deutschen Gegner.

Für's letzte Geld ein Portemonnaie gekauft...hat umgangssprachlich jemand, bei dem längst »Ebbe in der Kasse« herrscht, der aber dennoch von seinen allerletzten Reserven etwas eigentlich völlig Sinnloses kauft. Statt sich auf wichtige Dinge zu konzentrieren, die vielleicht das eigene Überleben sichern könnten, wird etwas beschafft, das man in dieser Situation nun wirklich nicht mehr gebrauchen kann.

Fürbaß...ist ein alter Ausdruck für »besser, weiter«, der heute meist nur noch dichterisch gebraucht wird. Bei Ludwig Uhland (1787-1862) in »Graf Richard Ohnefurcht« heißt es:

  »Graf Richard von der Normandie
  Erschrak in seinem Leben nie.
  Da ging er fern von seinen Leuten,
  Nachdenklich, ließ sie fürbaß reiten,
  Sein Pferd er an die Pforte band,
  Im Innern einen Leichnam fand«.

Fuß fassen...können wir in einer neuen Heimat ebenso, wie in einer unbekannten Gemeinschaft oder in einem fremden Berufsfeld. Genauso wie Füße, die sich auf losem oder ungewohntem Boden einen festen Stand verschaffen, drückt diese umgangssprachliche Wendung die Sicherheit aus, die ein Mensch mit der Zeit auf unbekanntem Terrain erlangt.

Fußvolk...nannte man nach dem Mittelhochdeutschen »vuozvolc« ursprünglich eine »Truppe zu Fuß«, die an vorderster Front die meisten Opfer bringen mußte. Die Redensart meint heute auf die eigene Position bezogen, daß man ohnehin nichts zu sagen habe, keine Initiative oder Verantwortung übernehme und Entscheidungen gern anderen überlasse. Bezogen auf andere ist es die große, einflußlose Masse, die eine untergeordnete Stellung einnimmt oder unbedeutend ist.

Futschikato...ist etwas, das nicht mehr da, vorbei, kaputt, verloren, einfach weg ist. Diese italianisierende Bildung zum deutschen »futsch« geht ursprünglich wohl auf das schweizerisch-mundartliche »futschen« (gleiten, rutschen) zurück, andere sehen einen Zusammenhang zum französischen »foutre« (beschlafen, vgl. die »Fut« - Vagina) oder dem italienischen »fuggito« (geflohen). Meist auf Geld oder andere Wertsachen bezogen kennt man auch die Verballhornungen »futschikato verbrato« - all sein Geld mehr oder weniger sinnlos ausgegeben haben und »futschikato perdutti« - total pleite sein.


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