3869 Sprichwörter, Redewendungen, Idiome, geflügelte Worte



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M

Mach mal halblang...rufen wir jemanden zur Ordnung, der übertrieben viel Wesens von sich macht, angeberisch ohne Punkt und Komma viel zu ausführlich über seine angeblichen Erlebnisse berichtet. Er möge doch mal »halblang« machen, sich zurückhalten, raten wir ihm, es geht sicher auch 'ne Nummer kleiner.

Machiavellismus...geht zurück auf die Vorstellungen des florentiner Politikers, Philosophen, Geschichtsschreibers und Dichters Niccolò Machiavelli (1469-1527): Er steht für eine rücksichtslose Machtpolitik, die raffiniert, aber ohne jegliche Moral die eigene Macht und das eigene Wohl steigert. Sein Denken wurde beherrscht vom Glauben an den Kreislauf der Geschichte und sein pessimistisches Menschenbild. In seinem 1513 entstandenen Werk »Il Principe« (Der Fürst) stellt er bis heute umstrittene Verhaltensregeln auf, nach denen das Handeln des Herrschers im Widerspruch zur überlieferten Ethik stehen kann, wenn es die politischen Verhältnisse einer feindlich gesonnenen Umwelt erfordern. Wer »machiavellistisch handelt«, verfolgt - meinen wir - skrupellos seine Ziele.

MachoDas erst im feministischen Propagandajargon geläufige spanische Wort »Macho« (männliches Tier, Männchen) geht als substantiviertes Adjektiv auf das lateinische »masculus« (männlich) zurück. Dem »Macho« bescheinigt »frau«, er würde seine Überlegenheit betonen und ein angeblich übersteigertes Männlichkeitsgefühl brutal ausleben.

Macht doch euren Dreck alleine...soll - historisch nicht gesichert - Friedrich August III, König von Sachsen, (1865-1932) bei seiner Abdankung gesagt haben, als er nach verlorenem Ersten Weltkrieg und Novemberrevolution am 13. November 1918 die Regierung abgab und sich auf Schloß Sibyllenort in Schlesien zurückzog.

Macht kaputt, was euch kaputt macht...war ein wichtiger Slogan der »Spontis« im Kielwasser der 68er-Bewegung, der Hausbesetzer und Autonomen der 70er. Er geht zurück auf Rio Reiser (1950-96) und die Politrock-Band »Ton, Steine, Scherben«, die oft Themen der linksalternativen Szene aufgriff.

MädchenEntstand im 17. Jahrhundert aus »Mägdchen«, der Verkleinerungsform zu »Magd« (althochdeutsch »magad«, mittelhochdeutsch »maget«, daraus auch »meit« und niederhochdeutsch »Maid«). »Mädchen« ist auch ein Diminutiv zu »Made«, dann jedoch nicht mit der »Magd« verwandt, möglicherweise jedoch mit »Motte«.

Madig machen...wir jemandem etwas, indem wir es ihm verleiden, es schlechtmachen, (unberechtigt) abfällig darüber reden, ihm eine Sache bzw. die Freude daran gründlich verderben. Wer jemals madiges Obst geerntet oder gar gegessen hat, weiß selbst, woher diese Redewendung kommt...

MageEin »Mage« war im Altdeutschen ein Verwandter, so gab es z.B. »Schwert- und Vatermagen« als Verwandte väterlicherseits sowie »Spill- und Kunkelmagen«, die mütterlicherseits verwandt waren.

Mal den Teufel nicht an die Wand...appellieren wir an jemanden, kein Unheil heraufzubeschwören, ihn durch die bloße Erwähnung möglicherweise herbeizurufen, etwas als möglich anzunehmen, was man weit weg wünscht. Diese Wendung geht auf einen alten Aberglauben zurück, nach dem der Teufel auch durch bildliche Darstellung beschworen wird. Christliche Schutzzeichen über der Tür sollten verhindern, daß der Pferdefüßige zu Besuch kam - ob das wirklich half, wurde in dieser Redensart bezweifelt: »Man braucht den Teufel nicht über die Tür zu malen, er kommt von selbst ins Haus«. Martin Luther (1483-1546) machte daraus die heute gebräuchliche Form.

Mal Hü, mal HottGestern noch gingen wir unbedingt nach einem bestimmten Plan vor, heute machen wir alles ganz anders, der so wichtige Plan ist längst vergessen: Die Wendung kommt von den mittelalterlichen Fuhrmännern. Das Gespann wurde damals nicht nur über die Zügel, sondern oft auch über die Kommandos »Hü« für links und »Hott« für rechts gelenkt. Heute wird »Hü« nur noch zum losfahren gebraucht, »Hott« gibt es gar nicht mehr.

Man gönnt sich ja sonst nichtsDer ursprüngliche Reklamespruch der Agentur Wilkens, mit dem Günther Strack (1929-99) in den 80er Jahren für »Malteserkreuz Aquavit« warb, ist zu einem geflügelten Wort geworden. Gemeint ist eigentlich das Gegenteil: Wir können uns jeden Luxus gönnen, müssen auf nichts verzichten. Schon der große irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900) sagte einst über die kleinen feinen Genüsse, die das Leben so lebenswert machen sollen: »Ich habe einen einfachen Geschmack, ich nehme immer nur das Beste«.

Man hat es oder hat es nicht...erklären wir unseren Neidern, wenn uns etwas gelungen ist, das andere nicht können - etwas, was man nicht erwerben kann, wofür man Begabung mitbringen muß. Der Satz findet sich in einem Gedicht des Schriftstellers Theodor Fontane (1819-98) über die Vergeblichkeit des Wollens, die Sinnlosigkeit allen Strebens. Glück erreicht man nur, wenn es einem vorbestimmt ist, Talent muß angeboren sein. Sehr zum Verdruß heutiger Motivationstrainer heißt es dort:

 »Nur als Furioso nichts erstreben
  Und fechten bis der Säbel bricht,
  Es muß sich Dir von selber geben -
  Man hat es oder hat es nicht.

  Der Weg zu jedem höchsten Glücke,
  Wär' das Gedräng auch noch so dicht,
  Ist keine Beresina-Brücke -
  Man hat es oder hat es nicht.

  Glaub' nicht, Du könnt'st es doch erklimmen,
  Und Woll'n sei höchste Kraft und Pflicht,
  Was ist, ist durch Vorherbestimmen, -
  Man hat es oder hat es nicht«.

Auch in seinem Roman »Cécile« läßt Fontane über die Heldin sagen: »Ein feines Gefühl läßt sich sowenig lernen wie ein echtes. Man hat es oder man hat es nicht!«

Man hat schon Pferde kotzen sehn ...und das vor der Apotheke! Wir wollen damit ausdrücken, daß »nichts unmöglich« ist, daß wir schon die unglaublichsten Dinge erlebt haben - eine gute Metapher für Unwahrscheinlichkeiten, weil Pferde nunmal partout nicht kotzen können: Die Tiere haben zwischen Magen und Speiseröhre einen Schließmuskel, der dafür sorgt, daß nichts, was einmal in den Magen gelangt ist, diesen (jedenfalls in dieser Richtung) wieder verläßt.

Man ist so alt, wie man sich fühlt...sagt das Sprichwort und tatsächlich kommt es weniger auf unser Geburtsdatum an, als vielmehr auf unsere Einstellung zum Leben und die körperliche und geistige Kondition. Allerdings treibt uns der alltägliche Jugendwahn auch dazu, daß sich rund zwei Drittel von uns teilweise erheblich jünger fühlen, als sie wirklich sind. Ausnahmen machen wir da - neben Kindern und Teenies, die sowieso immer »erwachsen« sein wollen - nur noch bei Krankheiten oder nach exzessiven Saufgelagen, die uns in der Tat oft recht »alt aussehen« lassen.

Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen...erklären wir, daß wir nicht zwei sich gegenseitig ausschließende Dinge gleichzeitig tun können. Ursprünglich war wohl ganz allgemein die »hohe Zeit« - eine Festzeit - gemeint. Im Laufe der Jahrhunderte verengte sich die Bedeutung auf die Vermählungsfeier: Man kann nicht (gleichzeitig) mehrere Ehen eingehen - ergo auch nicht entsprechende Feste feiern.

Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt...kommentieren wir ein allzu durchsichtiges Tun, in dem man klar persönliche Interessen erkennt. Das Zitat stammt aus dem Schauspiel »Torquato Tasso« von Johann W. von Goethe (1749-1832), das als Protagonisten den gleichnamigen Dichter des 16. Jahrhunderts in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Hier bemerkt der Titelheld zu der Prinzessin, als die ihn wegen seines Hanges zur Einsamkeit tadelt und ihm vorwirft, daß er Gräfin Leonore Sanvitale nie habe nähertreten wollen:

 »Ich habe Dir gehorcht, sonst hätt ich mich
  Von ihr entfernt, anstatt mich ihr zu nahen.
  So liebenswürdig sie erscheinen kann,
  Ich weiß nicht, wie es ist, konnt ich nur selten
  Mit ihr ganz offen sein, und wenn sie auch
  Die Absicht hat, den Freunden wohlzutun,
  So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt«.
  (1. Auftritt, 2. Aufzug)

Man schlägt den Sack und meint den Esel...wird manchmal jemand getadelt, obwohl eigentlich ein ganz anderer gemeint ist. Schon der römische Schriftsteller Titus Petronius (um 14-66) schrieb in seinem Roman »Satyricon«: »Qui asinum non potest, stratum cædit« - »Wer den Esel nicht kann, schlagt den Packsattel«. Auch der deutsche Dichter Friedrich von Schiller (1759-1805) läßt in seinem Drama »Kabale und Liebe« den Musikanten Miller sagen: »Auf den Sack schlägt man, den Esel meint man«.

Man sieht die Hand vor Augen nicht...ist sicher eine maßlose Übertreibung, wenn wir z.B. wegen starken Nebels oder Dunkelheit nichts richtig erkennen können - aber auch wenn eine völlige Finsternis eher selten vorkommt, können wir selbst bei besten Augen nur mit genügend Licht wirklich etwas sehen.

Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor man ihn erlegt hat...warnt das Sprichwort davor, einen voraussichtlichen Gewinn schon aufzuteilen, bevor man ihn tatsächlich in den Händen hält. Man soll nicht mit etwas angeben, was man noch gar nicht hat, bis zum Ende einer Sache abwarten, ehe man einen Erfolg verbucht - auch der Bär ist nicht dumm und könnte immernoch als Sieger aus der Jagd hervorgehen.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben...erfahren wir aus der Bibel: »Ne glorieris in crastinum ignorans quid superventura pariat dies« - »Rhüme dich nicht des morgendes tages. Denn du weissest nicht was heute sich begeben mag«. (Sprüche 27.1) Im späten 12. Jahrhundert taucht diese alte Volksweisheit auch in der »Hávamál«, dem Hohen Lied aus dem Alten Sittengedicht der »Lieder-Edda« auf: »Erst am Abend soll man den Tag loben«.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallenWenn sich die Gelegenheit zum Feiern ergibt, soll man sie auch nutzen. Eine Feier ist schließlich eine schöne Gelegenheit, Freunde zu sehen, ein paar schöne Stunden zu verbringen und ein Anlaß findet sich immer. Wenn nicht, muß man eben nachhelfen. Ursprung der Redensart ist die Posse »Graupenmüller« die der längst vergessene Berliner Lokalpoet Hermann Salingré (1833-79) anno 1865 schrieb: Der reiche Kolonialwarenhändler Gottlieb Müller, genannt Graupenmüller, streitet zusammen mit verschiedenen anderen Personen um das Erbe eines längst verstorbenen Müllers, das sich mittlerweile dank Zins und Zinseszins auf 32000 Taler beläuft. Der Aufruf zum Feiern wird mehrmals von dem einfältigen Diener Nusspicker zitiert, der eine fatale Vorliebe dafür hat, »alte Sprichwörter« unfreiwillig zu verfremden.

Man wird so alt wie eine Kuh und lernt doch immer noch dazu...pflegten unsere Großmütter gern zu sagen, wenn sie etwas noch nicht wußten und gerade erlernt hatten. Man lernt nie aus - egal wie jung oder alt man ist, gibt es jeden Tag irgendwelche neuen Erkenntnisse. Und natürlich wissen wir auch längst, daß die Lebenszeit eines Rindviehs in der renditeoptimierten Massentierhaltung eher übersichtlich ist - aber es reimt sich halt so schön...

MannDie Urbedeutung des ahdt. »man« (Mensch, Krieger), das wiederum vom viel älteren germanischen »manna«, dem indog. »manus« und »manú« kommt, ist heute erhalten in »jemand«, »niemand«, »man«. In alten Sprachen konnten auch Frauen gemeint sein, wie z.B. im englischen »woman«. Die Bezeichnung »Mann« als Gegensatz zu »Frau/Weib/Kind« finden wir u.a. in Wendungen wie »Manns genug sein«, »mit Mann und Maus«, »an den Mann bringen« oder »alle Mann an Bord«. Verwandt mit dem lat. »mannus«, dem germanischen Stammvater, Gott der Germanen, liegt die Ausgangsbedeutung möglicherweise auch im indog. »men« (denken, geistig erregt sein) oder auch »hervorragen, aufrecht gehendes Wesen« vom lat. »mons« - Berg.

Mannometer...sagen wir schonmal, wenn wir über etwas enttäuscht sind und Druck ablassen wollen. Dieses Wortspiel aus »Mannomann« lehnt an das »Manometer«, ein Druckmeßgerät für Flüssigkeiten an.

Manschetten haben...bedeutet, Angst, Furcht, Respekt vor etwas oder jemandem zu haben. Die Redensart ist wohl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in studentischen Kreisen entstanden: Die langen, überfallenden Manschetten am Hemdsärmel, die recht schnell verschmutzten, verhinderten auch weitestgehend den Gebrauch des Degens. Zog ein Mann sich so an, war klar, daß er einer Auseinandersetzung mit dem Degen wohl eher aus dem Wege gehen wollte.

MantelkinderSeit dem 13. Jahrhundert war es in Deutschland üblich, voreheliche oder adoptierte Kinder während des Trauungsaktes unter den Mantel oder auch den Schleier der Mutter treten zu lassen. Damit wurden sie symbolisch und rechtlich zu ehelichen Kindern.

Märchen aus 1001 NachtIn diesen unglaublichen Geschichten aus Persien, Arabien, Indien und Ägypten beschließt Sultan Schahriar, jede Nacht eine neue Frau zu heiraten, um sie bei Tagesanbruch töten zu lassen. Scheherezade willigt dennoch ein und ersinnt eine List: Sie erzählt ihrer Schwester in der Hochzeitsnacht eine der Geschichten so, daß der Sultan sie hören kann und hört auf, bevor die Geschichte zu ihrer Auflösung gelangt. Der Sultan läßt sie einen weiteren Tag leben, um das Ende der Geschichte zu hören. So verfährt sie Nacht um Nacht, bis nach 1001 Nächten der Sultan nachgibt und beschließt, Scheherezade am Leben zu lassen.

MarkDas alte germanische Wort für »Grenze, Zeichen, Land« bezeichnete zunächst die Art und Weise, wie eine Ländergrenze gekennzeichnet wurde (Pfähle, Steine, Bäume etc). Bis heute »markieren« wir etwas, setzen »Marken« oder »Marksteine«, benutzen »Textmarker«. Die »Mark« hat wohl auch eine enge Beziehung zum »Mal« (Zeichen, Fleck, Muttermal, Kainsmal). Die Benennung der Münze dürfte darauf zurückgehen, daß ein Gold- oder Silberstück mit einem bestimmten Gewicht vom jeweiligen Landesherrn mit einem Zeichen versehen wurde, wodurch es seinen Wert erhielt. Ihren Ursprung in der »Mark« hat auch die »Markise«, die einst das Zeltdach eines Offizierszeltes bezeichnete und die Abgrenzung zum gemeinen Soldaten signalisierte.

Marode seinIm Mittelalter zogen hinter dem kriegführenden Soldatenheer »Marodeure« her, zu schwach zum kämpfen, krank, verletzt, schmutzig - ein katastrophaler Haufen, der in Feld-Marodehäusern (Österreich ca. 1564) untergebracht wurde. Um ihr Essen mußten sie sich selbst kümmern - so plünderten sie auch noch die letzten Reste, die das Heer ihnen übriggelassen hatte. Weiterhin gab es im 30-jährigen Krieg (1618-48) einen General Merode. Sein Regiment soll so schlimm unter der Zivilbevölkerung gewütet haben, daß man bald alle Troß-Nachzügler »Merodebrüder« nannte.

MarotteDiese ungewöhnliche Eigenheit, die schlechte Angewohnheit, der Tick meint im Französischen eine kleine (Stab-)Puppe. Die Narren des Mittelalters hatten eine Art Zepter mit einem Puppenkopf, der oft dem seines Besitzers nachgebildet war. Mit dieser Marotte hielt er als Teil seiner Vorstellung oft Zwiegespräche.

Massel habenJemand kann machen, was er will - er hat immer Glück. Das Wort aus dem Jiddischen kam über das Rotwelsche zu uns. »Masal« bedeutet dort »Glück, Geschäftserfolg«, man wünscht sich dies gegenseitig mit »Masel tov«.

Matrosen am Mast...nennt der Volksmund die sexuell übertragbaren »Filzläuse« (Phthirus pubis), die einen starken Juckreiz vor allem in der Schambehaarung auslösen. Aus der christlichen Seefahrt wird berichtet, daß hartgesottene Matrosen einst in jedem Hafen eine (wohl zumeist käufliche) Geliebte gehabt haben sollen - bei der die fiesen kleinen Plagegeister natürlich auf jedem Landgang leicht akquiriert werden konnten. Ohne die entsprechenden Gegenmittel waren die »Sackratten« allerdings auch anhänglich wie ein Matrose, der sich, um bei Sturm nicht über Bord gespült zu werden, am Mast (diese bildliche Übertragung muß wohl nicht näher erläutert werden) festgebunden hatte.

Matthäi am letztenWenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist... - Der Spruch geht auf Martin Luther zurück: Er zitiert in seinem Katechismus aus dem Ende des Matthäus-Evangeliums: Da unser Herr Jesus Christus spricht Matthäus am letzten: »Euntes ergo docete omnes gentes baptizantes eos in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti docentes eos servare omnia quæcumque mandavi vobis et ecce ego vobiscum sum omnibus diebus usque ad consummationem sæculi« - »Darumb gehet hin, vnd leret alle Voelcker, vnd teuffet sie, im namen des Vaters, vnd des Sons, vnd des heiligen Geists, Vnd leret sie halten alles was ich euch befolhen habe. Vnd sihe, Jch bin bey euch alle tage, bis an der Welt ende«. (Matthäus 28.19f). Jesus sagt also diese Worte als Letztes.

MattscheibeDiese Bezeichnung für den Fernseher stammt aus den 1960er Jahren: Damals kauften sich viele Menschen ihren ersten Fernseher und waren von den teuren Flimmerkisten so fasziniert, daß sie sich selbst noch an der matten Scheibe des ausgeschalteten Gerätes erfreuen konnten.

Mätzchen machenBei einer eigentlich ernsten Sache beginnt plötzlich einer, Unsinn zu treiben: Die »Mätzchen« sind ursprünglich eine Koseform von »Matthes«, eigentlich »Matthias, Matthäus« - im Mittelalter ein weitverbreiteter bäuerlicher Vorname, mit dem ein armer, dummer Kerl assoziiert wurde.
Kleine Kinder nannte man später oft »Hosenmatz«, die Redensart meint also, sich wie ein unreifes Kleinkind benehmen.

Mauerblümchen...nennt der Volksmund nicht unbedingt immer nur das Zimbelkraut, eine Blume, die die fernab von anderen Artgenossen in Mauerritzen ihr karges Dasein fristet - eher meinen wir damit eine (meist weibliche) Person, die ihre Vorzüge nicht recht zum Ausdruck bringt oder anscheinend erst gar keine hat und deswegen ziemlich unauffällig wirkt und kaum beachtet wird.
Der Begriff kommt schon aus dem Mittelalter: Damals saßen die ledigen Damen nach dem Mahl auf Mauervorsprüngen - später auch auf einer Bank längs des Saales -, auf daß sie vielleicht zum Tanze aufgefordert würden. Natürlich blieb mitunter das eine oder andere Mädchen dort sitzen. Passierte dies aber gar zu oft, war sie ein »Mauerblümchen«.
Der Schriftsteller Friedrich Spielhagen (1829-1911) schrieb 1898 in seinem Roman »Faustulus«: »Erziehe aber eine Mutter ihre Tochter, wie es sich gehöre, und sie es vor Gott verantworten könne - da dürfe das gute Kind sicher sein, auf den Bällen als Mauerblümchen zu verkümmern«.
Eher scherzhaft nennen wir so auch einen Skatspieler, der »mauert«, sein Spiel also nicht ausreizt.

Maulaffen feilhalten...hat nichts mit dem Handel von Primaten zu tun, sondern mit der Hausbeleuchtung: Früher nutzte man Kienspäne, um sich die Stube zu erhellen. Die Tonklötzchen, die als Unterlage für diese Kienspäne dienten, wurden oft in Form eines Kopfes gefertigt, dessen verbreiterter Mund den Span hielt. Solche Spanhalter sind seit dem 13. Jahrhundert in Österreich als »Maulauf« nachweisbar. Später wurden sie aus Eisen hergestellt und hatten andere Formen, der Name aber blieb...
Andere meinen, es handele sich hier um eine Übertragung des plattdeutschen »dat Mul aben halten« (das Maul offenhalten) ins Hochdeutsche.

Maulsperre...haben wir umgangssprachlich, wenn wir vor Staunen oder Verblüffung sprachlos sind: Uns »fehlen die Worte«, wir wissen einfach nicht, was wir zu einer Sache sagen sollen. Ursprünglich kommt dieser Begriff vom »Trismus«, einem Krampf der Kaumuskulatur, in dessen Folge sich der Mund nicht oder nur unter starken Schmerzen leicht öffnen läßt.

Maurer-DekolletéMan muß es schon zugeben - der Anblick so manches gebückt arbeitenden Handwerkers, dem die Hose etwas arg ins Rutschen gekommen ist und dadurch südlich des »Arschgeweihs« Teile des Sitzfleisches preisgibt, erinnert frappierend an das, was uns an der Damenwelt doch eigentlich oft so sehr erfreut...

MauschelnMit jemandem etwas unter der Hand ausmachen, ohne daß andere etwas davon mitbekommen. Der hebräische Ausdruck »möscheln« bedeutet etwa »reden wie ein Jude«. Zugrunde liegt der Name »Mosche«, was von Moses kommt. Da die Juden im Mittelalter kein Land erwerben durften, waren viele gezwungen, unter mißtrauischer Beobachtung vom Handel zu leben. Handelten sie untereinander, sprach man schnell abfällig von »Mauschelei«.

Mäusekino...nannte der Volksmund ursprünglich die mit zahllosen LEDs quietschbunt beleuchteten und oft animierten Anzeigen in den Armaturenbrettern von Autos der 80er Jahre. Später nutzte man den Begriff auch für die noch recht kleinen PC-Bildschirme, heute eher für Filme auf Handy-Displays.

Mausetot...hat eigentlich nix mit den kleinen Nagern oder gar dem störanfälligen Computerzubehör zu tun - es gibt ganz einfach Wörter, bei denen keine Steigerung möglich ist.
Dieser Begriff verdankt seine Entstehung vermutlich einem Mißverständnis: Der Franzose sagt: »mort aussitôt«, wenn er ausdrücken will, daß jemand »auf der Stelle tot« ist. Deutsche haben das zu »mausetot« verballhornt. Einer anderen Deutung nach leitet das Wort aus dem hebräischen »Maut« (Tod) oder »maveth« (tot sein) ab und kam über das Jiddische in die deutsche Sprache. Denkbar wäre auch eine Herleitung vom lateinischen »musculus« (Mäuschen) - dem Muskel, oder vom niederdeutschen »musdod«, dessen Stamm »mursdod« oder »morsdod«. Das bedeutet »ganz tot«, das »Mus« ähnelte klanglich der »Maus«, der Volksmund erledigte wohl den Rest.

Mausig machenAufbegehren, vorwitzig oder angrifflustig sein konnte man unter dieser Redewendung schon seit dem 16. Jahrhundert. Sie bezieht sich aber nicht auf die Nagetiere, sondern auf die »Mauser«, den Gefiederwechsel bei Vögeln - manche Greifvögel sind nämlich nach der Mauser ganz besonders angriffslustig.

Mäzen...ist zu Ehren eines Freundes des Kaisers Augustus, des Gaius Cilnius Mæcenas (um 70-8 a.C,) geprägt worden. Mæcenas war reich und förderte viele Künstler.

MegäreMegaira, die »Neidische, Eifersüchtige« ist eine der drei Erinnyen, der Rachegöttinnen, alter, aber jungfräulicher Vetteln mit schlangenhaarigen Köpfen, in der griechischen Unterwelt Hades. Ähnlich wie die Furie (das römische Pendant) sind dies gräßliche Gestalten, die die Seelen der Verstorbenen quälen. Die Übertragung auf eine rasende, böse wütende Frau erklärt sich damit fast von selbst...

Mehr Angst als Vaterlandsliebe...hat heute scherzhaft jemand, der sehr ängstlich und furchtsam ist. Dieses alte Soldatenwort geht auf die Angst des Volkes vor seinem Herrscher zurück: In einer preußischen Militärinstruktion heißt es 1763: »Sollte der gemeine Mann raisonniren, so muß sogleich Standrecht über selbigen gehalten werden, weil dergleichen kurze Processe bei dem gemeinen Manne sehr viel Impression machen«. In Kriegszeiten wie auf dem Exerzierplatz stand der - zumeist zwangsweise in preußische Dienste gepreßte - Soldat permanent unter der Fuchtel. Dieser eingeschliffene Drill endete im Gefecht zwangsläufig im sturen Manövrieren nach Reglement ohne jegliche Eigeninitiative, sodaß in der Armee sprichwörtlich »mehr Angst als Vaterlandsliebe« herrschte.

Mehr Glück als Verstand...hat umgangssprachlich jemand, der ein unwahrscheinliches, außergewöhnliches Glück, einen unverdienten Erfolg: hat: Statt überlegt und vorsichtig vorzugehen, verläßt sich so mancher darauf, daß schon »nichts passieren« wird und oft genug ist ja alles »immer gutgegangen«. Je weniger Verstand jemand hat, desto mehr Glück wird er brauchen. Allerdings wußte schon der römische Satiriker Decimus Iunius Iuvenalis (58-140): »Rarus enim ferme sensus communis in illa fortuna« - »Gesunder Menschenverstand ist rar im Glück« (Satiræ VIII, 73). Schon viele, die plötzlich zu unverhofften Reichtum gelangten, hatten enorme Schwierigkeiten, damit vernünftig umzugehen.

Mehr Schulden als Haare auf dem Kopf...hat umgangssprachlich jemand, der wirklich sehr viele, unendlich viele Schulden hat - Schulden »wie Sand am Meer«: Der Mensch hat - ehe die Stirne immer höher wird - im Schnitt ca. 100.000 - 140.000 Haare auf dem Kopf. Die Schulden müßten also bildlich noch weit höher, quasi unzählbar sein. Diese Redensart hat ihren Ursprung in Psalm 40.13 des Alten Testaments, in dem König David seine zahlreichen Sünden mit der Anzahl der Haare auf seinem Haupt vergleicht: »Quoniam circumdederunt me mala, quorum non est numerus; comprehenderunt me iniquitates meæ, et non potui videre. Multiplicatæ sunt super capillos capitis mei, et cor meum dereliquit me« - »Denn es hat mich vmbgeben leiden on zal. Es haben mich meine Sünde ergriffen, das ich nicht sehen kann. Jr ist mehr denn har auff meinem Heubt Vnd mein hertz hat mich verlassen«.
In der Überlieferung sind wohl irgendwann aus den Sünden die Schulden, oder auch Sorgen und Probleme geworden.

Mehr sein als scheinenDiese Tugend - die Bescheidenheit - war schon in der Antike bekannt: Der römische Feldherr Cato Maior (234-149 a.C.) sprach von »esse quam videri« - sein statt scheinen. In unserer heutigen Gesellschaft hat sich dieses hehre Motto leider komplett ins Gegenteil verkehrt: Viele meinen, stets und ständig »Mehr scheinen als sein« - möglichst spektakulär auffallen - zu müssen, um ihr eigenes armseliges Dasein irgendwie zu rechtfertigen.

Mehrere Eisen im Feuer...hat jemand, der sich verschiedene Möglichkeiten offenhält, sich nicht von einer einzigen Chance abhängig macht. Auch diese Wendung kommt aus der Arbeitswelt der Schmiede: Wer mehrere Eisen zugleich im Feuer hat, spart Material, Energie und Zeit und kann sofort an einem zweiten Stück weiterarbeiten, falls eines zerbricht. Auch frühe Bügeleisen mußten gleich zu mehreren auf der Herdplatte erhitzt werden - war eines erkaltet, wurde mit dem nächsten weitergebügelt.

MehrwertSchöpfer dieses Begriffes ist Karl Marx (1818-83). In seiner kurzen Schrift »Lohn, Preis und Profit« sagt er im Jahre 1865: »Obgleich nur ein Teil des Tagewerks des Arbeiters aus bezahlter, der andere dagegen aus unbezahlter Arbeit besteht und gerade diese unbezahlte oder Mehrarbeit den Fonds konstituiert, woraus der Mehrwert oder Profit sich bildet, hat es den Anschein, als ob die ganze Arbeit aus bezahlter Arbeit bestünde«.

Meilenstein...nennen wir umgangssprachlich ein Ereignis mit besonderer Bedeutung, einen bemerkenswerten Entwicklungsschritt oder das Erreichen eines Zwischenziels in einem bestimmten Projekt. Meilen- oder Kilometersteine aus 1,50 Meter hohen Granitsäulen wurden schon von den alten Römern im Abstand von zehn Meilen am Rand von Verkehrswegen aufgestellt, um eine zurückgelegte Strecke genau ermitteln oder seine Position bestimmen zu können.

Mein lieber Freund und KupferstecherDer Dichter Friedrich Rückert (1788-1866) soll so seinen Freund, den Zeichner und Kupferstecher Carl Barth (1787-1853) angeredet haben: Kupferstecher übertrugen Gemälde oder Illustrationen auf Kupferplatten, um sie druckfähig zu machen, was hohe Ansprüche an ihre zeichnerischen und handwerklichen Begabungen stellte. Man mußte ihnen schon wie einem Freund vertrauen - hatten sie doch jederzeit die Gelegenheit, das Original zu veräußern oder eine nahezu unerschöpfliche Anzahl Kopien herzustellen. Mit dem Aufkommen des Papiergeldes brachten sie denn auch alle nötigen Voraussetzungen mit, um als Geldfälscher tätig zu werden.

Mein lieber Herr Gesangsverein...rufen wir aus, wenn wir verwundert, erstaunt oder verärgert sind, aber auch vor Anerkennung, Verblüffung, Überraschung oder um eine Aussage zu betonen. Sicher ist nur, daß die Wendung aus dem Vereinswesen des 19. Jahrhunderts entstanden sein muß. Gut möglich, daß hier eine Analogie zu Redensarten mit gleichem Beginn und Satzstruktur gebildet wurde, wie zu »Mein lieber Schwan« oder »Mein lieber Scholli«. Auch nicht auszuschließen, daß auf dieser Grundlage bewußt Nonsens formuliert wurde oder auch, daß es sich um eine »zensierte« Form eines alten Fluches, ähnlich wie »verflixt« statt »verflucht« oder »Scheibenkleister« statt »Scheiße« handeln könnte.

Mein lieber Kokoschinski...drückt man hauptsächlich im Ruhrgebiet sein Erstaunen, seine Überraschung aus - im positiven wie im negativen Sinn, bewundernd und anerkennend, aber auch warnend und drohend. Den Namen »Kokoschinski« gibt es nicht, Ursprung könnte hier eine Zusammenziehung der französischen Begriffe »Coq« (Hahn) und »Cochon« (Schwein) sein, die klischeehaft Eigenschaften der beiden Tiere zu einem ebenso eitlen wie auch schmutzigen Charakter vereinte. Die ruhrgebietstypische Endung geht jedenfalls auf den schon Ende des 19. Jahrhunderts dort herrschenden »Fachkräftemangel« zurück, der die Menschen scharenweise aus den polnisch oder masurisch sprechenden ländlichen Ostprovinzen Preußens in die rasant wachsenden Städte zog.

Mein lieber ScholliDer Österreicher Ferdinand Joly (1765-1823), den man seinerzeit den »ausgejagten Studenten von Salzburg« nannte, da er 1783 von der Salzburger Universität verwiesen worden war, soll ein recht unstetes Vagantenleben geführt und manch Eigenheit kultiviert haben. Der Dichter volkstümlicher Stücke und Lieder war zu Lebzeiten kein Unbekannter, die wenigen erhaltenen Spiele, einige saftige »Predigten« und kuriose Gedankensplitter zeugen von einer höchst eigenwüchsigen Begabung. Eine andere Deutung: In der Zeit, als Franzosen in Hamburg waren, stand »Mein lieber Scholli« für »ma chère jolie« (meine liebe Schöne).

Mein lieber Schwan...rufen wir manchmal aus, wenn wir über etwas besonders verwundert oder erstaunt sind.
Der Spruch hat seinen Ursprung in Richard Wagners (1813-83) romantischer Oper »Lohengrin«. Im ersten Aufzug (3. Szene) bedankt sich der Titelheld in seiner berühmten Arie auf einem Nachen, der von einem Schwan gezogen wird, mit den Worten:

  Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!
  Zieh durch die weite Flut zurück,
  dahin, woher mich trug Dein Kahn,
  kehr wieder nur zu unsrem Glück!
  Drum sei getreu Dein Dienst getan!
  Leb wohl, leb wohl, mein lieber Schwan!

Als sich der Schwan danach in einen Menschen verwandelt, ist das Staunen perfekt...

Mein Name ist Hase...behaupten wir gelegentlich, keine Kenntnis, keine Ahnung von etwas zu haben.
In Heidelberg hat es Mitte des 19. Jahrhunderts einen Studiosus namens Karl Victor von Hase (1834-60) gegeben. Ein Kommilitone bat ihn der Legende nach, seinen Studentenausweis zu »verlieren«: Er wolle ihn »finden«, da er im Duell seinen Gegner erschossen hatte und sofort außer Landes müsse. 1854/55 vor dem Universitätsgericht der Fluchthilfe angeklagt, sprach Hase zu Beginn der Gerichtsverhandlung gelassen die bekannten Worte aus: »Mein Name ist Hase, ich verneine alle Generalfragen, ich weiß von nichts«.

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen...meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen? Im Ursprungs-Zitat aus Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) »Faust - Der Tragödie erster Teil« bietet der Protagonist dem grad von der Beichte kommenden Gretchen galant seine Begleitung an. Das einfache Mädchen versteht jedoch nicht, daß er sie nach allen Regeln der Kunst becircen will und weist ihn scheu und bescheiden zurück: »Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn. (2605)
Selbst heute noch zeigt mancher mit diesem Spruch scherzhaft-freundlich sein Interesse an der Auserwählten - leider meist mit eher wenig Erfolg...

Meine bessere Hälfte...nennt manch Ehemann seine Angetraute nach der berühmten Bibelstelle aus Genesis 2.24: »Quam ob rem relinquet homo patrem suum et matrem et adherebit uxori suæ et erunt duo in carne una«. - »Darumb wird ein Man seinen Vater vnd seine Mutter verlassen vnd an seinem Weibe hangen vnd sie werden sein ein Fleisch«.
Laut dem Philosophen Platon (428-347 a.C.) gab es einst gar drei menschliche Geschlechter: Das männliche stammte von der Sonne ab, das weibliche von der Erde, ein zusammengesetztes aus beiden vom Mond. Diese »Kugelmenschen« mit je vier Händen und Füßen und zwei Gesichtern wurden den Göttern gefährlich, sodaß Göttervater Zeus jeden von ihnen in zwei Hälften teilte. Seither sehnen sie sich danach, sich mit dem jeweils anderen Teil wieder zu vereinen: »Der Grund hiervon nämlich liegt darin, daß dies unsere ursprüngliche Naturbeschaffenheit ist, und daß wir einst ungeteilte Ganze waren. Und so führt die Begierde und das Streben nach dem Ganzen den Namen Liebe. Und vor Zeiten, wie gesagt, waren wir eins; nun aber sind wir um unserer Ungerechtigkeit willen getrennt worden von dem Gott... (Symposion, 192e-193a)
Wörtlich kommt der Ausdruck zuerst in der Romanze »The Countess of Pembroke's Arcadia« des englischen Schriftstellers Sir Philip Sydney (1554-86) vor, auch der englische Dichter John Milton (1608-74) läßt 1667 in seinem Epos »Paradise Lost« biblischen Adam über Eva von seiner »dearer half«, seiner teureren Hälfte reden.

Meine Hand für mein Produkt...lautete nach dem V. Parteitag der SED 1958 eine DDR-Parole zur Hebung der Arbeitsmoral und Schaffung von Arbeiterstolz. Es gab zahllose solche Kampagnen, in denen jeweils eine bestimmte Arbeitsmethode zur alleinseligmachenden erkoren und bald stillschweigend ersetzt wurde. Mancher, der die Losung allzu wörtlich nahm, stellte flugs einen Zusammenhang zum SED-Parteiabzeichen her - waren doch darauf zwei »abgehackte Hände« (eigentlich der Händedruck von Wilhelm Pieck (1876-1960) und Otto Grotewohl (1894-1964) anläßlich der »Verbrüderung« von KPD und SPD zur SED am 22. April 1946) zu sehen.

MenetekelAls König Belsazar im biblischen Buch Daniel feiert, »In eadem hora apparuerunt digiti manus hominis et scripserunt contra candelabrum in superficie parietis palatii regis; et rex aspiciebat articulos manus scribentis«. - »Eben zur selbigen stunde giengen erfur Finger, als einer Menschen hand, die schrieben gegen dem Leuchter vber auff die getünchte wand in dem königlichen Saal vnd der König ward gewar der Hand die da schreib«. (Daniel 5.5) erscheinen vier magische Wörter: »Hæc est autem scriptura quæ digesta est Mane Thecel Phares« - »Das ist aber die Schrifft alda verzeichent: Mene, Mene, Tekel, Vpharsin«. (Daniel 5.25) Die wörtliche Übersetzung aus dem Aramäischen ist unklar, vermutlich handelt es sich um persische Münzen. Daniel dagegen interpretiert das Orakel mithilfe ähnlich klingender aramäischer Verben (»gezählt, gewogen und geteilt«): »Et hæc est interpretatio sermonis Mane numeravit Deus regnum tuum et complevit illud. Thecel appensus es in statera et inventus es minus habens. Phares divisum est regnum tuum et datum est Medis et Persis«. - »Vnd sie bedeutet dis: Mene, das ist Gott hat dein Königreich gezelet vnd volendet. Tekel das ist: Man hat dich in einer wage gewogen vnd zu leicht funden. Peres das ist: dein Königreich ist zuteilet vnd den Meden vnd Persen gegeben«. (5.26ff) Damit war der Untergang Babylons bestimmt, die Erlösung für die Juden, die unter den Persern nach Israel zurückkehren durften. Noch heute heißt nach dieser Geschichte ein bedrohliches Zeichen ein Menetekel. Auch Heinrich Heine (1797-1856) hat die Geschichte in seinem Gedicht »Belsazar« nacherzählt:

 ...Und sieh! Und sieh! An weißer Wand,
  Da kam's hervor, wie Menschenhand
  Und schreib, und schrieb an weißer Wand
  Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand...

Menkenke...machen manchmal Leute, die völlig unnötiges Theater, Durcheinander, Verwirrung stiften. Der Begriff geht wohl auf eine Wortspielerei mit »mengen« - (verschiedene Stoffe vermischen) zurück.

MeschuggeAus der Gaunersprache ging dieses Wort für »verrückt« wohl in die Umgangssprache ein: In der hebräischen Ursprungsform bedeutet »mesuga« »hin und her schwanken, irren«.

Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nichtWer kennt nicht diesen Satz, mit dem unsere Mütter und Großmütter uns einst von den Gefahren des Alltags abzuhalten versuchten? Solche Verbote mögen manchem furchtbar altmodisch erscheinen - und sind doch ewig aktuell. Jedes Verbot erhöht die Verlockung, die Folgen des heimlichen Spiels sind für Kinder jedoch meist unabsehbar und oft verheerend.
Schon der Komponist, Volkskundler und Heimatschriftsteller Johann Lewalter (1862-1935) erklärt über den Spruch »Messer, Gabel, Schere, Licht dürfen kleine Kinder nicht«: »Dieser Reim wird gesagt, um das Kind vor gefährlichen Gegenständen zu warnen« (mündlich aus Kassel um 1911, №.: 62 - dort unter »Zuchtreime«).

MetzgerpostenIm Mittelalter und noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden Nachrichten und Briefe auch durch Metzger (Fleischer) transportiert, die mitunter sehr ausgedehnte Einkaufsfahrten machten. Deshalb schlossen Kaufleute und Städte Beförderungsverträge mit ihnen, in Süddeutschland gab es gar eine regelrechte Verpflichtung zum Posttransport für die reisenden Metzger, die dafür Ermäßigungen bei den Gemeindeabgaben etc. erhielten. Johann Friedrich von Württemberg erließ um 1600 noch eine besondere »Post- und Metzgerordnung«. Die Metzgerposten verschwanden erst mit der flächendeckenden Einführung der Reichspost.

Mich laust der AffeDiesen Ausdruck der Verblüffung verdanken wir umherziehenden Schaustellern: Die hatten früher oft einen Affen dabei, der während der Vorstellung im Publikum umhersprang und die Leute zum Lachen brachte, indem er sie nach »Läusen« absuchte. Der Betroffene war erschrocken und peinlich berührt, weil nun alle glaubten, daß der Affe Ungeziefer entdeckt habe. Eigentlich ist der Spruch unsinnig, da sich Affen nicht gegenseitig nach Läusen, sondern nach (salzigen) alten Hautschuppen absuchen.

Mich wundert, daß ich so fröhlich binSo hieß der erste Roman des österreichischen Schriftstellers Johannes Mario Simmel (1924-2009). Urheber ist er allerdings nicht, denn der Ausspruch stammt bereits aus dem 15. Jahrhundert, als Martinus von Biberach († 1498) den Vers verfaßte:

  Ich bin und waiss nit wer.
  Ich komm' und waiss nit woher.
  Ich geh', ich waiss nit wohin.

  Ich leb, und waiss nit, wie lang.
  Ich stirb, und waiss nit, wann.
  Ich far, und waiss nit, wohin.
  Mich wundert, daß ich so fröhlich bin.

  Wenn ich wüßte, wer ich bin.
  Wenn ich ging und wüßte wohin.
  Wenn ich käm und wüßte woher.
  Ob ich dann wohl traurig wär?

Miesepeter...sind stets unzufriedene, schlechtgelaunte, fiese und charakterlose Nörgler und Pessimisten. Das Wort kommt vom jiddischen »miess«, aramäisch »me-iss« = widerlich, sowie vom hebräischen »ma-ass« = verachten oder »miuss« = Ekel.

Milchbart...nennen wir oft jemanden, der noch sehr jung ist oder wenigstens so aussieht, der unreif oder unerfahren wirkt und seinen Aufgaben wohl noch nicht ganz gewachsen ist. Die Bezeichnung spielt auf die Überreste von Milchgetränken an, die auf der Oberlippe die Form eines schmalen Bartes bilden und von Kindern oft nicht abgewischt werden. Thomas Mann (1875-1955) verwendete den Ausdruck im Eingangskapitel seines Romans »Königliche Hoheit«: »Der Leutnant ist blutjung, ein Milchbart, ein halbes Kind«.

MilchmädchenrechnungDiese Rechnung wird zum ersten Mal in Jean de la Fontaines (1621-95) Fabel »La Laitière et le Pot au Lait« (Das Milchmädchen und der Milchtopf) aufgemacht: Die Magd Perrette geht eines Morgens vom heimischen Hof in die nahe Stadt, um einen Topf Milch auf dem Markt zu verkaufen. Dabei kommt sie ins Träumen - was man alles mit dem Erlös kaufen könnte! Sie plant, Hühner zu züchten und deren Eier ebenfalls zu verkaufen. Wofür man den Erlös wiederum ausgeben könnte! Dies könnte ihr ermöglichen, ein Schwein und später gar eine Kuh zu erwerben.Wie das Geld dabei immer mehr wird! Dieser eigentlich logische Plan wird allerdings jäh zunichtegemacht: Perrette ist so glücklich über ihren künftigen Reichtum, daß sie vor lauter Freude über ihre Pläne ins Stolpern gerät und die Milch verschüttet - das Ende ihrer Investitionstheorie...

Mir fällt ein Stein vom HerzenWeil die Menschen des Mittelalters kaum medizinische Kenntnisse hatten, waren sie überzeugt, die Ursachen ihrer Gebrechen würden durch seelische Nöte hervorgerufen. Es schien ihnen, als läge ein schwerer Stein auf ihren Herzen. Wurden sie von ihren Schmerzen und ihrem Kummer befreit, fiel ihnen ein »Stein vom Herzen«...

Mir geht ein Licht aufWir wälzen lange ein Problem hin und her - bis uns plötzlich die Lösung dafür einfällt. Verschiedene Bibelstellen sprechen davon, gemeint ist hier das Licht Gottes, die Erleuchtung des menschlichen Geistes durch den Glauben. So heißt es beispielsweise im Alten Testament, Psalm 97.11: »Lux orta est iusto,et rectis corde lætitia«. - »Dem Gerechten mus das Liecht jmer wider auffgehen vnd freude den Fromen hertzen«. Heute geht uns gelegentlich gar ein »Kronleuchter« auf, wenn wir etwas endlich verstanden haben, was lange unklar war.

Mir raucht der Kopf...sagen wir gelegentlich, wenn wir angestrengt über etwas nachdenken müssen oder uns »die Köpfe heiß reden«, lange diskutieren: Dann steigt die Körpertemperatur an und wir bekommen einen roten Kopf. Zwar »qualmen« wir nicht wirklich, aber weil die Temperatur genauso ansteigt, sagt man - wie bei anderen heißen Dingen auch - daß »der Kopf raucht«.

Mir reißt der GeduldsfadenWir sind mit einer kniffligen Sache befaßt, die uns höchste Konzentration, Genauigkeit und Geduld abverlangt, aber es geht nicht recht voran und wir spüren, daß uns bald der »Geduldsfaden reißt«. Dieses bildhafte Synonym für »Ausdauer« kommt wohl aus der Textilherstellung: Es gehört viel Geduld und Fingerfertigkeit dazu, einen möglichst langen, gleichmäßigen Faden zu spinnen. Klappt es nicht, kann einem schonmal der »Geduldsfaden reißen«. Auch der Faden, der beim Weben zum Zerreißen gespannt ist, wäre eine Erklärung. Manchmal ist auch der »Geduldsfaden abgelaufen«, der von einer Spule abgewickelt wird, bis diese leer ist. So heißt es in den »Forderungen der Vorstadt St. Georg und die Reaktion des Grundeigentümer-Vereins« Ende Mai 1848: »Des Volkes Langmut ist groß, ist aber der Geduldsfaden abgelaufen, so wird der Sanftmütigste selbst zum Tiger«. Bereits Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) verwendet die Redensart anno 1811 in seiner Biographie »Dichtung und Wahrheit«, auch das »Deutsche Wörterbuch« der Gebrüder Grimm verweist auf den Gebrauch bei Goethe und Brentano. Das Maß des Geduldsfadens ist hier die Dicke, Stärke bzw. Unempfindlichkeit. Nicht selten hängt dabei die Geduld an einem seidenen Faden, der besonders leicht reißt...

Mir schwant etwasBereits im »Ravensberger Idiotikon« von 1790 heißt es: »et schwanet mi« (ich ahne es). Der »Schwan« spielt bei dieser Floskel durchaus eine Rolle: Es handelt sich hier vermutlich um das lateinische »olet mihi« - »es ahnt mir«, dem das ähnlich klingende »olor« - »Schwan« hinzugefügt wurde. Selbst in der deutschen Übersetzung ergab sich so ein Gleichklang. Andere Deutungen sehen den Ursprung in der Kriegsflotte der Nordländer: Traf sie einst auf die Hanseatische und zog über dieser ein Keil Schwäne auf, wurde das als böses Omen angesehen. Eine weitere Variante: Nach dem Glauben unserer Vorfahren sollten sich Jungfrauen in Schwäne verwandeln und in dieser Gestalt die Zukunft voraussagen können. Auch in der griechischen Mythologie verlieh der Gott Apollon den Schwänen prophetische Gaben. So machte der Volksmund aus einer einfachen Ahnung einen nachgerade mystischen Vorgang. Weil dabei meist nicht viel Gutes herauskam, nahm das Wort »schwanen« einen pessimistischen Sinn an.

Mir schwillt der Kamm...sagen wir, wenn wir aufgeregt oder wütend sind. Die Redensart geht auf den Hahn zurück: Wird er gereizt, füllt sich sein »Kamm«, der obere Kopflappen, mit Blut, wird dunkelrot und richtet sich auf. Ganz ähnlich spannt und rötet sich auch bei einem wütenden Menschen die Kopfhaut.

Mir und mich verwechsel ick nich...det kommt bei mich nich vor. Ick hab 'nen kleenen Mann im Ohr, der sagt mich allet vor. Mit dieser scherzhaften Redensart karikiert die sprichwörtliche »Berliner Schnauze«, daß man Dativ und Akkusativ nicht nach Gutdünken verwechselt und verwendet. Solche Merksätze und Reime helfen aber auch in anderen Regionen, geltende Rechtschreib- und Grammatikregeln zu beachten.

Mischpoke...nennen wir heute salopp unsere »bucklige Verwandtschaft«, auch eine bestimmte Gesellschaft, Bande oder Gruppe. Der österreichische Aphoristiker Karl Kraus (1874-1936) meinte anno 1909 in »Sprüche und Widersprüche«: »Das Wort ›Familienbande‹ hat einen Beigeschmack von Wahrheit«. Die »Mischpoke« geht auf das ursprünglich noch wertneutral gebrauchte hebräische »mispahä« (Stamm, Genossenschaft), über das jiddische »mischpocho« (Großfamilie, Verwandtschaft), sowie das rotwelsche »mishpokhe« zurück, hat im Deutschen aber oft auch eine pejorative Konnotation.

Mit Ach und Krach...schaffen wir etwas mit großer Mühe, gerade noch eben so, mit knapper Not. Der lautmalerische Doppelbegriff aus dem 16. Jahrhundert beschreibt das Ächzen und Krächzen eines Menschen unter großer körperlicher Anstrengung und fand 18./19. Jahrhundert Eingang in die Studentensprache.
Es gibt auch noch viele andere solche reimgebundenen Zwillingsformeln wie »Sang- und Klanglos, auf Schritt und Tritt, in Saus und Braus, mit Sack und Pack« oder auch alliterierende Paarformeln, bei denen Wörter mit dem gleichen Buchstaben beginnen wie »mit Stumpf und Stiel, mit Mann und Maus, mit Kind und Kegel, mit Schimpf und Schande, bei Wind und Wetter«.

Mit allem Pipapo...sagen wir oft und meinen »mit allem, was dazugehört« oder »mit allem drum und dran«, wenn wir nicht alle Details einzeln aufzählen möchten. Der Ausdruck wurde wohl schon vor dem 19. Jahrhundert vom Volksmund aus dem lateinischen »etc. p.p«. (et cetera - und so weiter; perge, perge - fahre fort, fahre fort; sinngemäß »und so weiter, und so fort«) abgeleitet.
Ebenfalls möglich wäre ein Ursprung in »præmissis præmittendis« (nach Vorausschickung des Vorauszuschickenden), was als Platzhalter für die Aufzählung einzelner Titel steht. Gelegentlich wird auch ein Zusammenhang mit »Pofel« oder »Bafel« (schlechte Ware, wertloses Geschwätz) vermutet.

Mit allen Hunden gehetztSehr gewieft oder schlau, mit allen Wassern gewaschen: Wild, das einmal eine Hetzjagd überlebt hat und so über die entsprechende Erfahrung verfügt, entkommt mit der im Laufe des Lebens erworbenen List vielen weiteren Gefahren.

Mit allen Schikanen...geht ursprünglich auf das französische »chicaner« zurück - jemanden »mit Kleinigkeiten plagen« oder »gerichtlich belangen«. In Deutschland meinte man damit anfangs »das Recht verdrehen«, und zwar mit allen Tricks und Raffinesse.

Mit allen Wassern gewaschen...sind Menschen, die sehr gewitzt, durchtrieben und abgebrüht sind: »Alle Wasser« meint dabei die 7 Weltmeere, welche die Seemänner auf ihren Schiffen überquerten. Das Leben eines Seefahrers galt als spektakulär, durften sie doch immer neue Länder, Kulturen und Schätze entdecken. Dabei lernten sie, sich in einer fremden Welt zu behaupten - sie waren eben »mit allen Wassern der Welt« gewaschen.

Mit anderen Augen sehen...wir etwas, wozu wir eine neue Einstellung bekommen, worüber wir die eigene Meinung ändern. Ein Fortschritt oder eine Verbesserung verwundert uns zunächst und läßt uns dann einen anderen Menschen oder eine Sache mit einer ganz anderen Sichtweise - anderen »Augen« - betrachten und ganz neu bewerten.

Mit Argusaugen beobachtenDieser Ausdruck für »scharf bewachen« geht zurück auf den Hirten Argos Panoptes (der Allessehende), eine wilde Gestalt der griechischen Mythologie, die am ganzen Körper Augen hatte. Während immer ein Teil seiner 100 Augen schlief, wachte der Rest gleichzeitig in alle Richtungen. Als Zeus-Gemahlin Hera erfuhr, daß ihr Göttergatte ein Verhältnis mit der schönen Io hatte, verwandelte sie diese kurzerhand in eine Kuh. Zeus schickte den Götterboten Hermes zu Argos, auf daß er Io befreie. Jener schläferte den wachsamen Hirten mit seinem Flötenspiel ein und tötete ihn, sodaß Io fliehen konnte. Göttermutter Hera, ob dieses Vorfalls höchst betrübt, wollte den treuen Riesen unsterblich machen, nahm die vielen schönen Augen des Argus an sich und setzte sie in das Federkleid eines Pfaus ein.

Mit dem falschen/linken Fuß aufstehenAm frühen Morgen schlechtgelaunt zu sein, war schon den alten Römern nicht fremd - sie nannten es »sinistro pede profectus« (das linke Bein nutzen). »Links« ist hier aber nicht als Gegensatz zu »Rechts«, sondern als »ungünstig, böse, falsch« zu verstehen, ein schlechtes Omen, wenn man nicht mit dem gewohnten, sondern dem anderen Bein aufsteht. Der Grund: Die meisten Menschen sind Rechtshänder, ihre rechte Hand ist stärker und geschickter als die linke, Linkshändigkeit deutete gar auf Geisteskrankheit und kriminelle Neigung hin. Ein weiterer Aspekt: Als es noch üblich war, nächtliche »Geschäfte« in einem Gefäß zu erledigen, das in Bettnähe abgestellt wurde, war man garantiert »mit dem falschen Fuß« aufgestanden, wenn man versehentlich in selbiges trat oder es gar umstieß...

Mit dem Hut in der Hand kommt man gut durchs ganze Land...lernten früher die Kinder, was Höflichkeit ist. Das Sprichwort hat beileibe nichts damit zu tun, daß ein freundlicher Clochard in einem pittoresken Bahnhofsmilieu mit dem Hut herumginge, ein paar Pfennige für die nächste Reise einzusammeln, sondern bezieht sich vielmehr auf die alte Tradition, zum Gruße die Kopfbedeckung zu lupfen. Auch wenn Hüte heutzutage eher selten zu sehen sind: Höflichkeit hilft noch immer weiter.

Mit dem Klammerbeutel gepudertDieser relativ neue Ausdruck aus dem 20. Jahrhundert bezieht sich wohl auf die Vorstellung, das jemand, der statt mit einer Puderquaste mit einem Klammerbeutel »gepudert« wird, durch die Schläge auf seinen Kopf einen »Dachschaden« davonträgt.

Mit dem Kopf durch die Wand...gehen wir redensartlich, wenn wir uns um jeden Preis durchsetzen wollen, unnachgiebig und kompromißlos ein Problem unbedingt dadurch lösen wollen, daß wir dagegen anrennen, ohne lang darüber nachzudenken, daß diese Lösung uns selbst schaden wird. Wir sind unglaublich stur auf die einzig möglich erscheinende Lösung fixiert, auch wenn diese sich als nicht praktikabel erweist. Die Redenart ist seit dem Mittelalter bekannt, schon der niederländische Maler Pieter Bruegel d. Ä. hat sie 1559 in seinem Gemälde »Die niederländischen Sprichwörter« (unten links) abgebildet. Auch bei Martin Luther (1483-1546) heißt es: »Der Pöbel wil solch freiheit mit der faust ausrichten und mit dem Kopf hindurch« (Werke 1585, II, 80a.).


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Mit dem Rücken zur Wand...stehen bildlich Menschen, die in großer Bedrängnis, in einer Notlage sind: Man ist auf verlorenem Posten, in einer (fast) ausweglosen Situation, aus der man nicht weiter zurückweichen kann und muß sich der Situation fügen, auf ein schlechtes Angebot eingehen - ob man will oder nicht. Die Wendung geht davon aus, daß man einst tatsächlich versuchte, einen Gegner gegen die Wand oder in eine Ecke zu treiben, um ihm dadurch die Bewegungsfreiheit und etwaige Fluchtmöglichkeiten zu nehmen. Auch die Form »jemanden an die Wand stellen« für die standrechtliche Erschießung steht für eine äußerst schwierige Lage, aus der es wohl kein Entrinnen gibt.

Mit dem Schicksal hadernWir sind mit der Gesamtsituation unzufrieden und klagen dies lauthals heraus: »Hadern« ist ein altes deutsches Wort für »zanken« oder »murren«. Hadern wir mit dem Schicksal, steht dahinter die alte heidnische Vorstellung, daß alles in der Welt von den Schicksalsgöttern vorherbestimmt sei. Vielleicht ändern sie ja doch noch was, wenn wir uns nur recht ordentlich beschweren...

Mit den eigenen Waffen schlagen...wir jemanden, indem wir die Strategie des Gegners ausnutzen, ihn überlisten, mit den gleichen Waffen oder Tricks bekämpfen, die er selbst anwendet: In einer Zeit, da es noch keine Feuerwaffen gab und der Spieß oder die Lanze die wichtigsten Waffen waren, entriß man seinem Feind schonmal denselben, drehte ihn kurzerhand um und richtete seine eigene Waffe gegen ihn. Auf ganz ähnliche Art und Weise wird heute eine verbale oder sonstige Attacke zurückgegeben.

Mit den großen Hunden pinkeln wollen...aber das Bein nicht hochkriegen: Mit Höherstehenden mitmischen wollen, ohne über die dafür notwendigen Voraussetzungen zu verfügen. Rüden heben zum Pinkeln demonstrativ ein Bein.

Mit den Hühnern schlafengehen...sprichwörtlich Leute, die sehr früh ins Bett gehen und - in einer Abwandlung dieser Wendung - auch wieder aufstehen. Wer unsere Eierlieferanten kennt, weiß, daß sie sich meist lange vor Einbruch der Dämmerung auf ihre Stange zurückziehen und bei Sonnenaufgang schon wieder putzmunter sind. Auch für uns wäre es besser, früh aufzustehen und beizeiten Feierabend. zu machen, statt die Arbeitzeit unnötig bis in die Nacht zu verlängern.

Mit den Säbeln rasseln...wir gelegentlich, um jemandem Angst einzuflößen, zu drohen: Die Wendung wird ursprünglich militärisch gebraucht - man führte kriegerische Reden, um das Gegenüber zu beeindrucken und für eigene Vorschläge zu öffnen, ohne es mit dem Angriff allzu ernst zu meinen.

Mit den Wölfen heulen...umgangssprachlich Opportunisten, die die Gesetze des Rudels verstehen, um des vermeintlichen Vorteils willen, oder um Nachteile zu vermeiden, sich immer der Mehrheit anschließen und wenn nötig etwas eher Verwerfliches tun. Diese schon bei den alten Römern bekannte Redewendung geht natürlich auf die Wölfe zurück, die mit ihrem Geheul u.a. ihr Revier behaupten und das Rudel zusammenhalten. Ein einmal ausgestoßener, einsamer Wolf bekommt von anderen Rudeln keine Antwort, ist nun alleingelassen und einsam - genauso, wie wir, wenn wir uns nicht anpassen...

Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens...sagt Talbot, der im Sterben liegende Feldherr der Engländer aus Johann Christoph Friedrich von Schillers (1759-1805) Drama »Die Jungfrau von Orléans«, das am 11. September 1801 in Leipzig uraufgeführt wurde, im 3. Akt, 6. Auftritt zu Lionel angesichts der verheerenden Niederlage, die die Engländer durch das französische Heer unter der Führung der Jungfrau von Orléans erlitten haben. Das Zitat - auch in der Form »Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens« - drückt aus, daß man gegen Dummheit nicht ankommen kann:

 »Unsinn, Du siegst, und ich muß untergehn!
  Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.
  Erhabene Vernunft, lichthelle Tochter
  Des göttlichen Hauptes, weise Gründerin
  Des Weltgebäudes, Führerin der Sterne,
  Wer bist Du denn, wenn du, dem tollen Roß
  Des Aberwitzes an den Schweif gebunden,
  Ohnmächtig rufend, mit dem Trunkenen
  Dich sehend in den Abgrund stürzen mußt!
  Verflucht sei, wer sein Leben an das Große
  Und Würd'ge wendet und bedachte Plane
  Mit weisem Geist entwirft! Dem Narrenkönig
  Gehört die Welt«.

Mit der Muttermilch aufgesogen...haben wir manche Fertigkeiten oder Verhaltensweisen, die wir uns schon vor geraumer Zeit angeeignet haben. Das wäre natürlich ein physiologisches Wunder und ist wie so oft übertragen zu verstehen: Das sprachliche Bild besagt einfach, daß man etwas schon sehr lange tut - so, als hätte man sich schon als Baby daran gewöhnt.

Mit der Tür ins Haus fallen...wir umgangssprachlich, wenn wir ohne Vorrede sagen, was zu sagen ist, jemanden überrumpeln, auf ungeschickte Weise gleich zur Sache kommen, ein Anliegen direkt aussprechen. Bildlich ganz so, als ob wir überaus stürmisch ein fremdes Haus betreten, ohne dem Besitzer per vorherigem Anklopfen oder Klingeln ein paar Sekunden Zeit zu geben, sich auf unsere Ankunft vorzubereiten.

Mit der Wurst nach der Speckseite werfen...Leute, die versuchen, durch ein kleines Geschenk ein größeres zu erhalten oder den Verlust eines Objekts riskieren, um dadurch etwas noch Wertvolleres zu erlangen.
Kaum jemand ahnt auch nur, was man in einer Wurst alles verarbeiten kann: Man kocht halt übriggebliebene Reststücke mit ein paar Knorpeln, viel Salz und Gewürzen auf, stopft das Ganze in einen Schweinsdarm und verkauft es an Leute, die sich »richtiges« Fleisch niemals leisten könnten. Kein Vergleich mit dem Schinken - man hat also mit wenig Einsatz viel erreicht.
Diese alte Redewendung findet sich erstmals schon bei dem mittelhochdeutschen Dichter Konrad von Würzburg (1230-87), das »Deutsche Wörterbuch« der Gebrüder Grimm »geht wol von der vorstellung aus, dasz die wurst nach der im rauchfange, in der rauchkammer hangenden speckseite geworfen wird, damit diese herabfalle«.

Mit derselben Elle messenGenauso wie jeden anderen behandeln: Die »Elle« als Naturmaß konnte zwischen etwa 60 - 80 Zentimeter lang sein, als Grundlage diente die Länge eines Unterarms. Um dennoch »mit gleicher Elle« messen zu können, wurden in vielen Rathäusern Mustermaße ausgestellt, die dann jeweils für die Region galten.

Mit Dir kann man Pferde stehlen...sagen wir zu einem wirklich guten Freund, dem wir 100% vertrauen, auf den immer Verlaß ist und mit dem man auch einmal etwas Außergewöhnliches, Heikles oder Verrücktes machen kann: Diese Redewendung kommt aus einer Zeit, da Pferde noch sehr wertvolle und dementsprechend gut bewachte Arbeitstiere waren. Ein Pferdedieb mußte damals mutig und vor allem zuverlässig sein, wollte er nicht äußerst hart, mitunter sogar mit dem Tode, bestraft werden.

Mit einem Bein im Kittchen...steht jemand, der Sachen gemacht hat, die - so sie denn ruchbar würden - zum Strafverfahren führen könnten. Bildlich hat er immerhin noch ein Bein in der Freiheit: Das »Kittchen« (nicht zu verwechseln mit der englischen Küche) ist eine Verniedlichungsform des rotwelschen »Kitt, Kitte«, beeinflußt vom mittelhochdeutschen »kiche«, das sowohl »Gefängnis« wie auch »schweres Atmen, Keuchen« bedeutet. Ursprünglich also ein Ort, der einem den Atem nimmt.

Mit einem blauen Auge davongekommen...ist jemand, der noch einmal Glück gehabt hat, einer drohenden Gefahr mit relativ geringem oder gar keinem Schaden entkommen ist. Bildlich bezieht sich diese Redewendung auf etwas, das das empfindliche Auge erheblich gefährden oder irreparabel verletzen könnte, stattdessen aber nur ein eher harmloses »Veilchen« hinterläßt.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge...sehen wir etwas mit gemischten Gefühlen, wissen nicht recht, ob wir uns darüber freuen oder traurig sein sollten. Wir müssen manchmal Abschied nehmen, uns trennen von liebgewonnenen Menschen und Gewohnheiten, von Orten und Tätigkeiten und freuen uns gleichzeitig auf etwas völlig Neues. Diese Redewendung geht auf Hamlets schurkischem Onkel Claudius, den König von Dänemark aus William Shakespeares (1564-1616) berühmtem Drama zurück, der verkündet, daß sein Bruder gestorben sei und er selbst nun dessen Witwe heiraten werde:

 »Therefore our sometime sister, now our queen,
  The imperial jointress to this warlike state,
  Have we, as 'twere with a defeated joy,
  With an auspicious and a dropping eye,
  With mirth in funeral and with dirge in marriage,
  In equal scale weighing delight and dole,
  Taken to wife: nor have we herein barr'd
  Your better wisdoms, which have freely gone.
  With this affair along. - For all, our thanks«

  »Wir haben also unsre weiland Schwester,
  Jetzt unsre Königin, die hohe Witwe
  Und Erbin dieses kriegerischen Staats,
  Mit unterdrückter Freude, sozusagen,
  Mit einem heitern, einem nassen Aug',
  Mit Leichenjubel und mit Hochzeitklage,
  In gleichen Schalen wägend Leid und Lust,
  Zur Eh' genommen; haben auch hierin
  Nicht eurer bessern Weisheit widerstrebt,
  Die frei uns beigestimmt. - Für alles, Dank!« (Hamlet. 1,2)

Mit einem Sieb Wasser schöpfen...heißt sich vergeblich abmühen, umsonst anstrengen - man tut einfach etwas Aussichtsloses. Als Strafe sollten schon die Danaiden der griechischen Überlieferung nach im Hades Wasser mit einem Sieb in ein durchlöchertes Gefäß füllen.
Mit einem sehr feinen Sieb und einem Trick klappt es übrigens doch: Etwas Speiseöl mit dem Finger über die Oberfläche verteilt, dichtet die Löcher durch einen dünnen Ölfilm soweit ab, daß man mit etwas Fingerspitzengefühl durchaus kaltes Wasser in das Sieb füllen kann.

Mit einem silbernen Löffel im Mund geborenBis zum späten Mittelalter begnügten sich Bauern und Bürger mit einem einfachen Holzlöffel, der in einem Lederfutteral am Gürtel hing oder am Hut steckte. War man zu einem Gastmahl eingeladen, mußte der Löffel mitgebracht werden. Allmählich, beginnend bei wohlhabenderen Stadtbürgern, wurde es später üblich, jedem Gast einen eigenen Löffel hinzulegen und die Suppe nicht mehr aus der gemeinsamen Schüssel zu löffeln. Wer es sich leisten konnte, ließ sich Löffel aus Zinn gießen oder veredelte Holzlöffel, indem der Stiel in eine, oft reich ziselierte, Silberhülse gesteckt wurde. Irgendwann wurde dann Silber zum bevorzugten Ausgangsmaterial der Löffelherstellung. Solche kostbaren und wertvollen Tischgeräte verwiesen auf Erfolg und Ansehen in der Gesellschaft. Wer schon von Geburt mit soviel Reichtum und Glück gesegnet war, mußte wahrscheinlich kaum noch jemals ernsthafte Existenzängste haben.

Mit einer Träne im Knopfloch...nehmen wir leise weinend Abschied, erinnern wir uns wehmütig und gerührt an Vergangenes: Diese umgangssprachliche Redewendung geht möglicherweise auf eine Verballhornung von »mit einer Blume im Knopfloch« und eine »Träne im Auge« zurück.

Mit eisernem Besen...kehren wir aus, wenn wir strikte Maßnahmen einleiten, hart durchgreifen, rigoros aufräumen - bis hin zur Rücksichtslosigkeit: Eisen hat seit Jahrtausenden große Bedeutung für den Menschen, weil es im Vergleich mit anderen Materialien besonders haltbar ist. Ein »eiserner Besen« kehrt viel länger und gründlicher, als ein früher sonst üblicher aus Reisig. So soll äußerste Entschlossenheit ausgedrückt werden.

Mit Engelszungen redenJemanden zu überzeugen versuchen, eindringlich und betörend auf ihn einreden. In der Bibel heißt es: »Si linguis hominum loquar et angelorum caritatem autem non habeam factus sum velut æs sonans aut cymbalum tinniens« - »Wenn ich mit Menschen vnd mit Engel zungen redet, vnd hette der Liebe nicht, So were ich ein donend Ertz oder ein klingende Schelle«. (1. Korintherbrief 13.1)

Mit etwas schwanger gehen...wir umgangssprachlich, wenn wir etwas erwägen, uns gedanklich damit beschäftigen, aber noch Zeit brauchen, bis der Plan in die Tat umgesetzt wird. Ursprünglich in der Bibel bittet David den Herrn um Beistand gegen Chus den Benjaminiten, der behauptet, David würde die königliche Autorität Sauls nicht anerkennen: »Ecce parturiit iniustitiam, concepit dolorem et peperit iniquitatem« - »Sihe, der hat Böses im sinn, mit Vnglück ist er schwanger. Er wird aber einen Feil geberen« (Psalm 7:15).

Mit fremden Federn schmücken...sich Leute, die sich die Verdienste anderer zueignen oder sich damit brüsten.
Die Redensart geht auf die Fabel des Phædrus von der Krähe zurück, die sich mit Pfauenfedern schmückte. Gotthold Ephraim Lessings (1729-81) Fassung »Die Pfauen und die Krähe« lautet: »Eine stolze Krähe schmückte sich mit den ausgefallenen Federn der farbigen Pfaue und mischte sich kühn, als sie genug geschmückt zu sein glaubte, unter diese glänzenden Vögel der Juno. Sie ward erkannt, und schnell fielen die Pfauen mit scharfen Schnäbeln auf sie, ihr den betrügerischen Putz auszureißen. - »Lasset nach!« schrie sie endlich, »Ihr habt nun alle das Eurige wieder«. Doch die Pfaue, welche einige von den eignen glänzenden Schwingfedern der Krähe bemerkt hatten, versetzten: »Schweig, armselige Närrin - auch diese können nicht Dein sein!«

Mit Fug und Recht...sind wir von einer Sache völlig überzeugt, haben keinerlei Zweifel, daß wir im Recht sind.
Hier handelt es sich um ein sogenanntes »Hendiadyoin«, eine Zwillingsformel: Das »Recht« kennt jeder, das mittelhochdeutsche »vuoc« bedeutete »etwas, das erlaubt ist«.
»Fug« kennen wir heute nur noch in der »Befugnis«; etwas, das nicht erlaubt ist, ist der immer noch weitverbreitete »Unfug«...
Der deutsche Aphoristiker Werner Mitsch (1936-2009) fragte dazu einst: »Wußten Sie schon, daß Unfug und Unrecht mit Fug und Recht bestraft werden?«

Mit Geduld und Spucke...fängt man eine Mucke. Die Redensart bezieht sich eigentlich auf das recht mühsame Einfädeln eines Fadens in ein Nadelöhr, das erheblich besser gelingt, wenn der Faden mit etwas Spucke verdreht wird. Die scherzhafte Ergänzung ergibt sich einerseits durch den Reim, erklärt sich aber auch jedem, der einmal versucht hat, einen der kleinen Plagegeister zu jagen...

Mit gespaltener Zunge redenIn alten Karl-May-Western sagten die Indianer manchmal: »Bleichgesicht sprechen mit gespaltener Zunge«. Heutzutage sagt man dies eher Politikern nach. Sie reden schön und denken doch anders, lügen, sagen das, was der andere hören will: Dahinter steht die alttestamentarische Schlange, die listig Urmutter Eva zum Sündenfall überredete: »Sed et serpens erat callidior cunctis animantibus terræ quæ fecerat Dominus Deus qui dixit ad mulierem cur præcepit vobis Deus ut non comederetis de omni ligno paradisi« - »Vnd die Schlange war listiger denn alle Thier auff dem felde, die Gott der Herr gemacht hatte vnd sprach zu dem Weibe: Ja solt Gott gesagt haben Jr solt nicht essen von allerley Bewme im Garten«? (Genesis 3.1) Und es kam natürlich, wie es kommen mußte: »Vidit igitur mulier quod bonum esset lignum ad vescendum et pulchrum oculis aspectuque delectabile et tulit de fructu illius et comedit deditque viro suo qui comedit« - »Vnd das Weib schawet an, das von dem Bawm gut zu essen were vnd lieblich anzusehen, das ein lüstiger Bawm were, weil er klug mechte Vnd nam von der Frucht vnd ass vnd gab jrem Man auch da von Vnd er aß«. (Genesis 3.6) Seither gelten Schlangen als hinterlistig und falsch.

Mit gezinkten Karten spielen...Zauberer bei ihren verblüffenden Kartentricks oder auch gemeine Betrüger, die allerlei unlautere Mittel einsetzen, um sich Vorteile zu verschaffen: Bei manchen Spielkarten wird der Kartenwert durch unauffällige Markierungen auf der Rückseite wie Eselsohren, leichte Bleistiftstriche, Kratzer oder minimale Veränderungen des Musters für Eingeweihte sichtbar gemacht, sodaß diese immer schon einige Spielzüge im Voraus planen können. Der Ausdruck - vom lateinischen »signum« (Zeichen, Merkmal, Signal, Symbol, Bild) - geht auf das Rotwelsch der Landstreicher und fahrenden Handwerker zurück, die durch »Zinken« Häuser markierten, um den Nachfolgern Informationen über die Bewohner zu geben.

Mit Glacéhandschuhen anfassen...heißt, äußerst vorsichtig zu sein: Ab dem 19. Jahrhundert trug der Herr von Welt zum Frack weiße Glacéhandschuhe, die ursprünglich aus einem speziell behandelten Leder gefertigt wurden, das weiß und glänzend wie glasiert aussah. Wertvolles Porzellan oder andere Kleinigkeiten durften vom Dienstpersonal im Hause ebenfalls nur mit weißen Handschuhen angefaßt werden.

Mit Haken und ÖsenDie Redensart - etwa »mit allen Tricks« - geht auf die altertümliche Weise zurück, eine Jacke ohne Knöpfe zu schließen. Bevor es diese gab, hatte man auf einer Seite Haken, auf der anderen Ösen, in die man die Haken einhängte.

Mit hängen und würgen...schaffen wir etwas gerade noch so, mit größter Mühe, mehr schlecht als recht, mit knapper Not. Diese Wendung aus dem Mittelalter geht auf das Erhängen - seinerzeit eine recht beliebte Bestrafungsmethode - zurück: Der Henker berechnete anhand des Gewichts des Verurteilten die Länge des Seils, damit jener sich beim Sturz durch die Falltür sofort das Genick brach und starb. War diese Rechnung falsch und der Strick zu lang, hatte dies einen sehr qualvollen Erstickungstod durch Erwürgen zur Folge.

Mit harten Bandagen...kämpft heute, wer bei einer Auseinandersetzung unnachgiebig ist, den Gegner nicht schont, sich erbittert und ohne Rücksicht bekämpft. Die Wendung stammt aus dem Boxsport: Schon die alten Griechen umwickelten ihre Hände mit schützenden Bandagen, wobei damals wohl weit weniger der eigene Schutz der kleinen Knöchelchen im Vordergrund stand, als vielmehr der mögliche Schaden, den man dem Gegner zufügen konnte. Je härter diese Umwicklungen aus hartem Leder - das oft auch noch mit Metallplättchen »verfeinert« wurde - waren, desto verletzender wirkten die Schläge auf den Gegner. Erst die heute üblichen Boxhandschuhe machten aus dem Faustkampf eine nicht ganz so blutige Angelegenheit, aus dem einst wilden Schlagabtausch einen Sport.

Mit Haut und Haaren...hat man jemanden über alle Maßen gern, sodaß man ihn am liebsten inclusive der (eigentlich ungenießbaren) Haare »fressen« möchte, oder hat sich einer Sache ganz und gar verschrieben, ist mit Leib und Seele dabei. Die Zwillingsformel ist erstmals im »Sachsenspiegel« aus dem 13. Jahrhundert belegt und wurde dort als juristische Formel und Synonym für »Leben«, für den vollständigen Menschen verwendet: Kleinere Vergehen sollten mit Abschneiden der Haare oder Rutenhieben auf die bloße Haut geahndet werden, für schwangere Frauen beschränkte sich die Züchtigung auf »Kopfhaare und Oberkörper«.

Mit heiler Haut davonkommen...meint, daß wir eine brenzlige oder gefährliche Situation unversehrt oder ungestraft überstehen, mit dem berühmten Schrecken davonkommen - wir werden äußerlich nicht verletzt, unsere Haut übersteht es schadlos.

Mit heißer Nadel gestrickt...ist etwas, das sehr schnell, unter Zeitdruck und nachlässig gefertigt oder durchgeführt wird und dadurch fehlerhaft, unausgegoren, nicht ausgereift ist. Hinter dieser Wendung steht tatsächlich die - heute weitestgehend aus der Mode gekommene - Textilherstellung in Handarbeit: So geschickt eine erfahrene Strickerin auch sein mag - wenn das Tempo so hoch wird, daß bildlich die Nadeln davon »heiß« werden, leidet irgendwann die Qualität, die Maschen werden ungleichmäßig, das Muster ungenau. Etwas, das in solcher Eile »gestrickt«, übertragen hergestellt, geschaffen wurde, ist schlicht zu nichts zu gebrauchen.
Eine andere Herleitung kommt aus dem Lederhandwerk, wo früher die Ahle im offenen Feuer erhitzt wurde, um leichter durch das feste Leder zu stechen.

Mit jemandem anbindenMit jemandem in Streit geraten: Zu Beginn eines Fechtganges binden die Gegner ihre Klingen, indem sie diese kreuzweise aneinanderhalten. Eine andere Deutung leitet sich von dem Brauch ab, sich die Degen am Handgelenk festzubinden, damit sie während des Kampfes nicht verlorengehen.

Mit jemandem deutsch redenDiese Redensart aus dem 15. Jahrhundert verwendet das Wort »deutsch« in seiner ursprünglichen Bedeutung »verständlich, volkstümlich«: Damit war zur Zeit Karls des Großen (748-814) bereits eine Abgrenzung gegenüber romanischen Sprachen, besonders dem Latein verknüpft, das als »Gelehrtensprache« dem gemeinen Volk unverständlich war. Diese Abgrenzung lebt in Ausdrücken wie »Angler- und Jägerlatein« bis heute fort.

Mit Kanonen auf Spatzen schießen...bedeutet sprichwörtlich, übereifrig zu sein, viel zuviel Kraft zu verwenden, um etwas zu erreichen, es mit einer Maßnahme völlig zu übertreiben. Oft werden Zeitgenossen eher von uns belächelt, die mit riesigem Aufwand auf Geringfügigkeiten reagieren. Der Spatz, der schon immer die Nähe menschlicher Besiedlung suchte, wurde früher als Schädling angesehen, den man unbedingt vertreiben wollte. Noch bis vor wenigen Jahren hat der Mensch aus seiner Geringschätzung für den graubraunen Gesellen keinen Hehl gemacht und ihn wegen seiner diebischen Lebensweise gnadenlos bekämpft. So soll König Friedrich II. (1712-86) gar ein Kopfgeld auf Spatzen ausgesetzt haben - das allerdings schnell wieder abgeschafft wurde, nachdem sich die Insekten rasend vermehrt hatten. Wer sich nun vorstellt, wie riesig groß Kanonen und wie klein Spatzen sind, weiß, daß das nichts mehr mit Verhältnismäßigkeit zu tun haben kann. Also: Nicht übertreiben!

Mit KarachoDas spanische »carajo« (Donnerwetter! Verflucht!) bedeutete ursprünglich »Penis«. Mit »Karacho« bedeutet heute im Deutschen »mit Tempo«.

Mit Kind und Kegel...bedeutet etwa »mit der gesamten Verwandtschaft, mit Sack und Pack«: Im 13. Jahrhundert nannte man unartige Kinder »Kegel« (ahdt. »kegil« - Knüppel, Pflock), später auch uneheliche, vor allem von Mägden und ihren Herren. Auch diese wurden im Hause des Vaters aufgezogen, hatten allerdings weniger Rechte. Die Magd war also »mit Kind und Kegel« unterwegs, wenn sie ihre ganze Kinderschar - von ihrem Mann und von ihrem Herrn - dabeihatte. Heute kennt man den Begriff nur noch im Thüringischen als »Keschel« (ungezogenes, flegelhaftes Kind), im Hochdeutschen ist nur die Redewendung erhalten. Im »Grimm« heißt es dazu: »diesz zeugnis reicht übrigens wol ins 13. jh. zurück. doch auch hier erscheint es nicht mehr selbstständig, sondern schon in der verbindung mit kind; diese verbindung, meist »kind und kegel«, ist eine jener formeln, in denen ein sonst erstorbenes wort sich noch lange mit fortschleppt, und diese gerade, die noch heute lebendig ist, wird mit ihrem stabreim bis in die zeit der ältesten alliterierenden dichtung zurückreichen«. Der Franzose verreist übrigens nicht »mit Kind und Kegel«, sondern »avec armes et bagages« - mit »Waffen und Gepäck«.

Mit Kußhand...nehmen wir bildlich etwas, das wir ganz besonders gern akzeptieren. Der Ausdruck geht auf das mittelalterliche Lehnswesen zurück: Übergab der Fürst seinem Vasallen die Lehnsurkunde mit der darin enthaltenen Formel: »mit Hand und Mund belehnt«, küßte der ihm daraufhin die Hand zum Zeichen der Dankbarkeit und Unterwürfigkeit.

Mit leeren Händen dastehen...heißt, ohne irgendetwas zu besitzen, bekommen oder gewonnen zu haben, aber auch ohne etwas mitgebracht zu haben, vor allem aber alles verloren zu haben. Jemand hat fleißig gearbeitet, aber man bleibt ihm seinen verdienten Lohn schuldig - er steht »mit leeren Händen« da, hat nichts vorzuweisen.

Mit links machen...wir umgangssprachlich etwas, das etwas so einfach sein muß, daß wir es mit der recht ungeschickten linken Hand ausführen können - vorausgesetzt, wir sind Rechtshänder. Bei Linkshändern ist es nämlich genau umgekehrt. Etwa 10-15% aller Menschen sind Linkshänder, die Ursache liegt vermutlich in einer Dominanz der rechten Hirnsphäre und ist angeboren. Von der früher durchaus üblichen Umerziehung zum Rechtshänder sieht man heute eher ab.

Mit Mann und Maus untergehen...kommt nicht - wie man zunächst vermuten könnte - von den kleinen Nagern mit dem siebten Sinn für Schiffsuntergänge, sondern vom holländischen Ausdruck für Mädchen, dem »Meisje«. Das Schiff sinkt also »mit Mann und Frau«.

Mit offenem Visier kämpfenMittelalterliche Ritter schützten ihr Gesicht im Kampf normalerweise durch das heruntergeklappte Visier - der Gegner konnte so nicht einmal Gemütsregungen erkennen. So betont diese Redensart die Besonderheit, sich seinem Kontrahenten schutzlos zu zeigen, man legt also seine Absichten offen und ehrlich dar.

Mit offenen Augen schlafen...umgangssprachlich Leute, die nicht so richtig bei der Sache, mit ihren Gedanken nicht bei dem sind, was sie gerade tun, nicht aufpassen - aber auch Menschen, die sehr leicht schlafen und dabei trotzdem ihre Umgebung wahrnehmen: Normalerweise muß ein gesunder Mensch zwangsläufig seine Augen schließen, um schlafen zu können. Allerdings können wir gelegentlich auch einfach nur vor uns hindösen, sekunden- oder minutenlang innerlich wegtreten, einfache Tätigkeiten nur rein motorisch ausführen, ohne sie bewußt zu kontrollieren oder zu steuern, während wir geistig mit etwas ganz anderem befaßt sind. Die Redensart geht sicherlich auf den Hasenschlaf zurück: Der Mümmelmann hat als Fluchttier ohnehin einen sehr leichten Schlaf. Darüber hinaus werden seine großen Augen von den relativ kleinen Lidern nicht vollständig bedeckt, sodaß es aussieht, als würde er mit offenen Augen schlafen.

Mit offenen Karten spielen...Menschen, die keine Hintergedanken haben, offen und ehrlich sind, nichts verheimlichen. Die Redewendung kommt - wie sollte es anders sein - natürlich aus dem Skatspiel: Ein Spieler, der »schlechte Karten« hat, legt diese beim Nullouvert offen auf den Tisch, darf aber vorher den Skat aufnehmen und zwei Karten »drücken«, was die Taktik der beiden Gegner sehr erleichtern kann. Aber Vorsicht: »Wer mit offenen Karten spielt, läuft Gefahr, zu verlieren« wußte bereits anno 1653 der spanische Humanist, Theologe und Dichter Balthasar Gracián y Morales (1601-58) in seinem »Oráculo manual y arte de prudencia« (Handorakel und Kunst der Weltklugheit) zu berichten.

Mit Pauken und Trompeten...feiern wir etwas mit großem Aufwand, viel Getöse und Aufhebens, lautstark mit übertriebener Inszenierung und Selbstdarstellung: Mit Pauken und Trompeten verschafft man sich Gehör, diese sehr lauten Instrumente spielte man früher nicht nur zu festlichen Anlässen, sondern verwendete sie zunächst als Signalgeräte in Wald und Flur. Darüber hinaus dienten sie vielen Machthabern, dem General beim Militär, dem Fürsten bei Hofe, der bereits vor der eigentlichen Ankunft angekündigt werden wollte, der herrschaftlichen Ehrerbietung: Die beiden Musikinstrumente galten in der Militärmusik als die lautesten und edelsten, die - anders als die bescheideneren Trommeln und Pfeifen der unteren Dienstgrade - nur von den höheren Rängen gespielt wurden. Ab dem 19. Jahrhundert verwenden wir soviel Aufsehen oft auch ironisch, wenn ein Kandidat »mit Pauken und Trompeten« durch die Prüfung fällt.

Mit Rat und Tat...meint, jemandem mit Dingen und Leistungen zu helfen. »Rat« bezeichnete früher alles, was gut fürs leibliche Leben war. Daher kennen wir »Hausrat«, »Vorrat« und allerlei »Geräte«.

Mit Sack und Pack...bezieht sich auf alles, was sich in Säcken und Packen verstauen läßt

Mit Samthandschuhen anfassen...müssen wir jemanden, der schnell beleidigt ist: Ursprünglich trugen Herren zu festlichen Bällen dieses feine Kleidungsstück, damit sie mit ihrem Handschweiß nicht die empfindlichen Seidenkleider ihrer Tanzpartnerinnen beschädigten. Bildlich übertragen wir das heute, wenn jemand besonders milde und rücksichtsvoll behandelt, möglichst nicht berührt oder angesprochen werden muß. Schon die alten Römer kannten die Wendung »Molli articulo tractare« (mit sanftem Finger anfassen).

Mit Schimpf und Schande...bedenken wir heute jemanden, den wir gedemütigt, blamiert, unehrenhaft in einer prekären Lage zurücklassen. Ein »Schimpf« ist heute eine Verunglimpfung, »schimpfen« ein lautstarker Ausdruck von Verärgerung oder Drohung - im Mittelhochdeutschen bedeutete es noch soviel wie »scherzen, spielen, spotten« und wurde noch nicht in der heutigen abwertenden Art und Weise gebraucht. Auch die »Schande« bezeichnet Geringschätzung und Verachtung - insgesamt verstärkt dieses Hendiadyoin also eine empörende, skandalöse Sache, die jemandem in seinem Ansehen schadet.

Mit schlafwandlerischer Sicherheit...wissen oder können wir etwas absolut perfekt, tun es ohne jede Unsicherheit, ohne überhaupt darüber nachdenken zu müssen. Der Somnambulismus läßt Schlafende ohne aufzuwachen das Bett verlassen, umhergehen und teilweise sogar komplexe Tätigkeiten verrichten.

Mit Schmackes...machen wir gelegentlich etwas mit großer Wucht, Schwung, Kraft, mit Nachdruck. Der Ausdruck kommt wohl vom mittelniederdeutschen »smacken« - lautmalerisch für »schlagen, klatschen, geräuschvoll fallenlassen«, vgl. auch »schmatzen« - englisch »smack«.

Mit seinem Latein am Ende...ist jemand, der zu einer Frage vielleicht noch etwas Allgemeinwissen beisteuern kann - dessen Kenntnisse für eine verbindliche Antwort denn aber doch nicht ausreichen: Latein war im Mittelalter die Sprache der Gelehrten und der Kirche, über lange Zeit wurden nahezu alle Bücher in Latein geschrieben, sodaß der Pöbel vom Wissen der höheren Stände quasi ausgeschlossen war. Noch im 19. Jahrhundert wurden Vorlesungen, Disputationen (Streitgespräche) und Prüfungen vielerorts auf Latein gehalten, bis ins 20. Jahrhundert hinein erschienen wissenschaftliche Abhandlungen und Dissertationen in lateinischer Sprache, sodaß Latein auch im übertragenen Sinne für »Wissen, Wissenschaft« stand. Wer dann Vorträgen nicht mehr folgen konnte, gestellten Fragen nicht gewachsen war, durch beredtes Schweigen auffiel, war offenkundig »mit seinem Latein am Ende« - er wußte nicht mehr weiter und konnte nicht mitreden.

Mit seinen Pfunden wuchern...Leute, die ihre Begabungen und Fähigkeiten kompetent einsetzen. Diese Wendung geht auf das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden aus dem Lukasevangelium zurück: »Vocatis autem decem servis suis dedit illis decem mnas et ait ad illos negotiamini dum venio«. - »Dieser foddert zehen seiner Knechte, vnd gab jnen zehen Pfund, vnd sprach zu jnen: Handelt, bis ich widerkome« (Lk. 19:13; ähnlich auch Mt. 25:14).
Zehn Knechte bekommen von einem Fürsten je einige Talente anvertraut, die sie während eines Feldzuges verwalten und mehren sollen. Diese »Talente« - heute würden wir »Begabungen« sagen - waren damals eine Währungseinheit, erst Martin Luther (1483-1546) übersetzte den Begriff später mit »Zentner« oder »Pfunde«. Den Vorgang bezeichnete man damals als »wuchern« - auch noch ohne den negativen Beigeschmack, den das Wort heute hat.

Mit Speck fängt man MäuseDie Redensart beschreibt eine recht altertümliche, aber bis heute durchaus gebräuchliche Art der effektiven Ungezieferbekämpfung: Eine Mausefalle wird mit einem Stückchen Speck oder Käse als Köder gespickt, das Mäuschen macht sich darüber her und wird erschlagen...

Mit spitzem Bleistift...rechnen Leute, die sehr kostenbewußt, pedantisch knapp kalkulieren, besonders gewissenhaft, oft regelrecht geizig sind: Der immer gespitzte Bleistift hinter dem Ohr des Buchhalters ist Sinnbild für den überkorrekten, bürokratisch-pingeligen »Federfuchser«, der mit Zahlen umzugehen weiß.

Mit spitzer Feder...schreiben wir gelegentlich kritisch-provokante Texte, die jemanden direkt angreifen, indem wir die Dinge klar und deutlich beim Namen nennen: Diese Redewendung hat ihren Ursprung in einer Zeit, da man noch Gänsefedern zum Schreiben verwendete, die sich recht schnell abnutzten und ständig neu angespitzt werden mußten. Danach schrieb man wieder schöner und »spitzer«, woraus mit der Zeit auch »spitzfindig« für kritisch, boshaft entstand. Auch auf den späteren Bleistift ließ sich das perfekt übertragen.

Mit Stumpf und StielDie Redewendung kommt aus dem Bereich der Botanik und meint, eine Pflanze »mit Stumpf und Stiel«, also restlos, zu beseitigen.

Mit verdeckten Karten spielen...Zeitgenossen, die irgendwelche Hintergedanken haben, ihre eigentlichen Absichten geheimhalten. Die Wendung kommt natürlich aus dem Kartenspiel, wo man dem Gegner seine Karten ja auch nicht zeigt.

Mit vollen Hosen ist gut stinken...sagt eine uralte Volksweisheit und weiß aus jahrhundertelanger Erfahrung: Wer reich ist, muß nicht bescheiden sein. Wir erleben tagtäglich, daß sich Politiker und Wirtschaftsbosse mit »guten Ratschlägen« in der einschlägigen Presse produzieren, welche die - maßgeblich von ihnen selbst verursachte - Armut großer Teile des Volkes angeblich lindern sollen. Der Tenor dieser Ergüsse ist immer derselbe: Löhne, Renten, Sozialhilfe und andere Einkommen sind eigentlich viel zu hoch, sie selbst würden mit weit weniger Geld auskommen. Warum sie es dann nicht auch tun, mag ihr Geheimnis bleiben - vom hohen Roß herab läßt sich eben leicht Sprüche klopfen.

Mit warmer Hand geben...bedeutet bildlich, seinen Nachlaß noch vor dem Ableben zu regeln, den Besitz nicht krampfhaft zusammenzuhalten, sondern frühzeitig Ordnung in seine Verhältnisse zu bringen. Das vermeidet gerade bei größeren Vermögen endlose Erbstreitigkeiten und bürokratische Scherereien, außerdem lassen sich mit Schenkungen erhebliche Erbschaftssteuern sparen.

Mit Zitronen gehandelt...haben wir, wenn sich ein vermeintlich sensationell günstiges Angebot im Nachhinein als völlig überteuert herausstellt: Früher galten Zitronen noch als leicht verderblich, sodaß der Gewinn des Händlers ziemlich unsicher war. Andererseits mag auch der Gesichtsausdruck eine Rolle gespielt haben, wenn jemand in eine Zitrone biß.

MitesserVon den verstopften Talgdrüsen, die beim Ausdrücken einen wurmförmigen Talgpfropf freigeben, glaubte man lange Zeit, sie würden durch Würmer verursacht, die sich unter der Haut einnisten. Diese »Schmarotzer« nannte man »Zehrwürmer, Dürrmaden« oder auf Lateinisch »Comedones« (comedere - essen, verzehren). Daraus entstand als Lehnübersetzung der Begriff »Mitesser«, der erstmals 1691 im Lexikon »Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs oder Teutscher Sprachschatz« des Sprachforschers Caspar Stieler erscheint. Noch in der Fachliteratur um 1800 kann man über die »Würmer« nachlesen und bis heute spricht der Hautarzt von »Komedonen« und alle Welt von »Mitessern«. Wo der (Sprach-)Wurm erstmal drin ist...

MöblierungstheorieScherzhaft für die Katastrophentheorie von Sir Charles Lyell (1797-1875) und Charles Darwin (1809-82), die davon ausgingen, daß die Erde wiederholt von Katastrophen heimgesucht wurde, die fast alles Leben ausgelöscht haben sollen. Dadurch mußten alle Lebensräume auch mit ganz neuen Lebewesen wieder besetzt werden.

Modschekiebchen...sagt der gemeine Sachse (Saxonius vulgaris) zu unserem niedlich-halbkugeligen Glücksbringer, dem Marienkäfer (Coccinellidæ). Dieses gottgeweihte Insekt fliegt angeblich direkt in den Himmel und bringt von dort Gaben und sogar kleine Kinder zu den Menschen; zudem gilt seine rote Farbe als antidämonisch und auch die (oft) sieben Punkte bilden eine »magische Zahl«.

Molde...ist ein alter Ausdruck für »Staub, Erde«. Davon abgeleitet sind Maulwurf, Maulwurfsgrille, Moldwurm und Molch.

Mollenfriedhof...nennt der Berliner eine fortgeschrittene abdominale Adipositas - die Fettsucht, die das Abdomen (Bauch/Unterleib) betrifft, oder schlicht einen »Bierbauch«, eine »Wampe« oder den »Dickwanst«.

Moloch...kommt vom griechischen »moloch« und dem hebräischen »molek« (Opfer) und geht einst auf phönizisch-kanaanäische Opferriten zurück, die nach der biblischen Überlieferung die Opferung von Kindern durch Feuer vorsahen. Im Alten Testament findet sich der »Moloch« an vielen Stellen. So warnt Moses beispielsweise in Leviticus 18.21 die Menschen vor dem Götzen, niemand solle ihm seine Kinder opfern: »De semine tuo non dabis ut consecretur idolo Moloch nec pollues nomen Dei tui ego Dominus«. - »Dv solt auch deines samens nicht geben das es dem Molech verbrand werde, Das du nicht entheiligst den Namen deines Gottes. Denn ich bin der Herr«. Heute bezeichnet der »Moloch« allgemein die Gigantomanie, die den Menschen wie ein riesiges Ungeheuer verschlingt.

MondaminIn einer Jubiläumsbroschüre von Hersteller Maizena anläßlich des 85jährigen Bestehens kann man nachlesen: »Eigentlich fing es schon vor 5 000 Jahren an, als Hiawatha, der Sohn des Westwindes, dem Gott Mondamin begegnete, dem Freund des Menschen. Nachdem Mondamin im Kampf mit Hiawatha gefallen war, geschah ein Wunder: Der besiegte Gott verwandelte sich in ein lebensspendendes Maisfeld. In der indianischen Mythologie war Mais demnach ein Geschenk der Götter. Der Markenname hat sogar literarischen Niederschlag gefunden. In Christian Morgensterns (1871-1914) Gedicht »Mondendinge« heißt es: »Dinge gehen vor im Mond, die das Kalb selbst nicht gewohnt. Tulemond und Mondamin liegen heulend auf den Knien«.

MondkalbChristian Morgenstern (1871-1914) erzählt 1932 in seinem Gedicht »Das aesthetische Wiesel« aus dem Zyklus »Galgenlieder« vom Mondkalb, das dem Dichter im Stillen verraten hat, daß das Wiesel um des Reimes willen auf dem Kiesel inmitten Bachgeriesel sitzt. Auch H. G. Wells (1866-1946) läßt die erstaunten Protagonisten seines Science-Fiction-Romans »Die ersten Menschen auf dem Mond« (1901) bei einer Reise zum Erdtrabanten auf tatsächliche Mondkälber treffen. Gelegentlich werden mißgebildete Kälber geboren, die keine Augen haben, oder nur eines auf der Stirn - oder die manchmal gar nur aus einem Fellbündel bestehen. Das kommt nicht oft vor, sieht aber immer recht bedrohlich aus. Im 16. Jahrhundert führte man dies auf einen schädlichen Einfluß des Mondes zurück, weshalb man diese Tiere fortan als »Mondkälber« bezeichnete.

MondpreiseDer Ausdruck geht auf eine - mittlerweile verbotene - kaufmännische Praxis zurück: Der Preis für eine Ware wird so astronomisch hoch angesetzt, daß sie unmöglich jemals zu verkaufen wäre. Auf diesen »Mondpreis« wird sodann ein hoher Rabatt gewährt, um dem Kunden so ein besonders interessantes Schnäppchen vorzugaukeln. Bei so manchen Preisen glauben wir heute ohnehin an »Mondpreise« - auf die Rabatte warten wir indes oft genug vergebens...

MonetenIm alten Rom lag die Münzpräge neben dem Tempel der »Juno moneta« (Mahnende Juno). Diese räumliche Nähe soll den Geldmünzen den Namen »Moneta« gebracht haben...

MongolenfleckEin unregelmäßiges, bläuliches Muttermal, das meist an Rücken oder Gesäß Neugeborener auftritt und spätestens in der Pubertät wieder verschwindet. Der Name kommt daher, daß nahezu alle Asiaten einen solchen Fleck haben, während er bei Europäern bei weniger als 1% auftritt.

MontagsautoDie oft schlechte handwerkliche Arbeit an Montagen prägte das Sprichwort »Montag wird nicht Wochen alt«. Hat ein neues Auto erhebliche Mängel, die nach und nach in Erscheinung treten, sagt man: »Ich habe mir einen »Montagswagen« gekauft«.

Montezumas Rache...nennt der Volksmund die häufig auftretende Diarrhoe, die viele Fernreisende in südlichen Ländern erwischt: Als anno 1519 der spanische Konquistador Hernán Cortés (1485-1547) Tenochtitlán (Mexico City) erreichte, wurde er von Montezuma II. (1467-1520) mit offenen Armen empfangen. Der Aztekenherrscher hielt ihn irrtümlich für den Gott Quetzalcóatl, der der Legende nach aus dem Osten wiederkehren sollte. Dies wurde seinem Volk zum Verhängnis - 1521 fiel die prächtige Hauptstadt der Azteken. Begünstigt wurde die Eroberung durch von den Spaniern eingeschleppte Krankheiten, die einen Großteil der indianischen Ureinwohner dahinrafften. Montezuma soll vor seinem Tode einen Fluch ausgesprochen haben, alle Eindringlinge würden seine Rache zu spüren bekommen und fürchterlich leiden.

Moos haben...geht auf das hebräische »ma'oth« (Pfennige, Kleingeld) zurück: Ursprünglich wurde es nur im Rotwelsch, einer Gaunersprache ab dem 13. Jahrhundert verwendet und erst später in die Studentensprache übernommen.

Moppelkotze...sagen wir scherzhaft zu etwas, das scheinbar völlig unsinnig oder auch ekelerregend - jedenfalls bestimmt zu nichts Vernünftigem zu gebrauchen ist. Das Wort geht auf ein norddeutsches, nicht näher definiertes Eintopfgericht zurück, das - sagen wir es vorsichtig - bedeutend besser schmeckt als es aussieht: Oft gehören Kartoffeln, geschmorter Weißkohl und Hackfleisch dazu, der Berliner versteht darunter Grüne Bohnen und Rindfleisch aus Dosen der »Senatsreserve« der Mauerzeit, auch Fleischsalat kann gemeint sein. Vermutlich geht »Moppel« auf das niederdeutsche »mopen« (den Mund aufsperren, verziehen) zurück, die »Kotze« könnte vom mittelhochdeutschen »koppen« (aufstoßen, rülpsen), kommen, aber auch »Erbrochenes von Möpsen« (den kleinen Hunden) würde von der Konsistenz her vielleicht ganz gut passen.

Mopsfidel...ist im Volksmund jemand, der fit und gesund, ausgelassen und quietschvergnügt sein Tagewerk angeht - wie die kleinen Hunde, die allenthalben vergnügt und lustig umhertollen.

Moralapostel...nennt der Volksmund Menschen, die glauben, ganz genau zu wissen, was moralisch ist und was nicht, die keine Gelegenheit auslassen, überall mit erhobenem Zeigefinger ihren Senf dazuzugeben, andere Leuten zu belehren, was sie vermeintlich falschmachen - sich selbst aber nicht an diese Moral halten. Auch wenn solche Zeitgenossen nun wahrlich keinen Heiligenschein haben, geht der Begriff auf die 12 Apostel aus der Bibel zurück, die sich einst dazu berufen fühlten, das richtige Verhalten zu predigen.

Moralin...nennen wir despektierlich eine aufdringlich übertrieben moralisierende Haltung oder Ansicht, die von äußerst subjektiven Wertvorstellungen geprägt mit spießiger Sittenschnüffelei heuchlerische Entrüstung vortäuscht. Dieses Kunstwort aus der »Moral« und einer chemisch-pharmazeutische Substanzen suggerierenden Endung geht ursprünglich wohl auf den deutschen Philosophen und Schriftsteller Friedrich Nietzsche (1844-1900) zurück, der unter anderem in seinem Werk »Der Antichrist« von einer »moralinfreien Tugend« spricht.

Morbus Bahlsen...ist scherzhaftes Medizinerdeutsch für Debilität oder Dummheit und leitet sich vom lateinischen »Morbus« (Krankheit) sowie dem bekannten deutschen Gebäckhersteller ab. Ärzte und Schwestern drücken damit aus, daß der Patient wohl »einen an der Waffel« oder einen »weichen Keks« hat.

Mores lehren...wir jemandem, dem wir Anstand und richtiges Benehmen, Ordnung und Gehorsam beizubringen versuchen und scharf zurechtzuweisen, wenn er partout nicht hören will. Die selten gewordene unterschwellige oder gar direkte Drohung aus dem lateinischen »mos«, »mores« (Sitte, Anstand, Moral) entstand wohl etwa in der Zeit des Humanismus im 15. Jahrhundert in der Studenten- und Gelehrtensprache und wurde einst von zahlreichen Literaten verwendet. So schrieb beispielsweise Johann Nepomuk Nestroy (1801-62) in »Der böse Geist Lumpazivagabundus«: »Wir werden euch schon Mores lehren, ihr liederlichen Burschen ihr!«, in Ludwig Bechsteins (1801-60) »Märchen von den Sieben Schwaben« steht: »Bygott, i will euch Mores lehre, ihr donnderschlechtige Strohlkerle« und Adolph Freiherr Knigge (1752-96) sagte einst zu Gotthold Ephraim Lessing (1729-81): »Ach lieber Lessing, als dem jüngeren von uns beiden steht es mir zwar nicht an, Ihnen Mores lehren zu wollen, aber was sein muß, muß sein...«

Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute...erklärte uns bereits anno 1766 der Dichter Christian Felix Weiße (1726-1804) in seinem Werk »Lieder für Kinder«. Wer kennt das nicht: Ein wichtiger Termin rückt immer näher und näher, doch statt uns darauf vorzubereiten, werden viel lieber 1000 andere Dinge unternommen. Trotz reichlich guter Vorsätze will es einfach nicht gelingen, selbst direkt drohende unangenehme Konsequenzen bewirken nicht viel. Vielleicht wußte der Dichter ja damals schon, was unter der »Prokrastination« (lat. pro = für, cras = morgen) - dem Drang, alle Arbeit auf Morgen zu verschieben - zu verstehen ist. Immerhin - die etwas drastischere Form seiner Titelzeile wurde sprichwörtlich.
Ursprünglich hieß es in seinem Lied »Der Aufschub«:

 »Morgen, morgen, nur nicht heute!
  Sprechen immer träge Leute,
  Morgen! Heute will ich ruhn,
  morgen jene Lehre fassen,
  morgen jenen Fehler lassen,
  morgen dies und jenes tun!
  Und warum nicht heute? Morgen
  kannst du für was andres sorgen!
  Jeder Tag hat seine Pflicht!
  Was geschehn ist, ist geschehen,
  dies nur kann ich übersehen;
  was geschehn kann, weiß ich nicht.
  Wer nicht vorgeht, geht zurücke,
  unsre schnellen Augenblicke
  gehn vor sich, nie hinter sich.
  Das ist mein, was ich besitze,
  diese Stunde, die ich nütze;
  die ich hoff, ist die für mich?
  Jeder Tag, ist er vergebens,
  ist im Buche meines Lebens
  Nichts, ein unbeschriebnes Blatt.
  Wohl denn! Morgen so wie heute
  steh' darin auf jeder Seite
  von mir eine gute Tat!«

Morgengabe...ist eine alte, schon den Germanen bekannte, fast vergessene Hochzeitstradition: Nach der Hochzeitsnacht überreichte der Bräutigam seiner Braut früher ein Geschenk. Bei kleinen Leuten kleine Geschenke, bei Reichen durchaus größere Geldsummen, Ländereien oder andere Güter. Später wurde daraus eine Witwen-, auch Waisenversorgung.

MorgengrauenDas ist beileibe nicht nur der Schock, den wir erleiden, wenn wir nach durchzechter Nacht die neue Bettpartnerin entdecken. Eigentlich ist es die Zeit zum Beginn des Sonnenaufgangs: Die dunkle Nacht ist endgültig zuende, das noch fahle Licht fördert unterschiedlichste Grautöne zutage und grauer Bodennebel steigt auf. Erst mit dem immer stärker werdenden Lichteinfall bekommt die Umgebung ihre satten Farben, die Gespielin geht, das Grauen hat ein Ende...

Morgenluft wittern...wir, wenn wir glauben, daß wir uns gerade jetzt unsere Wünsche erfüllen können, unsere Chance gekommen ist, wir Erfolge erwarten. Wir sind vielleicht dabei, zu verlieren - doch der Gegner macht einen verhängnisvollen Fehler. Wir können wieder hoffen, wir »wittern Morgenluft«. Bekannt wurde dieser Spruch durch William Shakespeares (1564-1616) »Hamlet«: Der Geist von Hamlets Vater spürt den kommenden Morgen: »Doch still, mich dünkt, ich wittre Morgenluft«. Als Geist weiß er, daß er bei Tagesanbruch verschwunden sein muß, der Satz ist also hier noch wörtlich gemeint.
Die Wendung taucht später auch in »Leonore« von Gottfried August Bürger (1747-94) auf. In dem Gedicht aus dem Jahre 1773 ruft der tote Bräutigam auf seinem Rappen:

 »Rapp! Rapp! Mich dünkt, der Hahn schon ruft.
  Bald wird der Sand verrinnen.
  Rapp! Rapp! Ich wittre Morgenluft
  Rapp! Tummle Dich von hinnen!«...

Morgenstund' hat Gold im Mund Dieser Spruch geht auf das althochdeutsche »munt« (vom latein. »manus« - Hand), im Sinne von »Herrschaft, Schutz«, zurück. Im »Vormund« ist diese Bedeutung noch bis heute erhalten. Andere Deutungen meinen, dahinter eine frühere Vorsichtsmaßnahme kleiner Händler zu sehen, die auf dem Weg zum Markt ihre Münzen im Mund getragen haben sollen. Wieder andere glauben an die antike Vorstellung einer personifizierten Aurora, die Gold in Haar und Mund trägt: »Aurora habet aurum in ore«. Die römische Göttin der Morgenröte soll in den Morgenstunden lachen, wobei ihr Goldstücke, güldene Ringe oder Edelsteine aus dem Munde fallen. Der deutsche Lyriker, Erzähler und Maler Joachim Ringelnatz (1883-1934) dichtete einst:

  »Morgenstund hat Gold im Mund«

  Ich bin so knallvergnügt erwacht.
  Ich klatsche meine Hüften.
  Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
  Es dürstet mich nach Lüften.

  Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
  Und gratuliert mir zum Baden.
  Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
  Betiteln mich »Euer Gnaden«.

  Aus meiner tiefsten Seele zieht
  Mit Nasenflügelbeben
  Ein ungeheurer Appetit
  Nach Frühstück und nach Leben.

Mancher würde heute formulieren: »Die Initialisierung eines Teils vom wiederum 365,2ten Teil der Bewegung unseres Rotationsellipsoiden um eine gigantische, dichte Wasserstoff-/Heliumwolke beinhaltet im Sprechinstrument ein Edelmetall«.

Morgenstund' ist aller Laster AnfangAuch wenn zeitiges Aufstehen gemeinhin als Zeichen bürgerlichen Arbeitseifers gilt - für so manchen Zeitgenossen ist es schlicht ein Graus. Diese Verballhornung der beiden Sprichwörter »Morgenstund' hat Gold im Mund« und »Müßiggang ist aller Laster Anfang« ersann 1931 der deutsche Dichter Carl Zuckmayer (1896-1977), der in seinem berühmten Drama »Der Hauptmann von Köpenick« den Protagonisten sagen läßt: »Sie, Frollein, kommense mal n bisken näher. Wissense was? Ick sage immer: Morjenstund' is aller Laster Anfang«.

MosesDer Decksjunge in der christlichen Seefahrt geht natürlich auf den biblischen Mose zurück, der laut Exodus 2.1-10 schon als Baby in seinem Schilfkörbchen auf dem Nil unterwegs war: »Cumque iam celare non posset sumpsit fiscellam scirpeam et linivit eam bitumine ac pice posuitque intus infantulum et exposuit eum in carecto ripæ fluminis«. - »Vnd da sie jn nicht lenger verbergen kund macht sie ein kestlin von rhor vnd verkleibets mit thon vnd pech vnd legt das Kind drein vnd legt jn in den schilff am vfer des wassers«. (2.3)

Mostrich...stammt tatsächlich vom »Most« ab: Früher mischte man den zerriebenen Senfkörnern Most (unvergorenen Traubensaft) bei, heute macht man das meist mit Weinessig. »Mustum ardens« (brennender Most) lautet denn auch die lateinische Bezeichnung für Mostrich oder Senf. Erst die mit dem Traubensaft zerstoßenen Senfsamen entwickeln ihre typische Schärfe. Der Begriff »Mostrich« hat sich bei uns nur in einigen Regionen erhalten, in anderen Ländern heißt die Würzpaste immernoch so (mustard, moutarde etc.)

MuckefuckDer Kaffeersatz leitet sich möglicherweise vom französischen »mocca faux« (falscher Kaffee) ab, wahrscheinlicher ist allerdings eine Zusammensetzung aus dem rheinischen »Mucken« (braune Stauberde) und »fuck« (faul). Der falsche Kaffee - schon unter Napoléon während der Annektion des Rheinlandes eingedeutscht und verballhornt - wurde populär, nachdem Friedericus Rex den Bohnenkaffee fürs Volk verboten hatte.

Mücken seihen und Kamele verschluckenIn Matthäus 23.24 wirft Jesus den Schriftgelehrten und Pharisäern vor: »Duces cæci excolantes culicem camelum autem gluttientes« - »Jr verblente Leiter, die jra Mucken seiget, vnd Kamel verschluckt«. Das Wort benutzen wir gelegentlich, wenn es jemand mit Kleinigkeiten sehr genau nimmt und sich kaum um wirklich wichtige Dinge kümmert.

Mucksmäuschenstill...ist es, wenn wir vor angespannter Erwartung und Aufmerksamkeit ganz besonders leise sind, keinen »Mucks«, unterdrückten Laut mehr von uns geben, keine noch so schwache Bewegung mehr machen - so vollkommen totenstill, daß sich sogar eine Maus aus ihrem Loch wagte.

Muffensausen...bedeutet Angst oder zumindest oder so großen Respekt vor etwas zu haben, daß man das eigentliche Vorhaben oft kaum mehr ausüben kann. Muffen sind Bauteile zum Verbinden oder Verschließen von Rohren - wenn aus ihnen durch zu hohen Druck Luft austritt, gibt es ein zischendes Geräusch. Vermutlich auf U-Booten im Zweiten Weltkrieg wurden diese technischen Elemente bildhaft auf den Darm der Besatzungsmitglieder übertragen, weil vielen Menschen Angst und Streß auf die Verdauung schlägt und bisweilen ein den undichten Muffen nicht unähnliches Geräusch erzeugt, das die Protagonisten flugs zum nächsten »Örtchen« sausen läßt.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...denn es sammelt erst mühsam tausende Eicheln, Nüsse und Samen, dann vergräbt es seine Wintervorräte mühsam in unzähligen Verstecken und muß sie mühsam wiederfinden. Nicht immer gelingt dies dem »Sciurus vulgaris«, mühsamer geht es also kaum. Dieses Bild seiner speziellen Vorratshaltung sehen wir vor uns, wenn etwas langwierig und nur in kleinen Schritten vorangeht. Aber auch mit viel Mühe und kleinen Erträgen aus harter Arbeit, die nicht viel einbringt, kann man etwas erreichen, wenn man nur sparsam, fleißig und genügsam lebt.

MumienexpreßIm DDR-Volksmund die Interzonenzüge mit Rentnern, die in den Westen zu Verwandtenbesuchen reisen durften. Man rechnete (vergeblich) damit, daß eine große Zahl der teuren Rentner im Westen bleiben würde.

Mummenschanz»Mumman« war im 14.-16. Jahrhundert ein Würfelspiel, den Glückswurf nannte man »Schanz«. Zur Fastnachtszeit gingen herumziehende maskierte Gruppen in die einzelnen Häuser, forderten die Anwesenden stumm zu einem »Mummenschanz« auf und zogen weiter. Wenn wir heute »Mummenschanz treiben«, steht das auch für »sich amüsieren, Unsinn treiben«.

Mumpitz...nennen wir gern etwas, das völliger Blödsinn ist. Das Wort aus dem Börsendeutsch kommt vom mittelalterlichen »Mummelputz« und »Mombotz« - eine Schreckgestalt oder Vogelscheuche. Es beizeichnet also eine »vermummte Schreckgestalt«. Seit Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnet es im Berliner Börsenjargon »erschreckendes Gerede«.

Mund und Nase aufsperren...läßt uns höchst verwundert, nachgerade dümmlich aus der Wäsche kucken, weil wir gerade sehr überrascht sind, staunen oder besonders aufmerksam zuhören. Wir öffnen unwillkürlich alle Sinne, wollen uns äußern, bringen vor verblüfftem Erstaunen kein einziges Wort hervor. Schon der Prediger Johann Geiler von Kaysersberg (1445-1510) erklärte jene zu Narren, »die mit dem Kopff und Maul hören; denn es sein etlich also geartet, daß sie nicht hören können, wenn sie nicht das Maul aufsperren und gaffen, gleichwie ein Esel, der Distel frißt«.

Mundgerecht machen...wir ursprünglich etwas, das wir für den einfachen Verzehr vorbereiten, indem wir beispielsweise den Kindern Fleisch oder Obst in »Häppchen« zurechtschneiden und verführerisch servieren. Im erweiterten Sinne steht die Wendung für den unkomplizierten, schnellen und unkritischen Konsum scheinbar »schwerer Kost«, vielfach auch für durch geschickte Propaganda »passend« gefilterte Informationen, die wir möglichst ohne langes Nachdenken einfach »schlucken« sollen.

Mundtot machenHier ist nicht der Mund im Gesicht gemeint: »Munt« hieß im mittelhochdeutschen »Schutz, Schirm, Schutzgewalt«. Das Wort bedeutete also ursprünglich »entmündigen«. Weil »munt« und »Mund« fast gleich klingen, wandelte sich der Ausdruck umgangssprachlich zu »jemanden zum Schweigen bringen«.

Münzverrufung...war die Außerkurssetzung (der Zwangsumtausch) von umlaufenden Münzen im Mittelalter. Zu diesem Kunstgriff neigten vor allem deutsche Münzherren oft mehrmals im Jahr, um etwa die Kriegskasse aufzufüllen, oder den Fürsten schlicht und einfach zu bereichern. Die Münzen wurden dann einfach neu geprägt und erhielten ein anderes Münzbild. Aus (damals üblichen) 4 Pfennigen wurden dann z.B. 3 Pfennige. Wer jetzt unwillkürlich an die »Euro-Umstellung« denken muß - das ist natürlich gaaaaanz was anderes...

Murphy's Gesetz...sagt: »Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen«. Der Urheber dieser Lebensweisheit über das menschliche Versagen bzw. über die Fehlerquellen in komplexen Systemen ist - wie so oft - nicht eindeutig verifizierbar. Einer Deutung nach geht sie auf den amerikanischen Air Force-Ingenieur Edward A. Murphy jr. (1918-90) zurück, der 1949 Beschleunigungsexperimente mit Raketenschlitten durchführte. Bei einem der Testläufe wurde der Proband Major John Paul Stapp (1910-99) ernsthaft verletzt und es stellte sich heraus, daß alle 16 Sensoren, die genau dies verhindern sollten, systematisch falsch angeschlossen waren. Diese Erfahrung ließ Murphy sein Gesetz formulieren, das ursprünglich lautete: »Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.« (If there's more than one possible outcome of a job or task, and one of those outcomes will result in disaster or an undesirable consequence, then somebody will do it that way.)
Andere schreiben »Murphy's Gesetz« dem amerikanischen SF-Schriftsteller John W. Campbell jr. (1910-71) zu, der in mehreren Artikeln seines Magazins »Analog Science Fiction and Fact« immer wieder das »Finagle's Law of Dynamic Negatives« (»to finagle« engl. »mogeln, schummeln«) und seine berühmte Grunderkenntnis variierte. Welche Version die ursprüngliche war und wer sie in die Welt gesetzt hat, bleibt unklar - der Duden erklärt den Namen »Murphy« gar als erfunden.

Muschebubu...beschreibt ein gemütlich-anheimelnd schummriges Licht, es ist nicht richtig hell, man kann kaum etwas sehen, aber in dieser Atmosphäre wunderbar entspannen und sich näherkommen.
Das Wort geht wohl auf »mauscheln« zurück, etwas im Dunkeln, im Geheimen machen, zum eigenen Nutzen hindrehen, vielleicht gar ein bißchen am Rande der Legalität.

Muschkote...ist eine Verballhornung der Begriffe »Muskete/Musketier«. Der Begriff wird abwertend für einen einfachen Soldaten oder allgemein einen einfachen Menschen genutzt. Erich-Maria Remarque (1898-1970) meinte 1928 in seinem für die Vossische Zeitung geschriebenen Fortsetzungsroman »Im Westen nichts Neues«: »Sie sind ja nur Muschkoten, und er ist ein hohes Tier...«

Müßiggang ist aller Laster AnfangFaulheit ist der Anfang der Untugend, mit ihr beginnt der Niedergang. Vom ursprünglich positiven »Muße ist nichts für Sklaven, sondern etwas für Götter« (Aristoteles) kam es im Laufe der Zeit zur negativen Konnotation. Die bibelversähnliche Ermahnung ist in vielen Sprachen bezeichnend für die Ausrichtung des gesamten Lebens nach der Arbeit. Überall wird die Muße als Ursache für das Böse betrachtet. Auch der Politiker und Schriftsteller Cato maior (234-149 a.C.) meinte: »Nihil agendo homines male agere discunt« (Durch Nichtstun lernen die Menschen, schlecht zu handeln).

Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden...zitieren wir oft (falsch), wenn unser Nachwuchs mal wieder mit ohrenbetäubender Lautstärke die neuesten CDs anhört, den wohl bedeutendsten humoristischen Dichter Deutschlands Heinrich Christian Wilhelm Busch (1832-1908). In seinem Buch »Dideldum« kämpft in dem Gedicht »Der Maulwurf« (1874) Gärtner Knoll inbrünstig mit so einem kleinen Hügelbauer. Als er dabei von einer Gruppe Musikanten jäh unterbrochen wird, heißt es hier ursprünglich:

 »...Nun, Alter, sei gescheit und weise
  Und mache leise, leise, leise!
  Schnarräng! - Da tönt ihm in das Ohr
  Ein Bettelmusikantenchor.
  Musik wird oft nicht schön gefunden,
  Weil sie stets mit Geräusch verbunden.
  Kaum ist's vorbei mit dem Trara,
  So ist der Wühler wieder da«...

Musikantenknochen...nennt der Volksmund einen äußerst empfindlichen Punkt am Ellenbogen, der eigentlich weder ein Knochen noch musikalisch, sondern vielmehr ein Nervenstrang - der »Nervus ulnaris« - ist, der im Gehirn falschen Alarm auslöst und einen heftigen, elektrisierenden Schmerz und minutenlanges Kribbeln und ein Taubheitsgefühl verursacht. Der Name hat auch nichts damit zu tun, daß man die Englein singen hört, wenn man sich diese Stelle anstößt, sondern soll daher kommen, daß gerade Geiger besonders anfällig für diese Art Verletzung sind.

Musterknabe...nennen wir gelegentlich - manchmal eher ironisch - vorbildlich disziplinierte, gebildete und höfliche Jünglinge, die sich gar trefflich zu benehmen wissen. Dieser Begriff wurde wesentlich von dem österreichischen Journalisten und Dramatiker Paul von Schönthan (1853-1905) Ende des 19. Jahrhunderts geprägt, der deutsche Schriftsteller und Märchenforscher Walter Scherf (1920-2010) hat ihn im Jahre 1954 mit seinem »Anstandsbuch für Jungen« wiederaufleben lassen, worauf er bald auch Einzug in diverse literarische und filmische Werke gehalten hat.

MutterseelenalleinManchmal ist es einfach die dunkle Jahreszeit, mal auch das Ende einer Partnerschaft, daß wir hin und wieder in Depressionen verfallen, uns sehr allein fühlen: Das Wort, das wir als »urdeutsch« ansehen, kommt eigentlich aus einer Zeit, da es Mode war, »vornehm« französisch zu sprechen. »Moi tout seul« bedeutet »ich ganz allein« und klingt ein bißchen wie »mutterseel«. Sagte man das und wurde nicht richtig verstanden, hängte man ein »allein« an. So entstand das Wort, das die deutsche Seele rührt.

Mutterwitz...nennen wir die Fähigkeit, Sachverhalte schnell zu erfassen und prompt darauf zu reagieren. Das Wort hat aber nur bedingt mit Humor zu tun, sondern geht vielmehr auf das althochdeutsche »wizzi« zurück, was »Wissen, Weisheit« bedeutet - die Klugheit, die das Kind von der Mutter geerbt oder erlernt hat. Heute beschreiben wir diese Fähigkeit eher mit dem Begriff »Gewitztheit«.

My home is my castle...sagen wir, wenn wir bereit sind, unsere Privatsphäre mit allen Mitteln zu verteidigen. »Mein Haus ist meine Burg« ist ein englisches Grundrecht aus dem 17. Jahrhundert, nach dem Beamte nicht ohne richterliche Erlaubnis in Privatwohnungen eindringen dürfen. Schon unsere Ahnen wußten die Vorteile eines gemütlichen Heimes überaus zu schätzen, und so stellte der englische Jurist und Politiker Sir Edward Coke (1552-1634) zu der Problematik »Gegen das Bewaffnetgehen« fest: »Es darf jemand Freunde und Nachbarn versammeln, um sein Haus gegen diejenigen zu verteidigen, welche ihn berauben oder töten oder ihm darin Gewalt antun wollen«. Cokes Interpretation alter englischer Gesetze meint, daß es einem Hausherrn sehr wohl gestattet sein müsse, sich zur Wehr zu setzen, seinen Besitz notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen. Er schließt er mit den Worten: »For a man's house is his castle« (Denn eines Mannes Haus ist seine Burg.)


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